16. Landschaftsbautagung an der Hochschule Weihenstephan-Triesdorf

Entwicklungen zum Klimawandel im Fokus

Mitte Juni fand in Freising zum 16. Mal die Landschaftsbautagung der Hochschule Weihenstephan-Triesdorf (HSWT) unter der Leitung von Prof. Dr. Rudolf Haderstorfer und Prof. Dr. Cristina Lenz in Zusammenarbeit mit dem Verband Garten-, Landschafts- und Sportplatzbau (VGL) Bayern statt. Im Mittelpunkt der Tagung stand das Thema "Grün in die Stadt - Entwicklungen im Zeichen des Klimawandels". Die Bedeutung von Grünflächen für die moderne Stadt, der Umgang mit Regenwasser sowie die Herausforderungen, die der Klimawandel und die zunehmende Urbanisierung an die Pflanzenwelt stellt, waren einige der zentralen Diskussionspunkte innerhalb der Veranstaltung.

Mehr Grün in der Stadt

Im Eröffnungsvortrag wurde die Notwendigkeit von mehr Grün in der Stadt von Peter Menke, Stiftung "Die Grüne Stadt", detailliert dargestellt. Die Vielfältigkeit der grünen Infrastruktur erfüllt vom Hochwasserschutz bis zur Wasserspeicherung ein breites Spektrum an lebensverbessernden Funktionen. Ebenso haben die Grünflächen einen enormen Mehrwert als Lebensraum für Pflanzen und Tiere. Durch das im Mai 2017 vorgestellte "Weißbuch Stadtgrün", sollen Kommunen und andere Akteure in ihrer Arbeit, zur Schaffung, Entwicklung und dem Erhalt des urbanen Grüns, unterstützt werden. Besonders in Hinsicht auf das aktuelle Artensterben und der Rückgang des Artenreichtums von Insekten gilt es die städtischen Grün - und Freiräume zu schützen.

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Prof. Dr. Alexander Birgelen von der Hochschule Geisenheim referierte über die Herausforderungen bei der fassadengebundenen Wandbegrünung aus Sicht der Pflanzenverwendung. Horizontal bepflanzte Substratbehälter, vertikal bepflanzte Substratkörper und vertikale begrünte, substratlose Vegetationsträger wurden als Begrünungsmethoden vorgestellt.

Den Versuchsaufbau zum Thema "Begrünte Fassadenkacheln" mit der Erstellung des Trägermaterials sowie die Anzucht der Pflanzen stellte Birgelen anschaulich dar. Das seit 2016 laufende Projekt beinhaltet die monatliche Bonitur der Einzelpflanzen sowie die Erfassung der kleinklimatischen Effekte der Matten auf die Umgebung. Die bisher gewonnenen Erkenntnisse zeigen, dass ein schneller Austausch der Matten, so wie der geringe Platzverbrauch ein sehr großes Plus darstellt. Der Negativaspekt zeigt sich in der Notwendigkeit einer ständigen Durchfeuchtung des Materials und der geringen Pufferwirkung gegenüber Temperatur-, Wasser-, Nährstoff- und pH- Wertschwankungen.

Baumarten hinsichtlich Stresstoleranz testen

Prof. Dr. Swantje Duthweiler, Hochschule Weihenstephan.Triesdorf, und Prof. Dr. Susanne Böll, Landesanstalt für Wein- und Gartenbau Veitshöchheim, nahmen das Potential der Stadtbäume ins Visier. Verschiedene Baumarten können unterschiedlich gut den verschlechternden Klimabedingungen durch Schattenbildung und Transpirationskühlung in urbanisierten Gebieten entgegenwirken. Für eine Überprüfung des Verwendungswertes von Straßenbäumen wird unter realen Bedingungen mit versiegelter Umgebung und Verkehrsbelastung sowie mit starker Windsogwirkung und beengtem Stand- und Wurzelraum die Gesamtsituation getestet und bewertet. Diese zentrale Aufgabe wird seit 1995 vom Arbeitskreis Stadtbäume der Deutschen Gartenamtsleiterkonferenz (GALK) unter Leitung von Dr. Joachim Bauer (Köln) in Zusammenarbeit mit dem Bund deutscher Baumschulen (BdB) und dem Bundessortenamt durchgeführt. Seit 2012 veröffentlicht der Arbeitskreis Stadtbäume unter ehrenamtlicher Mitarbeit von Straßenbaumexperten seine Ergebnisse in einer Online-Version mit interaktiven Karten. Es werden trockenheitsverträgliche Sortenempfehlungen ausgesprochen, wie beispielsweise Acer buergerianum (Dreizahn-Ahorn), Acer x zoeschense (Zoeschener Ahorn), Malus trilobata (Dreilappiger Apfel), den derzeit auch oft gepflanzten Malus tschonoskii (Woll-Apfel) oder Ostrya carpinifolia (Hopfenbuche), die langfristig trockenheitsverträglicher als Carpinius betulus ist.

Ergänzend zum bundesweiten Arbeitskreis der GALK haben sich in den letzten Jahren in verschiedenen Bundesländern regionale Sortimentsprüfungen etabliert. Einen wichtigen Auftakt dazu gab das Forschungsprojekt "Stadtgrün 2021" der Bayerischen Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau (LWG) in Veitshöchheim. In einem Langzeitprojekt werden 2011 bis 21 insgesamt 30 Straßenbaumarten und -sorten in standardisierten Pflanzweisen in drei bayerischen Städten auf Stresstoleranz im Klimawandel getestet. Eine große Überraschung waren beispielsweise die sehr guten Ergebnisse bei Magnolia kobus (Kobushi-Magnolie) und bei ergänzenden Versuchen auch von Malus tschonoskii (Japanischer Wollapfel) in allen drei Versuchsstandorten Würzburg, Hof und Kempten.

Ganzheitliches Regenwassermanagement etablieren

Gerhard Hauber, Büro Dreiseitl, ging in seinem Vortrag auf die Bedeutung eines integrierten Regenwassermanagements ein. Durch die Urbanisierung werden in Städten zunehmend Flächen versiegelt und Wohnräume nachverdichtet. Diese Situation erfordert es, ein holistisches Regenwassermanagement in Städten zu etablieren. Dazu sind kombinierte Lösungen an der Oberfläche und im Untergrund notwendig, sowie die konsequente Anwendung von sogenannten blaugrünen Infrastrukturelementen. Anzustrebendes übergeordnetes Ziel des oberflächigen Regenwassermanagements ist es, sich dem natürlichen Wasserhaushalt einer Region beziehungsweise eines Ortes bestmöglich anzunähern. Das bedeutet, ein natürliches lokales Verhältnis von Verdunstung, Versickerung und Ablauf trotz aller Überbauungen zu erreichen. Starke Durchgrünung und gesteigerte Verdunstung erhöhen die natürliche Kühlung in den Städten.

Im Rahmen der Landschaftsbautagung prämierte der VGL-Präsident Gerhard Zäh zwei Hochschulabsolventen für ihre herausragenden Bachelorarbeiten. Über einen mit jeweils 300 Euro dotierten Ehrenpreis freuten sich Maximilian Böttinger für seine Betrachtung der Deckungsbeitragsrechnung als Instrument des Projektcontrollings und Alexander Sauter für seine Verfahrensentwicklung zur Herstellung von Freiformkavitäten in Betonfertigteilen mit der Zielsetzung der Generierung von Habitatfunktionen.

HSWT-Tagungsteam, Cristina Lenz

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