Eignung heimischer Baumarten für Stadtwälder im Klimawandel

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Baumforschung
Abb. 1: Flaumeichen-Reinbestand (Quercus pubescens) in einem Einart-Hain des Klimawandels. Die Höhe derMesslatte beträgt 5 Meter. Sieben der neun untersuchten Baumarten stammen aus Mitteleuropa. Foto: Melanie Forker

Freilandexperimente leisten einen wichtigen Beitrag zur Erforschung und Erprobung neuer Waldbauansätze zur Anpassung an den Klimawandel. Das Waldlabor Köln ist so ein Freilandexperiment, in dem seit 2010 neue Gehölze und Waldbilder angelegt und untersucht werden. In diesem Gemeinschaftsprojekt von Toyota, RheinEnergie und der Stadt Köln nimmt der sogenannte Klimawald 1,5 Hektar ein. Ausgangspunkt der Pflanzung ist die Tatsache, dass die Veränderung des Klimas - mehr Trockenheit und Hitze in der Vegetationsperiode und stärkere Verschiebung der größten Niederschlagsmengen in das Winterhalbjahr - die Frage aufwirft, welche Baumarten künftig in Stadtwäldern gedeihen können.

Bei der Auswahl der Baumarten für den Klimawald leistete Prof. Andreas Roloff gutachterliche Beratung (2008). Das wesentliche Auswahl-Kriterium stellte die Toleranz gegenüber andauernden Trockenphasen, aber auch die Frostresistenz gegenüber Winterfrösten und Spätfrostereignissen dar. Sechs Baumarten wurden daraufhin in Einart-Hainen angepflanzt: Elsbeere, Echte Mehlbeere, Flaumeiche (Abb. 1), Walnuss, Küstentanne und Paulownie. Die Einarthaine sind als quadratische Flächen von 50 mal 50 Metern angelegt. Weitere drei Baumarten wachsen in ähnlichen, kleinen Reinbeständen im "Wandelwald" auf dem Gelände des Waldlabors (Sandbirke, Vogelkirsche, Esskastanie).

Baumartenwahl

Der Auswahlschwerpunkt auf heimischen Baumarten macht dieses Freilandexperiment auch unter Naturschutzgesichtspunkten so wertvoll. Häufig wird im Zuge der Klimawandelanpassung der Schwerpunkt auf Gastbaumarten gelegt, die Stress aushalten und dennoch besondere Zuwachsleistungen versprechen. Das Risiko der Verdrängung heimischer Arten durch Invasivität sowie eine mögliche geringere Habitatqualität, neben einer oft teureren Anfangsinvestition, sind bisweilen Argumente gegen Gastbaumarten.

Das öffentliche Interesse an "Klimabaumarten" wächst mit jedem Extremereignis und die Anlage des Waldlabors kann dazu beitragen, Fragen der Experten zu beantworten. Nebenbei werden vor Ort auch Spaziergänger durch Infotafeln auf das Thema aufmerksam gemacht. Während der Zustand des deutschen Waldes 2019 für viele negative Schlagzeilen sorgte, gingen die Klimabaumarten im Waldlabor Köln in ihr zehntes Jahr und zeigten sich mehrheitlich vital. Im Folgenden sollen die Ergebnisse für acht Baumarten im Detail vorgestellt werden.

Klima

Aus den Datenreihen der Klimastation Nörvenich des Deutschen Wetterdienstes in der Nähe wurden Jahreswerte bis zurück ins Jahr 2009 generiert (Abb. 2). Die Auswertung der Niederschlagsdaten ergab, dass die Jahre 2016 und 2018 und das Jahr 2019 relativ trocken waren. Die Jahreswerte für Niederschlag (durchschnittlich 574 mm) und Temperatur (durchschnittlich 11 °C) für den Zeitraum des Bestehens des Waldlabors ergaben ein Auf- und Ab im Hinblick auf den Jahresniederschlag in den letzten zehn Jahren, wohingegen die Jahresmitteltemperatur einen leichten Aufwärtstrend verzeichnet.

