Nachhaltige Wasserwirtschaft im urbanen Raum
Versickerungspflanzungen an Parkplätzen
von: Dipl.-Ing. (FH) Hanne Roth

Wie und wo Regenwasser versickern darf, ist auf Bundesebene vor allem durch das Wasserhaushaltsgesetz geregelt. Die Länder können ergänzende oder abweichende Regelungen treffen, sofern das Bundesgesetz ihnen dazu die Möglichkeit gibt. Darüber hinaus gibt es auf kommunaler Ebene Satzungen, die Aussagen über die Versickerung von Niederschlagswasser treffen. In Bayern gilt die Niederschlagswasserfreistellungsverordnung (NWFreiV und TRENGW). Technische Vorgaben auf Bundesebene sind über einschlägige DIN-Normen sowie die ATV: DWA-A 138 "Planung, Bau und Betrieb von Anlagen zur Versickerung von Niederschlagswasser" (2005) und in der FLL-Richtlinie "Empfehlungen zur Versickerung und Wasserrückhaltung" (2005) definiert. Beide Richtlinien werden derzeit überarbeitet.
Es gibt unterschiedliche Aufbauten, je nach Flächenverfügbarkeit Flächen- oder Muldenversickerung oder Rohr-/Rigolen- oder Schachtversickerung. Meine Beispiele sind auf Rigolen-Versickerung angelegt, d. h. unter der Mulde wurde mit grobkörnigem Schotter oder Kies verfüllt. Dadurch steht neben dem oberirdischen Speicher ein Rückstauvolumen in den Poren dieses Rigolenkörpers zur Verfügung. Angestautes Regenwasser muss in 24 Stunden versickert sein.


Anforderung an den Boden
pH-Wert: 6 bis 8, Humusgehalt: 2 bis 10 Pror
Eine ausreichende Reinigung wird erreicht, wenn laut FLL-Richtlinie "geeignetes Bodenmaterial in einer Dicke von mindestens 10 cm" aufgetragen wird, dass nach DWA-A 138 als "Oberschicht" definiert ist. In Verbindung mit einer Begrünung soll eine nicht mehr als 20 cm dicke Schicht mit einer Wasserdurchlässigkeit kf = 1 x 10 -5 m/s nach DIN 18130 aufgetragen werden.
Demzufolge können Oberböden aus Fein- und Mittelsanden eingebracht werden, wie sie beispielsweise auch als Rasentragschichten im Sportplatzbau Verwendung finden. Eine zusätzliche Schicht aus wasserdurchlässigen, nicht abschwemmbaren, mineralischen Mulchmaterialien wie Kies oder Kalkschotter ermöglicht darüber hinaus eine differenzierte, standortgerechte Bepflanzung des Versickerungsstandortes. Regionale Regelungen und Vorgaben sind zu beachten.
Anforderungen an die Bepflanzung
Laut DWA-A 138 wird in der Regel eine Rasenansaat empfohlen als sofort wirkende Erosionssicherung auch Muldenbegrünungsmatten oder Rollrasen. Die aktuelle FLL -Richtlinie sieht keinen Bewuchs mit Gehölzen vor. Dies ist keine bindende normative Vorschrift, sondern eine Richtlinie mit Empfehlungscharakter. Jedoch spricht nichts gegen deren Verwendung, wenn die Funktion der Anlagen nicht beeinträchtigt wird. Generell sollen für Rigolen nur Flachwurzler, keine Tiefwurzler verwendet werden.
Modellversuche an der Bayerischen Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau (LWG) und an anderen Standorten haben in der Vergangenheit vielversprechende Ansätze zur Wirksamkeit und zur Gestaltung vegetationsfähiger Versickerungseinrichtungen aufgezeigt. Dabei fiel auf, dass die Leistungsfähigkeit von bepflanzten Mulden sogar ein größeres Versickerungspotenzial aufwies als mit Rasen bestockte Muldenvarianten. Heute werden diese Erkenntnisse in realen Bauprojekten bereits umgesetzt.
Im Weißbuch Stadtgrün "Grün in der Stadt – Für eine lebenswerte Zukunft" empfiehlt inzwischen der Bund den Kommunen, das Regenwassermanagement auf Rückhalt und Verdunstung auszurichten als Maßnahme zur Stärkung des Klimaschutzes (BMUB, 2017). In den Mulden finden wir völlig verschiedene Bodenbereiche vor. Im Sohlbereich kann es am ehesten zu feuchteren Verhältnissen kommen.
Dort benötigen wir Pflanzen mit großer Feuchtigkeitstoleranz aus wechselfeuchten oder wechseltrockenen Standorten. Wesentlich ist, dass sie bei Überflutungen nicht mit Boden- oder Schlammteilen bedeckt werden. Je weiter es in der Mulde nach oben geht, um so trockener wird der Standort. Im Extrembereich zwischen Bordstein, Betonkeil und steiler Anschüttung des Bodens sind Trockenkünstler gefragt wie Euphorbia cyparissias und E. myrsinites, Anaphalis, Nepeta, Achnatherum etc.



