Naturfreundliche Mähtechnik ohne Handsense und Heugabel

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Landschaftspflege Mähmaschinen
Doppelmessermähbalken (vorne) und Kammschwader (hinten) als Frontanbaugeräte an Standard-Schleppern im Einsatz. Durch das Schwaden wird das nachfolgende Abräumen erleichtert. Foto: Jonas Renk 2021

Wiesen und Extensivrasen sind Vegetationsformen, die bekanntlich nur durch regelmäßige Pflege erhalten werden können. Ansonsten würden sie in der Regel durch Gehölzsukzession zunehmend verbuschen. Zugleich können sie äußerst artenreiche Lebensräume sein oder zu solchen entwickelt werden. Bei der Mahd solcher Flächen müssen moderne Technik einerseits und Natur und Biodiversität (biologische Vielfalt) andererseits keineswegs im Widerspruch zueinanderstehen. Mit dem Einsatz geeigneter Technik können bei der Mahd wiesentypische Pflanzen gefördert und Tiere geschont werden, ohne dabei Aspekte der Arbeitseffizienz auszublenden.

Naturfreundliche Mahd ist somit - auch in technischer Hinsicht - keine Art "nostalgische Randerscheinung, sondern gewinnt im Gegenteil als Tätigkeitsfeld in der Landschaftspflege sowie im GaLaBau und kommunaler Praxis zunehmend an Bedeutung. Durch naturfreundliche Pflege kann nicht nur sehr viel für Natur und Biodiversität geleistet werden (wobei dieser Aspekt im Sinne einer sinnstiftenden Arbeit durchaus gewürdigt werden sollte), sondern sie ist auch ein wirtschaftlich interessanter Aufgabenbereich für Unternehmen - vorausgesetzt Hintergrundwissen und technische Ausstattung dafür liegen vor.

Der fachgerechte Einsatz geeigneter Maschinen und Geräte spielt also einerseits eine wichtige Rolle für eine naturfreundliche Mahd. Andererseits gilt es, darüber hinaus einige Grundsätze zu beachten durch deren Berücksichtigung - vielfach auch mehr oder weniger unabhängig von der eingesetzten Technik - ebenfalls sehr viel für Natur und Biodiversität geleistet werden kann. In jedem Fall ist es dabei wichtig, die Lebensraumfunktionen von Mähwiesen und Extensivrasen zu beachten. So kann es beispielsweise sehr entscheidend sein, abschnittsweise beziehungsweise teilflächig zu unterschiedlichen Zeitpunkten zu mähen, sodass ein möglichst durchgängiger Trachtzeitraum mit Nektar und Pollen für Insekten vom Frühjahr bis in den Herbst vorhanden ist und auf angrenzenden oder in der Nähe befindlichen Flächen Flucht- und Rückzugsmöglichkeiten für Tiere bestehen. Keinesfalls sollten in einem größeren Gebiet alle Flächen zum gleichen Zeitpunkt gemäht werden. Dem Fluchtverhalten von Tieren kann bei der Mahd auch durch langsameres Fahren und geeignete Fahrtrichtungen und Befahrmuster Rechnung getragen werden. Letzteres kann etwa dadurch erreicht werden, dass an Straßen und Wegen von diesen weg und nicht zu ihnen hin gemäht wird oder indem größere Flächen beginnend von der Mitte sozusagen von innen nach außen hin gemäht werden und nicht umgekehrt, damit Tiere in andere Bereiche fliehen können und nicht in eine inselartige Restfläche fliehen, in der sie schließlich gebündelt auch zu Tode kommen.

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Doppelmessermähwerke gelten als besonders naturfreundlich. Foto: Jonas Renk 2021
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Durch Spezial-Systeme zur Wildtierrettung soll unmittelbar bei der Mahd verhindert werden, dass Tiere wie junge Rehkitze, Hasenjunge, Igel oder Wiesenbrüterküken durch das Mähwerk getötet beziehungsweise überfahren werden. Foto: Jonas Renk 2021
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Im Straßen- und Wegebegleitgrün ist es sinnvoll, zwischen Sicherheits- und Extensivbereich zu unterscheiden, hier schematisch dargestellt. Zeichnung: Jonas Renk 2021
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Beispiel-Schema für die Unterteilung von Extensivflächen (hier mit Gehölzkomplex) an einer Straße in drei Abschnitte: (1.) Mahd Ende Juli, (2.) Mahd im September und (3.) Mahd am Gehölzkomplex alle zwei Jahre im März. Zeichnung: Jonas Renk 2021

