Der Kommentar

Zurück in die Steinzeit

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Eigentlich hatte ich vor, über die nach wie vor brillanten Branchenzahlen im Landschaftsbau zu schreiben. Bis zum frühen Morgen meines Geburtstags am 24. Februar war das auch mein fester Wille. Bis ich das Radio angeschaltet habe. Im Nachhinein hätte man es wohl kommen sehen können, aber die Vorstellung, dass das Russland von Wladimir Putin noch in einer dunklen Vergangenheit lebt, war für uns westliche Friedenstaaten unvorstellbar.

Natürlich hat es auch in jüngster Vergangenheit Krieg in Europa gegeben, auch hat Russland schon Angriffskriege im Kaukasus 2008 und im zweiten Tschetschenienkrieg bis 2009 geführt. Aber irgendwie ist es jetzt etwas anderes, näher und offener. Die unverhohlene Drohung mit dem atomaren Erstschlag macht sprachlos und schürt ganz bewusst Ängste. Auch verbreitet sich ein Gefühl von Ohnmacht und Hilflosigkeit. In den Krieg einzusteigen ist unmöglich, nicht einmal das russische Gas abzustellen, scheint aktuell machbar.

Während viele Kriege der vergangenen Jahre zumindest einen wirtschaftlichen Aspekt hatten, meist ging es um Öl, fehlt es diesem Angriffskrieg an einem rationalen Grund. Möglicherweise sind es Rohstoffe, wie Palladium oder es sind für den Weltmarkt bedeutende landwirtschaftliche Produktionsflächen. Die offiziellen Gründe sind blanker Zynismus: die Naziregierung eines Juden, ein erdachter Völkermord und die Bedrohung Russlands durch die Nähe der Nato, die in Europa eigentlich blank dasteht, wie es kürzlich ein ehemaliger General beschrieben hat.

Was mich ein wenig erschüttert, ist, wie wir mit dem Krieg umgehen. Sinnbildlich steht da eine Ausgabe der Neuen Osnabrücker Zeitung, in der im Hauptteil nur über den Ukraine-Krieg berichtet wurde und im Lokalteil ganzseitig über die Diskussion im Rathaus, wie denn nun die politisch korrekte, gendergerechte Ansprache der Bürger ist, ":", "*" oder "I" und ob eine Bürgermeisterin überhaupt Einfluss auf die Sprache nehmen darf. Sicher auch ein wichtiges Thema, es wirkt in Kriegszeiten aber deplatziert.

Auch die Bauverbände schreien laut auf, weil die Preise steigen. Sofort rufen Unternehmen, denen in den letzten Jahren das Geld praktisch in den Schoß gefallen ist, nach dem Staat, damit steigende Preise für Diesel oder Asphaltmischgut ausgeglichen werden. Dabei liefert unser Rechtsstaat doch alle Instrumente. Je nachdem, wie die Einschätzung der Preisentwicklung ist, kalkulieren (schätzen) Firmen ihre Risiken und bilden daraus Preise. Der eine hofft auf sinkende Preise und der andere bestellt schnell mit langfristiger Bindung. Das ist das, was Unternehmer tun: Risiken wagen. Mal geht es gut, mal nicht.

Dabei wäre es doch sinnvoll, wenn die Unternehmen die guten Jahre genutzt hätten, um die momentan hohen Einkaufspreise für eine gewisse Zeit tragen zu können, denn für den nächsten Auftrag kennen alle die neuen Preisrisiken. Sicher können wir uns demnächst auch wieder über brillante Zahlen aus dem Landschaftsbau freuen.

Ihr Martin Thieme-Hack

Dieser Artikel erschien in der Ausgabe NEUE LANDSCHAFT 04/2022 .

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