Regeneration des Rasens beginnt im Boden

von:
Grünflächenpflege
Abb. 5: Schematische Darstellung eines Bodens mit Porenvolumen und Festsubstanz.

Die Zusammensetzung und Eigenschaften eines Bodens beeinflussen maßgeblich das Wachstum und die Entwicklung der Rasengräser. So spielen Durchlüftung, Nährstoff- und Wasserspeicherung sowie die Lebensbedingungen für Mikroorganismen eine wichtige Rolle bei der Beurteilung der Bodenleistung. Durch Spielnutzung und regelmäßige Befahrung, beispielsweise beim Mähen, verändern sich die Eigenschaften der Bodenkriterien.

Für die Sportplatzpflege ist es wichtig, bei der Festlegung notwendiger Erhaltungs- und Verbesserungsmaßnahmen, die Bodenart und den Bodentyp sowie das anstehende Bodenprofil mit geeigneten Hilfsmitteln, wie Bodensonde oder Profilspaten, zu prüfen und entsprechend zu bewerten. Durch die Sicherstellung eines ausreichenden Sauerstoffgehaltes im Boden werden das Wurzelwachstum angeregt und die nützlichen Mikroorganismen gefördert. Auf diese Weise lassen sich die Abwehrkräfte der Gräser gegenüber Krankheitserregern deutlich verstärken. Werden beim Aerifizieren oder Tiefenlockern zusätzlich Biostimulanzien in die Tragschicht eingebracht, so steigern diese Antagonisten die Schutzwirkung. Gerade vor dem Hintergrund der eingeschränkten Möglichkeiten bezüglich der Verwendung von Pflanzenschutzmitteln, ist die mechanische Bearbeitung der Rasennarbe eine wirksame und kosteneffiziente Alternative. Darüber hinaus entspricht diese Vorgehensweise voll der Leitlinie zum integrierten Pflanzenschutz!

Gesunder Rasen durch Vorbeugung

Ausgangssituation und Ziel-vorstellung für Bodenverbesserung

Der Luft- und Wasserhaushalt des Bodens wird vornehmlich durch die Textur (Korngrößenverteilung) beeinflusst. Für Rasentragschichten nach DIN 18035, Teil 4 werden entsprechende Kornverteilungsbereiche annähernd zu 90 Prozent in der Sandfraktion vorgeschrieben.

Diese Tragschicht-Substrate besitzen eine sehr gute Wasserdurchlässigkeit und eine gute Tragfähigkeit. Der Spielbetrieb und die erforderlichen regelmäßigen Mäharbeiten sorgen dafür, dass sich das Bodengefüge bezüglich Porenvolumen ständig verändert. Entgegengesetzte Verhältnisse finden sich oft bei den natürlichen Bodenarten der herkömmlich aufgebauten Rasensportplätze. Hier ist die Wasserdurchlässigkeit meist gering, dafür liefert der Boden Feuchtigkeit in Trockenperioden und Nährstoffe durch die Mineralisationsleistung der Mikroorganismen.

Die Bodenbearbeitung mit geeigneten Geräten (zum Beispiel Tiefenlockerer, Schlitzgeräte, Tiefenbohrer und Ähnliches) zur Lockerung von Verdichtungen, dient der Verbesserung der Bodeneigenschaften. Mechanische Belastungen durch Spielbetrieb und Pflegemaschinen führen gerade bei wassergesättigten Bodenverhältnissen zu negativen Auswirkungen auf den Gashaushalt des Bodens und damit zu Wachstumsstörungen durch geringes Wurzelwachstum. Die Verringerung von Sauerstoff und Zunahme der Kohlendioxid-Konzentration sowie Anreicherung von Schwefelwasserstoff durch Fäulnis im Boden, sind in jedem Falle zu vermeiden.

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Maschinen-Einsatz zur Lockerung von Rasenflächen

Der obere Horizont einer Rasentragschicht (Wurzelhorizont) unterliegt den stärksten Belastungen durch den Spiel- und Pflegebetrieb, dies gilt insbesondere bei ungünstigen Witterungsbedingungen. Verdichtungen und die Abnahme von Grobporen, verbunden mit Luftmangel sind die Folge.

Das Aerifizieren der Rasenfläche öffnet den Boden und schafft Hohlräume zur Verbesserung des Gasaustausches und damit zur Förderung des Wurzelwachstums und der biologischen Aktivität des Bodens.

Die oberflächennahen Bodenverdichtungen werden mit geeigneten Aerifiziergeräten bis zu 8 cm Arbeitstiefe verringert. Die Wasserdurchlässigkeit und das Wurzelwachstum werden gefördert, die Oberfläche wird durchlässiger, da auch ein Teil des Rasenfilzes mit Hohlspoons ausgestanzt werden kann (Abb.7). Bei den vielfältigen Arbeitswerkzeugen für das Aerifizieren sind somit die Hohlzinken besonders geeignet.

Vollzinken erreichen oft größere Tiefen, sie arbeiten allerdings nach dem Verdrängungsprinzip, sodass bei diesen Geräten für den Lockerungseffekt ein Brechwinkel beim Arbeitstakt der Werkzeuge eingestellt werden kann.

Entscheidend für den nachhaltigen Erfolg ist der Anteil der bearbeiteten Fläche. Je nach Zinkendurchmesser sind Lochzahlen von 400 bis 800 Löcher/m2möglich. Auf diese Weise werden in einem Arbeitsgang ca. 5 bis 10Prozent der Rasenoberfläche bearbeitet.

