Jahresgespräch mit dem BGL-Präsidenten

Wurmb will Ausbildungsverordnung zügig novellieren

Die kaum noch zeitgemäße Ausbildungsverordnung von 1996 erschwere die Arbeit im GaLaBau, erläutert BGL-Präsident Lutze von Wurmb. Foto: BGL

Der Bundesverband Garten-, Landschafts- und Sportplatzbau (BGL) drängt darauf, die Novellierung der Ausbildungsverordnung zum Gärtner/ Gärtnerin (GärtnAusbV) zügig zum Abschluss zu bringen. Das sagte BGL-Präsident Lutze von Wurmb im Jahresgespräch mit der Neuen Landschaft. Seit etwa einem Jahr diskutieren der Dienstleistungs-, der Produktionsgartenbau und der gärtnerische Fachhandel das über 100-seitige Papier.

Grundsätzlich sind wir im Gespräch mit Kollegen vom Gartenbau auf einem guten Weg", sagte der BGL-Präsident. Doch die Verbände müssten bei der Ausbildungsverordnung weiterkommen als im Moment. Denn die kaum noch zeitgemäßen Regelungen von 1996 erschweren die Arbeit im GaLaBau. Er beschäftigt rund drei Viertel der gärtnerischen Auszubildenden. Die landschaftsgärtnerischen Betriebe drängen auf mehr Digitalisierung, Umwelt- und Klimaschutz sowie Flexibilität und Durchlässigkeit in der Ausbildung. Sie möchten die Pflanzenverwendung wieder in den Mittelpunkt rücken. Auch die Baumpflege soll in der Ausbildung gestärkt werden.

Schnell erste Stufe der Novellierung erreichen

Worauf es jetzt ankomme, sagte von Wurmb, sei es, schnell die erste Stufe der Novellierung zu erreichen, das sogenannte Eckwertepapier aller gärtnerischen Fachrichtungen. Wolle man vorankommen, müsse es dem Bundeslandwirtschaftsministerium bald vorgelegt werden, denn das nachfolgende Prozedere beanspruche in der Regel rund zwei Jahre: Das Landwirtschaftsministerium reiche das Papier an das Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB) weiter, wo die Novellierung der alten Verordnung mit den Sozialpartnern im Detail erarbeitet werde. Anschließend gehe der neue Verordnungsentwurf mit Ausbildungsrahmenplänen für die verschiedenen gärtnerischen Sparten an die Kultusministerkonferenz, wo er erneut, diesmal aus Sicht der Bundesländer, diskutiert werde. Erst danach könne die Novelle in Kraft gesetzt werden.

"Stadtgrün genauso wie Energiewende"

Vorankommen will von Wurmb auch bei der Vermittlung von mehr Engagement für das Stadtgrün in Deutschlands Städten und Gemeinden. "Grün in der Stadt muss genauso wichtig werden wie die Energiewende bei Häusern", erläuterte der BGL-Präsident. Das gelte nach dem Ende von Corona ganz besonders. Für den Garten- und Landschaftsbau gehe es schlussendlich um die Leistungsfähigkeit der öffentlichen Hand als Auftraggeber der grünen Branche. Von Wurmb ist dabei optimistisch: "Klimaschutz hat für die Kommunen eine ganz große Bedeutung."

Prächtig und klimaangepasst: Eine Verkehrsinsel im Südwesten Baden-Württembergs. Der Stellenwert des Garten- und Landschaftsbaus ist in der Coronakrise gestiegen. Foto: Cassian Schmidt

Ausgleichsverordnung ausgeweitet

Ausgeweitet werden müsse die Ausgleichsverordnung, damit Ausgleichsflächen auch in der Stadt aus- und angewiesen werden dürfen. "Es gilt ein System zu schaffen, das ökologische Ausgleichsflächen in der Stadt ermöglicht", sagte der BGL-Präsident. Hier gebe es noch ideologische Differenzen mit einzelnen Umweltverbänden. Extensive Dach- und Fassadenbegrünungen gelten für sie bislang nicht als Ausgleichsflächen. Neben Dach- und Fassadenbegrünungen sollten aber auch Pocketparks in sozialen Brennpunkten als Ausgleich ausgewiesen werden dürfen. "Benötigt wird dafür ein gesetzlicher Rahmen", so von Wurmb. Er strebt eine Abstimmung der Positionen von BGL, BdB, BDLA und ZVG an: "Je breiter die Allianz ist, die wir im fachlichen und im politischen Bereich schließen können, desto besser ist es."

Die Digitalisierung wird uns nicht verlassen, sagt von Wurmb. Der BGL wird 2021 neue Merkblätter, unter anderem zu Building Information Modeling erarbeiten. Foto: OST – Ostschweizer Fachhochschule

"GaLaBau-Stellenwert in der Krise gestiegen"

"Der Stellenwert des Garten- und Landschaftsbaus ist in der Coronakrise gestiegen", da ist sich der BGL-Präsident sicher. Nach wie vor werde in Deutschland in das Grün investiert. "Das gilt es zu erhalten und zu nutzen", erklärte er der Neuen Landschaft. Eine andere Lehre aus der Coronakrise seien die Vorteile der Digitalisierung. Da seien zunächst die Videokonferenzen für digitale Besprechungen mit Kollegen und Bauherren: "Am Anfang war die Umstellung Neuland, inzwischen sind Videokonferenzen eine Selbstverständlichkeit."

Auch die digitale Anmietung von Baumaschinen und -geräten sowie die digitale Beschaffung von Baustoffen habe sich als gut erwiesen. Bewährt habe sich auch die vielfältige Verwendung von Smartphones auf den Baustellen. "Die Digitalisierung wird uns nicht verlassen", so von Wurmb, "was sich als gut herausgestellt hat, wird bleiben." Der BGL werde 2021 an neuen Merkblättern zu den Themen "Building Information Modeling (BIM)", "GeoInformations-Systeme (GIS)", "Terrestrisches Laserscanning", "3D-Modellierung", "2D-Maschinensteuerung", "Augmented Reality", "eBeschaffung", "eArbeitssicherheit" und "Energieeffizienz" arbeiten.

"Nachhaltige, grüne Mittel auf Baustellen"

Der GaLaBau werde sich nach Corona mehr denn je nachhaltigen, grünen Mitteln auf den Baustellen verpflichtet fühlen, so von Wurmb. Das gelte für Arbeitsregeln, die Arbeitsmittel, die Materialwirtschaft, das Recycling und die Bodenbewirtschaftung. "In manchen europäischen Ländern arbeiten staatliche Institutionen den Boden auf und betreiben ein zentrales Bodenmanagement", sagte der BGL-Präsident. Der GaLaBau sollte sich damit beschäftigen. Das Ziel sei ein für alle gutes Ergebnis.

Der BGL-Präsident kündigte zugleich eine Plattform an, auf der sich GaLaBau-Unternehmen, die sich auf Baumpflege spezialisiert haben, wohlfühlen können und die Kraft der Unternehmensvernetzung schätzen lernen können.

Bundesweit ausgerollt werden soll die von einigen Landesverbänden im vergangenen Jahr gestartete Social Media-Kampagne "Wechsele über Dich hinaus". Sie wirbt für einen Ein- und Umstieg von Arbeitskräften aus anderen Branchen in die grüne Branche. Der BGL arbeite zurzeit an weiteren medialen Angeboten und Maßnahmen der Kampagne, so von Wurmb. Damit sollten 2021 viele zusätzliche Arbeitskräfte für den GaLaBau gewonnen werde. cm

Dieser Artikel erschien in der Ausgabe NEUE LANDSCHAFT 01/2021 .

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