GaLaBau-Meister und -Techniker gemeinsam auf der Schulbank

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In der Bayerischen Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau (LWG) in Veitshöchheim drücken seit Schuljahresbeginn 2011/12 angehende Meister und Techniker im Garten-, Landschafts- und Sportplatzbau im ersten Schuljahr gemeinsam die Schulbank. Bereits im letzten Jahr durften sich alle 47 Kandidaten vor dem Berufstand beweisen und am Ende des ersten Jahres ihre Meisterprüfung ablegen.

Während 16 Studierende damit ihr "Klassenziel" bereits erreicht hatten und Veitshöchheim in hoffentlich guter Erinnerung behalten, machten sich die restlichen 29 Studierende auf, im 2. Schuljahr dem "Gärtnermeister" noch den "Staatlich geprüften Techniker" als Zusatzqualifikation folgen zu lassen. Für diese Studierenden hat sich mit erfolgreichem Abschluss der zweijährigen Stufenausbildung in diesem Jahr dann der Schulbesuch in Veitshöchheim so richtig gelohnt. In Abwandlung eines Werbespruchs aus der Einkaufswelt kann der erste Jahrgang "Meistiker" für sich standortbezogen folgenden Anspruch erheben: "Veitshöchheim: Einmal hin - (fast) alles drin!"

Gemeinsam Meister werden im ersten Schuljahr

Ist die Hürde der Zulassung mit möglichst vielen Praxismonaten als Gärtnergehilfe (am besten über 24 Monate wegen der Anmeldung zur Meisterprüfung) und ansprechend guter Note in der Abschlussprüfung (am besten mit einer Zwei vorm Komma) genommen, kann das Schulabenteuer in Veitshöchheim beginnen.

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So richtig neu für die Studierenden beim Schulbesuch der Fach- und Technikerschule in Veitshöchheim ist auf den ersten Blick aber eigentlich nur die Zusammensetzung der zwei Eingangsklassen. Statt wie früher üblich in getrennten Klassen werden seit September 2011 angehende Meister und Techniker jetzt im 1. Schuljahr gemeinsam beschult. Ein Veitshöchheimer Meisterschüler sitzt also einträchtig neben einem Techniker in spe, der sich bereits bei Anmeldung für die zweijährige Weiterbildungsvariante entschieden hat. Maßgeblich für die Zuordnung zum Klassenverband ist jedoch nicht mehr das bei der Schulanmeldung abgefragte Berufsziel "Meister" oder "Techniker", sondern vielmehr der Wohn- bzw. Heimatort der Teilnehmer, um an den Wochenenden bei Bedarf unter Meister- und Technikerschülern einer Klasse Fahrgemeinschaften bilden zu können. Möglich gemacht hat diese Neuerung im Veitshöchheimer Fachschulwesen erst das Schulreferat des Bayerischen Landwirtschaftsministeriums. Obwohl zunächst eher skeptisch, hat das hohe Haus den Wünschen und Drängen von Schule und Berufstand letztendlich nachgegeben und mit Beginn des Schuljahres 2011/12 den Startschuss für einen Schulversuch in Veitshöchheim gegeben. Bereut hat es das Ministerium bisher aber nicht; nach einem Jahr wurde den Machern der neuen Schulform von oberster Stelle bereits Anerkennung gezollt und der Schulversuch soll nun in Bälde in eine reguläre Schulform als integrierte Fach- und Technikerschule überführt werden. Für die potentiellen Kandidaten ändert sich dadurch aber nichts; vielmehr geht es dabei um die Anpassung bzw. Fortschreibung verwaltungsrechtlicher Bestimmungen für einen dann regulären Schulbetrieb.

