Hamamelis - Blütenzauber im winterlichen Grau in Grau

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Die Gattung Hamamelis L. (Zaubernuss) gehört, neben 14 anderen Gehölzgattungen, zur Familie der Hamamelidaceae (Zaubernussgewächse). Zur gleichen Familie werden nach Erhard et al. (2008) auch so bekannte und gegenwärtig oft als Zukunftsbäume in Zeiten des fortschreitenden Klimawandels beliebte Bäume wie Liquidambar (Amberbaum) mit seinen Sorten und Parrotia (Parrotie oder Eisenholz) zugeordnet.

Namensgeber könnte der Gebrauch als Wünschelrute gewesen sein

Der Trivialname Zaubernuss (engl. Witch Hazel => Hexen Hasel) könnte nach LANE (2005) nicht auf die zauberhafte Wirkung der Blüten zurückgehen, sondern eher auf die Verwendung von Astgabeln der nordamerikanischen Art Hamamelis virginiana L. als Wünschelrute durch Einwanderer aus Europa. Da der Strauch mit seinem Habitus, seinem Laub und seinen Früchten die Einwanderer außerdem an die Haselnuss (Corylus avellana) aus Europa erinnerte, könnte sich daraus der Trivialname Witch Hazel ableiten und erklären lassen.

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Vier Arten und eine Hybrid-Art

Die Gattung Hamamelis besteht aus vier Strauch-Arten, von denen zwei aus Nordamerika und zwei aus Asien stammen. Alle blühen circa vier bis sechs Wochen im Winter beziehungsweise Frühjahr (Dezember bis März), außer Hamamelis virginiana, die im Herbst (Oktober bis November) blüht. Die erste Art, die entdeckt und beschrieben wurde, war die Amerikanische-Zaubernuss, Hamamelis virginiana L., aus der ein Extrakt destilliert wird, das in pharmazeutischen und kosmetischen Produkten auch heute noch sehr weit verbreitet ist. Die zweite Art aus Nordamerika ist die Frühlings-Zaubernuss, Hamamelis vernalis Sarg. Die Japanische-Zaubernuss Hamamelis japonica Sieb. & Zucc., als auch die Chinesische-Zaubernuss Hamamelis mollis Oliv. sind in Asien beheimatet.

Die heute besonders oft kultivierten Hybriden Hamamelis x intermedia sind in Kultur entstanden, vor allem aus natürlichen Kreuzungen von Japanischer- und Chinesischer - Zaubernuss. Es sind zumeist mittelgroße bis große, meist mehrstämmige Sträucher. Ihre Blüten bestehen aus vier bandförmigen Blütenblättern, was ihnen ein spinnenartiges Aussehen verleiht. Mit ihren vielen Blüten, die entlang der Zweige angeordnet sind, sorgen sie für eine willkommene Farbenpracht an tristen Wintertagen. Das Farbspektrum der Blütenfarbe reicht dabei von blassgelb und goldgelb über orange bis rot, einige Sorten sind sogar zweifarbig. Neben der Farbe besticht die Blüte bei einzelnen Sorten auch durch einen Duft, der sich je nach Sorte mit süß bis würzig beschreiben lässt. Neben der Blüte ist bei einigen Sorten auch die sehr schöne Herbstfärbung des Laubes ein zusätzlicher Hingucker, der oft unterschätzt wird.

70 Sorten in Kultur, 120 bekannt

Von der Gattung Hamamelis sind laut Namensliste Gehölze (2021) circa 70 verschiedene Sorten beziehungsweise Cultivare bekannt, die gegenwärtig in Europa mehr oder weniger häufig kultiviert werden, von denen rund 50 der Hybridart H. x intermedia zugerechnet werden. LANE (2021) beschreibt auf seiner Homepage sogar über 120 bekannte Cultivare, 70 allein für H. x intermedia. Die meisten Cultivare werden in Europa durch Veredelung vermehrt, wobei Hamamelis virginiana die am häufigsten verwendete Unterlage darstellt, auf die das Edelreis entweder kopuliert oder seltener Augen okuliert werden. Sie werden später zumeist als zwei- bis vierjährige Veredelungen im C3 bis C10 stehend vermarket.

Feuchte, aber keine nassen Standorte bevorzugt

Die Zaubernuss bevorzugt feuchte, allerdings gut dränende Böden, ohne Neigung zu Staunässe. Tritt mehr oder weniger regelmäßig Staunässe am gewählten Standort auf, kommt es insbesondere bei noch frisch gepflanzten Exemplaren leicht zu einem Befall mit Wurzelfäule (Phytophthora), was nicht selten mit dem Ausfall der befallenen Pflanzen endet. Hamamelis bevorzugt im Boden einen pH-Wert zwischen 4.5 und 6.5. Stimmen die Standortbedingungen, so ist sie eine sehr robuste Pflanze, die in Mitteleuropa selten von Krankheiten und Schädlingen befallen wird. Einzig Kaninchen und Rehe fressen offenbar gerne an der Zaubernuss.

