Der neue Leitfaden der FLL: Nachhaltige Freianlagen

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Freianlagen Forschungsgesellschaft Landschaftsentwicklung Landschaftsbau (FLL)
Der neue Leitfaden der FLL: Nachhaltige Freianlagen. Abbildung: Hendrik Laue

Klimawandel, demografische Entwicklungen, endliche Ressourcen und weitere Phänomene fordern die gegenwärtige Gesellschaft ökologisch, ökonomisch und sozial heraus. Mehr denn je muss das Handeln in den planenden und ausführenden Disziplinen der gebauten Umwelt von nachhaltigen Zielsetzungen geprägt sein.

Die Forschungsgesellschaft Landschaftsbauentwicklung Landschaftsbau(FLL) hat daher einen Leitfaden zur Nachhaltigkeit von Freianlagen (Leitfaden Nachhaltige Freianlagen) mit insgesamt 55 Kriterien entwickelt. Wichtige Aspekte zur nachhaltigen Planung, zum Bau, zur Pflege, zur Entwicklung bis hin zum Um- beziehungsweise Rückbau von Freianlagen werden darin zusammengetragen. Er richtet sich an alle Akteure, die sich für Freiräume engagieren wie zum Beispiel Verantwortliche in Kommunalverwaltungen, Landschaftsarchitekten/-innen, Planende, Nutzende, Vertreter/-innen gesellschaftlicher und politischer Gruppen, private Akteure oder Firmen sowie interessierte Bürger/-innen. Dieser Leitfaden bietet die Chance, derzeitige Handlungsprozesse der Grünen Branche neu zu reflektieren und im Sinne eines ganzheitlichen Wirtschaftens nachhaltiger zu gestalten.

Nachhaltige Freianlagen

Um die weltweit stetig wachsenden Städte auch zukünftig lebenswert zu gestalten, müssen Freiräume erhalten oder geschaffen sowie gerecht verteilt werden. Nicht zuletzt weil Stadtgrün einen wesentlichen Einfluss auf die Gesundheit, das Wohlbefinden wie auch die Zufriedenheit der Stadtbewohner hat und in Summe zum gesellschaftlichen Zusammenhalt beiträgt. Das Erscheinungsbild der Städte und Kommunen wird maßgeblich geprägt durch ihre Freiräume, die somit einen wichtigen Beitrag zur Baukultur leisten. Gleichzeitig kommen den Grün- und Freianlagen wertvolle Aufgaben für den Naturhaushalt zu, wie etwa als Rückzugsorte für Tier- und Pflanzenarten, und stärken die biologische Vielfalt. In ihrer Gesamtheit wirken sie gleichsam als Filter, Speicher oder Ausgleichsmedium und können beispielsweise helfen, Starkregenereignisse abzupuffern, Stäube zu binden, für Frischluftaustausch zu sorgen oder Hitzeperioden zu mildern.

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Freianlagen Forschungsgesellschaft Landschaftsentwicklung Landschaftsbau (FLL)
Übersicht der Qualitäten im Leitfaden. Abbildung: Hendrik Laue

Gut geplante, gut gestaltete und gut gepflegte öffentliche Grün- und Freiflächen erhöhen die Lebensqualität im urbanen Raum und zählen zu den besonders wertprägenden Elementen der Städte, die einen volkswirtschaftlich durchaus messbaren Beitrag leisten. Der neue FLL Leitfaden Nachhaltige Freianlagen trägt wichtige Inhalte zur nachhaltigen Planung, zum Bau, zur Pflege und zur Entwicklung einer Freianlage zusammen und betrachtet dabei den gesamten Lebenszyklus, also auch später möglichen Um- oder Rückbau. Er orientiert sich an dem bereits etablierten Drei-Säulen-Modell der Nachhaltigkeit mit den Hauptqualitäten Ökologie, Ökonomie und Soziokultur, die durch die Querschnittsqualitäten Technik, Prozess sowie Standort ergänzt werden und jeweils den Blick auf "Schutzgüter" und "Schutzziele" richten. Hierbei ist es wichtig, dass das Thema der Nachhaltigkeit früh im Planungsprozess Berücksichtigung findet. Der Leitfaden lehnt sich inhaltlich an das Bewertungssystem des Bundes für Außenanlagen (BNB_AA) an, erweitert sich aber auf alle Freianlagen im besiedelten Bereich. Er differenziert nicht nach räumlichen Objekteinheiten und -größen. Die ganzheitliche Sammlung von Nachhaltigkeitskriterien, bei der konkrete Teilkriterien als Indikatoren für die jeweilig formulierte Zielsetzung dienen, ermöglicht eine Einschätzung des Grads nachhaltigen Handelns.

