13. Landschaftsbautagung in Weihenstephan

Chancen und Risiken innovativer Baustoffe und Bauweisen

Die Hochschule Weihenstephan-Triesdorf testet derzeit auf einer Experimentalbaustelle einen Pavillon in baubotanischer Konstruktion. Foto: Nadine Horstmann

Knapp 250 Teilnehmer waren zur 13. Landschaftsbautagung an der Hochschule Weihenstephan-Triesdorf gekommen. Das Moderationsteam, Prof. Dr. Cristina Lenz und Prof. Dr. Rudolf Haderstorfer führten durch einen Mix aus Neuerungen, innovativen Baustoffen und Bauweisen im GaLaBau, sowie den rechtlichen Grundlagen, die sich aus den Markneuheiten ergeben.

"Innovation entsteht durch Reflektion"

Den Auftakt machte die Landschaftsarchitektin Prof. Ingrid Schegk mit einem Impulsvortrag dazu, wie aus Tradition innovative Neuheiten entstehen können. Ihre Formel lautet: "Innovation = Idee + Invention + Diffusion". Sie zeigte, dass alle Neuerungen einen Impuls benötigen, damit diese entstehen, Fuß fassen und sich entwickeln können. Der Impuls wird nicht, wie häufig gedacht, von Technikern vorangetrieben, sondern von Wirtschaftswissenschaftlern, die die Wirtschaftlichkeit im Blick haben. "Es gibt nichts zu erfinden, alles ist wiederzufinden", so Schegk. Das innovative Potenzial des Garten- und Landschaftsbaus sei durch Tradition und Vorfahren, sowie den Wurzeln der Disziplin abgesteckt worden, erläuterte die Dozentin. Die Gartenkunst, als Teil der Baukultur, die Landwirtschaft, sowie das später entstandene Ingenieurwesen, repräsentierten den Inbegriff von ursprünglich breit gefächertem Erfindungsreichtum und Innovationskraft: "Innovation entsteht durch Reflektion." Um Neuheiten umsetzten zu können, müssten sie von Grund auf verstanden, die Zusammenhänge abgeschätzt und mögliche Auswirkungen überprüft werden.

Dr. Ferdinand Ludwig erläuterte den Nutzen der Baubotanik. Sie schafft Fassaden, die im Sommer für kühlendes Laub und im Winter für viel Sonneneinstrahlung sorgen. Foto: Nadine Horstmann

Dipl.-Ing. Erich Lanicca fokussierte auf den "richtigen Umgang mit kunststoffmodifizierten, zementösen Fugenmörtel". Foto: Nadine Horstmann

Baubotanik verknüpft Tradition und Gegenwart

Dr.-Ing. Ferdinand Ludwig und Dipl.-Ing. Hannes Schwertfeger griffen mit ihrem Thema "Baubotanik - Bedeutung und Anwendungen" einen Sachverhalt auf, der "Das Ideal" von Kurt Tucholsky im städtischen Bereichen widerspiegeln könnte. Dabei nahmen sie als Inspiration die noch heute bekannte Tanzlinde in Augenschein. Durch diese Idee der Baubotanik verknüpften sie die Tradition mit der Gegenwart und der Zukunft.

Dabei werden künstliche Konstruktionen, als Tragsysteme für Pflanzen verwendet, welche später ohne die besagten Konstruktionen, das Grundgerüst des Bauwerks, bilden sollen. Die Vegetation verwächst mit der Konstruktion. Überschüssige Konstruktionsteile werden nach Jahren abmontiert während andere wichtige Bestandteile der Baubotanik bestehen bleiben. Die dabei entstehenden Fassaden bilden im Sommer das kühlende Laub, schaffen Transpiration sowie effektive Beschattung. Im Winter lässt die Vegetation maximale Sonneneinstrahlung zu. Die Baubotanik kann dadurch an vielen Hochbauten angewendet werden. Ludwig erwähnte ein Beispiel in Stuttgart, wo ein Parkhaus für Pkws baubotanisch umgestaltet wurde. Quasi "vom Parkhaus zum Parkhaus". Die Hochschule Weihenstephan-Triesdorf testet derzeit auf einer Experimentalbaustelle einen Pavillon in baubotanischer Konstruktion.