Auch Frostschäden treten an am Standort eingewachsenen Pflanzen eher selten auf, da Winterfrost bis -20 °C kein Problem für sie darstellt, genau wie Spätfrost. Auch hohe Sommertemperaturen werden gut ertragen, wobei allerdings besonders dann auf eine stetige, ausreichende Durchfeuchtung des Bodens zu achten ist. Trotzdem kann extreme Hitze das Wachstum reduzieren, wodurch im folgenden Winter die Blüte weniger üppig ausfällt, da die Sträucher vorwiegend am neu gebildeten Holz der zuletzt abgeschlossenen Vegetationsperiode blühen. Daneben soll auch ein milder Witterungsverlauf des Winters die Blühfreudigkeit der Zaubernuss negativ beeinflussen, die dann zudem auch erst später zur Blüte kommt.

Arbeitskreis Bundesgehölzsichtung prüft an insgesamt zwölf Standorten

Gartenstandorte innerhalb Deutschlands sind naturgemäß hinsichtlich Boden- und Klimaeigenschaften sehr verschieden. Basieren Informationen zu Pflanzen-/Sorteneigenschaften auf Einzelstandortbeobachtungen unter optimalen Bedingungen, ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass sich die Pflanze beim Verwender anders oder schlechter entwickelt und es in der Folge zu Enttäuschungen kommt.

Deshalb wird im Rahmen der Bundesgehölzsichtung an mittlerweile bis zu zwölf deutschen Standorten über mehrere Jahre ein gemeinsames Sortiment getestet. Sorten, die sich dabei an der Mehrzahl der Standorte als robust und attraktiv erweisen, werden dies mit großer Wahrscheinlichkeit auch an den meisten Endstandorten zeigen (ein Mindestmaß an Pflege vorausgesetzt). Abschließend werden die Sorten mit ein, zwei oder drei Sternen benotet, je nachdem ob sie sich gut, sehr gut oder ausgezeichnet entwickelten. Auch spezielle (meist für Liebhaber) oder entbehrliche Sorten werden gekennzeichnet.

Geduld zahlt sich aus, gerade bei der Zaubernuss

Die Blüte ist bei großen beziehungsweise älteren Zaubernusssträuchern besonders imposant. Folglich musste für diese Sichtung der sonst übliche Zeitraum von insgesamt vier Jahren verlängert werden. Gleichwohl beschreiben die vorliegenden Ergebnisse primär die Anfangsjahre nach der Pflanzung. Diese fand im Herbst 2015 mit überwiegend 40 bis 60 cm großer Ware aus 4- und 5-Liter-Containern statt. Die beteiligten Standorte waren Bad-Zwischenahn, Dresden, Ellerhoop, Hannover, Quedlinburg, Stuttgart-Hohenheim und Weihenstephan-Triesdorf.

Auf besondere Kulturmaßnahmen wurde über den gesamten Zeitraum der Sichtung bewusst verzichtet. Schnittmaßnahmen entfielen oder wurden nur in einem sehr geringen Umfang vorgenommen. Lediglich der Wildaustrieb der Veredlungsunterlagen musste von Zeit zu Zeit entfernt werden. Die Bewertung der Pflanzen begann im Winter 2016/2017, nachdem eine Vegetationsperiode zur Etablierung der Sträucher abgewartet wurde. Im Herbst 2019 erfolgte die Endauswertung der Wachstumsparameter. Der darauffolgende Winter bot noch die Möglichkeit einer letzten Blütenbonitur, was sich bei zum Teil schon über 2 m großen Exemplaren in einem entsprechend hohen Zierwert niederschlug.

33 Sorten auf dem Prüfstand

Das 33 Sorten beziehungsweise Cultivare umfassende Sortiment, das vom Arbeitskreis Bundegehölzsichtung geprüft wurde, bestand überwiegend aus der Hamamelis x intermedia-Gruppe. Abweichend waren nur die Sorten 'Amethyst', 'Quasimodo' (Zwergform), 'Sandra' und 'Washington Park' der nordamerikanischen Art Hamamelis vernalis zuzuordnen.

