Renaturierungsprojekt im Ruhrpott

Zechengelände wird zur digital vernetzten Baustelle

Die PS Robotik-Totalstation ermöglicht die exakte Vermessung der Bochumer Baustelle. Foto: Topcon Deutschland Positioning GmbH

Die Zeche Holland in Wattenscheid, eines der letzten Wahrzeichen des Ruhrpotts, wird derzeit in eine Grünfläche umgewandelt. Ausführendes Unternehmen ist Knappmann Landschaftsbau, das im Auftrag der Wirtschaftsentwicklungsgesellschaft agiert. Die Baustelle ist komplett vernetzt - dank digitaler Technologien von Topcon. Auf diese Weise gelingt es dem Auftragnehmer, das Projekt planungssicher und schnell zu bewältigen.

Digitaler Workflow beim gesamten Projekt

Andreas Deselaers, Abteilungsleiter Neubau bei Knappmann, beschreibt den Workflow: "Nach Aufnahme des Urgeländes mittels digitaler Vermessungstechnik von Topcon haben wir ein 3D-Modell des Areals erstellt. So konnten wir genau planen, wie viel Bodenmasse wo und wann durch die Bagger bewegt werden soll. Damit hatten wir höchste Planungssicherheit, intern und unserem Auftraggeber gegenüber."

Die eine oder andere Überraschung lauerte dennoch im Schatten des Förderturms. Zum Beispiel in Form von Kriechkellern, die in keinem Plan vermerkt waren und erst beim Ausheben zum Vorschein kamen. Knappmann-Mitarbeiter Christof Steinhoff ist zuständig für Vermessung, Abrechnung und digitale Baustellen-Tools. Er beschreibt die Lösung wie folgt: "Mittels GNSS-Technologie kann der Maschinist Abweichungen vom Plan im Gelände sofort erkennen, die Punkte aufnehmen und digital ans Büro übermitteln. So sehen wir genau, wo Änderungen im Planungsmodell angepasst werden müssen."

Das Aufnehmen erfolgt direkt per Software im Bagger oder im Gelände anhand eines Roverstabs. Mit Hilfe dieses Roverstabs und eines Feldrechners wird kontrolliert, ob Plan und Ausführung übereinstimmen. Feldrechner und 3D-MC Bagger-Software sind durch die Topcon-Cloudlösungen Magnet Enterprise und Sitelink Enterprise mit dem Büro vernetzt, transferieren oder empfangen Daten sofort nach Erfassung, was den Plan immer aktuell hält. Abgerundet wird der Prozess durch eine PS Robotik-Totalstation, die auf der Baustelle dem Vermesser auch an schwer zugänglichen Stellen reflektorlose exakte Messungen erlaubt.

Durch die 3D-MC Software von Topcon kann der Maschinist autark und exakt arbeiten, vermeidet Überaushub und bleibt beständig im Soll. Foto: Topcon Deutschland Positioning GmbH

Mit der Software Magnet Office lässt sich im Büro anhand der erfassten Daten das 3D-Geländemodell erstellen. Foto: Topcon Deutschland Positioning GmbH

Welt der Baustellen verändert sich

"Die Welt der Baustellen verändert sich", konstatiert Marc Landwehr, Geschäftsführer von AP Deutschland. "Wo früher mit Maßband und Nivelliergeräten gearbeitet wurde, sind nun innovative GNSS -Technologien im Einsatz, die schnelleres und genaueres Arbeiten ermöglichen."

Die beiden sich hier im Einsatz befindenden Bagger von 6 und 21 t sind jeweils mit einer 3D-GNSS-Maschinensteuerung, teilweise mit Semi-Automatik, ausgestattet. Anhand des 3D-Geländemodells gibt die Software dem Maschinisten auf seinem Display exakte Höhen und Winkel an, so dass mit dem Löffel zentimetergenau gearbeitet wird, was Nacharbeiten durch Fehlaushub vermeidet. Ein zusätzlicher Mitarbeiter, der im Gelände misst und kontrolliert, entfällt - im Gegensatz zu früher. Außerdem muss der Maschinenführer für die Dokumentation einer Abweichung nicht aussteigen, sondern regelt alles aus der Fahrerkabine heraus und vermeidet so eine mögliche Kontaminierung durch ggfs. verunreinigte Böden. Ein hoher Sicherheitsfaktor bei dieser Art von Projekten.

Effizienter wirtschaften

"Die wichtigste Frage für Unternehmer ist doch: Welche Möglichkeiten habe ich, mit einem vorhandenen personellen Aufwand einen möglichst hohen Ertrag zu erwirtschaften", erläutert Christoph Bertsch, Key Account Manager bei Topcon, den Ansatz der digitalen Lösungen. "Eine Person im Büro, die die Pläne macht, und dann motivierte Leute auf der Baustelle, die Spaß an der ganzen Thematik haben." Sichtlich Spaß an der Thematik haben die "Knappmänner", keine Frage. "Der größte Vorteil liegt in der Zeitersparnis", resümiert Abteilungsleiter Deselaers. Und damit werden natürlich auch erheblich Kosten reduziert.

Lena Knappmann, Leiterin Marketing und Kommunikation und Tochter des Geschäftsführers, unterstreicht die Heimatverbundenheit ihres Essener Familienunternehmens. Als Schwerpunkte des Unternehmens mit über 120 Mitarbeitern nennt sie den Landschaftsbau, Erd- und Tiefbau, sowie die Begrünung und Pflege. Das Projekt "Zeche Holland" sei dabei ein Paradebeispiel für die Umsetzung der "digitalen Baustelle". Seit acht Jahren arbeiten Knappmann und Topcon zusammen. Wenn sich auf dem Gelände erstmal das Schwarz in Grün verwandelt hat und die Vegetation erblüht, zeugt nur noch der Förderturm von der einstigen Vergangenheit des Zechengeländes.

Dieser Artikel erschien in der Ausgabe NEUE LANDSCHAFT 04/2021 .

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