Mit dem Leitfaden Nachhaltige Freianlagen soll allen mit der Planung, Umsetzung und Unterhaltung von Freiräumen befassten oder an dem Thema interessierten Akteure eine sich selbsterklärende Arbeitshilfe zur Verfügung gestellt werden, die zu einer nachhaltigen Betrachtung motivieren und Potentiale im Planungsprozess aktivieren soll ohne erheblichen Mehraufwand.

Rechtliche Rahmenbedingungen und Nachhaltigkeit

Dass grundsätzlich nachhaltig zu agieren ist, ist Gesetzeswille. Dies wird unter anderem aus dem ökologische Aspekt der Nachhaltigkeit bereits im Grundgesetz (GG) in Art 20a aufgegriffen, "Der Staat schützt auch in Verantwortung für die künftigen Generationen die natürlichen Lebensgrundlagen und die Tiere im Rahmen der verfassungsmäßigen Ordnung durch die Gesetzgebung und nach Maßgabe von Gesetz und Recht durch die vollziehende Gewalt und die Rechtsprechung." In diesem Sinn formuliert insbesondere im Gesetz über Naturschutz und Landschaftspflege (Bundesnaturschutzgesetz - BNatSchG) eine Vielzahl von Vorgaben sowie das Bundes-Bodenschutzgesetz (BBodSchG) sichert die nachhaltige Funktion des Bodens und im Rahmen einer Strategischen Umweltprüfung. Insofern sollte davon auszugehen sein, dass zukunftsorientierte Werte der Nachhaltigkeit auch in den Umsetzungsprozessen von Planung und Bau die Regel sind. Jedoch wird der Begriff der Nachhaltigkeit entweder sehr allgemein formuliert oder aber auf einzelne Aspekte wie insbesondere der Ökologie und des Ressourcenschutzes verengt. So kommen zum Beispiel ökonomische oder soziokulturelle Aspekte sowie die Prozesssteuerung wenig oder gar nicht zur Sprache. Gleichzeitig ergeben sich Lücken zwischen übergeordneten Handlungsvorgaben, Theorie und Praxis. Insofern bleibt das ganzheitliche Handeln oft von den Idealen der Bauherren, der Planer oder der Landschaftsbauer abhängig. Nach wie vor stehen aber häufig funktionale oder ökonomische Aspekte im Vordergrund und die ganzheitliche und langfristige Betrachtung bezogen auf den des Lebenszyklus einer Anlage wird häufig vernachlässigt. An dieser Stelle setzt der Leitfaden Nachhaltige Freianlagen an und formuliert konkrete Anforderungen an ein nachhaltiges Qualitäts- und Projektmanagement.

Systematik des Leitfadens

Die Struktur des Leitfadens basiert auf den sechs oben genannten Qualitäten (Hauptkriteriengruppen) der Nachhaltigkeit zwischen denen vielfältige Handlungszusammenhänge bestehen und die entsprechend der integralen Betrachtungsweise gleichrangig berücksichtigt werden. Gegliedert sind diese Qualitäten in 18 Kriteriengruppen, in denen inhaltliche Zusammenhänge zu Themenschwerpunkten zusammengefasst werden und denen wiederum 55 Kriterien zugeordnet sind. In den einzelnen Kriteriensteckbriefen werden die jeweiligen Ziele und Inhalte genau beschrieben.