Boden

Der Boden des Waldlabors ist eine Parabraunerde, ohne Staunässe. Die Bodenart ist schluffiger Lehm. Die Wertzahlen der Bodenschätzung liegen mit 70 bis 90 sehr hoch, was auch auf die Vornutzung als Acker verweist. Der Boden ist über das gesamte Gebiet des Waldlabors sehr einförmig. Bis in genau 40 Zentimeter Tiefe zeigt sich aufgrund der Jahrhunderte andauernden ackerbaulichen Nutzung ein homogener Pflughorizont, darunter liegt ein Tonanreicherungs-Horizont. Ein organischer Auflagehorizont ist nicht vorhanden. Die gemessenen Nährstoffgehalte bestätigen das homogene Bild des Bodens, sie sind insgesamt als niedrig einzustufen. Der pH-Wert (6,6 im Oberboden) liegt im neutralen Bereich, an der Grenze zu sehr schwach sauer. Die Standortbedingungen sind gemäß den gemessenen Bodenparametern als optimal für Wald einzuschätzen.

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Untersuchungsmethoden

Während der Inventur der Einart-Haine sowie dreier weiterer Klimabaumarten in Reinbeständen auf der Fläche des Wandelwaldes und des Energiewaldes wurden für jeden Baum folgende Parameter erfasst: Position, Baumart, Brusthöhendurchmesser (BHD) gemessen in 1,30 Meter, Höhe und Anzahl der Stämme. Außerdem sind Qualitätsparameter vermerkt worden, wie krummer Wuchs oder Zwiesel. Dabei wurden auch die Bäume aufgenommen, die sich von selbst angesiedelt haben.

Für die Jahreszuwachsmessungen wurden pro Baumart fünf bis zehn Individuen mit überdurchschnittlichem BHD (nach den in der Inventur erfassten Werten) gefällt. Dabei erfolgte die Messung an allen Individuen so weit zurück, wie am Baum eindeutige Jahresgrenzen erkennbar waren (Abb. 3). Der radiale Zuwachs wurde anhand von Baumscheiben bestimmt, dabei wurden für jede Baumscheibe zwei Messreihen von der Rinde zur Mitte erhoben.

Ergebnisse und Diskussion

Die Tabelle 1 gibt einen Überblick über die Mittelwerte und Maxima von BHD und Höhe aller untersuchten Baumarten. Auch Alter, Herkunft und Bestandsdichte sind auf einen Blick dokumentiert. In den nächsten Abschnitten werden die acht Baumarten eingehender besprochen, sowohl in Bezug auf ihre Wuchsleistung im Waldlabor, als auch im Hinblick auf eine grundsätzliche Eignung als Klimabaum durch Literaturvergleiche.

Sandbirke, Betula pendula

Zur Inventur der Birke wurde ein 13-jähriger Bestand am westlichen Ende des Wandelwaldes gewählt. Die Fläche ist sehr licht, die Pflanzreihen wurden durch das Schlagen von Maibäumen bereits teilweise aufgelockert. Die Fläche weist nur wenige nicht angepflanzte Bäume auf. Der BHD erreicht bei den Birken im Mittel bereits fast 10 Zentimeter, der Maximalwert liegt bei 15,5 Zentimeter.

Die Jahreszuwächse des Höhenwachstums in den zurückliegenden sechs Jahren betragen im Mittel jedes Jahr rund 100 Zentimeter (2019: 120 cm. 2018: 90 cm, 2017: 100 cm. 2016: 110 cm. 2015: 100 cm. 2014: 110 cm.). Eine leichte Abweichung nach unten ist im trockenen Jahr 2018 zu beobachten.

