Ökonomisch betrachtet

Unternehmenswert

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Das Ende des Jahres ist bei vielen Betrieben durch Abrechnen und Bewerten im Rahmen des Jahresabschlusses gekennzeichnet. Auch über den Wert des Betriebs denken jetzt einige UnternehmerInnen nach, weil Umfirmierungen, Gründungen und Übergaben oft mit dem Jahreswechsel erfolgen.

Der Unternehmenswert ergibt sich in aller Regel aus dem sogenannten Ertragswert. Er errechnet sich vereinfacht aus zwei Komponenten: Dem durchschnittlichen (nachhaltigen) Ertrag dividiert durch eine kalkulatorische Verzinsung. Ersterer Wert repräsentiert den Betriebserfolg und der zweite Wert die marktübliche Verzinsung des eingesetzten Kapitals.

Anders ausgedrückt: Wenn 1 Mio. Euro in einen Betrieb investiert werden sollen, welche Verzinsung auf dieses Kapital ist dann bei einem Baubetrieb marktüblich? Diese Frage ist schwer zu beantworten, da Unternehmensanteile im GaLaBau nicht am Markt oder besser, der Börse gehandelt werden und somit kein ausreichender Vergleich zur Verfügung steht.

Die Unternehmensbewertung ist daher eine heikle Angelegenheit, bei der die Verzinsung geschätzt werden muss. Dabei werden Zinssätze von wenigen Prozent bis zu über 40 Prozent unterstellt. Je höher das Risiko, desto höher der Zinssatz.

Es stecken also enorm viele Unwägbarkeiten in einem Baubetrieb, wenn man bedenkt, dass der quasi risikofreie Zins deutscher Staatsanleihen (15 Jahre) in 2021 bei -0,12Prozent lag. Es kommen insofern Risikozuschläge für Kostenrisiken, Immobilität, Personenabhängigkeit, Personalstruktur, Branchenkonjunktur, Produkt- und Leistungsangebot, Kundenabhängigkeit, Standort und Wettbewerb, Betriebsausstattung, sonstige betriebsspezifischen Risiken und besonders die Inhaberabhängigkeit hinzu.

Die Wahl der Zuschläge muss wohl überlegt sein. Ein Beispiel: Für einen Betrieb mit einem Umsatz von ca. 1,5 Mio. Euro und einem branchendurchschnittlichen Ertrag von knapp 170.000 Euro (ca. 11%) ergibt sich bei 16%iger Verzinsung ein Unternehmenswert von 1 050.000 Euro. Erhöht sich der Zins um nur zwei Prozent, so sinkt der Wert bereits um rund 11 Prozet auf ca. 930.000 Euro. Durch die Annahme einer höheren Verzinsung wird quasi ein größeres Ergebnisrisiko, in diesem Fall von ca. 11 Prozent bzw. 20.000 Euro (entspricht fast 1,3 % Umsatzrendite) unterstellt.

Grundsätzlich gerechtfertigt ist die große Spannbreite der Zinssätze, denn z. B. der Branchenreport der Sparkassen zeigt eine Streubreite der Umsatzrenditen zwischen 5 bis zu 20 %, also bei obigem Beispielbetrieb zwischen 75.000 Euro und 300.000 Euro. Das entspricht einer Verzinsung zwischen 9 und knapp 36 Prozent. Zu klären bleibt die Frage, durch welche Einflüsse und um welche Größenordnung konkret der Ertrag geschmälert werden kann. Das ist nur durch eine genaue Unternehmensanalyse zu klären.

Prof. Dr.-Ing. Heiko Meinen

h.meinen@kullmann-meinen.de

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Prof. Dr. Heiko Meinen
Autor

Leiter des Instituts für nachhaltiges Wirtschaften in der Bau- und Immobilienwirtschaft (inwb), Hochschule Osnabrück

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