Eröffnungs-Interview mit IGA-Geschäftsführer Christoph Schmidt

"Es sind alles unglaublich wichtige und tolle Projekte geworden"

"Es gibt zum einen die Bestandsgärten, die hochqualitativ und wertvoll daher kommen, und gleichzeitig die neuen internationalen Gartenkabinette", freut sich Christoph Schmidt, Geschäftsführer der IGA Berlin 2017 GmbH. Foto: Dominik Butzmann

Seit dem 13. April lädt die Internationale Gartenausstellung IGA 2017 Publikum und Fachleute nach Berlin. Der seit 17 Jahren entwickelte Park Gärten der Welt im Stadtbezirk Marzahn-Hellersdorf wurde dazu in seiner Fläche verdoppelt. Hinzu kam ein neuer Volkspark. Insgesamt ist das IGA-Gelände rund 100 ha groß. Christoph Schmidt, Geschäftsführer der IGA Berlin 2017 GmbH und der Grün Berlin GmbH, erläuterte das Großprojekt und sein Nachnutzungskonzept im Gespräch mit Christian Münter.

Die IGA Berlin 2017 verspricht ein Festival schönster internationaler Gartenkunst und grüner urbaner Lebenskultur zu werden. Wie werden Sie das einlösen?

Christop Schmidt: Die Internationalität ist für uns sehr prägend. Sie dokumentiert sich in farbenfrohen Elementen und Objekten aber auch in der Beteiligung internationaler Künstler und Gartenarchitekten. So gibt es zum einen die Bestandsgärten, die hochqualitativ und wertvoll daher kommen, und gleichzeitig die neuen internationalen Gartenkabinette, wo wir sagen: Wir möchten hier eine zeitgenössische Interpretation von Gartenkultur und Landschaftsarchitektur erfahren dürfen. Dieses Zusammenspiel ist farbenfroh, ist interessant und ist interkulturell beziehungsweise international. Darüber hinaus gibt es unglaublich viele Bereiche, die man neu erleben wird. Zum Beispiel das Kienbergareal mit dem Aussichtsbauwerk in 130 m Höhe, die Promenade Aquatica, die Seilbahn, das Besucherzentrum, die Arena, um nur einige Beispiele zu nennen.

Was sind nach Ihrer Meinung die spektakulärsten also auch publikumwirksamsten IGA-Projekte?

Christoph Schmidt: Ganz bestimmt sind es die internationalen Gartenkabinette, darüber hinaus aber auch viele Hochbauten. Wir haben einen großen Anteil an sehr besonderen Hochbauten wie beispielsweise das Aussichtsbauwerk am Wolkenhain, das Besucherzentrum, die Seilbahngebäude, die sehr expressiv als landschaftliche Marken daher kommen, die große Arena, die wir gebaut haben mit Paul Böhm, ein Veranstaltungsort mit 5000 Sitzplätzen, oder eben auch die Promenade Aquatica. Im Grunde genommen kann ich mich gar nicht entscheiden: Es sind für mich alles unglaublich wichtige und tolle Projekte geworden.

Fachveranstaltungen für Landschaftsgärtner und Landschaftsarchitekten, die sollte es auch geben. Können Sie vielleicht etwas dazu benennen?

Christoph Schmidt: Es gibt eine Vielzahl von sehr publikumsnahen Fachveranstaltungen, die unter anderem im "I-Punkt Grün" angeboten werden. Das ist das eine Format. Das andere sind aber sehr hochkarätige Fachveranstaltungen wie das internationale Fachforum, das wir über drei Tage im Mai anbieten werden, mit internationaler Beteiligung und auch bundespolitischer Beteiligung im Besucher- und Tagungszentrum, das neu gebaut wurde. Darüber hinaus bieten wir über 2500 Veranstaltungen im IGA Campus zu Themen der Umweltbildung an.

Des Weiteren gibt es natürlich viele musikalische und sehr publikumsnahe Veranstaltungen. Wir werden hier in der Arena Daniel Barenboim begrüßen dürfen, Eckart von Hirschhausen, Max Giesinger für die jüngeren Leute. Damit ziehen wir eine breite Publikumsmischung an.

Der Englische Garten: Farbenfroh sollen die Elemente und Objekte sein, vor allem in den Gärten der Welt und in den internationalen Gartenkabinetten. Foto: Kitty Kleist-Heinrich

Der Wolkenhain: Nach der IGA wird der frei zugängliche Kienbergpark durch Park-Guides auch nachts kontrolliert. Foto: Dominik Butzmann

Der Wasserfall der Promenade Aquatica: Lediglich 20Prozent muss das Land zusteuern für den langfristigen Unterhalt der Gärten der Welt. Foto: Lichtschwärmer

Die Namen für die Nachnutzung des Parks stehen schon fest: Dann wird es den Kienbergpark geben und es wird weiterhin die Gärten der Welt geben. Ist das richtig?