Freianlagen Forschungsgesellschaft Landschaftsentwicklung Landschaftsbau (FLL)
Übersicht der inhaltlichen Ebenen mit Qualitäten, Kriteriengruppen, Kriterien und Teilkriterien. Abbildung: Hendrik Laue

Da diese häufig sehr komplex sind, werden Teilkriterien formuliert, die als Indikatoren für schwierig zu erfassende Sachverhalte dienen und sie vereinfachen. Die Methode zur Untersuchung jedes Teilkriteriums erfolgt über Checklisten, Beispiellisten, textliche Beschreibungen und mündet in einer Qualitätseinschätzung nach dem "Ampelprinzip". Einige Aspekte beziehungsweise Teilaspekte sind dabei quantitativ erfassbar, andere werden qualitativ beschrieben. Im Ergebnis ist mit diesen Methoden eine grobe Einschätzung der nachhaltigen Qualität möglich. Die Kriterien der Qualität Standort erhalten keine Einschätzung. Um die Komplexität der beschriebenen Handlungsmuster möglichst effektiv aufzubauen bietet der Leitfaden neben den Kriteriensteckbriefen Kurztexte zu den Qualitäten und eine Liste von Kernfragen. Sie dienen beispielhaft einer ersten und kurzfristigen Abfrage zu den Qualitäten der Nachhaltigkeit. Dabei sind prägnante Fragen zu den einzelnen Teilkriterien und ihre Beantwortung ausschlaggebend für eine erste Einschätzung. Daneben betont der Leitfaden durch einen Beobachtungsbogen eine systematische Vor-Ort-Untersuchung. In einem ersten Lageplan sind die Beobachtungen festzuhalten.

Qualitäten der Nachhaltigkeit

Aufgrund der übergeordneten Bedeutung urbaner Freiräume für eine nachhaltige Stadtentwicklung wird das Querschnittsmerkmal Standortqualität den fünf Qualitäten vorangestellt. Die Kriterien dieser Qualität dienen primär dazu, die räumliche Einordnung der Anlage zu erläutern oder die Ziele hinsichtlich ihrer nachhaltigen Entwicklung zu formulieren und erhalten daher keine Einschätzung. Vielmehr geht es bei diesen Kriterien darum, den städtebaulichen, sozialen und naturräumlichen Kontext einer Anlage zu untersuchen und als solide Projektgrundlage nachvollziehbar darzustellen.

Die zweite Qualität der "Ökologie" verfolgt das Ziel, das Selbstverständnis eines reflektierten und somit verantwortungsbewussten Umgangs mit den Umweltgütern zu fördern. Das schließt auch den Umgang mit vorhandenen oder hinzugefügten Ressourcen ein. Beispielsweise sind Baustoffe und Pflanzen in der Regel so zu wählen, dass sie durch ihre Verwendung ökologische Leistungen und Funktionen sowohl am Projektstandort als auch am Standort ihrer Gewinnung nicht beeinträchtigen oder schädigen. Für die ökologische Qualität einer Freianlage sind alle Kriterien für kleinräumige als auch für größere Zusammenhänge bedeutend. Dabei spielt der Zusammenhang mit anderen gegebenenfalls korrespondierenden Freianlagen in der Umgebung eine wesentliche Rolle. Jenseits der menschlichen Freiraumnutzung bieten Freianlagen Lebewesen ein Habitat und bieten vielfältige Lebensmöglichkeiten. Sie vernetzten Biotope und stellen Lebensraum und Nahrung bereit. Freianlagen sind Grundlage für das Leben und Überleben von Lebewesen und Pflanzen. Sie sind wichtige Produzenten von Sauerstoff, stellen eine Vielzahl an Rohstoffen bereit und binden Schadstoffe aus der Luft. Freianlagen sind Orte, in denen durch den gezielten Einsatz und die Umverteilung von Ressourcen eine Nutzbarkeit für den Menschen hergestellt wird, die es ihm ermöglicht, mit seiner Umwelt zu interagieren. Diese Interaktion und das Maß der Ressourceninanspruchnahme sind steuerbar. Der Neubau von Freianlagen geht in der Regel mit dem Verbrauch oder der Inanspruchnahme von Ressourcen einher. Diese tauchen in Form von Materialien, Baustoffen, Betriebsmitteln und Ausgangsstoffen im Bauprozess auf. Der Einsatz generell sollte reflektiert erfolgen, indem der Verbrauch in erster Linie zu vermeiden ist und ökologische Ressourcen wie Boden, Wasser, Luft und Klima, Pflanzen sowie abgebaute weitere Rohstoffe zu schonen sind. Ist dies nicht möglich, gilt es möglichst effizient zu wirtschaften, um dem Naturhaushalt im geringstmöglichen Maße Schaden hinzuzufügen. Ziel muss es sein, ökoeffektiv zu handeln, indem auch 100 Prozent der entstandenen Reststoffe wieder in Wertschöpfungsprozesse eingegliedert werden können.