Die gemessenen Werte übertreffen sogar die besten Bonitäten von zum Vergleich aus der Literatur herangezogenen ertragskundlichen Untersuchungen zur Birke. Die Phase mit raschem Höhenzuwachs wird allerdings im Waldlabor bald beendet sein. Ein Blick auf den Radialzuwachs zeigt, dass dieser den Höhepunkt bereits überschritten hat. Ein Vergleich mit den Klimadaten macht deutlich, wie empfindlich die jungen Birken auf besonders trockene Jahre (2013, 2016 und 2018) reagieren: der Radialzuwachs fällt in den Folgejahren deutlich ab. Das Jahr 2017 reihte sich trotz durchschnittlicher Jahresniederschlagssumme in diesen negativen Trend ein.

Wissenswert zur Birke in Bezug auf ihre Eignung als Klimabaumart ist auch, dass sie bei ausreichendem Wasservorrat zu den Baumarten mit dem höchsten Wasserverbrauch gehört. Nach Larcher (1984, zitiert in Roloff 2010) werden von 12 Meter hohen Birken 140 Liter verdunstet, während gleich hohe Buchen und Fichten gerade einmal 30 Liter Wasser verdunsten. Deshalb eignen sich Birken zur Drainage feuchter Standorte; aus demselben Grund könnte sie auch zu den Verlierern im Klimawandel gehören auf Standorten, an denen der Wasservorrat zurückgeht. Andererseits ist die Sandbirke eine der unempfindlichsten Baumarten gegen Frost und Klimaextreme (Abb. 4).

Esskastanie, Castanea sativa

Die Esskastanie wurde bei der Inventur auf zwei Probeflächen des Wandelwaldes und des Energiewaldes gemessen. Der auffälligste Unterschied zwischen den Esskastanien im Wandelwald und denen im Energiewald ist die Bestandsdichte. Während der Bestand im Wandelwald mit 2900 Ind. pro Hektar relativ licht erscheint, stehen die Bäume im Energiewald mit 4400 Ind. pro Hektar deutlich enger zusammen. Der Energieholz-Bestand wirkt dadurch auch homogener, dies zeigt sich in einer geringeren Streuung der Höhenwerte. Im Mittel erreichen die Bäume des Energiewaldes größere Höhen, der maximale Höhenwert tritt jedoch im Wandelwald an zwei Individuen mit 9 Metern Höhe auf.

Der durchschnittliche BHD der Esskastanien im Energiewald liegt mit 6,6 Zentimeter fast um einen ganzen Zentimeter über dem Wert von 5,7 Zentimeter des Wandelwaldes. Die Bäume dort sind also sowohl höher als auch dicker.

Für die Längenzuwachsmessung wurden nur Individuen aus dem Energiewald gefällt. Bei der Esskastanie ist zum ersten Mal eine Auffälligkeit beim durchschnittlichen Zuwachs im trockenen Jahr 2018 zu beobachten: er liegt deutlich höher als in den Jahren davor und auch als im Jahr 2019. In den Jahren 2016, 2017 und 2019 betrug der Zuwachs im Mittel 98 Zentimeter, in den Jahren 2015 und 2014 sogar nur 66 sowie 75 Zentimeter; während er 2018 mit 136 Zentimeter erstaunlich hoch ist. Das könnte ein Indiz dafür sein, dass die Esskastanie als Klimabaumart sehr gut geeignet ist; denn scheinbar hat sie gerade in dem Jahr prosperiert, in dem andere Bäume unter Trockenstress und Hitze litten. Berücksichtigen muss man bei diesen Ergebnissen allerdings auch den engen Pflanzverband von 2 x 1 Meter und das junge Alter der Bäume, die sich gerade in der raschwüchsigen Jungphase befinden.

