Pflanzenverwendung: New German Gardening

Pfeifengräser - Teil 1

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Gräser Pflanzenverwendung
Molinia caerulea \'Heidebraut\' in schöner Verwendung als Matrixgras in einer Pflanzung von Piet Oudolf in Bad Driburg. Foto: Ulrike Battmer
Gräser Pflanzenverwendung
Molinia caerulea \'Heidezwerg\' ist ein sehr gutes Matrixgras. Foto: Til Hofmann

Die weithin bekannten sommergrünen Pfeifengräser kommen in Mitteleuropa in zwei Arten vor, die stattliche Molinia arundinacea mit über zwei Meter Halmlänge, von dem in einem folgenden Beitrag die Rede sein soll und die deutlich zierlichere Molinia caerulea.

Die für Süßgräser (Poaceae) typischen Stängelknoten (Nodien) scheinen zu fehlen, der sichtbare Halm ist tatsächlich knotenfrei. In Bodennähe, im dichten Horst der Pflanze sind sie jedoch zu entdecken. Beide Arten sind wertvolle Gartenpflanzen. Das Blaue Pfeifengras, auch Kleines Pfeifengras oder Besenried, gedeiht auf wechselfeuchten bzw. wechseltrockenen, mäßig nährstoffarmen Standorten und kann in der Natur geradezu landschaftsprägend sein. Es trägt maßgeblich zur sensationellen Herbstfärbung von Heide- und Moorlandschaften bei, die im Herbst in den schönsten Gelb- und Brauntönen leuchten. Auf den Garten übertragen bieten sich entsprechende Verwendungsthemen an, wie Heidegärten, feuchtere Gehölzränder, aber auch offene Freiflächen, soweit diese nicht auf Dauer sehr trocken sind. Molinia wirkt sowohl in Einzelstand, als Gruppe oder sogar flächig verwendet. Molinia caerulea ist ein sehr gutes "Matrixgras" und als solches noch gar nicht ausreichend erkannt. Nutzt man ausreichend lückig gepflanzte Flächenbestände als Matrix für zusätzliche Blütenstauden, erreicht man eine wiesenartige natürliche Wirkung. Eine Gräsermatrix funktioniert ja auf Dauer nur, wenn die Grundstruktur aus Gräsern nicht irgendwann damit beginnt das weitere Arteninventar, die Blütenstauden nämlich, zu verdrängen. Molinia caerulea's Konkurrenzkraft ist eher gering, so dass auch artenreiche Kompositionen mäßig konkurrenzstarker Begleiter eine Zukunft haben. Als Beispiele seien Iris sibirica-, Hemerocallis minor, Trollius- oder Sanguisorba-Sorten, Doldenblütler, aber auch Gartenstauden wie Echinacea oder Amsonia genannt. Auch viele kleinere Wildstauden wie eine breite Palette an Laucharten, Allium, der Färberscharte, Serratula oder Prachtnelken, Dianthus superbus, bis hin zum Lungenenzian, Gentiana pneumomante lassen sich integrieren, das Naturvorbild Pfeifengraswiese ist stetige Inspiration.

Interessanterweise ist die natürliche Tendenz zur Selbstaussaat bei Gräsern, die im begrenzten Gartenraum nicht immer erwünscht ist, leicht dadurch in den Griff zu bekommen, indem man sich für einen Klon, also eine einzige Sorte entscheidet, denn Pfeifengräser sind weitgehend selbststeril. Etliche interessante Sorten tummeln sich in den Staudensortimenten. Einen aufrechten besenartigen Wuchs bietet Molinia caerulea 'Heidebraut', eher einen eher rundlichen Horst liefern 'Moorhexe' und 'Edith Dudzus', die Minisorte 'Heidezwerg' eignet sich für Tröge. Farblich aus dem Rahmen fällt die deutlich gelb panaschierte Sorte 'Variegata', die auch sehr gut als Schmuckelement in Rabatten eingesetzt werden kann. Pfeifengräser ertragen zwar kurzfristige sommerliche Austrocknung erstaunlich gut, ihr Lebensraum ist jedoch von Feuchtigkeit, bis hin zur zeitweisen Überflutung geprägt. Natürliche Pfeifengraswiesen sind leider durch intensive Landnutzung weitgehend verschwunden, sehr schade, denn es handelte sich um sehr artenreiche Pflanzengesellschaften. Immerhin steht es uns offen die breite Standortamplitude, große Koexistenzfähigkeit und Langlebigkeit der Pfeifengräser für artenreiche, langlebige und pflegereduzierte Pflanzungen zu nutzen. Ihr relativ später Austrieb lässt auch einer breiten Palette von Zwiebelpflanzen genügend Raum, so können Vegetationsflächen noch erlebnisreicher gestaltet werden.

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 Till Hofmann
Autor

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