Junge Landschaft - GaLaBau-Wissen

Zu faul zum Bücken – Hochbeete, Teil 1

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162. FOLGE: Unsere Serie für den Nachwuchs erläutert das wichtigste GaLaBau-Grundlagenwissen vom Abstecken bis zum Zaun bau: Diesmal geht es um das Thema Hochbeete.

Der Run auf Hochbeete hat in den letzten Jahren enorm zugenommen. In allen Baumärkten und Versandhäusern sind sie, egal aus welchem Material, der Renner. Dennoch scheiden sich bei mir persönlich beim Thema „Hochbeet“ die Geister. Auf der einen Seite denke ich: „Jo, ein schönes Gestaltungselement.“ Andererseits frage ich mich: „Warum gärtnern die Menschen nicht einfach ganz normal auf der Erde, wie sie es seit tausenden von Jahren tun?“

Ich versuche hier nicht nur, eine klare Position zu diesem Thema zu finden, sondern möchte das Hochbeet aus landschaftsgärtnerischer Sicht beleuchten, um ihm vielleicht doch noch ein professionelles Image zu verleihen.

Was sind eigentlich Hochbeete?

Unter einem Hochbeet versteht man im weitesten Sinne Gartenbeete, die nicht ebenerdig angelegt sind, sondern eine erhöhte Pflanzfläche besitzen. Ziemlich clevere Idee zwar, doch im Grunde nichts Neues: Die Idee des Hochbeetes ist sehr alt und mit der Zeit leider oft in Vergessenheit geraten. In der einfachsten Form sind es aus Mist- und Komposthaufen "gewachsene", mit einfachem Holz oder Stein abgegrenzte Beete. Diese Technik ist beispielsweise bei alten Klöster- und Bauerngärten zu sehen. Aber auch technisch anspruchsvolle Bauwerke, wie Terrassierungen der südamerikanischen Ureinwohner in den Anden oder die Weinbauterrassen sind, wenn man so will, Hochbeete. Hoch waren sie damals nicht, die Hochbeete; man musste sich weiterhin bücken. Das ist heute ganz anders. Da gibt es schon wieder Festlegungen, mit Maßen und Normen, es gibt Anleitungen zu Hauf im Netz und natürlich auch selbsternannte Spezialisten und Fachleute mit ziemlich klugen Bemerkungen zum Thema:

"Ein Hochbeet definiert sich vor allem über die erhöhte Pflanzfläche mit senkrechten Wänden. Bei stehenden Arbeiten sind das meist 80 cm bis 100 cm, wer im Sitzen seine Gartenarbeit verrichtet, nutzt ein 40 cm hohes Hochbeet. Die Beettiefe bzw. -breite überschreitet dabei niemals die doppelte Armlänge des Nutzers. Für diese Form des Beetes sind Drainage-Schichten unerlässlich, mit ihnen kann ein zuverlässiger Wasserablauf gewährleistet werden. Eine sickerfähige Fläche oder ein natürlich gewachsener Boden unterstützen diesen Ablauf."

Dies nur als kleines Beispiel geistiger Ergüsse.

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Nüchtern ist immer gut!

Wir wollen hier das Hochbeet ganz nüchtern betrachten.

1.) Was ist das Besondere am Hochbeet?

Ohne Zweifel ist es ein schönes Gestaltungselement im Garten und für diesen eine Bereicherung in Sachen Optik und Komfort.

Pflanzen wachsen hier aufgrund vieler Nährstoffe und der bei der Verrottung von Kompostabfällen freigesetzten Wärme optimal.

Ein Hochbeet wird nicht umgegraben, wodurch die Schichtung des Erdreichs und die gebildete Fauna nicht durcheinander gebracht werden.

2.) Was sind Vor- und Nachteile eines Hochbeetes?

Logisch ergonomisch!

Gesundheit ist ein hohes Gut - sagt der Volksmund. So auch im Garten! Die Lehre "von der Anpassung der Arbeit an den Menschen" - die Ergonomie - hat als Hauptziel die Verbesserung der Ausführungsbedingungen und Erleichterung der Arbeitsabläufe innerhalb des Arbeitsprozesses. Also passen wir das Beet an den Gärtner an. Um optimale Arbeitsbedingungen zu schaffen passt man das Hochbeet an die körperliche Reife und Leistungsfähigkeit an.

Dabei darf man aber nicht nur an Krankheit, Behinderung oder im Alter aufkommende Schwierigkeiten denken - obwohl diese Aspekte auch einen nicht unwesentlichen Kundenstamm betreffen. Auch körperlich fitten, gesunden Menschen sollte unsere Aufmerksamkeit gelten, da Hochbeete für sie eine echte Alternative zu jahrelangem mühevollen Umgraben und Erde-Aufhacken sein können. Sozusagen als ein rückenschonendes Gegenmodell zum "normalen" Beet kann ein Hochbeet die ideale Lösung für bequemes Gärtnern sein.

Natürlich richtet sich der Bau eines erhöhten Beetes nicht nur nach rein ergonomischen Gesichtspunkten, sondern auch nach bautechnischen, ästhetischen und klimatischen Anforderungen.