In einer aktuellen Studie zur Anbaueignung der Esskastanie in Deutschland modellierten Thurm und Heitz (2018) den Einfluss des Klimas auf die Wuchsleistung. Höhere Jahresmitteltemperaturen wirken sich demnach im aktuellen Klimarahmen Deutschlands im Wesentlichen positiv auf das Wachstum der Edelkastanie aus. In puncto Niederschlag zeichnet sich ein Optimum bei etwa 800 bis 1200 Millimeter ab. Die als Trockenheit ertragend eingestufte Esskastanie scheint komfortablere Niederschlagsverhältnisse durchaus zu schätzen und mit gutem Wachstum darauf zu reagieren. Die Autoren stellen auch fest, dass die Baumart schon heute in vielen Gebieten Deutschlands klimatische Bedingungen vorfindet, die sie zur Etablierung und zum Wachstum grundsätzlich benötigt. Die Klimahülle (ebd.) zeigt weitergehend, dass die Klimaeignung der Edelkastanie in Deutschland in Zukunft noch zunehmen wird.

Blauglockenbaum, Paulownia tomentosa

Die raschwüchsige Paulownie wurde in weiteren Abständen gepflanzt, der Pflanzabstand betrug in alle Richtungen 4 Meter. Somit ist die Dichte des Bestanders verglichen mit allen anderen Flächen am geringsten. Trotzdem ist der Kronenschluss des Bestandes schon erreicht. Er ist flächendeckend von Brombeeren überwuchert, andere Gehölzarten konnten sich im Unterstand der Paulownien nicht durchsetzen. Die durchschnittliche Höhe beträgt 8,5 Meter, die maximale Höhe ist 10 Meter. Der durchschnittliche BHD liegt bei 18,2 Zentimeter, wobei ein Maximum von 24,3 Zentimeter gemessen wurde.

In der Literatur wird die schnelle Wuchsleistung von Paulownia tomentosa unter günstigen Bedingungen ähnlich beschrieben: Stimm et al. (2013) beobachteten einen mittleren jährlichen Durchmesserzuwachs von 4 Zentimeter und einen Höhenzuwachs von 1,6 Metern. Dieser Höhenzuwachs wird 2016 und 2018 von beiden vermessenen Individuen des Waldlabors erreicht. Auch im Vergleich zu Anbauversuchen in Bayern stellt die Fläche im Waldlabor Köln eine erfolgreiche Anpflanzung des Blauglockenbaums dar.

Elsbeere, Sorbus torminalis

Die Elsbeere im Einarthain hat eine geringe Bestandsdichte aufgrund von Ausfällen in den Pflanzreihen und Ansiedlung vieler Arten aus Naturverjüngung. Der Anteil der Elsbeeren beträgt nur 43 Prozent. Dem gegenüber steht ein Anteil von 35 Prozent Salweiden, 14 Prozent Eschen und 7 Prozent Gehölzen von elf weiteren Arten. Diese "Fremdgehölze" sind im Zuge einer Pflegemaßnahme bereits gestutzt worden, Wiederaustriebe vor allem der Salweide beleben jedoch die Konkurrenz. Der Vergleich von BHD und Höhe beider Arten zeigt inzwischen, dass die Pflegemaßnahmen greifen: die Elsbeere hat deutlich höhere BHD als die Salweide, und auch bei der Höhe überragt sie die Konkurrenz im Mittel noch um 1 Meter. Die maximale Höhe von 6,50 Meter wird jedoch im Einzelfall auch von der Salweide knapp erreicht.

Eine weitere Besonderheit zeichnete die Elsbeeren aus: viele Individuen sind bereits auf geringer Höhe stark verzweigt und weisen einen oder mehrere Zwiesel auf. Dies betrifft 60 Prozent aller Elsbeeren der Probefläche, nur 40 Prozent zeigen einen durchgehenden Stamm.