Naturnahe Strukturen aus Beton

Dipl.-Ing. Bernd Schulze zur Verth erläuterte "Neue Techniken zur Gestaltung von Betonoberflächen". Dabei wurde schnell klar, dass Beton der zentrale Baustoff der Gegenwart ist. In seinem Vortrag zeigte er neue Methoden der Oberflächenbehandlung bei Bituminösen und Betonoberflächen auf. Zuerst beschrieb Schulze zur Verth die Methode des "Klewegln". Dabei werden Zahnradwalzen unter einen Schleifteller montiert. Mit Hilfe dieser Walzen, welche vertikal einwirken, wird das Korn sehr sauber freigelegt. Somit entsteht ein naturnaher Oberflächencharakter durch die freigelegten Kornmischungen im verwendeten Material. Außerdem wird die Rutschfestigkeit auf normierte Werte gehoben. Mit der Idee des "Kratzfelesens", welche bereits in den 1980ern den Ursprung fand, werden aus Beton naturnahe Strukturen und Felsnachbildungen (Nagelfluh) entworfen. Hierfür wird am Morgen der betroffene Bereich eingeschalt, mit natürlich gewachsenen Findlingen und Beton mit unterschiedlichen Körnungen gefüllt. Am Nachmittag, nach fünfstündiger Trocknungszeit, wird die Schalung entfernt und die Oberfläche dementsprechend behandelt. Ein Beispiel dafür zeigte der Referent, am neu gebauten Elefantengehege (Eröffnung 2014) im Zürcher Zoo. Für diese Bauart gibt es keine DIN-Norm. Bis heute gab es keine Mängel im Sinne der Gewährleistung.

Nutzen kunststoffmodifizierten Fugenmörtels

Dipl.-Ing. Erich Lanicca fokussierte auf den "Richtigen Umgang mit kunststoffmodifizierten, zementösen Fugenmörtel". Aus seiner Sicht ist die gebundene Bauweise eine komplexe Angelegenheit. In den deutschen Regelwerken wurde sie aber als - nicht fachgerecht - bezeichnet. In Österreich sind solche Mischbauweisen heute noch aufgeführt. Zwischenzeitlich, so Lanicca, wurden diese Bauweisen wieder in der ZTV-Wegebau (Zusätzliche Technische Vertragsbedingungen) aufgenommen.

Das Abrütteln einer Belagsoberfläche, welche mit Fugenmörtel verfugt wurde ist nicht möglich, da der Bettungsmörtel durch die Vibration zerstört werden würde. Aufgrund dessen wurde ein kunststoffmodifizierter Fugenmörtel entwickelt, welcher das Abrütteln ohne Beschädigungen erlaubt. Des Weiteren verfügt der kunststoffmodifizierte Fugenmörtel über viele weitere positive Eigenschaften. Darunter versteht man die gute Fließfähigkeit, gute Haftung, einfache Reinigung sowie die geringe Druckfestigkeit, damit weniger unvermeidliche Risse infolge von Temperaturschwankungen entstehen. Trotzdem, so Lanicca muss man die Druckbelastung beachten: "Ein Mann bringt eine Belastung wie ein Pkw, eine Frau liegt mit ihren Stöckelschuhabsatz deutlich höher und ein Elefant dazwischen."