Das Hochbeet und seine Nutzer

Das Beet braucht ein geeignetes Umfeld im Garten. Es nutzt niemandem, einfach so einige Hochbeete im Garten zu platzieren und zu denken: "Das war's!" Die passende Infrastruktur ist bei einem Garten mit Hochbeeten von besonderer Wichtigkeit. Dazu gehören unter anderem praktische Bewässerung, kurze Wege, Aufbewahrungsmöglichkeiten für Arbeitsgerätschaften, Materiallager, Kompostplatz, ein kleiner Arbeitstisch, aber auch ein Platz zum Ausruhen sollte in Betracht gezogen werden.

Das Material - die Qual der Wahl

Es gibt sicher nichts, was es nicht gibt! Und ich kann hier nicht auf jeden Trend im Hochbeetbau eingehen. Deshalb beschränke ich mich an dieser Stelle auf die gängigsten Bauvarianten und beginne gleich mit einer der häufigsten Konstruktionen - dem Hochbeet aus Holz.

Der Klassiker

Hochbeete gibt es aus vielen verschiedenen Hölzern. Hier sollte man sich zuerst darüber klarwerden, ob man sich für Hart- oder Weichhölzer entscheidet. Die Wahl des verwendeten Holzes ist abhängig von der vorgesehenen Funktion des Beetes sowie seiner Lebensdauer und schließlich auch von den zur Verfügung stehenden finanziellen Mitteln.

Konstruktionsvarianten

Alle Holzkonstruktionen haben gemeinsam, dass sie sich für gewöhnlich sehr einfach auf- und abbauen lassen. Achtung, Holz arbeitet! Eventuell auftretende Risse in den Holzbohlen oder -dielen sind keine n und müssen auch keinen Makel darstellen. Da Holz im Laufe der Jahreszeiten unterschiedlich viel Wasser aufnimmt und abgibt, können in den warmen Monaten des Jahres sogenannte Trocken- oder Schwindrisse bei der Austrocknung des Holzes entstehen.

Um das Holz haltbarer zu machen, kann man es mit Lasuren, Beizen oder ähnlichen Mitteln behandeln. Damit steigen allerdings auch die Umweltbelastung und die Schadstoffbelastung des Gemüses im Hochbeet. Die Holzbretter müssen so später als Sondermüll entsorgt werden. Die Lebensdauer erhöht sich nur minimal - also: Finger weg davon!

Der Newcomer - Hochbeet aus Metall

Auch hier findet man unterschiedliche Ausführungen, bei denen vor allem der persönliche Geschmack und der Stil der restlichen Gartenanlage über das zu verwendende Material entscheidet. Probleme bereitet vor allem eine Eigenschaft von Metallen - die Wärmeleitung. In den heißen Sommermonaten bereiten diese Konstruktionen Probleme, weil die Hitze des Tages ins Innere des Beetes transportiert wird. Dadurch neigt das Beet jedoch noch schneller zur Austrocknung als es Hochbeete durch ihren größeren Versickerungsfaktor ohnehin schon tun. Abhilfe können hier nässeunempfindliche Isolierplatten schaffen, die sowohl vor zu großer Erhitzung der Erde durch die Außenhülle als auch vor zu großem Wärmeverlust schützen.

Modern gleich schön? - Das Hochbeet aus Kunststoff

Auch Hochbeete aus Kunststoff sind beliebt. Sie eignen für Terrasse und Garten, aber auch für den Balkon. Kleine Beete lassen sich leicht anheben und verstellen, gleichzeitig verhindert der Kunststoff Verwitterungs- oder Verfallserscheinungen.

Hochbeete aus Kunststoff gibt es in vielen verschiedenen Ausführungen, optimal eingerichtet für unterschiedliche Körpergrößen und Bedürfnisse.

Eine wichtige Materialgruppe, wenn nicht die älteste der Welt steht noch außen vor - das Hochbeet aus Stein oder steinähnlichem Material (meine Lieblingsumschreibung für Beton). Damit geht's im nächsten Heft weiter.

Uwe Bienert

Nächsten Monat lesen Sie: "Aus alt mach neu - Hochbeete, Teil 2".

Quellen:
  • ATV DIN 18318, Ausgabe 2019 Beuthverlag
  • ZTV Wegebau, FLL, Lehr-Taschenbuch B.J. Lay, A. Niesel, M. Thieme-Hack Ulmer-Verlag 2013
  • DIN EN 1341, Platten aus Naturstein für Außenbereiche – Anforderungen und Prüfverfahren
  • DIN EN 1342, Pflastersteine aus Naturstein für Außenbereiche – Anforderungen und Prüfverfahren,
  • DIN EN 1343, Bordsteine aus Naturstein für Außenbereiche – Anforderungen und Prüfverfahren
  • Der Gärtner 4 (Lomer/Koppen; Ulmer Verlag)
  • Der Gärtner 1 (Martin Degen, Karl Schrader; Ulmer-Verlag)
 Uwe Bienert
Autor

Landschaftsgärtner-Meister und Ausbilder

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