Klimawandel und Sport: Adaptive Maßnahmen notwendig
Datenbanken in der Sportentwicklungsplanung und zur Klimaanpassung von Sportstätten
von: Dr.-Ing. Jutta Katthage, Dr. Sören Wallrodt
Im Sinne der Klimagesundheit ist ein besonderer Schutz der sportausübenden Menschen, vor allem vulnerabler Gruppen wie Kinder und Ältere, in den Blick zu nehmen. Damit leisten Sportflächen auch einen Beitrag zur klimaangepassten Stadtentwicklung. Um diese Funktionen von Sportstätten gestalten und dokumentieren zu können, ist es hilfreich, wenn eine Datenbasis, beispielsweise in Form einer Sportstättendatenbank, vorhanden ist. Bislang sind jedoch datenorientierten Ansätze zur klimaangepassten Stadtentwicklung und der Einsatz von Datenbanken im Rahmen von Sportentwicklungsplanungen häufig nicht der Standard.
Mehrwert von Sportflächen für die Gesellschaft
Nach dem Konzept der Ökosystemleistungen leistet die Natur, und im weiteren auch Sportstätten, einen Beitrag zum menschlichen Wohlergehen. Beiträge können aus wirtschaftlichem, materiellem, gesundheitlichem und psychischem Nutzen entstehen, indem direkte oder indirekte Leistungen zum menschlichen Wohlergehen erfüllt werden (Marzelli et al., 2012). Ein direkter Nutzen von Sportstätten kann zum Beispiel aus der Sportnutzung entstehen. Ein indirekter Nutzen kann aus den Anforderungen von Betreibende, Nutzende und Anwohnende abgeleitet werden, indem Sportstätten weitere Funktionen übernehmen, beispielsweise zur Förderung der Klimaanpassung. Damit Sportstätten einen hohen Mehrwert für alle Akteure der Gesellschaft haben, müssen sie insbesondere sportfunktionelle und bauliche Aspekte während des Lebenszyklus´ berücksichtigen, als auch Beiträge zur Gesundheit, zum Komfort und zur Nutzerfreundlichkeit erfüllen. Hierbei beeinflussen die Nutzungsmöglichkeiten den Mehrwert für die Gesellschaft. Es ist zu differenzieren zwischen:
- Mehrfachnutzbarkeit: sportliche Nutzung durch mehrere Sportarten,
- Multifunktionalität: außersportliche Nutzungen, zum Beispiel für Veranstaltungen und
- Multicodierung: Maßnahmen zur Klimaanpassung. (Katthage, 2022)
Ein Nutzen von Sportstätten für die Gesellschaft liegt somit zum einen in der Gesundheitsförderung, indem eine vielfältige sportliche Aktivität durch mehrfach nutzbare Sportböden gefördert wird (vgl. Abb.: 1).
Zum anderen können mit multifunktionalen und multicodierten Sportflächen weitere Funktionen erfüllt werden, zum Beispiel Maßnahmen zur Klimaanpassung durch die Auswahl der Bauweisen von Sportböden oder durch eine Förderung der biologischen Artenvielfalt von Flora und Fauna in den Ergänzungsflächen. Somit können neben den Sportflächen auch Vegetations- und Ergänzungsflächen von Sportstätten für die Gesellschaft wertvoll sein.
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Zudem können Sportstätten zur Katastrophenprävention und im Falle einer Katastrophe genutzt werden, indem sie beispielsweise als Retentionsfläche oder Lagerfläche dienen. Ein aktuelles Beispiel ist die Flutkatastrophe 2021 im Ahrtal. Dort wurden viele Sportstätten zerstört. So zeigt Abbildung 2 Sportstätten nahe der Ahr in der Gemeinde Sinzig vor der Flutkatastrophe. Abbildung 3 zeigt die teilweise zerstörten Sportstätten nach der Flut.
In diesem Fall war eine schnelle Bestandsaufnahme der Schäden an den Sportstätten nicht möglich, weil nicht bekannt war, wo welche Sportstätten überhaupt existierten – es gab keine gemeinde-, kreis- oder landesweites Sportstättendatenbank. Erst im Nachgang wurde die Hochschule Koblenz beauftragt, zunächst eine Sportstättendatenbank für die betroffenen Regionen zu erstellen. Mittlerweile wird, durch die Unterstützung der Else-Schütz-Stiftung, an einer Sportstättendatenbank gearbeitet, welche alle relevanten Informationen zu Sportstätten in Rheinland-Pfalz bereitstellen soll. Die Grundlagen zur Gestaltung von Sportstättendatenbanken wurden unter anderem in einer Expertise des Bundesinstituts für Sportwissenschaft gelegten (Wallrodt & Thieme, 2021). Abbildung 4 zeigt das Online-Eingabetool über das Kommunen in Rheinland-Pfalz zukünftig Daten zu den Sportstätten eingeben können. Das Land Hessen hat mit dem Sportstättenatlas Hessen bereits eine Datenbank geschaffen. Beide Sportstättendatenbanken werden gemeinsam weiterentwickelt. Weitere Sportstättendatenbanken finden sich auf Landesebene für Sachsen-Anhalt, Hamburg und Berlin.
Der größte Vorteil einer landesweiten Sportstättendatenbank ergibt sich aber im Rahmen von kommunalen Planungsprozessen. Insbesondere im Rahmen von kommunalen Sportentwicklungsplanungen.