Eine Werteerfassung und eine Werteplanung für den Lebenszyklus sind ebenso unerlässlich wie eine Kostenplanung einer Freianlage. Dieses fokussiert die dritte Qualität der "Ökonomie". Der Wert und eine Wertentwicklung einer Freianlage stellen sich in unterschiedlicher Form dar. Beispielhaft sei der Bestand der Vegetation zu nennen: Ein gut gewachsener Baumbestand kann teilweise einen unschätzbaren Wert haben. Als räumliches Element und gestalterischer Strukturgeber, als Sauerstofflieferant, als Schattenspender, als Kohlenstoffspeicher oder als Erosionsschutz.

Freianlagen Forschungsgesellschaft Landschaftsentwicklung Landschaftsbau (FLL)
Beispielauszug Kriteriensteckbrief/Ökologische Qualität, hier 1.2.2 Wasser. Abbildung: Hendrik Laue

Der Vegetationsbestand ist in diesem Zusammenhang fachlich zu bewerten und nach Möglichkeit in die Planung mit einzubeziehen. Das bedeutet, dass der Wert für den Fortbestand des Freiraums so taxiert werden muss, dass eine Entscheidung für eine Neupflanzung oder den Austausch von Vegetationselementen von der Qualität des Bestandes abhängig ist. Ferner gilt es auch, Wertsteigerungen, Wertentwicklungen sowie Nutzungs- und Umnutzungsmöglichkeiten ökonomisch zu erfassen und zu planen. Mit einer gezielten Planung können Veränderungen ökonomisch nutzbar gemacht werden ohne größere Maßnahmen zu fordern. Daneben gilt es auch einen grundsätzlichen ökonomischen Nutzen im Sinne eines Wertzuwachses am Standort zu betrachten. Die ökonomische Planungsqualität ist im Weiteren immer auch einer ökonomischen Betriebsqualität gegenüber zu stellen. Welche Maßnahmen können beispielsweise Kosteneinsparungen oder Erlössteigerungen dienen oder wie können Betriebskosten durch gesonderte Betreibermodelle oder ähnliches verbessert werden? Eine ökonomische Qualität drückt sich in diesem Zusammenhang auch immer neben gezielten Kostenbeteiligungs- oder Kostenverteilungsprinzipien durch Effizienzsteigerungen aus. Es gilt grundsätzlich unübersehbare Herstellungs- und Lebenszykluskosten im Sinne einer nachhaltigen Betrachtung zu definieren und rechtzeitig zu steuern.

Zentrales Thema der Soziokulturellen und funktionalen Qualität ist die Verbesserung der Lebensqualität in Städten und Gemeinden. Im Mittelpunkt der Betrachtung stehen die Menschen mit ihren vielfältigen Bedürfnissen und unterschiedlichen Interessenlagen. Es sollen urbane Freiräume geschaffen werden, die gerecht im Stadtraum verteilt sind, einen Beitrag zur Gesundheit und zum Wohlbefinden für die gesamte Stadtgesellschaft leisten sowie den sozialen Zusammenhalt stärken. Nicht zuletzt sind Baukultur und Identität wichtige Aspekte dieser Qualität. Qualitätssichernde Verfahren, insbesondere Planungswettbewerbe, die die Ergebnisse von Beteiligungsprozessen berücksichtigen, sind hierfür ein wichtiges Instrument. Übergeordnetes Ziel der soziokulturellen und funktionalen Qualitäten ist somit eine hohe Nutzerzufriedenheit. Diese basiert im Wesentlichen auf einer guten stadträumlichen Einbindung, der Vernetzung von Freiräumen und einer möglichst fußläufigen, barrierefreien Erreichbarkeit der Freiräume, einer dem Kontext angemessenen Angebotsvielfalt und multifunktionalen Nutzung der Freiräume sowie angenehmen Aufenthaltsqualitäten verbunden mit hoher Gestaltungsqualität. Darüber hinaus spielen die Schaffung eines Gefühls von Sicherheit unter anderem durch ein gepflegtes Erscheinungsbild, hohe Nutzerfrequenzen und angemessene Beleuchtung eine wichtige Rolle.

