Jahresgespräch mit dem BGL-Präsidenten

Wurmb fordert zügig Bundesmittel für grüne Freiräume

Jährlich eine Milliarde Fördermittel für grün-blaue Infrastrukturen sollten zügig an die Kommunen gehen, sagt BGL-Präsident Lutze von Wurmb. Foto: Paul-Philipp Braun, BGL

Der Präsident des Bundesverbands Garten-, Landschafts- und Sportplatzbau (BGL), Lutze von Wurmb, hat die im Ampel-Koalitionsvertrag angekündigte Fortführung der Innenstadtstrategie des Bundes und die Orientierung an der Neuen Leipzig-Charta begrüßt. Wenn Deutschlands Innenstädte im Klimawandel mit mehr grünen und beschatteten Freiräumen ausgestattet werden sollen, dann müssten die Kommunen jetzt das dafür nötige Geld erhalten.

Es gelte, so schnell als möglich ein Förderprogramm für Investitionen in die grüne und blaue Infrastruktur mit einem Volumen von einer Milliarde Euro jährlich aufzulegen.

"Grüne Milliarde" kann nur der Anfang sein

"Die Kommunen dürfen mit dieser großen Aufgabe, dem Umbau der Städte und Ortszentren von Grau zu Grün, nicht allein gelassen werden", sagte von Wurmb im Jahresgespräch mit der Neuen Landschaft. Bund und Länder müssten hier mehr unterstützen, "und zwar nicht tröpfchenweise, sondern mit einem Förderprogramm zur Anpassung der Strukturen an den Klimawandel, flächendeckend und langfristig". Die vom BGL vor der Wahl geforderte "grüne Milliarde" sei dafür sicher erst der Anfang. Anders könne den Klimafolgen mit großen Wassermassen und dann wieder langanhaltenden Dürreperioden aber nicht begegnet werden.

Positiv bewertete der BGL-Präsident das Bundesprogramm "Zukunftsfähige Innenstädte und Zentren", das von der SPD, Bündnis 90/Die Grünen und FDP in den Ampel-Koalitionsvertrag aufgenommen wurde. Als wichtige Fördergegenstände werden darin auch die "Aufwertung urbaner Freiflächen" und das "Grün in der Stadt" benannt. Der Bundestag hatte die finanziellen Mittel des Programms von ursprünglich 25 Millionen Euro um das Zehnfache auf 250 Millionen Euro aufgestockt. Inzwischen wird das Geld an 238 Kommunen aus ganz Deutschland verteilt. Das sei jedoch nicht genug.

GaLaBau-Betriebe auf Klimawandel einrichten

Von Wurmb wiederholte die Forderung des BGL, mindestens 15 Prozent der Fördermittel in allen Programmteilen der Städtebauförderung für grün-blaue Infrastrukturen zu verwenden. Künftig müsse auch die Pflege der Grünflächen in der Städtebauförderung verankert werden. Darauf sei zu lange zu wenig geachtet worden. Es könne nicht sein, dass sorgfältig gebaute Grün- und Freizeitanlagen keine sachgerechte, werterhaltende Pflege bekämen und drohten, zu Sanierungsfällen zu werden.

Die Betriebe des Garten- und Landschaftsbaus müssten sich aber auch selbst auf die Herausforderungen des Klimawandels einrichten, erklärte von Wurmb: "Gebraucht wird eine verantwortungsvolle, nachhaltige Arbeitsweise." Es gehe um die Frage: Wie bauen wir unseren Betrieb in Technik, Organisation, Pflanzen und Baustoffen auf? Dazu gehörten auf alle Fälle vollelektrische Maschinen und Geräte, eine nachhaltige Logistik, Beratungskompetenz bei klimaresilienten Pflanzen und eine Verwendung regionaler Baustoffe.

Der Ampel-Koalitionsvertrag verweist ausdrücklich auf die Schaffung neuer Grün- und Freiflächen, unter anderem auf Dächern und an Fassaden. Foto: Bundesverband GebäudeGrün

Vorbild CO2-Rechner für Hochleistungsrasen

In Kanada, berichtete von Wurmb, gebe es Kollegen, die berechnet haben, wie hoch die Kohlenstoffbindung verschiedener Rasenqualitäten sind und was eine Gartenanlage an Sauerstoff produziert. Inzwischen ist daraus ein CO2-Rechner für Hochleistungsrasen entstanden. So kann der Nutzen einer Grünanlage bei der Kohlenstoffbindung für die Kommunalpolitik und die Öffentlichkeit transparent gemacht werden. "Das muss auch für Stadtwälder, Privatgärten und Sportanlagen möglich werden", sagte von Wurmb.

Er strebt an, den CO2-Rechner möglichst bald für Deutschlands grüne Branche zu adaptieren, um für Politik und GaLaBau-Kunden die Produktleistung des Garten- und Landschaftsbaus zu dokumentieren.

Ein Dauerbrenner ist für den BGL-Präsidenten der Fachkräftebedarf. Laut Statistischem Bundesamt wird die Bevölkerung im erwerbsfähigen Alter, also Personen zwischen 20 und unter 66 Jahren, bereits im Jahr 2030 um 3,6 Millionen auf einen Bestand von 38 Millionen Menschen sinken. "Wir rennen in eine Demografielücke hinein, die gewaltige Ausmaße hat", erläuterte von Wurmb. "Wir werden uns darauf einstellen müssen, dass es weniger Arbeitskräfte gibt."

Von Wurm appelliert an die GaLaBau-Unternehmen, sich auf eine nachhaltige Arbeitsweise einzurichten. Das gehörten unter anderem vollelektrische Geräte. Foto: Husqvana

Fachkräftebedarf bleibt ein Dauerbrenner

Umso mehr müsse der Garten- und Landschaftsbau einen Schwerpunkt auf die Nachwuchswerbung legen. Unverändert müssten die jungen Leute vor allem in ihrem digitalen Umfeld abgeholt werden. Dabei helfe die neue Karriere- und Informationsplattform galabaucamp.de online. Dort gibt es Auskünfte über Beruf, Perspektiven, Berufswettbewerbe und GaLaBau-Kontaktadressen. Zugleich müssten auch qualifizierte Arbeitskräfte aus dem Ausland gehoben werden: Nicht nur in Europa, sondern auch in Lateinamerika oder im Mittleren Osten. Von Wurmb warnt: "Unser Sozialsystem wird ausbluten, wenn nicht genug Arbeitskräfte an die Stelle der Babyboomer treten."

Im vergangenen Jahr hatte der BGL die Social-Media-Kampagne "Wechsle über dich hinaus!" gestartet, die um Menschen mit Berufserfahrung aus verwandten Branchen wirbt. Sie soll in diesem Jahr fortgesetzt werden. Von Wurmb: "Mit der neuen Homepage für diese Kampagne und die Stellenbörse sprechen wir die Fachkräfte ganz gezielt für uns an."

GaLa-Q ist gelebtes Employer Branding

Besonders wichtig ist von Wurmb, dass sich die GaLaBau-Unternehmen möglichst zahlreich in die Fortbildungsaktivitäten von GaLa-Q einbringen: "Dort haben wir einen Grundstock für die Fortbildung gelegt, der in den nächsten Jahren an den großen Erfolg des AuGaLa anknüpfen kann." Mit GaLa-Q biete sich die Chance, jüngeren und älteren Mitarbeitern zu zeigen, dass es im GaLaBau Aufstiegschancen gebe. Das sei gelebtes Employer Branding. cm

Dieser Artikel erschien in der Ausgabe NEUE LANDSCHAFT 01/2022 .

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