Digitalisierung

Digitalisierung bei Baufahrzeugen: Mehr Aufwand oder mehr Transparenz?

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MAN Baufahrzeuge Nutzfahrzeuge
Die Digitalisierung hat die Fahrzeug- und Baumaschinenwelt tiefgreifend verändert. Foto: MAN Truck & Bus SE, Presse- und Media-Datenbank

Die Digitalisierung hat in den letzten Jahren die Fahrzeug- und Baumaschinenwelt tiefgreifend verändert. Das zeigt sich nicht nur am digitalem Fahrerarbeitsplatz oder an den Bedienmöglichkeiten von Baumaschinen, sondern auch Fuhrparkverantwortliche werden vor große Herausforderungen gestellt. Denn bewährte Betriebsabläufe müssen teilweiseneu organisiert werden.

Auch Arbeitsbedingungen können sich hierbei verändern. Dieser Technologiewandel und die damit verbundenen Veränderungen sorgen oft in vielerlei Hinsicht für Verunsicherung in Betrieben. Dies trifft ebenso auf kleinere Handwerksbetriebe, wie für große Baukonzerne zu. Viel zu oft lässt das Tagesgeschäft keinen allzu großen Spielraum, sich im Detail mit dem Aufwand und Nutzen einer Digitalisierung auseinander zu setzen. Die Angebotsvielfalt an Digitalisierungsmöglichkeiten macht den Markt sehr unübersichtlich. Denn es gibt für jedes Budget eine Lösung. Auch eine ganzheitliche Betrachtung aus der Sicht des Fuhrparkmanagements wird erschwert, da viele Fahrzeug-, Baumaschinen- und Reifen-Hersteller, IT- und Software-Unternehmen, Mineralölunternehmen, Versicherer oder Leasinggesellschaften ihre Unterstützungen in Form von speziellen Beratungen, Software oder Apps anbieten, die es ermöglichen, ein Baufahrzeug wirtschaftlicher und effizienter zu betreiben. Es ist hierbei die Herausforderung zu meistern, ein Gesamtbild zu erstellen und die unterschiedlichen Datenquellen und Softwareprodukte miteinander zu vernetzen. Das kann vor Ort im Betrieb organisiert werden durch eine Fuhrparkmanagement-Software, wie zum Beispiel durch "Fleet+", eine mit IT-Awards ausgezeichnete Software von carano Software Solution. Bei Liebherr heißt die digitale Fuhrparklösung, beispielsweise für einen Radlader, LiDAT. Mittels Smartphones und durch entsprechende Apps ist das digitale Fuhrparkmanagement auch mobil geworden. "We Connect Fleet" nennt Volkswagen Nutzfahrzeuge sein Angebot hierzu, das auf einer kostenlosen Online-Plattform "FleetOnline" oder "FleetCars" basiert.

Diese "Connected Services" (sogenannte vernetzte Dienstleistungen) haben das Merkmal, dass sie einfach zu bedienen sind. Einige Services werden zum Einstieg sogar kostenlos angeboten und generieren eine hohe Kostentransparenz, da sich bestehende Fahrzeuge und Baumaschinen in das digitale System integrieren lassen. MAN DigitalServices umfasst hierzu die ganze digitale Produktpalette für alle Fahrzeuge aus dem Hause MAN. Dabei wird die Fahrerunterstützung, sowie das "Over-the-Air-Management" mitberücksichtigt. Das zuletzt genannte bedeutet, dass das Baufahrzeug ganz ohne Zwischenstopp in einer Werkstatt, immer mit den neuesten Funktionalitäten und Software-Updates über das Internet versorgt wird. Auch die Zettelwirtschaft kann mittels Apps deutlich verschlankt und transparenter gestaltet werden. So kann die Aufnahme und Abwicklung von Fahrzeugschäden digitalisiert, Unterweisungen, Abfahrtskontrollen, oder Spesenabrechnungen durchgeführt, sowie Aufträge übermittelt werden. Auch Papierdokumente in Form eines Fahrtenbuches, Bedienungsanleitungen oder Ablieferbelege können über eine App-Lösung einfacher in der Anwendung gemacht werden. Der Fokus auf das Kerngeschäft kann somit wieder geschärft werden.