Die fünfte Qualität "Technik": Die nachhaltige Planung einer Freianlage muss immer die längerfristige Perspektive im Auge behalten, da ein wichtiges Alleinstellungsmerkmal von Freianlagen ihre stetige Veränderung und Entwicklung ist. Die "Intelligenz" einer Freianlage liegt dabei grundsätzlich in ihrer Fähigkeit, auf Veränderungen und veränderte Nutzungsansprüche zu reagieren. So kann der Fortbestand durch Nutzung langfristig gesichert werden, ohne immense Eingriffe zu vollziehen. Eine gut durchdachte Planung verknüpft eine sorgfältige Detaillierung und Materialauswahl mit den Aspekten von Dauerhaftigkeit, Pflege und Instandhaltung, Flexibilität bei Änderungen sowie der Rückbaufähigkeit. Gute Pflege- und Instandhaltungskonzepte können beispielshaft durch eine gute Zugänglichkeit von pflegenden Anlagenteilen, Entwicklungskonzepten sowie mittels betrachteten Stoffkreisläufen bei der Verwertung oder Entsorgung reagieren. Daneben gilt es, den Einsatz von Ressourcen im Sinne von Wiederverwendung, Demontagemöglichkeit, Dauerhaftigkeit und Effizienz zu beurteilen. Im Rahmen der Planung und Herstellung sind Fragestellungen zur Pflege und Unterhaltung zu berücksichtigen.

Die sechste Qualität "Prozess" - erfassen und steuern: Gute und nachhaltige Freianlagen werden in der Regel durch berücksichtigte Prozessschritte positiv beeinflusst. Unterlassene Prozesse sind dagegen nicht selten für Misserfolge einer Freianlage verantwortlich. Die Prozessqualität einer Freianlage umfasst die Projektentwicklung, die integralen Planung, die Ausschreibung und die Vergabe, die gesamte Bauausführung und die Bewirtschaftung der Freianlage. Nur wenn alle Prozessschritte berücksichtigt sind, kann ein langfristiger Erfolg gesichert werden.

Freianlagen Forschungsgesellschaft Landschaftsentwicklung Landschaftsbau (FLL)
Beispielauszug Kriteriensteckbrief/Ökonomische Qualität, hier 2.2.3 Ökonomischer Nutzen. Abbildung: Hendrik Laue

Die Projektentwicklung ist dabei zum einen von einer Initialprüfung und Konzeptfindung, von einer Kommunikations-, Akteurs- und Beteiligungsstrategie sowie von einer geordneten Projektvorbereitung und Bestandsaufnahme abhängig. Von der nachhaltigen Prozessqualität ist zum anderen die integrale Planung, Ausschreibung und Vergabe von besonderer Bedeutung: Qualitätssichernde Verfahren wie beispielsweise Wettbewerbsverfahren berücksichtigen neben gestalterischen und funktionalen Zielen übergeordnete Planwerke und integrieren auch beispielsweise denkmalpflegerische Zielkonzeptionen. Das Planungsteam sollte sich durch nachweisliche Qualifikationen auszeichnen. Eine integrale Planung beinhaltet eine geordnete Partizipation und Öffentlichkeitsbeteiligung sowie spätere Fragen der Bewirtschaftung und Ausschreibung. Im Weiteren definieren sich Qualitäten der Bauausführung und Bewirtschaftung durch Bauprozessbezogene Optimierungen wie beispielsweise Maßnahmen zum Schutz von Vegetation, nachweisliche Qualifikation der Beteiligten, Objektdokumentationen, eine systematische Inbetriebnahme, ein Instandhaltungskonzept oder ein Monitoring während der Bewirtschaftung.