Die Mahd sollte zudem tendenziell eher später und seltener erfolgen. Das im konkreten Fall am besten geeignete Mähregime (d. h. Mähhäufigkeit und -zeitpunkte) ist dabei von vielen Faktoren wie Vegetationstyp, Wuchsverhalten, Standort, Boden, klimatischen Bedingungen und Wetter, Nutzungsform und -intensität der Fläche, Sicherheitsaspekten sowie Entwicklungsziel abhängig. Außerdem kann die vorgesehene Verwertung Einfluss auf das Mähregime haben. Wenn das Mähgut beispielsweise traditionell zur Heugewinnung und Verfütterung dienen soll, können eine wesentlich frühere erste Mahd und mehrere Mähgänge im Jahr erforderlich sein. Sofern es der gewählte Verwertungspfad und andere Rahmenbedingungen wie Sicherheitsaspekte zulassen, erscheint aus naturschutzfachlicher Sicht in vielen Fällen eine ein- bis zweischürige Mahd (d. h. ein oder zwei Mähgänge im Jahr) ungefähr ab Ende Juli zielführend. Mähwiesen, in denen zum Beispiel Wiesenbrüter (d. h. in Wiesen am Boden brütende Vögel) vorkommen, sollten nach Möglichkeit erst ab September gemäht werden (vgl. hierzu auch Deutsche Wildtier Stiftung 2019). Indem geeignete Bereiche besonders selten und erst zum Ende des Winters hin gemäht werden, beispielsweise alle zwei bis drei Jahre im März, können Überwinterungsmöglichkeiten für Insekten und natürliche winterliche Nahrungsangebote für Vögel und andere Tiere erhalten werden. Dafür bieten sich Altgrasstreifen an steilen Böschungen und Gehölzsaumstreifen besonders an.

In technischer Hinsicht kann sich eine naturfreundliche Mahd zum Beispiel dadurch auszeichnen, dass der Aufwuchs mit einem erhöht eingestellten Messerbalken geschnitten und danach von der Fläche abgeräumt wird. Doppelmesser-Mähwerke gelten dabei als besonders biodiversitätsfördernd. Konventionelles Mulchen hingegen sollte grundsätzlich eher vermieden oder wenigstens auf bestimmte Bereiche wie Straßenbankette reduziert werden. Hinsichtlich der Schnitthöhe beim Mähvorgang sollte das Mähgerät insbesondere zur Schonung von am Boden befindlichen Tieren grundsätzlich möglichst hoch eingestellt sein. Allerdings kann es bei einem sehr weiten Bodenabstand sein, dass durch das Umbiegen des Aufwuchses beim Mähen ein effektiver Schnitt erschwert wird. Zudem sollte schließlich auch eine naturverträgliche Mahd noch arbeitswirtschaftlich vertretbar sein. Ein Kompromiss erscheint hier in vielen Fällen eine Einstellung auf etwa 10 cm Höhe über dem Boden, damit mehr Tiere die Mahd überleben können und niedrig wüchsige Kräuter geschont werden. Diese erhöhte Einstellung hat zudem den Vorteil, dass die Mähgeräte ihrerseits besser geschont werden, weil es dadurch wesentlich seltener vorkommen dürfte, dass damit Boden, Steine oder andere harte Elemente am Boden getroffen werden, wodurch die Mähwerke erheblich beschädigt werden oder Messer schneller stumpf werden können. Außerdem ist das Verletzungsrisiko insbesondere bei handgeführten Geräten geringer. Im Übrigen führen Verschmutzungen wie auch Kadaver von Tieren, die durch ein niedriges Mähwerk getötet wurden, zu einer Verunreinigung des Mähguts - dieser Aspekt ist insbesondere bei der Heugewinnung zur Verfütterung ebenfalls nicht zu vernachlässigen. Die Höhe des Mähwerks kann je nach Typ beispielsweise mittels Gleit- oder Hochschnittkufen, Tast- beziehungsweise Stützrädern oder Laufrollen beeinflusst werden. Bei Schleppern lässt sich die Höhe in der Regel zumindest in einem gewissen Umfang auch durch Drehen am Oberlenker einstellen, für noch mehr Abstand sind dann jedoch häufig Hochschnittkufen erforderlich.