Knapp 250 Teilnehmer waren zur 13. Landschaftsbautagung an der Hochschule Weihenstephan-Triesdorf gekommen. Foto: Nadine Horstmann

Bauweisen außerhalb des Regelwerks

Dipl.-Jur. Rudolf Walter Klingshirn deutete in seinem Vortrag, "Bauweisen außerhalb des Regelwerkes - Rechtliche Beurteilung", auf mögliche Risiken im Gebrauch von noch nicht erprobten und gebrauchten Baustoffen oder Bauweisen hin. Dabei verwies der Referent insbesondere auf die Paragraphen im BGB (Bürgerlichen Gesetzbuches), sowie rechtliche Grundlagen der VOB (Vergabe- und Vertragsordnung für Bauleistungen). Es wurde klar, dass der "Werkerfolg" der Maßstab für verschuldungsunabhängige Erfolgshaftungen des Auftragnehmers ist. Das Erfüllungsrisiko für versprochene Leistungen liegt somit bei Unternehmen. Für diese stellt es große Risiken dar, wenn die Auftraggeber ein Abweichen von technischen Regelwerken oder sogar von den anerkannten Regeln der Technik wünschten, wenn es sich um neuartige Baustoffe oder Sonderbauweisen handelt, bei denen die DIN-Normen keinen Bezug auf Richtigkeit herstellen können.

Laut Klingshirn, ist es jedoch möglich, durch Vereinbarung der Bauvertragsparteien von anerkannten Regeln der Technik abweichen zu können. Der Ersteller eines Objektes muss den Besteller explizit auf das Nichteinhalten der Norm hinweisen (Bedenken anmelden). Die zu erbringende Werkleistung, deren Beschaffenheit und somit die dadurch entstehende Sonderbauweise muss ordnungsgemäß und umfangreich vom Unternehmer in der Baubeschreibung dargestellt werden. Eine weitere Möglichkeit ist das Unterschreiben einer Haftungsfreistellung durch den Bauherrn. Der Jurist rät zum Ende von den gegebenen DIN-Normen und Richtlinien nicht abzuweichen, da beim Einsatz neuer Baustoffe und Bauweisen das Risiko beim dem Planer und dem ausführenden Unternehmen liegt.

Ausführungsunsicherheit bei Großformatplatten

Zum Schluss des Tagungstages berichtete Dipl.-Ing Piet Werland über "Keramische Baustoffe (Feinsteinzeug) im GaLaBau" und wie man sie richtig verlegt.

Zu Beginn seines Vortrags stellt der Referent fest, dass Großformatplatten bereits seit Jahren voll im Trend liegen. Vor allem in Privatgärten sind diese Formate begehrt. Der Trend zu Feinsteinzeugfliesen wächst rasant an. 2010 betrug ihr Anteil an der Verwendung noch 1,7 Prozent. 2015 war der Anteil bereits auf 56 Prozent gewachsen. Gründe dafür sind die ästhetischen und funktionalen Gesichtspunkte, wie verschiedene Strukturen, Muster und Farben. Ein weiterer positiver Aspekt ist das leichte Gewicht der groß dimensionierten Belagplatten, was ein schnelles Verlegen ermöglicht.

Im Regelwerk ZTV-Wegebau ist das Verlegen von Feinsteinzeugfließen im Außenbereich nicht ausreichend berücksichtigt. Maßgebend für die Verlegung und Verarbeitung dieser Platten ist die ATV DIN 18352 (Fliesen- und Plattenarbeiten). Laut Werland liegt eine große Ausführungsunsicherheit vor. Die praktizierten Ausführungsvarianten haben sich als mangelhaft herausgestellt, da der Unterbau für Feinsteinzeugfliesen im Außenbereich noch nicht definiert wurde. Einbaufehler lassen sich aber auch auf zu geringe Plattenstärken zurückführen, welche nicht für höhere Belastungen ausgelegt sind. Die nächste Landschaftsbautagung in Weihenstephan wird am 23. Juni 2017 stattfinden.

Prof. Dr. Cristina Lenz, Martin Brem, Vincenz Eninger

Dieser Artikel erschien in der Ausgabe NEUE LANDSCHAFT 08/2016 .

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