Versickerungspflanzungen an Parkplätzen
Diese Art Pflanzungen können tatsächlich begeistern. Sie geben zu beinahe jeder Jahreszeit ein wundervolles Bild ab und erfreuen damit nicht nur Insekten und Kriechtiere. In der Realität benötigt man noch immer Überredungskunst, überzeugendes Auftreten, langen Atem, am Ende wären fachliche Versiertheit und Pflanzenkenntnisse von Nutzen, macht man sich an die Gestaltung von Sickermulden.
Täglich bekommt jeder Autofahrer diese zu Gesicht, ist er auf der Suche nach einem Parkplatz in einem Einkaufzentrum. Auch Fußgänger latschen häufig über die Kantensteine, durchqueren unachtsam die Mulde, um schneller an den Einkaufswagen zu gelangen.


Beispiele aus der Praxis:
Die nachfolgende Tabelle gibt einen Überblick über verwendete Arten und deren Eigenschaften in einer Mulden-Rigolenbepflanzung an einem Parkplatz in Ingolstadt-Weiherfeld.
Für viele unserer Zeitgenossen kaum vorstellbar, dass eben diese Mulden mehr sind als Kippenfresser, Wegabkürzer und Müllsammler. Die aktuell so häufig erwähnte Biodiversität, die Vielfalt, die doch so viele Insekten retten soll, die wertvolle Lebensräume für Spinnentiere und Eidechsenarten bieten soll, die kann im Besonderen in Sickermulden entstehen. Beispielhaft für jede Pflanzung im Privatgarten.
Auf vielfältige Pflanzenbestände, die an den Standort angepasst sind, auf eine breite Arten- und Sortenwahl bei Gehölzen, Stauden und Gräsern solle man achten gerade in Zeiten des Klimawandels kann man häufig lesen. Machen wir Pflanzplaner das nicht schon immer? Stelle ich mir dabei die Frage. Hilft man Gartenbesitzern bei der Bepflanzung, ist doch die Anforderung schon seit jeher: "Also blühen soll es am besten von Januar bis Dezember, wenig Pflegeeinsatz wäre gut, zum Gießen haben wir auch keine Zeit, aber schön soll's auch sein."
"Als Landschaftsgärtner sammelt man täglich Erfahrungswerte, welche Pflanzen sich bewähren", habe ich jüngst in einem Interview mit Achim Kluge gelesen.
Nur: Wo sind die alle? Wo sind die Landschaftsgärtner, die sich gerne vom Tiefbauer unterscheiden wollen, die den Virus Pflanze in sich tragen, und lieber jede Ritze auspflanzen anstatt sie mit Mörtel zu verschließen? Ich appelliere an Sie alle: Unsere Fachkompetenz in Sachen Pflanze ist gefragt, mehr denn je. Wir alle müssen das an die Menschen bringen, egal, wo wir sind, und eben egal, was es zu bepflanzen gibt.
In den vielen Jahren, die ich nun mit Pflanzen umgehe, habe ich natürlich einen eigenen Stil entwickelt. Mir ist es wichtig, Pflanzen zusammen zu bringen, die miteinander können. Nach kürzester Zeit fangen die Pflanzen an, sich zu verweben, eine Einheit zu bilden und das mit abwechselnd ansprechenden Pflanzenbildern, von Februar bis Dezember. Und dabei überschreite ich jeden von Richard Hansen notierten Lebensbereich. Pflanzen können viel mehr, als wir ihnen zutrauen.
Seien Sie mutig! Kombinieren Sie Wildflora mit Kultivaren! Wir haben eine derartige Pflanzenvielfalt mit großem Gestaltungspotential zur Verfügung, wir müssen sie nur nutzen. Am Ende müssen unsere Pflanzungen funktionieren, möglichst schnell den offenen Boden schließen, sich verweben, gegenseitig stützen und mit wenig von allem auskommen. Geht nicht, gibt's nicht!
Literatur:
- BMUB Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit (Hrsg.) (2017): Weißbuch Stadtgrün – Grün in der Stadt Für eine lebenswerte Zukunft, 52 S.
- DWA Deutsche Vereinigung für Wasserwirtschaft, Abwasser und Abfall e. V. (Hr sg.) (2005): ATV-DWA-A138, Planung, Bau und Betrieb von Anlagen zur Versickerung von Niederschlagswasser.
- Eppel-Hotz, Angelika (2019): Pflanzen für Sickermulden und Retention, Veitshöchheimer Berichte 186, S. 71–83.
- Eppel-Hotz, Angelika (2019): Bepflanzte Sickermulden bieten Mehrwert. DEGA-GALABAU, 3/2019, S. 62–67.
- FLL Forschungsgesellschaft für Landschaftsentwicklung und Landschaftsbau (2005): Empfehlungen zur Versickerung und Wasserrückhaltung, 47 S.
- Interview mit Achim Kluge, garten.ch, 2023