Im Rahmen eines digitalen Fuhrparkmanagements haben sich am Markt folgende Lösungen fest etabliert - egal ob für Pkw, Transporter, schweres Nutzfahrzeug oder Baumaschinen für die Erdbewegung, den Spezialtiefbau oder für Mobilkrane: Proaktives Wartungsmanagement, Telematik (inklusive GPS-Ortung, Routenverlauf und Kommunikation), Führerscheinkontrolle, Leasingvertragsdatenverwaltung, Fahrtenbuch, Tachographen und Fahrerkartendaten, Fahrstil- und Verbrauchsanalysen, Reporting, Reifen- und Schadensmanagement oder auch ganz aktuell, das Batterie- und Lademanagement für die Elektromobilität.

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Bei den Baufahrzeugen liegt in erster Linie der Hauptfokus darauf, ein durchdachtes und ein auf die Einsatzbedingungen abgestimmtes Reparatur- und Wartungsmanagement zu realisieren. Das bedeutet, dass beispielsweise bei einer Baumaschinenwartung, Ersatzteile und Termine frühzeitig disponiert und dadurch Ausfall- oder Standzeiten reduziert werden können. Denn Werkstätten und Hersteller nutzen heute schon Fahrzeug- und Baumaschinendaten, um Servicearbeiten und die Produktqualität zu verbessern. Auch der Fahrer und Maschinist kann von diesen Daten profitieren. Zum Beispiel lassen sich Fehlbedienungen reduzieren oder die Werkstatt versendet Erinnerungsnachrichten für anstehende Aktionen. MAN ServiceCare ist hierzu die entsprechende Antwort des Herstellers MAN, auf die Anforderungen der Baukunden. Auch einzelne digitale Service-Lösungen lassen sich miteinander kombinieren, wie beispielsweise der Einsatz einer Tankkarte, in Verbindung mit der elektronischen Führerscheinkontrolle. Dies reduziert erheblich den Zeitaufwand und gleichzeitig sind Fahrzeug-Halterpflichten rechtskonform dokumentiert.

Voraussetzung für all diese digitalen Lösungsansätze ist die Fähigkeit zur Konnektivität, also die Verbindung von Fahrzeug oder Baumaschine mit dem Internet. Zum einen sind nur so Echtzeitinformationen und zum anderen der Zugriff auf die Fahrzeug- und Aufbaudaten möglich. Eine Herausforderung besteht bei einem Mischfuhrpark, ältere Fahrzeuge und Baumaschinen sowie Fahrzeugmodelle anderer Hersteller, in das IT-System zu integrieren.

Diese Aufgaben übernimmt bei den MAN Baufahrzeugen und Transportern, die RIO-Box.

Dieses Telematik-Bordmodul ermöglicht über die FMS-Schnittstelle (Flottenmanagement-Schnittstelle) eine Anbindung älterer Modelle und Fahrzeuge anderer Hersteller. Sie stellt den Zugang zur RIO Plattform und zum RIO Marktplatzes her, auf dem auch digitale Services von Drittanbietern (beispielsweise von Aufbauherstellern) gebucht werden können. Bei Neufahrzeugen gehört sie zum Serienumfang. Sie lässt sich aber auch durch die kompakte Größe, im 1-DIN-Schacht-Format (Format eines Radios), problemlos nachrüsten.

Die aktuellen Entwicklungen bei der Elektromobilität zeigen eindrucksvoll, dass sich der Trend bei der Digitalisierung nochmals verstärkt. Hervorzuheben ist dabei, wie umfangreich die Vernetzung von Bauahrzeug und Infrastruktur sein kann. Die Infrastruktur legt hierbei den Fokus auf den Aktionsradius, in dem sich das Fahrzeug oder die Baumaschine bewegt.