Der Längenzuwachs der Elsbeere zeigt sich unbeeinflusst von den trockenen Jahren 2016, 2018 und 2019. Die durchschnittlichen Höhenzuwächse in den letzten sieben Jahren lagen jeweils zwischen 40 Zentimeter (2013 und 2016), 50 Zentimeter (2014, 2015 und 2017) und 60 Zentimeter (2018 und 2019). Der Radialzuwachs ging 2016 und 2017 allerdings von 7,5 Millimeter zurück auf 6 und 4 Millimeter. Auch für 2019 war ein geringerer Radialzuwachs als im Vorjahr zu verzeichnen.

Flaumeiche, Quercus pubescens

Der Flaumeichenbestand ist homogen, mit nur wenigen Gehölzen aus natürlicher Ansamung. Der mittlere BHD beträgt 6,4 Zentimeter, der größte gemessene BHD auf der Probefläche 11,3 Zentimeter. Die beiden höchsten Flaumeichen der Fläche maßen neun Meter. Im Mittel betrug die Höhe 6,1 Meter. Rund 14 Prozent der Individuen zeigten Zwieselwuchs. Die Längenzuwachsmessung der Flaumeichen war erschwert aufgrund zum Teil mehr oder weniger deutlich auftretender Johannistriebe. Die Jahrringe zeigen eine deutliche negative Reaktion auf die trockenen Jahre 2016 und 2018 und zwar jeweils im Folgejahr. Die Reaktion auf das Trockenjahr 2019 wird also in der Vegetationsperiode 2020 zu messen sein.

Das Wachstum junger Eichen, darunter auch die Flaumeiche, unter Trockenheit und erhöhter Lufttemperatur wird durch die Eidgenössische Forschungsanstalt WSL erforscht (Bonfils et al. 2013). Im Vergleich zu dieser Studie sind die Flaumeichen im Waldlabor mit einer Durchschnittshöhe von 6,1 Metern im Alter von zwölf Jahren auf gutem Wege, überdurchschnittliche Wachstumswerte zu erreichen.

Küstentanne, Abies grandis

Der Bestand ist relativ homogen, mit wenigen Ausfällen innerhalb der Pflanzreihen. Die Bestandsdichte beträgt 3900 Ind. pro Hektar und der Kronenschluss ist fast erreicht. Eine erste Läuterung des Bestandes steht an.

Die Messung des Längenzuwachses war an den Küstentannen problemlos möglich. Für einige Individuen liegen so Messwerte bis zurück zum Jahr der Pflanzung vor. Die bisherige Höhenentwicklung entspricht den Werten aus der Literatur. Die mittleren Zuwächse sind mit steigendem Alter kontinuierlich leicht gestiegen: von rund 40 Zentimeter (2012, 2013) über 50 Zentimeter (2014, 2015), 70 Zentimeter (2016) und 80 Zentimeter (2017) bis hin zu 90 Zentimeter (2018, 2019). Die trockenen und heißen Jahre wirkten sich somit zeitnah nicht negativ auf den Längenzuwachs aus.

Der Radialzuwachs belegt allerdings, dass die trockenen Sommer 2016, 2018 und 2019 durchaus einen Effekt auf das Wachstum der Küstentannen hatten. Zum einen sind die radialen Zuwächse seit 2015 nicht mehr gestiegen. Zum anderen gibt es einen leichten Knick im Jahr 2016 sowie einen etwas stärken Abfall von 2017 zu 2018. Die Zuwachsreaktion der Küstentannen erfolgt also noch im Laufe des jeweiligen Jahres.

Mehlbeere, Sorbus aria

Die Mehlbeere wächst in einem sehr homogenen Bestand mit vergleichsweise wenigen Fremdgehölzen. Die Mehlbeeren haben zum Teil einen krummen Stammfuß. Einen zwieseligen Wuchs zeigt rund die Hälfte des Bestandes. Manche Bäume haben bereits Früchte getragen aber der Kronenschluss ist noch nicht erreicht. Es gibt einige wenige Bäume mit stattlichem BHD (Max.: 9,5 cm), der Mittelwert lag bei 5,1 Zentimeter. Bezüglich der Größe ragte der höchste Baum mit sechs Metern nur unwesentlich über die mittlere Bestandshöhe von 4,8 Metern hinaus.