Insgesamt 14 Parameter wurden bei jeder Sorte erfasst (s. Tabelle 1). Die Zusammenfassung aller Ergebnisse und Eigenschaften ergab ein insgesamt qualitativ sehr hochwertiges Sortiment, in dem kaum wirklich entbehrliche Sorten ausgemacht werden konnten. Das zeigte auch die abschließende Eingruppierung in die Sterne-Kategorien. Diese resultierten aus einer finalen Abstimmung der beteiligten Sichtungsgärten. Um die das vielfältige Sortiment aufzufächern bietet sich ein deutschlandweiter Blühkalender an, der aus den gewonnenen Daten aller Standorte erstellt werden konnte (Abb. 4).

Der dargestellte Blühzeitraum beinhaltet sowohl die Phase des Aufblühens sowie der Abblüte. Die Vollblüte war häufig circa zwei bis drei Wochen nach dem Blühbeginn zu verzeichnen. Der genaue Blühbeginn hängt naturgemäß unter anderem stark von der Region, Einzelstandort und Jahr ab.

Lange Freude an der Blüte mit besonders frühen Sorten

Deutlich vor allen anderen Sorten starten 'Robert' und 'Rochester' mit ihrer Blüte bereits Anfang Dezember. Während 'Robert' orange bis rötliche Petalen aufweist, sind diese in der stark duftenden Blüte von 'Rochester' eher blass orange und deutlich kürzer. Auch wenn der Blütenansatz sehr gut ist, verschwinden sie leider in dem noch sehr stark anhaftenden vertrockneten Laub, das im Herbst noch auffallend attraktiv gefärbt war. Bei 'Robert' bleibt die Sicht auf die Blüten dagegen weitgehend ungestört.

Die spätesten Sorten im Test waren 'Duftzauber' und, besonders späte erst Mitte Februar, 'Sandra', wobei die Sorten 'Doerak', Ende März bis Anfang April, und besonders 'Ostergold', Anfang bis Mitte April, ihre Blüte erst besonders spät im Jahr abschließen. Eine besonders lange Blühdauer von knapp unter beziehungsweise über zwölf Wochen zeigen die bereits früh im Winter aufblühenden Sorten 'Moonlight', 'Old Copper', 'Robert' und 'Rochester', die alle bereits im Dezember aufblühen. Eine Ausnahme in der Gruppe der "Marathon-Blüher" ist die Sorte 'Orange Beauty'' die allerdings auch noch relativ früh im Januar mit ihrer Blüte beginnt. Das kürzeste Durchhaltevermögen zeigen im geprüften Sortiment die Blüten der spätesten Sorte 'Sandra', die sich durchschnittlich nur etwas länger als sechs Wochen pro Saison zeigten.

Vier Sorten von ausgezeichneter Qualität - nur zwei entbehrlich

Am Ende der Sichtung hat der Arbeitskreis Bundesgehölzsichtung die vier Sorten 'Angelly', 'Barmstedt Gold', 'Jelena' und 'Orange Beauty' mit drei Sternen als ausgezeichnet bewertet. Diese vier Cultivare dürfen damit zukünftig das Gütezeichen "Premiumgehölz der Bundesgehölzsichtung" tragen (Abb. 5), das dem Verbraucher das Auffinden von Gehölzsorten mit hoher Qualität auch im Handel erleichtern soll, sofern die entsprechenden Gehölze damit ausgezeichnet sind.

Aber auch die meisten anderen geprüften Sorten zeigten sich als äußerst hochwertig. So wurden 17 Sorten mit "sehr gut" bewertet (= **), acht mit "gut" (= *), zwei als "Liebhaber Sorte" (= s) und lediglich zwei als "entbehrlich" (= o) eingestuft, wie aus Tab. 2 hervorgeht, wo die Sorten beschrieben werden und die Bewertung des Arbeitskreises Bundesgehölzsichtung aufgeführt ist.

Ergebnis zeigt den Weg zu den hochwertigsten Zaubernüssen

Demjenigen, der auf der Suche nach einem winterlichen Farbspektakel in seinem Garten ist, kann die Zaubernuss wärmstens ans Herz gelegt werden. Selbst der wenig fachkundige Laie findet in dem Ergebnis der Sichtung des Arbeitskreises Bundesgehölzsichtung einen Leitfaden, der ihn sicher zu den hochwertigsten Sorten im umfangreichen Sortiment an Zaubernüssen führt. Dabei findet er unter den ausgezeichneten Sorten mit 'Angelly' und 'Barmstedt Gold' zwei gelbe und mit 'Jelena' und 'Orange Beauty' zwei orange blühende Sorten, sodass auch unter den Premiumsorten für jeden Geschmack eine passende Sorte zu finden ist.

Literaturhinweise

 Thorsten Ufer
Autor

Landwirtschaftskammer Schleswig-Holstein

Dr. Andreas Wrede
Autor

Landwirtschaftskammer Schleswig-Holstein

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