Anlass für die Würdigung durch die Schulaufsicht waren unter anderem auch die guten Erfahrungen und Ergebnisse der Abschlussprüfungen (= Meisterprüfung) im ersten Schuljahr. Von insgesamt 47 Prüfungskandidaten aus zwei Kombiklassen mit Meister- und Technikerschülern haben insgesamt 41 Prüflinge die Meisterprüfung mit Erfolg abgelegt. Darunter waren 16 Meisterschüler und 25 Technikerschüler. Da die Prüfungen vor dem Berufstand ohne Hinweis auf den Meister- oder Technikerstatus stattfanden, war eine unabhängige Bewertung durch die Prüfungsmeister gegeben. Auswertungen im Nachhinein bescheinigten den Technikerschülern im Durchschnitt sogar die etwas besseren Leistungen. Ein Ergebnis, dass so gar nicht mal erwartet worden war, zumal die Meisterschüler in der Regel mit deutlich mehr Praxismonaten aufwarten können. Bleibt abzuwarten, ob der zweite Jahrgang des Schulversuchs, der in diesen Tagen zur Abschluss- oder Meisterprüfung ansteht, diesen Trend bestätigen kann.

Ein wichtiger Erfolgsgarant für das neue Schulmodell ist das Engagement des Berufstandes, der sich bereit erklärt hat, nicht nur als Meisterprüfungsausschuss zu agieren, sondern in gleicher Besetzung - quasi in Personalunion - auch als Ausschuss für die Fach- und Technikerschule zu fungieren.

Damit ist sichergestellt, dass alle Absolventen des ersten Schuljahres - unabhängig ob Meisterkandidat oder angehender Techniker - nicht nur eine gemeinsame Beschulung sondern zeitgleich auch eine Evaluierung durch den Berufstand erfahren. Das hat dann auch Auswirkungen auf die Notengebung im Schulzeugnis, da die Praktiker zumindest in den Prüfungsfächern dort aktiv Einfluss nehmen. Die Rückmeldungen aus dem Prüfungsgremium waren bislang übrigens durchwegs positiv. Einzig die Abwicklung der Prüfung gestaltet sich als eine organisatorische Herausforderung. Müssen doch bis zu 48 Prüfungskandidaten und ggf. noch Wiederholer sowie externe Prüflinge an zwei Tagen durch die drei Prüfungsteile der mündlichen und praktischen Meisterprüfung geschleust werden. Das gelingt natürlich nur mit einem Großaufgebot an Prüfungsmeister. So sind in diesem Jahr allein im GaLaBau 30 Prüfer in 15 Prüfergruppen im Einsatz, um eine reibungslosen Prüfungsablauf zu gewährleisten.

Mit dem Techniker Mehrwert generieren im zweiten Schuljahr

Die Verabschiedung der 16 erfolgreichen Jungmeister im letzten Jahr war zwar ein einschneidendes aber kalkulierbares Ergebnis des Schulversuchs. Da das erste Schuljahr, wie bisher in der Fachschule üblich, stark auf die Meisterausbildung, das heißt auf die Fähigkeiten zur Leitung von Baustellen und auf die Ausbildereignung fokussiert ist, war ein Abgang dieser baustellenorientierten Führungskräfte von vorne herein auch eingeplant. Immerhin verlängerten zwei Meisterschüler entgegen ihrer ursprünglichen Absicht dann doch ihr Dasein in Veitshöchheim durch Übertritt ins 2. Jahr Technikerschule. Ein nachvollziehbarer und durchaus auch gewollter Weg, erlangtes Meisterwissen "upzugraden". Damit wird diese neue Form der Technikerschule zukünftig auch für Absolventen anderer Meisterschulen interessant.

Alle 29 verbliebenen Technikerkandidaten im Schulversuch profitieren im Gegenzug natürlich auch von der künftig obligatorisch abzulegenden Meisterprüfung, die damit zur Grundlage für die im zweiten Jahr beginnende Zusatzqualifikation zum Staatlich geprüften Techniker wird. Mit dieser Stufenausbildung geht der langgehegte Wunsch der Veitshöchheimer Schule und des Berufstandes nach einer besseren Profilierung von Meistern und Technikern im Garten-, Landschafts- und Sportplatzbau endlich in Erfüllung.