Christoph Schmidt: Ja, es gibt die Gärten der Welt, aber doppelt so groß als sie sich bisher präsentierten, mit einer neuen Tropenhalle und vielen neuen Faszilitäten. Sie sind dann 40 ha groß und nicht mehr 17 ha und bleiben langfristig eingezäunt. Das ist eine touristische Destination, die wir hier entwickelt haben.

Das wird ergänzt durch einen neuen Volkspark. Das haben wir ganz bewusst gemacht: Wir wollten nicht nur reinen Tourismus entwickeln, wir wollten besonders der Bevölkerung etwas neues anbieten, soziale Infrastrukturen schaffen, diesen Standort, der durchaus schwierig konnotiert ist, nach vorne bewegen, auch im Image. Und so haben wir den neuen Kienbergpark mit 60 ha Größe gebaut und realisiert. Der wird auch genau diesen Namen tragen, so wie auch der umgebaute U-Bahnhof den Namen Kienberg erhalten hat.

Welche Bereiche werden bleiben und welche werden zurückgebaut?

Christoph Schmidt: Wir haben einen sehr geringen Rückbaugrad von ungefähr zehn Prozent. Insofern sind wir sehr, sehr früh mit einem Nachnutzungs-Konzept gestartet. Bereits zur Auslobung des internationalen landschaftsarchitektonischen Wettbewerbs war es für uns wichtig, die Nachnutzungs-Konzeption zu berücksichtigen und zu entwickeln. Das war ein parallel laufender Prozess.

Das heißt, die Grün Berlin GmbH als langfristige Betreiberin wird mit den Gärten der Welt eine in ihrer Angebotsbreite qualifiziert entwickelte touristische Destination anbieten können, mit allen erforderlichen Infrastrukturen und so werden sie auch langfristig betrieben, als eintrittspflichtige Anlage mit einem Kostendeckungsgrad von über 70-80 Prozent. Im Bereich des Kienbergparks werden wir sehr geringe Rückbaugrade haben. Diese Areale sind ganz bewusst nicht so intensiv entwickelt worden wie die Gärten der Welt, damit wir hier Strukturen schaffen können, die langfristig finanzierbar sind. Auch hier etablieren wir ein gesondertes von der Grün Berlin GmbH betriebenes Parkmanagement.

Wieviel Prozent werden erhalten bleiben? Wieviel Prozent werden rückgebaut?

Christoph Schmidt: Allerhöchstens zehn Prozent werden zurück gebaut. Mehr wird es nicht sein.

Vandalismus ist für manche Großstädte ein großes Thema. Vielleicht ist es das auch hier in Berlin-Marzahn? Gibt es da irgendwelche Vorkehrungen? Wird der Kienbergpark für jeden offen sein?

Christoph Schmidt: Der Kienbergpark bleibt offen. Das wird ein Volkspark sein, ohne dass es hier einen kostenpflichtigen Eintritt geben wird. Aber er lebt davon, dass er gut betreut ist. Erstens haben wir vor Ort ein Parkmanagement etabliert. Es gibt dann Parkmanager die im Gelände als Ansprechpartner fungieren, aber auch dafür sorgen müssen, dass innerhalb von 24 Stunden Vandalismusschäden verschwunden sind.

Außerdem haben wir Park-Guides, die auch in der Nacht kontrollieren und ihre Rundgänge machen. Nicht zuletzt gibt es eine große und interessierte Bevölkerung, die sich im Nahbereich um den Ort kümmert. Das soziale Engagement ist hoch. Die Beteiligung der Nachbarschaften wird sich langfristig bemerkbar machen.

Die intensiv zu pflegenden Bereiche sind bei den Gärten der Welt angesiedelt, im eingezäunten Bereich?

Christoph Schmidt: Die touristisch sehr intensiv gestalteten Bereiche sind weiterhin eingezäunt. Da gibt es auch ein Eintrittsgeld, mit dem wir gute Erfahrungen gemacht haben. Im Bereich des Kienbergparks wird das so nicht der Fall sein.

Wie groß ist das Jahresbudget für die Nachnutzung?

Christoph Schmidt: Zum einen geht es um die Gärten der Welt. Hier haben wir einen Kostendeckungsgrad von 80 Prozent, was sehr viel ist. Lediglich 20 Prozent muss letztendlich das Land zusteuern für den langfristigen Unterhalt, den Betrieb und die Bewirtschaftung dieser Anlage. Das ist ein sehr hoher Wert. Den werden wir im Bereich des Volksparks Kienbergpark nicht halten können, weil er nicht eintrittspflichtig ist. Dort bekommen wir das Geld, was auch ein Bezirk in der Verantwortung dieser Fläche bekommen würde. Das sind die klassischen Pflegestufen oder Pflegeklassen, die dann wiederum dazu führen, dass man bei 60 ha jährlich ungefähr 900 000 bis 1 Mio. Euro zur Verfügung hätte.

Dieser Artikel erschien in der Ausgabe NEUE LANDSCHAFT 04/2017 .

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