Somit steigt mit dem Einbinden der Baustelle, der Werkstatt oder dem Betriebshof, die Anforderungen an das Datenmanagement. Denn bei einem Elektrofahrzeug hängt der Fahrzeugzustand unmittelbar mit dem Energiemanagement zusammen. Das Energiemanagement beinhaltet wiederum den Energieverbrauch beim Fahrzeugeinsatz, die Ladelösung, die Netzversorgung, die Energiespeicherung und das Fahrzeug-Wartungsmanagement. Sogenannte e-Manager in Form von Apps sollen dabei helfen, stets einen Überblick zu haben, in welchem Zustand sich das Baufahrzeug oder der Ladevorgang befindet.

"Bedeutet dies nun, mit der Digitalisierung im Fuhrpark, bin ich besser organisiert, oder ist es einfach nur mehr Aufwand?" Das ist die meistgestellte Frage aus der Praxis. Die Frage ist nicht, ob wir Digitalisierung im Fuhrpark bei Fahrzeugen oder Baumaschinen brauchen, sondern welche der vielen Potenziale wir davon nutzen wollen und können. Nur durch eine gezielte Analyse von Betriebsabläufen können wir die vielen Möglichkeiten digitaler Produktlösungen und neuer Technologien verstehen und vor allem, welche Auswirkungen sie auf meine Kunden, meinen Betrieb, meinen Fuhrpark und meine Arbeitsweisen haben.

Erst wenn diese direkte Auseinandersetzung mit den Potentialen, den Risiken und Grenzen erfolgt ist, entsteht die Chance, sich wettbewerbs- und zukunftsfähig aufzustellen. Diese Erkenntnisse fließen dann in die Entwicklung einer Digitalisierungsstrategie ein, mit dem Ziel, nachhaltig digitale Herausforderungen bewältigen zu können. Aus dieser Strategie lassen sich die Ziele ableiten, wie mein digitales Fuhrparkmanagement aussehen soll. Für die Praxis ergeben sich zwölf zentrale Hauptanliegen, die jeder Betrieb kennen sollte:

  1. Welche Informationen benötige ich für meine Kunden? Das heißt, welche Informationen sollen, in welcher Art, in welcher Qualität, in welcher Detailtiefe und zu welchem Zeitpunkt verfügbar sein?
  2. Wie sieht der eigene Bedarf in meinem Betrieb aus?
  3. Welche Besonderheiten sind zu berücksichtigen?
  4. Welche Dienste und Informationen sollen mobil verfügbar sein?
  5. Welche Endgeräte (bspw. das Smartphone) sollen zum Einsatz kommen?
  6. Wer stellt diese Endgeräte zur Verfügung?
  7. Welche Technologien sollen genutzt und auf welcher IT-Infrastruktur soll dies aufgebaut werden?
  8. Welche Sicherheitsanforderungen müssen erfüllt werden? Wo liegen meine Daten (z. B. in einer cloudbasierten Lösung) und wer kann sie noch nutzen?
  9. Welche Fragen vom Anwender (Fahrer oder Maschinist) müssen noch berücksichtigt werden?
  10. . Was ist mein eigentliches messbares Ziel? Betriebliche Abläufe transparenter und schlanker zu machen, Bearbeitungszeiten zu verkürzen, außerplanmäßige Kostensteigerung zu verhindern oder Auftraggeber rechtzeitig über Arbeitsabläufe und Störungen zu informieren?
  11. . Wie will ich weiter vorgehen? Werden Einzellösungen benötigt oder kaufe ich ganze Leistungspakete ein?
  12. . Was soll die Digitalisierung insgesamt kosten?

