Pflanzenverwendung: New German Gardening

Schlaue Nieswurz hält die Moral hoch in winterlicher Tristesse

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Hummelbrummen im Hochwinter? Helleborus foetidus, die stinkende Nieswurz, lockt durch einen schlauen Trick, an milden Februartagen Insekten in ihre eher kleinen Blüten. Klein aber oho, denn sie sind tatsächlich - beheizt! Hefepilze bauen den im süßen Nektar befindlichen Zucker ab, wobei erstaunliche Mengen Wärme frei werden: Bis zu 6° Temperaturunterschied gegenüber der Außentemperatur an den Staubgefäßen, wonnige Wärme für Hummeln und Pelzbienen! Trickreich auch die spätere Samenausbreitung. Mit einem Elaiosom (ölhaltiges Anhängsel) werden Ameisen gelockt, welche die speziell für sie produzierten Appetithäppchen zu ihrem Bau schleppen, dort das leckere Lockmittel einlagern, um den für sie nutzlosen Samen in die Umgebung zu entsorgen.

Eine bessere Ausbringung kann sich die für uns giftige Pflanze nicht wünschen für ihre im Frühsommer reifen Samen, denn Ameisen sind gerne an warmen lichtschattigen und mild besonnten Plätzen im Gehölzsaum unterwegs und dies ist der ideale Standort für die Palmwedel-Nieswurz. So nannte der um positive Wortschöpfungen nie verlegene Altmeister Karl Foerster den krautigen Halbstrauch Helleborus foetidus; das wintergrüne Laub erinnert tatsächlich ein wenig an kleine Palmen. Alle Helleborus wachsen in der Natur an frischen bis mäßig trockenen Standorten mit lockeren Böden, die durchaus nahrhaft sein können, allerdings niemals nass. Entsprechend wähle man den Gartenstandort, eher trocken, halbschattig und etwas geschützt, sowohl vor brennender Sommersonne, als auch vor austrocknenden Ostwinden im Winter.

Helleborus bevorzugen generell leicht basische Böden, bei Bedarf sollte kohlensaurer Kalk in den Boden eingearbeitet oder gleich ordentlich Kalksplitt oder Lava als Mulch verwendet werden. Eine trockene Falllaub-Decke, wie in der Natur, ist gleichermaßen geeignet. Problematisch sind Mulchmaterialien, die den Wasserhaushalt stören und Nässeschichten produzieren, wie zu dicke Rindenmulch-Auflagen. An geeigneten Standorten sähen sich die mäßig langlebigen Pflanzen mit Sicherheit gerne aus, um völlig selbstständig langlebige Bestände zu bilden. Es ist wie so oft: ein klug gewählter Standort spart Pflege und beugt Enttäuschungen vor.

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Helleborus foetidus hält die Moral hoch in winterlicher Tristesse. Es gibt gute Argumente sie regelmäßig zu verwenden, denn winterblühende Pflanzen sind natürlich hocherfreulich und die Pflanze wirkt bereits für sich alleine. Das je nach Herkunft frischgrün bis leicht bläuliche, geschlitzte Laub kontrastiert gut mit dem Untergrund, ob Kies oder organischem Mulch. Kombiniert werden kann die Pflanze mit den bekannten anderen Winterblühern, Vorfrühlings-Wildalpenveilchen Cyclamen coum und Gehölzen wie Hamamelis, Chimomanthes, Parrotia oder Jasminum nudiflorum. So lassen unerwartete Glanzpunkte im Spätwinter zusammenfügen, frühe Zwiebeln wie Winterlinge, Schneeglöckchen und Elfenkrokus stehen zur Ergänzung bereit. Mindestens ebenso wirkungsvoll ist der optische Kontext mit wintergrünem Laub von Bergenien, den Marbeln (Luzula nivea und L. sylvatica) , Gamander (Teucrium chamaedrys) oder sogar mediterranen Halbsträuchern wie Lavendel.

 Till Hofmann
Autor

Schau- und Sichtungsgarten Hermannshof

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