Das Abräumen des Mähguts sollte idealerweise möglichst nachträglich erfolgen, damit viele sich noch darin befindliche Insekten und Kleintiere fliehen und verbleibende Kräutersamen noch ausreifen und auf den Boden fallen können. Bei der Heugewinnung etwa wird das Mähgut (wenn auch wohl eher aus Gründen der Verwertung) häufig zunächst mindestens zwei bis drei Tage liegen gelassen. Zum effizienten Abräumen und insbesondere zur Heugewinnung kann der Einsatz eines Schwaders notwendig sein, bevor das Mähgut mittels Greif- oder Schaufelzange beziehungsweise Heuschwanz oder Frontgabel zusammengetragen oder -geschoben und gegebenenfalls zum Transport oder Pressen abgeräumt wird. Die Bergung des Mähguts kann auch mittels Ladewagen erfolgen, der in der Regel mit Förderschwingen, -band oder -rotoren ausgestattet ist. Das Abräumen sollte grundsätzlich nicht über konventionelles Absaugen des Mähguts vom Boden hr erfolgen, wie dies bei manchen Geräten der Fall ist, da hierbei in großem Umfang am Boden befindliche Insekten und Kleintiere sowie Samen mit abgesaugt werden können. Eine Ausnahme bildet hierbei das Absaugen zur Mähgutübertragung bei der Anlage neuer artenreicher Mähwiesen, der sogenannten Mähgut-Impfung, etwa auf Kompensations- oder Ökokontoflächen für Ausgleichs- und Ersatzmaßnahmen. Indem beim Mähen und Abräumen versucht wird, die befahrene beziehungsweise überrollte Fläche auf das unbedingt notwendige Maß zu begrenzen, können ebenfalls Verluste an Tieren reduziert und die Wiesenkräuter besser geschont werden. Ein niedrigerer Boden- und Auflagedruck spart zudem Treibstoff und schont die Grasnarbe.

Die für einen biodiversitätsschonenden Mäh- und gegebenenfalls Abräumvorgang konkret geeigneten Maschinen und Geräte können nach Einsatzbereichen unterschieden werden, wobei sich hier natürlich Überschneidungen zwischen den Anwendungsmöglichkeiten ergeben und weder für die Bandbreite an Wiesen- und Extensivrasen-Typen, noch für die in Frage kommende Technik ein Anspruch auf Vollständigkeit bestehen kann.

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Speziell für die Mahd am Straßenrand sind inzwischen Geräte entwickelt worden, mit denen gezielt Tiere geschont und Pflanzensamen auf der Fläche belassen werden sollen. So beispielsweise beim abgebildeten System, bei dem das Mähgut zwar abgesaugt wird, jedoch nicht auf konventionelle Weise vom Boden her, sondern horizontal, sodass nur das über dem Boden tatsächlich abgeschnittene Mähgut abgesaugt wird, wodurch es weniger Verluste bei den Insekten und Kleintieren gibt. Foto: Jonas Renk 2021
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Ebenfalls speziell für die Mahd am Straßenrand geeignetes System zur Schonung von Insekten: Hier sollen mittels eines vorgeschalteten Gebläses die auf dem Aufwuchs befindlichen Insekten vor dem eigentlichen Abmähen zur Seite hin, also gegebenenfalls in den Extensivbereich, weggeblasen werden. Foto: Jonas Renk 2021
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Vollelektrischer Einachser-Geräteträger mit Doppelmesser-Mähbalken. Über Gleitkufen lässt sich der Abstand zwischen Mähbalken und Boden erhöhen. Foto: Jonas Renk 2021
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Ferngesteuerter Raupen-Geräteträger mit Portal-Mähbalken. Foto: Jonas Renk 2021