Zahlreiche Studien belegen, dass Fuhrparkverantwortliche die Optimierung von Kosten im zentralen Fokus haben, gefolgt von der Integration des rasanten Technologiefortschrittes in betriebliche Abläufe und den gesetzlichen Auflagen zur Datensicherheit und Revisionspflicht. Die Erfahrungen aus der Praxis über Digitalisierungsprojekte zeigen eindrucksvoll: Eine Digitalisierung ist nur dann erfolgreich, wenn der eigene Bedarf klar definiert ist. Das heißt, welche einzelnen Prozessabschnitte digitalisiert werden sollen. So sind das Vernetzen von Datenquellen und ein intelligentes Datenmanagement die wesentlichen Bestandteile eines digitalen Fuhrparkmanagements. Die effiziente Steuerung eines Fuhrparks geht heute nicht mehr ohne entsprechende IT-Lösungen, in Form von Auftrags-, Lager-, oder Fuhrpark-Managementsoftware. Die Telematik, also das Orten von Fahrzeugen sowie die Kommunikation mit ihnen, ist die Ausgangsbasis für die wichtigsten Informationen zur Fahrzeug- beziehungsweise Fuhrparkverwaltung. Sie liefert Daten in Echtzeit und ermögliche es eine zuverlässige Fahrzeughistorie und fahrzeugbezogene Einsatzanalysen durchzuführen. Mit dem Siegeszug des Smartphones als universelles Arbeitsgerät, können heute Informationen mittels Apps oder Daten aus der Cloud, flexibel und mobil genutzt werden. Der größte Nutzen der Digitalisierung liegt im maschinellen Aufbereiten von Informationen. Das Ziel ist mehr Transparenz über betriebliche Abläufe oder Zustandsbilder von Baufahrzeugen zu erhalten, die in einer Gesamtübersicht, in einem sogenannten Fuhrpark-Dashboard zusammengefasst sind. Diese erzeugte Transparenz schafft Vertrauen. Vertrauen in die Produktqualität von Fahrzeugen und Baumaschinen, aber auch in die betrieblichen Abläufe. Es können somit präventiv Entscheidungen getroffen und zusätzliche Kostensteigerungen von Anfang an vermieden werden. So kann sich das Risiko einer außerplanmäßigen Reparatur deutlich verringern.

Bei der Digitalisierung liegt viel zu oft der Fokus auf die Optimierung von Betriebsabläufen oder auf eine einfachere, smartere Bedienung von Fahrzeugen und Baumaschinen. Dabei sollte aber nicht außer Acht gelassen werden, dass Digitalisierung bei gesetzlichen Anforderungen, wie bei der betrieblichen Compliance, bei der Revisionssicherheit oder beim Datenschutz einen entscheidenden Mehrwert bieten kann. Dafür gibt es ebenfalls entsprechende IT-Lösungen. Generell ergeben sich Fragestellungen rund um die IT- und Datensicherheit, im Rahmen der Verarbeitung von personenbezogenen Daten, die in Verbindung mit der EU-Datenschutz-Grundverordnung (DS-GVO) stehen.

Abschließend kann festgehalten werden, dass die Digitalisierung in jedem Betrieb ein großes Potential besitzt, um den Fahrzeug- und Baumaschineneinsatz effizienter und umweltfreundlicher zu machen. Dieses Potential kann nur gehoben werden, wenn die digitale Transformation - das "Fuhrparkmanagement neu zu denken" - von allen Beteiligten begriffen und umgesetzt wird. Das heißt aber auch, dass nicht sofort alle betrieblichen Abläufe digitalisiert werden müssen. Es sollte genau analysiert werden, für welche technischen Produkte und Arbeitsprozesse, digitale Lösungen benötigt werden.

Transparenz bedeutet, einfache und schlanke Prozesse zu generieren, damit Abläufe besser synchronisiert, Bestände gesenkt, Fahrzeuge und Baumaschinen effizienter eingesetzt und nicht zuletzt Kosten eingespart werden können. Wird der Prozess der Digitalisierung stets weiterentwickelt, können digitalisierte Prozesse auch einen wertvollen Beitrag zur Nachhaltigkeit leisten.

Bei all der Begeisterung für neuen Technologien und den geplanten Digitalisierungsvorhaben, darf der Mensch, nicht außer Acht gelassen werden. Denn viele Mitarbeiter befürchten, dass die Digitalisierung eine vollständige Kontrolle ihrer Arbeit mit sich bringt oder sogar ihre Arbeitsplätze vernichtet. Nur durch individuelle Überzeugungsarbeit und Weiterbildungen wird eine Akzeptanz herbeigeführt.

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