Die Mehlbeere zeigt im Mittel einen relativ gleichmäßigen Längenzuwachs über die letzten Jahre von 40 Zentimeter (2014), 60 Zentimeter (2015), 50 Zentimeter (2016, 2017) und 40 Zentimeter (2018 und 2019). Der Radialzuwachs hat bis zum Jahr 2015 zugenommen und ging in den darauffolgenden Jahren langsam zurück, mit Einbußen von um 1 Millimeter in den Jahren 2016 und 2019. Für die Mehlbeere konnten keine Vergleichswerte in der Literatur gefunden werden.

Walnuss, Juglans regia

Die Walnuss wurde bei der Inventur auf zwei Probeflächen innerhalb des Einart-Haines gemessen, da dort auf einer Teilfläche autochthone Pflanzen aus dem natürlichen Herkunftsgebiet gepflanzt worden sind. Beide Bestände der Walnuss ähnelten einander vom visuellen Eindruck stark.

Bei der Walnuss gehen die Längenzuwächse in den letzten Jahren im Mittel langsam zurück, von 70 Zentimeter (2016), über 60 Zentimeter (2017) und 50 Zentimeter (2018) bis hin zu 40 Zentimeter im Jahr 2019. Die Durchschnittswerte verschleiern allerdings eine starke Streuung der Werte. Der Längenzuwachs der autochthonen Walnuss ist im Jahr 2018 mit durchschnittlich 20 Zentimeter im Vergleich zu je 50 Zentimeter im Vorjahr und im Jahr 2019 deutlich zurückgeblieben. Diesen Trend setzten drei von fünf Individuen, also ist hier eine sichere Aussage zur Antwort der autochthonen Walnuss auf das trockene Jahr 2018 nicht möglich.

Aus Untersuchungen zur Standorteignung der Walnuss (Böllersen 2017) lässt sich ableiten, dass der Standort des Waldlabors in der Eignung für die Walnuss zwischen optimal und hinreichend liegt. Der Wasserbedarf ist hinreichend gedeckt, die Jahresdurchschnittstemperatur ist im Waldlabor optimal, der Durchschnitt im Mai-September etwas unter den optimalen Anforderungen. Bodenart und pH-Wert wiederum sind gut getroffen. Perspektivisch können sich die Walnussbäume auf dem Standort also gut entwickeln, eine entsprechende Läuterung der engen Pflanzung vorausgesetzt.

Vergleich der Jahrringbreiten

In ihrem Radialzuwachs reagieren die Baumarten nach unterschiedlicher Zeit auf Trockenjahre. Manche reduzieren noch im selben Jahr ihren Zuwachs (Abb. 5), einige der untersuchten Baumarten reagierten auf den sommerlichen Trockenstress jedoch erst im Folgejahr (Abb. 6). Einen deutlich geringeren Zuwachs als im Vorjahr verzeichneten 2016 die Küstentanne, die Walnuss (unbekannter Herkunft), die Vogelkirsche und mit geringerer Intensität auch die Mehlbeere. Der Zuwachs der Sandbirke entsprach dem Vorjahr.

Die verzögerte Reaktion der Baumarten Flaumeiche, Esskastanie, Elsbeere und Walnuss aut. fällt außer am verringerten Zuwachs 2017 und 2019 auch an den größeren Jahrringbreiten im Trockenjahr 2018 auf - dieser Wachstumsschub resultiert aus dem "normalen" Jahr 2017.

Im Jahr 2019 hatte jede Baumart einen geringeren Radialzuwachs als 2018. Das kann an dem vorausgegangenen Trockenjahr 2018 liegen. Die Bäume kommen mit zwölf bis 13 Jahren jedoch auch langsam in das Alter, in dem die raschwüchsige Jugendphase in einen geringeren jährlichen Zuwachs übergeht.