Großflächige Mähwiesen, Grünland und großräumigere Landschaftspflege

Für die großflächig angelegte Mahd im landwirtschaftlichen Grünland und in der Landschaftspflege werden in der Regel Standard-Schlepper (Traktoren) mit Front-, Heck- oder Seitenanbaugeräten sowie Anhänger wie Ladewagen verwendet. Im Sinne von Natur und Biodiversität bieten sich für die schonende Grünlandmahd Mäh-Anbaugeräte wie entsprechend erhöht eingestellte Doppelmessermähbalken möglichst mit angebauten Abstreifvorrichtungen sowie schonende Schwader jeweils als Front-, Heck- oder Seitenanbau an. Mit kombinierten marktüblichen Schmetterlingsmähwerken aus einem Front- oder Heckmähbalken und zwei seitlich klappbaren Mähbalken beziehungsweise mit entsprechend aneinandergebauten Schwadern können bei großflächigem und gleichmäßigem Gelände Arbeitsbreiten über 9 m abgedeckt werden. Die überfahrene und überrollte Fläche wird dabei dementsprechend geringgehalten. Einer nicht zu hohen Arbeitsgeschwindigkeit und einer hohen Aufmerksamkeit der Fahrer kommt bei solchen Arbeitsbreiten sicherlich eine besondere Bedeutung zu, damit bei der Mahd möglichst wenig größere Tiere getötet oder verletzt werden beziehungsweise für diese genug Zeit zur Flucht bleibt oder sie rechtzeitig bemerkt werden können. Denn viele junge Wildtiere wie etwa junge Rehkitze, Hasenjunge, Igel oder Wiesenbrüterküken fliehen bekanntlich nicht oder meist nicht schnell genug bei der Mahd, wodurch sie dabei häufig getötet oder tödlich verletzt werden. Vor diesem Hintergrund sind inzwischen auch Spezial-Systeme zur Wildtierrettung entwickelt worden, darunter beispielsweise ein automatisiertes und auf einem optischen Infrarot-Sensor basierendes Assistenzsystem, das am Frontanbau-Mähwerk angebracht wird und durch das solche größeren Tiere unmittelbar bei der Mahd erkannt werden sollen und deren Tötung oder Verletzung somit verhindert werden soll. Um insbesondere Insekten unmittelbar vor dem Mäh- oder Mulchvorgang zu schützen, gibt es hingegen sehr einfache und günstige Lösungen für die Anbaugeräte: Durch spezielle Abstreifvorrichtungen (z. B. als klappbare Zinken-Bügel) am Anbau werden viele Insekten unmittelbar vor dem eigentlichen Mäh- oder Mulchvorgang vom Aufwuchs abgestreift. Dadurch werden viele Insekten entweder verscheucht und fliegen weg oder lassen sich auf den Boden fallen und haben dadurch eine höhere Überlebenschance. Insbesondere auf großflächigen Mähwiesen wird das Mähgut manchmal auch noch nach wie vor zur Heugewinnung beziehungsweise Verfütterung verwendet, wenn sich darin keine giftigen Kräuter wie Jakobskreuzkraut (Senecio jacobaea) oder Herbstzeitlose (Colchicum autumnale) befinden. Dazu ist es notwendig, das Mähgut nach der Mahd zur gleichmäßigen Trocknung zunächst zu zetten und zu wenden und es dann zu schwaden, um es schließlich zu bergen und zu verfüttern. Auch hierbei sollten die Zinken nicht zu niedrig eingestellt und die Arbeitsgeschwindigkeit nicht zu hoch sein. Neben der Schonung von Tieren und niedrigen Kräutern dient dies auch der Sauberkeit und der gleichmäßigen Verteilung des Mähguts. Zum Abräumen und Bergen des Mähguts werden bei der Grünlandmahd mit Schlepper häufig auch die bereits erwähnten Greif- oder Schaufelzangen beziehungsweise Heuschwänze oder -gabeln als Frontanbaugeräte sowie hinten angehängte Ladewagen verwendet.

Straßen- und Wegebegleitgrün sowie Grabenböschungen

Die geeignete naturfreundliche Technik im landwirtschaftlichen Grünland unterscheidet sich in weiten Teilen von den Maschinen und Geräten für den Einsatz an Straßen, Wegen und Gräben. Insbesondere am Straßenrand und auf Grabenböschungen werden häufig Klein-Lkw und Schlepper mit Auslegerarmen benutzt, an denen sich die entsprechenden Arbeitsköpfe zum Mähen und gegebenenfalls Abräumen befinden. Auf Straßen oder Wegen fahrend können entsprechende Grünstreifen dann häufig bearbeitet werden, ohne sie direkt befahren zu müssen. Außerdem werden in diesen Bereichen - ebenso wie in Grünanlagen und in der Landschaftspflege bei entsprechendem Gelände häufig Hangschlepper mit Anbauten zum Mähen und gegebenenfalls Mähgut-Abräumen sowie in zunehmendem Maße ferngesteuerte Geräteträger mit entsprechenden Anbauten eingesetzt (auf Letztere wird im nachfolgenden Kapitel näher eingegangen).