Kommunale Sportentwicklungsplanung
Die kommunale Sportentwicklungsplanung ist ein etablierter Prozess, um auf Herausforderungen im Sport innerhalb einer Kommune zu reagieren und um Planungen, insbesondere im Bereich des Sportstättenbaus, voranzutreiben. Zwar werden kommunale Sportentwicklungsplanungen teilweise als integrierte Sportentwicklungsplanung bezeichnet, d. h. die Sportentwicklungsplanung soll als ein Teil der Stadtentwicklungsplanung verstand werden, jedoch sieht die Praxis meist anders aus. Stadt- und Sportentwicklungsprozesse greifen zwar auf ähnliche Methoden zurück, aber inhaltlich bleiben sie zumeist voneinander getrennte Prozesse.
Die bisherigen Sportentwicklungsplanungen orientieren sich im Ablauf und in den angewandten Methoden zumeist weitgehend am Memorandum zur kommunalen Sportentwicklungsplanung der Deutschen Vereinigung für Sportwissenschaft (dvs, 2018). Allerdings sind die Aspekte "Sportstättendatenbanken" und "Klimaanpassung von Sportstätten" im Memorandum bisher nicht unmittelbar berücksichtigt und werden vermutlich erst in der nächsten Auflage eingepflegt. In der kommunalen Praxis haben sich aber genau hierzu erste Ansätze entwickelt.


In dem vom Bundesinstitut für Sportwissenschaft geförderten Projekt "Schätzverfahren Deutscher Sportstätten" hat die Hochschule Koblenz Kennzahlen zu Versorgungsgraden entwickelt, mit denen sich zum Beispiel Kommunen zukünftig mit anderen Kommunen oder Mittelwerten vergleichen können. Abbildung 7 zeigt wie eine Einschätzung für eine Kommune im landesweiten Vergleich aussehen könnte. Mittels eines vierstufigen Kennzahlensystems, das von Fachkundigen entwickelt wurde, kann die Kommune eine übersichtliche Einschätzung bekommen, wie sie zu anderen Kommunen oder dem Landesdurchschnitt steht.
Für die landesweite Planung könnte es eine Übersicht geben, wie in Abbildung 8. Hierbei handelt es sich allerdings um fiktive Werte, da zurzeit entsprechende Sportstättendatenbanken aufgebaut werden. Ein entsprechendes Projekt wird derzeit vom Statistischen Landesamt Rheinland-Pfalz in Zusammenarbeit mit der Hochschule Koblenz entwickelt.
Diese Vergleiche könnten grundsätzlich auch zur Klimaanpassungen von Sportstätten erstellt werden, allerdings fehlen hierfür noch Kriterien, wie zum Beispiel die Klimaanpassung von Sportstätten zu bewerten ist. Hierfür lässt das Bundesinstitut für Sportwissenschaften aktuell eine Expertise mit dem Titel "Klimaangepasste Sportanlagen" erstellen, in der Maßnahmen zur Förderung der bautechnischen Klimaanpassung und Gesundheitsförderung von Sportstätten unter Berücksichtigung der Sportfunktionalität erfasst und entwickelt werden sollen. Nach Projektabschluss kann geprüft werden, ob das Schätzverfahren zum baulichen Zustand und zum Versorgungsgrad von Sportstätten auch um Aspekte zur Klimaanpassung erweitert werden kann.

Der Nutzen von Sportstättendatenbanken
Es ist festzustellen, dass Sportstättendatenbanken die Grundlage für eine zukunftsorientierte Planung und Entwicklung von Sportstätten darstellen, da sowohl der aktuelle Bestand an Sportstätten abgebildet als auch auf aktuelle und zukünftige Bedürfnisse der Sportaktiven und Zuschauenden sowie der Betreibenden und Anwohnenden eingegangen werden kann.
Die systematisch erfassten und gesammelten Daten zu Sportstätten können in verschiedene Planungsämter und -abteilungen einer Verwaltung unterstützen. So können mit den Informationen zu den vorhandenen Sportböden Planungen zur Modernisierung und Sanierung vorangetrieben, als auch die Belegung mit möglichen Sportarten optimiert werden.
Zudem stellen Sportstättendatenbanken für die Sportentwicklungsplanung ein hilfreiches Werkzeug zur Optimierung der Versorgung dar. Inder Stadt- und Raumplanung kann die Kenntnis zur geografischen Lage der Sportstätten einen Beitrag zur klimaangepassten Stadtentwicklung leisten, indem zum Beispiel Sportflächen ausgewiesen werden können, die als Retentionsfläche bei Starkregenereignissen dienen können.
Literatur
- dvs (2018). Memorandum zur kommunalen Sportentwicklungsplanung. 2. überarbeitete Fassung.
- Katthage, J. (2022): Nachhaltigkeit von bestehenden Sportfreianlagen: Gesellschaftlicher Nutzen von normierten und wettkampforientierten Sportfreianlagen.
- Marzelli, S.; Moning, C.; Daube, S.; Offenberger, M.; Rabe, S.-E.; Köllner, T. et al. (2012): Der Wert der Natur für Wirtschaft und Gesellschaft: Eine Einführung – Ein Beitrag Deutschlands zum internationalen TEEB-Prozess, Landwirtschaftsverlag GmbH. Münster-Hiltrup.
- Wallrodt, S., & Thieme, L. (2021). Grundlagen für einen digitalen Sportstättenatlas. Abrufbar unter https://www.bisp.de/SharedDocs/Downloads/Projektlisten/Projekte_2021/DigitalerSportstaettenatlas.pdf
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