Der Kommentar

Es kommen immer die Falschen

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Dieses Jahr auf den Baubetriebstagen war es ganz deutlich: Die Gruppe der Teilnehmer wusste schon worum es geht, hatte ein solides Grundwissen und wollte im Grunde nur noch einmal hören, dass ihre Art der Mitarbeiterführung die richtige ist, um das Unternehmen voran zu bringen. Am Ende war es eine gesellschaftspolitische Diskussion um die Jungend von heute und was junge Menschen von der Arbeitswelt erwarten.

Worum ging es dieses Jahr? Auch wenn es viele schon nicht mehr hören konnten: "Employer Branding". Es ist wahrscheinlich das Kernproblem aller deutschen Unternehmen, dass sie zum Teil viel mehr Aufträge haben als Mitarbeiter, um sie abzuarbeiten. Zur Lösung des Problems gibt es nun viele Strategien. In den 1950er- bis 1970er-Jahren wurden Gastarbeiter vor allem in den Mittelmeer-Anrainerstaaten angeworben. Einige Branchen versuchen durch hohe Tarifabschlüsse Mitarbeiter für sich zu gewinnen. Manche Unternehmen bedienen sich Headhuntern. Heute ist ein regelrechter Wettbewerb zwischen Branchen und Unternehmen um Mitarbeiter entstanden. Da gerade junge Mitarbeiter heute sehr viel mündiger und auch anspruchsvoller geworden sind, reichen die alten Strategien nicht mehr aus. Noch komplizierter wird es dadurch, dass es an einem Mainstream fehlt. Gerade die Generation, die jetzt in den Arbeitsmarkt kommt, ist mit ihren Wünschen so bunt wie vermutlich niemals zuvor.

Aber warum kommen zu den Seminaren und Fortbildungen nie jene Menschen, die es am meisten nötig haben? Vermutlich gibt es viele Gründe dafür. Ein Grund ist sicher der Irrglaube, dass ein Abschluss im Beruf oder Studium ein Abschluss für das ganze Leben ist. Vielleicht ist sogar unser wirklich gutes und hoch gelobtes duales Berufsbildungssystem ein Teil des Problems, weil es eben genau das suggeriert: "Jetzt beherrschst Du deinen Beruf." Dabei ist die Aufgabe der Berufsausbildung nur einen guten Einstieg ins Berufsleben zu finden. Ein Studium soll im Wesentlichen sogar nur dazu ausbilden, selbständig Probleme lösen zu können.

Bei Weiterbildungen erlebt man immer wieder die Furcht, der Ahnungslose im Seminar zu sein. Ich denke, das ist auch ein Grund, warum so wenige Chefs zu Seminaren gehen: Der Chef ist doch schon allwissend. Nicht zuletzt wollen Menschen aber auch eine Bestätigung haben, dass Sie alles richtig machen. So sitzt man doch gerne in einer Weiterbildung, wo ich gemeinsam mit den anderen feststellen kann, wie gut ich schon bin und wie wenig die anderen (die mal wieder nicht dabei sind) vom Thema wissen.

Nach einer Untersuchung des Instituts der deutschen Wirtschaft Köln nahm 2013 jeder Mitarbeiter im Schnitt 32,7 Stunden an Lehr- und Informationsveranstaltungen teil. Also vier Tage für den Chef und für jeden Mitarbeiten waren es doch bei Ihnen in diesem Winter auch, oder?

Ihr Martin Thieme-Hack

NL-Stellenmarkt

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Prof. Dipl.-Ing. (FH) Martin Thieme-Hack
Autor

Hochschule Osnabrück, Fakultät A&L

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