Im Straßen- und Wegebegleitgrün macht es grundsätzlich Sinn, zwischen den Bereichen zu unterscheiden, in denen unterschiedliche Spielräume für eine biodiversitätsfördernde Mahd bestehen. Insbesondere bei der Mahd im Straßenbegleitgrün sollte in diesem Zusammenhang zwischen Sicherheits- und Extensivbereich unterschieden werden. Mit Sicherheits- oder Intensivbereich sind hierbei die unmittelbar an die Fahrbahn angrenzenden Bereiche der Straßenbankette und Leitpfosten sowie andere Bereiche (etwa an Auffahrten oder Kreuzungen) gemeint, in denen der Aufwuchs aus Gründen der Verkehrssicherheit und der Sichtverhältnisse relativ niedrig gehalten werden muss. Sehr häufig umfasst das Straßenbegleitgrün neben dem Sicherheitsbereich auch einen daran angrenzenden Extensivbereich, in dem mehr Spielraum für eine naturfreundliche Mahd besteht. Im Sinne einer abschnittsweisen beziehungsweise teilflächigen Mahd ist es insbesondere bei größeren Extensivflächen sinnvoll, diese in Teilbereiche mit jeweils unterschiedlichen Mähzeitpunkten zu untergliedern. Dazu bieten sich aus praktischen Gründen markante Stellen wie etwa Kreuzungen, Anschlussstellen, Auf- und Abfahrten an. Häufig können im Extensivbereich auch Altgras- oder Gehölzsaumstreifen entwickelt werden, die über den Winter belassen und noch seltener gemäht werden. So könnte bei einer größeren Extensivfläche mit Gehölzkomplex bei entsprechenden Gegebenheiten (einschließlich der Verwertung) beispielsweise eine Unterteilung in die drei Abschnitte (1.) Mahd Ende Juli, (2.) Mahd im September und (3.) Mahd am Gehölzkomplex alle zwei Jahre im März erfolgen. Analog zu Sicherheits- und Extensivbereich an Straßen kann auch an Geh- und Radwegen häufig zwischen dem unmittelbar an den Weg angrenzenden Wegsaum als Sicherheitsstreifen und den daran anschließenden Extensivbereich unterschieden werden. Hier kann es sich anbieten, unmittelbaren am Weg einen beispielsweise 0,5 m breiten Streifen häufiger zu mähen, sofern der Aufwuchs ansonsten zu sehr in den Weg hineinwächst. Der auch an Wegen oftmals daran angrenzende Extensivbereich kann dann entsprechend seltener und später gemäht werden. Ein schmaler Streifen am Weg, der häufiger gemäht wird, kann sich nach eigener Erfahrung auch akzeptanzfördernd auswirken, indem gezeigt wird, dass hier der Extensivbereich bewusst später gemäht wird und zugleich dem Bedürfnis nach einer als sauber und ordentlich empfundenen Mahd am Wegesrand in einem Umfang Rechnung getragen wird, der in der Regel mit dem Ziel der Biodiversitätsförderung noch vereinbar sein sollte.

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Einachser-Geräteträger mit Stachelwalzen und Mähbalken-Anbau im Einsatz. Foto: Jonas Renk 2021
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Einachser-Geräteträger mit Stachelwalzen und Bandschwader-Anbau im Einsatz. Foto: Jonas Renk 2021
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Einachser-Geräteträger mit einer Reifen-Stachelwalzen-Kombination und einem Anbau zum Schieben oder Schwaden von Mähgut. Foto: Jonas Renk 2021
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Ferngesteuerter Raupen-Geräteträger mit Anbau zum Laden, Schieben oder Schwaden von Mähgut im Einsatz. Foto: Jonas Renk 2021