Stark genutzte Rasenflächen, wie Trainingsplätze, werden mindestens zweimal jährlich im Frühjahr und Herbst aerifiziert. Lehmige Böden sollten öfters belüftet werden, am besten in Verbindung mit einer Besandung. Auf lehmigen, bindigen Böden werden die ausgestanzten Bodenkerne grundsätzlich aufgenommen bzw. abgekehrt. Bei abgemagerten Rasentragschichten (DIN 18035, T.4/ FLL-Golf) kann der sandige Lochaushub nach dem Abtrocknen mit geeigneten Bürsten oder dem Gliederschleppnetzt wieder in der Rasennarbe verteilt werden.

Eine praktische Neuentwicklung bietet der Core-Recycler (Abb. 8). Mit diesem Gerät werden die Erdkegel nach dem Aerifizieren aufgenommen und in vier rotierenden Trommelsieben wird das RTS-Substrat aufgebrochen und ausgesiebt. Das geeignete Bodensubstrat wird direkt recycelt und gleichmäßig auf der Grasnarbe verteilt. Die Restsubstanz aus organischem Material, wie Rasenfilz und abgestorbene Pflanzenteile, werden in einem Behälter aufgefangen. Dieser Sammelbehälter kann dann mittels einer Hochentleerung direkt auf einen Anhänger überladen werden. Auf diese Weise lassen sich deutliche Einsparungen beim anschließenden Besanden der Fläche erzielen.

Förderung des Wurzeltiefgangs bildet Fundament für gesunde Gräser

Damit die Wurzeln in tiefere Schichten vordringen können darf der Boden nur bis zu einem bestimmten Grad verdichtet sein. Untersuchungen haben gezeigt, dass bei einem erhöhten Eindringwiderstand (gemessen mit dem Penetrometer) die Wurzeln nicht weiter in den Boden einwachsen, hier sorgt eine gezielte Tiefenlockerung für Abhilfe. Eine Bearbeitung mit geeigneten Spezialgeräten wie Verti-Drain, Terra Spike und Ähnliches führt nachweislich zur Erhöhung der Durchlässigkeit und zur Optimierung der Durchwurzelung. Durch Bodenbearbeitungsmaßnahmen wird der Eindringwiderstand reduziert (Abb.9). Bei entsprechender Lockerung mit Brechwinkel erhöht sich das Porenvolumen und damit steigt die Luftdurchlässigkeit je nach Substrat in Verbindung mit einem optimierten Gasaustausch. Das Wurzelwachstum wird somit angeregt und nicht durch einen Überschuss an Kohlendioxid gehemmt.

Fazit

Eine wesentliche Erkenntnis kann man als Schlussfolgerung für die praktische Golf- und Sportplatzpflege ableiten: "Lockerungs- und Belüftungsarbeiten bei strapazierten Rasenflächen sind notwendig zur Erhaltung der Wachstumsbedingungen und Wurzelentwicklung der Gräser. Dies gilt für Rasentragschichten und insbesondere für herkömmlich aufgebaute Sportplätze und Golf-Fairways. Vorbeugende Maßnahmen zur Vermeidung von Verdichtungen bei ungünstigen Witterungsbedingungen (Feuchtigkeit) sind vorteilhaft, da sich geschädigte Böden nur sehr langsam (über Jahre) regenerieren können."

Eine ausreichend tiefe und gesunde Durchwurzelung sorgt für eine angemessene Wasser- und Nährstoffaufnahme für vitale Gräser. Nur so können intensiv genutzte Rasensportplätze oder Golf-Abschläge, kritische Perioden bei höheren Temperaturen und Trockenheit schadlos überstehen. Vitales Wurzelwachstum ist die Gewähr für eine dichte Rasennarbe an der Oberfläche. Diese Beziehung zwischen Bodenluft, Wurzelentwicklung und Deckungsgrad wurde eindeutig durch die Untersuchungen von Müller-Beck (1977) belegt (Abb.11 und 12).

Trend Sandinjektion in Boden

Ein besonderes Highlight der Exkursion zum 120.DRG-Rasenseminar war die Maschinenvorführung auf der Anlage des Freiburger Golfclubs. Hier wurden verschiedene Spezialgeräten zur direkten Sandinjektion in die Rasentragschicht vorgestellt (siehe Abb. 13 und 14).

Bei den Injektionssystemen wird ein Wasserstrahl mit Hochdruck impulsartig in den Boden geschossen, sodass Belüftungslöcher im Wurzelraum entstehen. Durch die patentierte Vakuumtechnologie werden gleichzeitig die Löcher mit geeignetem Sand gefüllt und stabilisiert. Dies führt zu einer raschen Wiederbespielbarkeit bei Golf-Grüns und fördert die Wasserdurchlässigkeit in der Rasentragschicht.

Literatur

Morhard, J., 2010: Bodenpflege - Arbeiten unter der Grasnarbe. Handout Vortrag 3. Stuttgarter Rasentag.

Müller-Beck, K.G., 1977: Sportplätze aus der Sicht des Bodenaufbaues und des Pflanzenbestandes. Dissertation, Bonn.

Müller-Beck, K.G., 2012: Handout Vortrag.

Prämassing, W., 2011: Messkriterien zur Bodenlockerung.

www.rasengesellschaft.de/download/demopark_sonderschau_2011/PRAEMASSING_Bodenlock_demopark-2011.pdf

Autor

Vorsitzender der Deutschen Rasengesellschaft e.V.

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