Die Stufenausbildung hat natürlich auch Auswirkungen auf die Unterrichtsmethodik und -didaktik. Während im 1. Schuljahr mit Blick auf die Meisterprüfung hauptsächlich Stoffvermittlung angesagt ist, dominiert im 2. Schuljahr der fächerübergreifende Projektunterricht.

In den mit neun Wochenstunden "ausgepreisten" Pflichtfächern, werden von den angehenden Technikern nach erfolgter Einführung durch die Lehrkraft wochenweise thematisch abgegrenzte Projekte weitgehend selbständig abgewickelt. Die Bearbeitung der einzelnen Themen erfordert in der Regel bautechnische, pflanzliche und betriebswirtschaftliche Kenntnisse, die bei den angesetzten Korrektur- und Besprechungsterminen mit den betroffenen Lehrkräften vertieft werden können.

Parallel zur Projektarbeit erfolgt eine klassische Unterrichtserteilung nur noch in den allgemeinbildenden Fächern Englisch und Mathematik sowie in individuell bestimmbaren Wahlpflichtfächern, wie zum Beispiel "CAD-Vertiefung", "Naturschutz, Landschaftspflege und Ingenieurbiologie" oder "Baumpflege und Baumsanierung". Die Option, parallel zur Technikerprüfung die "allgemeine Fachhochschulreife" zu erwerben hat, nach wie vor Bestand, setzt aber eine Ergänzungsprüfung im Fach Englisch und mindestens ausreichende Leistungen in den Fächer Mathematik, Deutsch sowie Recht und Soziales voraus.

Es gibt noch was zu tun - packen wir es an

Schulaufsicht, Schule, Berufstand - und was sicherlich am meisten zählt - auch die Studierenden sind bisher vom Konzept und der bis dato erfolgten Umsetzung des Veitshöchheimer Schulversuches sehr angetan. Und das liegt nicht nur daran, dass alle Kandidaten nach erfolgreicher Meisterprüfung in 2012 in diesem Jahr auch ihre Prüfung zum "Staatlich geprüften Techniker im Garten- und Landschaftsbau" erfolgreich abgelegt haben. Natürlich bedarf es in einzelnen Fächern und Fachkombinationen noch der Feinabstimmung. Insbesondere die Präsenz von Fächern wie Deutsch, Mathematik und Englisch in einer dicht gedrängten Stundentafel, die auf die Meisterprüfung vorbereiten soll, stößt hier und da auf verhaltene Kritik. Wobei, wenn man die betroffenen Studierenden befragt, hier nicht das "warum" sondern eher das "wie" hinterfragt wird. Auch angehende Meister und Techniker haben erkannt, dass insbesondere Privatkunden Führungskräfte schätzen, die "Lesen, Schreiben und Rechnen" können. Ansätze zur Verbesserung werden hier vor allem in einer differenzierten Beschulung gesehen, die das gerade in diesen Fächern stark schwankende Ausgangsniveau unserer Meister- und Technikerkandidaten bei der Unterrichtserteilung mehr berücksichtigt. Ausbaufähig ist sicherlich auch die Projektstruktur im 2. Schuljahr, die den Erfordernissen der Praxis immer wieder neu angepasst werden muss. Gespannt sein darf man auch, wie sich die Abwicklung der Prüfung im Fach "Unternehmensführung" bewährt. In diesem Prüfungsteil der Technikerprüfung wird heuer nämlich zum ersten Mal zugunsten einer individuell vorzutragenden fachlichen Präsentation auf eine schriftliche Prüfung verzichtet. Sollte es hierbei zu Problemen kommen, was der Autor aber nicht glaubt, machen wir Veitshöchheimer das, was wir am besten können: Wir erfinden uns und unsere Produkte für die Aus- und Weiterbildung im Garten-, Landschafts- und Sportplatzbau einfach neu.

 Jürgen Eppel
Autor

Bayerische Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau

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