Als Arbeitsköpfe an den Auslegerarmen der Klein-Lkw und Schlepper, die auf den Grünstreifen im Einsatz sind, können schonende Mähwerke und Schwader genutzt werden. Auch diese Arbeitsköpfe sollten möglichst erhöht eingestellt sein und die von ihnen überrollte Fläche möglichst gering und ohne hohen Druck sein, beispielsweise mittels Tastrollen oder Gleitkufen anstatt breiten Abrollwalzen. Als Mähköpfe an Auslegern zum schonenden Mähen gibt es zum Beispiel Mähbalken mit Messermähwerken oder Schlegelmähköpfe mit speziell gestalteten Messern, durch die ein Ansaugen von Insekten weitgehend verhindert werden soll. Auch die bereits erwähnten Abstreifvorrichtungen zum Schutz von Insekten gibt es für Mäh- und Mulchköpfe an Auslegern. Zudem sind inzwischen weitere technische Ansätze speziell für den Einsatz im Straßen- und Wegebegleitgrün auf dem Markt, mit denen im Sinne der Biodiversität gezielt Tiere geschont und Pflanzensamen auf der Fläche belassen werden können, deren Effekt jedoch unterschiedlich genau untersucht worden ist. So gibt es beispielsweise ein spezielles System, dessen positiver Effekt auf die Biodiversität bereits recht umfassend geprüft und belegt worden ist und bei dem das Mähgut zwar abgesaugt wird, jedoch nicht auf konventionelle Weise vom Boden her, wodurch eben Insekten und Samen vom Boden mit abgesaugt werden würden, sondern bei dem durch gezielte horizontale Luftführung im Mähkopf nur das über dem Boden tatsächlich abgeschnittene Mähgut abgesaugt wird und dadurch wesentlich weniger Insekten getötet oder verletzt werden. Ein weiteres System in diesem Kontext basiert auf dem Ansatz, mittels eines vorgeschalteten Gebläses die auf dem Aufwuchs befindlichen Insekten vor dem eigentlichen Abmähen horizontal zur Seite hin, also gegebenenfalls in den Extensivbereich oder jedenfalls vom Weg oder von der Straße weg, abzublasen und dadurch eine Tötung oder Verletzung der Tiere durch das Mähen zu verhindern. Als Arbeitsköpfe für Auslegerarme an Schleppern und Straßenbau-Lkw gibt es jedoch nicht nur Mähköpfe, sondern zum Beispiel auch Bandschwader zum Abräumen des Mähguts. Auch bei der Mahd an Grabenböschungen werden in der Regel Schlepper und Lkw mit langen Auslegerarmen verwendet, an denen sich die Arbeitsköpfe befinden. Auch hier können die genannten Mäh- und Schwad-Köpfe verwendet werden.

Zur naturfreundlichen Pflege im Straßen- und Wegebegleitgrün sind inzwischen zahlreiche Konzepte auf verschiedenen Ebenen entwickelt worden, so etwa das 2020 vom Bayerischen Staatsministerium für Wohnen, Bau und Verkehr herausgegebene Konzept "Ökologische Aufwertung von Straßenbegleitflächen entlang von Bundes- und Staatsstraßen in Bayern", das als Arbeitsgrundlage für eine ökologisch ausgerichtete Pflege entlang der Bundes- und Staatsstraßen in Bayern dienen soll.

Grünanlagen und kleinräumigere Landschaftspflege

Im Straßen- und Wegebegleitgrün, aber auch in Grünanlagen wie Parks und in der Landschaftspflege kann es sich insbesondere in schwierigerem Gelände neben der Nutzung von Hangschleppern auch anbieten, handgeführte oder ferngesteuerte Geräte einzusetzen. Häufig handelt es sich hierbei um Einachser oder Maschinen mit Raupenfahrwerk. Als biodiversitätsfördernde Mäh- und Abräumtechnik bieten sich hierbei leichtere Balkenmäher als Einachser mit erhöht einstellbarem (Doppelmesser- oder Finger-) Mähbalken oder Geräteträger an, an die flexibel solche Mähbalken oder auch Anbaugeräte zum Schwaden (bspw. mittels Bandschwader) und Bergen des Mähguts (bspw. mittels Heuschieber oder Greifgabeln) einfach und schnell montiert werden können. Solche Geräteträger mit flexiblen Anbaumöglichkeiten können auch den Vorteil haben, dass häufig eine große Bandbreite an möglichen Anbaugeräten für den kommunalen Bereich zur Verfügung steht, auch über das biodiversitätsfördernde Mähen und Mähgut-Abräumens hinaus (z. B. zum Schneeräumen oder Kehren). Inzwischen sind auch solche Geräteträger verfügbar, die sowohl per Hand geführt als auch ferngesteuert arbeiten können, teilweise kann sich die bedienende Person auch noch zusätzlich auf den Geräteträger hinten aufstellen. Zudem gibt es hand- und fernsteuerbare Einachser-Geräteträger, die mit Mähbalken ferngesteuert miteinander kombiniert werden können, wodurch sie eine doppelte Arbeitsbreite im gleichen Zeitraum mähen können. Bei den Mähwerken an hand- und ferngesteuerten Geräten ist jedenfalls - wie bei anderen Mähgeräten auch - wichtig, dass diese wie schon erwähnt erhöht, zum Beispiel 10 cm über dem Boden, mähen. Dies kann bei entsprechenden Balkenmähern und Geräteträgern mit Mähbalken häufig mittels der Gleitkufen oder Tast- oder Stützrädern eingestellt werden.