Schlussbemerkungen

Nicht weit vom Waldlabor entfernt, im Botanischen Garten in Köln, besteht seit 2008 die erste Palmenallee Deutschlands. Bleiben jedoch auch heimische Baumarten zur Stadtbegrünung empfehlenswert? Wo Vergleichswerte zum Wachstum junger Bäume in der Literatur zu finden waren, liegt die im Waldlabor erzielte Wuchsleistung zumeist oberhalb dieser Werte, sowohl in Bezug auf den Höhen- als auch den Radialzuwachs. Keine Baumart des Waldlabors hat schlechtere Wachstumswerte erzielt als bereits in Vorstudien veröffentlicht wurden. Im Allgemeinen ist die Literaturgrundlage aber als eingeschränkt zu bezeichnen, da Veröffentlichungen zur Wuchsleistung heimischer Baumarten meist die Hauptbaumarten des Forstes (Fichte, Kiefer, Buche, Eiche) und deren ältere Bestände zum Gegenstand haben. Die wenigen verfügbaren Daten aus der Literatur wurden meist in einem ähnlichen Setting wie im Waldlabor erhoben (also im Rahmen von Versuchsanpflanzungen auf wenigen Hektar), so dass sie entsprechend gut auswertbar sind.

Abschließend wird in dieser Untersuchung die Wuchsleistung aller Baumarten miteinander verglichen. Es lässt sich ableiten, dass Bäume in der Jugendphase resilient genug sind, um vom Durchschnitt abweichende Klimaereignisse, wie beispielsweise die relativ trockenen Sommer 2016 und 2018, zu überstehen.

Von den gewählten Baumarten zeichnete sich hier besonders die Esskastanie aus, die im Jahr 2018 ihre stärksten Trieblängenzuwächse vorzuweisen hatte.

Es fehlen häufig noch langfristige Erfahrungen im Anbau von Klimabaumarten. Viele offene Fragen in Bezug auf Anpassungsfähigkeit und Ertrag werden erst in der Zukunft beantwortet werden können. Einen ersten Beitrag zur Beantwortung von Fragen dieser Art will die vorliegende Untersuchung leisten.

Literatur

Böllersen, V. (2017): Revival der Walnuss. Neues und altes Wissen zum Walnussanbau in Deutschland. OLV Organischer Landbauverlag Kurt Walter Lau, Kevelaer. 160 S.

Bonfils, P.; K, T.; Arend, M.; Junod P. (2013): Die Eiche reagiert flexibel. Die Eiche im Klimawandel, Teil 1: Wachstum. Wald und Holz 2/13, S. 29-33.

Roloff, A. (2008): Baumartenwahl für einen Klimawald. Gutachten zur Anlage des Waldlabors Köln. (unveröffentlicht). 20 S.

Roloff, A. [ Hrsg.] (2010): Bäume Mitteleuropas: von Aspe bis Zirbelkiefer; mit den Porträts aller Bäume des Jahres von 1989 bis 2010. Wiley-VCH, Weinheim.

Stimm, B.; Stiegler, J.; Genser, C.; Wittkkopf, S.; Monsandl, R. (2013): Paulownia - Hoffnungsträger aus Fernost? In: Gastbaumarten im Klimawandel - Tor in die Zukunft? LWF aktuell 96. Das Magazin der Bayrischen Landesanstalt für Wald und Forstwirtschaft, Ausgabe 5-2013; 20. Jahrgang. S. 18-21.

Thurm, E. A.; Heitz, R. (2018): Anbaueignung der Edelkastanie in Deutschland. LWF (Hrsg.) (2018): Beiträge zur Edelkastanie. LWF Wissen Bd. 81, Freising. S. 31-41.

Autor

Leiter der städt. Forstverwaltung Köln

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