Anwendung und Weiterentwicklung

Der Leitfaden ist als ganzheitliche Sammlung von Nachhaltigkeitskriterien für Freianlagen so konzipiert, dass er in allen Planungs- und Realisierungsphasen als Nachschlagewerk für alle am Planungs- und Realisierungsprozess Beteiligten genutzt werden kann. Er versteht sich als "Werkzeugkasten" zur Optimierung eines nachhaltigen Qualitäts- und Projektmanagements und zur Einschätzung nachhaltiger Qualitäten. Darüber hinaus stellt er ein wertvolles Kommunikationssicherungsinstrument für die genannten Akteure dar. Zu Beginn der Projektentwicklung können mithilfe der Kriterien Vereinbarungen zu Zielsetzungen für ein Bauvorhaben getroffen werden und während der Planung bis hin zur Bewirtschaftung bietet er Hinweise und Anregungen zu Optimierungsmöglichkeiten. Die Inhalte sollen dazu motivieren, die Prinzipien des nachhaltigen Bauens frühzeitig in den Entwicklungsprozess einfließen zu lassen, denn in den frühen Planungsphasen werden die Weichen für nachhaltige Freianlagen gestellt und die Einflussnahme auf die Lebenszykluskosten, bei denen sich häufig niedrige Investivkosten und hohe Baufolgekosten gegenüberstehen, ist zu diesem Zeitpunkt am höchsten. In der weiteren Entwicklung wäre es zu begrüßen, wenn über eine grobe Einschätzung der Nachhaltigkeitsqualitäten hinausgehend eine messbare Vergleichbarkeit von Projekten möglich wäre. Für eine mögliche Weiterentwicklung des Leitfadens zu einem Bewertungssystem, das eindeutig bewertbare und vergleichbare Ergebnisse gewährleistet und eine Zertifizierung ermöglicht sind u.a. die Teilkriterien zu schärfen und messbare Indikatoren sowie Vergleichsmaßstäbe zu entwickeln. Dabei sollten Kriterien flexibel genug gestaltet sein, um auf unterschiedliche Typologien einzugehen und bei einigen Anforderungen hinsichtlich Lage, Typus, Größe zu differenzieren. Der Arbeitskreis sieht mittelfristig, das heißt basierend auf Erfahrungen in der Anwendung dieses Leitfades, entsprechenden Forschungsbedarf und unterstützt die Gründung von Initiativen, die die Inhalte des Leitfadens zukunftsweisend weiterentwickeln.

Literatur

Bundesinstitut für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit (BMUB) (Version 2016): Kriterien - BNB Außenanlagen von Bundesliegenschaften (BNB_AA), Bewertungssystem, www.nachhaltigesbauen.de

Bundesministerium für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung (BMVBS) (2012): Nachhaltig geplante Außenanlagen auf Bundesliegenschaften, Broschüre, www.nachhaltigesbauen.de

Forschungsgesellschaft Landschaftsentwicklung Landschaftsbau e. V. (2018): Leitfaden Nachhaltige Freianlagen, www.fll.de

Kontakt: Der Arbeitskreis Nachhaltige Freianlagen (konsolidierter Arbeitskreis seit 2015 mit Vertreter/-innen aus Bund, Kommunen, Verbänden, Hochschulen, Universitäten und aus der freien Wirtschaft), Forschungsgesellschaft Landschaftsentwicklung Landschaftsbau e. V., stellvertretend: Fachreferent Dipl.-Ing. (FH) Sebastian Kramps, S.kramps@fll.de

Autor

Landschaftsarchitekt und Stadtplaner bei RMP Stephan Lenzen Landschaftsarchitekten

Autorin

MLA, Landschaftsarchitektin, Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung, Berlin

Prof. Dr.-Ing. Hendrik Laue
Autor

Hochschule Ostwestfalen-Lippe

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