Zur Aufnahme des Mähguts von kleineren Flächen oder schmaleren Bereichen oder in schwierigerem Gelände kann sich der Einsatz von Ladewagen-Anbauten für Schmalspur-Geräteträger anbieten, auch hierfür gibt es bereits entsprechende technische Lösungen auf dem Markt.

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Heuschieber als Anbaugerät an einem Einachser-Geräteträger. Foto: Jonas Renk 2021
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Motorsense mit Kreiselscherenkopf mit klappbarem Rindenschutz. Foto: Jonas Renk 2021
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Kleinräumige Mahd mit Motorsense

Für die Mahd auf besonders kleinem Raum oder an besonders schwierigen Stellen, kann auch der Einsatz von Motorsensen notwendig sein. Zur Schonung von Insekten bieten sich hier Kreiselscherenköpfe (vgl. hierzu auch Andres et al. 2020) und ähnliche schneidende Systeme ohne Sogwirkung wie entsprechende Grasschneideblätter an. Um beispielsweise die Rinde von zu erhaltenden Bäumen dabei nicht versehentlich zu beschädigen, kann es zudem sinnvoll sein, einen (klappbaren) Rindenschutz an der Motorsense anzubringen.

Frage der Verwertung - Wohin mit dem Mähgut?

Das Abräumen des Mähguts ist grundsätzlich ein wichtiger Aspekt der naturfreundlichen Mahd. Hier stellt sich allerdings häufig die Frage, wie das abgeräumte Mähgut sinnvoll verwertet werden kann und darf. Schade ist jedenfalls, wenn das Mähgut als eine Art "Abfallprodukt" betrachtet wird. Während die traditionelle Verwertung für Tiere als Heu beziehungsweise Futter oder Streu inzwischen weniger häufig Anwendung finden dürfte, steht inzwischen zumindest theoretisch eine Vielzahl an weiteren Verwertungspfaden zur Verfügung, von denen in der Praxis im konkreten Fall aber häufig nur Wenige in Frage kommen. Grundsätzlich stehen zur Mähgut-Verwertung drei Varianten zur Verfügung: (1.) stofflich, (2.) energetisch und (3.) energetisch-stofflich kombiniert. Die stoffliche Verwertung umfasst neben der Futterverwertung auch die in der Praxis häufig bevorzugte Kompostierung, aber auch weniger geläufige Verwertungspfade wie die Nutzung zur Herstellung von Bio- und Aktivkohle, biogener Polymere und Fasern, Verpackungsmaterialien sowie Dämm- und Baustoffen. Energetisch kann Mähgut in Biogasanlagen und Biomasse(heiz)kraftwerken genutzt werden. Als kombinierte Verwertung kann zum Beispiel die von der Universität Kassel entwickelte IFBB-Methode (IFBB = Integrierte Festbrennstoff- und Biogasproduktion aus Biomasse) betrachtet werden, bei der zugleich Strom, Wärme, Festbrennstoff und Dünger produziert wird (vgl. dazu Richter et al. 2009).

Fazit und Ausblick

Insgesamt lässt sich feststellen, dass die technischen Voraussetzungen für eine naturfreundliche und zugleich effektive Mahd von Wiesen und Extensivrasen unterschiedlicher Größenordnung und Ausprägung verfügbar sind, wobei die hier aufgezeigte Technik nur beispielhaft für ein noch weitaus größeres Spektrum geeigneter Maschinen und Geräte verschiedener Hersteller steht. Viele Unternehmen in dem Bereich haben die Herausforderung und den Trend hin zu einer biodiversitätsfördernden Pflege erfreulicherweise erkannt und sich darauf eingestellt oder sind aktuell dabei, Ihre Produktpalette dahingehend anzupassen oder zu erweitern. In der Praxis der Mahd sollte jedoch unbedingt bedacht werden, dass die fachgerechte und zielführende Anwendung geeigneter Technik zwar ein wesentlicher Baustein ist, es aber darüber hinaus viele weitere wichtige Aspekte wie eine abschnittsweise Abfolge der Mahd und ein entsprechendes Mähregime gibt, die eine naturfreundliche Mahd ausmachen. Die Frage nach einer sinnvollen Verwertung des beim Abräumen anfallenden Mähguts sollte bereits vor der Mahd geklärt werden, da sich aus der Verwertung bestimmte Anforderungen an die Mahd ergeben können. In manchen Fällen mag auch eine bislang noch weniger geläufige Verwertungsform in Frage kommen.

Literaturhinweise

Die Empfehlungen für eine naturfreundliche Mahd in diesem Beitrag beruhen auf folgender Fachliteratur:

Andres, C. et al. (2020): Straßenbegleitgrün. Wirtschaftlich, ökologisch und verkehrssicher. Merching.

Degenbeck, M. und Edelmann, T. (2020): Mehr Biodiversität im Stadtgrün - Lagebericht aus Bayern. In: Neue Landschaft, Ausgabe 12/2020, 23-31.

Deutsche Wildtier Stiftung (2019): Praxisratgeber Mähtod. Ein Ratgeber zum Schutz von Jungwild und Wiesenvögeln. Hamburg:

Humbert, J.-Y. (2010): Low input meadow harvesting process and its impact on field invertebrates. A dissertation submitted to ETH Zurich for the degree of Doctor of Sciences. Zürich.

Liczner, Y. (1999): Auswirkungen unterschiedlicher Mäh- und Heubearbeitungsmethoden auf die Amphibienfauna in der Narewniederung (Nordostpolen). In: RANA Sonderheft 3, 67-79. Rangsdorf.

Müller, M. und Bosshard, A. (2010): Altgrasstreifen fördern Heuschrecken in Ökowiesen - Eine Möglichkeit zur Strukturverbesserung im Mähgrünland. In: Naturschutz und Landschaftsplanung, Ausgabe 42 (7), 212-217.

Musche, E. (2020): Effektiv mähen, Fauna schonen. In: DEGA GaLaBau. Ausgabe 3/2020.

Noordijk, J.; Delille, K.; Schaffers, A. P.; Sy´kora, K. V. (2009): Optimizing grassland management for flower-visiting insects in roadside verges. In: Biol. Conserv. 142: 2097-2103.

Noordijk, J.; Schaffers, A. P.; Heijerman, T.; Boer, P.; Gleichman, M.; Sy´kora, K. V. (2010): Effects of vegetation management by mowing on ground-dwelling arthropods. In: Biol. Engineering 36: 740-750.

Oppermann, R. (2007): Auswirkungen landwirtschaftlicher Mähgeräte auf Amphibien. In: Laufer, H. et al.: Amphibien und Reptilien Baden-Württembergs. Ulmer-Verlag. Stuttgart. 102-108.

Oppermann, R. und Krismann, A. (2003): Schonende Bewirtschaftungstechnik für artenreiches Grünland. In: Oppermann, R. und Gujer, H. U.: Artenreiches Grünland bewerten und fördern. Ulmer-Verlag. Stuttgart. 110-116.

Prochnow, A. und Meierhöfer, J. (2003): Befahrmuster bei der Grünlandmahd - Faunaschonung und Aufwendungen. In: Agrartechnische Forschung. Ausgabe 9/4 (2003), Heft 4, 36-43.

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Woodcock, B. A. et al. (2014): Enhancing floral resources for pollinators in productive agricultural grasslands. In: Biolog. Cons. 171, 44-51.

Zechmeister, H.G. et al. (2003): The influence of land-use practices and economics on plant species richness in meadows. In: Biological Conservation 114 (2003), 165-177.

Zum Thema IFBB-Methode wird auf folgende Literatur verwiesen:

Richter, F.; Kuschnereit, S.; Graß, R.; Fricke, T.; Wachendorf, M. (2009): Erhalt ökologisch wertvoller Grünlandstandorte durch eine Integrierte Festbrennstoff- und Biogasproduktion aus Biomasse (IFBB-Verfahren). In: 10. Wissenschaftstagung Ökologischer Landbau, Zürich, Band 1. 167-170.

M.Sc. Jonas Renk
Autor

Umweltplaner und Ingenieurökologe, Projektmanager beim Bündnis Kommunen für biologische Vielfalt

Bayerische Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau (LWG)

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