Der neue BGL-Präsident Thomas Banzhaf zu Nachhaltigkeit, Fachkräftemangel und Motivation

"Wir müssen mehr tun für den Klima- und Artenschutz"

Mit Thomas Banzhaf kommt ein BGL-Präsident, der sich seit seiner Jugend für Umweltbelange eingesetzt hat. Er will mehr tun für Nachhaltigkeit, Klima- und Artenschutz. Zugleich will er Frauen, Abiturienten, ältere Arbeitnehmer und Menschen mit Migrationshintergrund motivieren, im GaLaBau mit anzupacken, um den Fachkräftemangel zu bewältigen. Das Gespräch führte Christian Münter.
Personen im GaLaBau Karriere
Banzhaf: "Privat bin ich von einem Sechszylinder auf Hybrid umgestiegen und nutze für weitere Strecken den ICE." Foto: Martin Rottenkolber/BGL

Neben Ihrer ehrenamtlichen Arbeit im Garten- und Landschaftsbau sind Sie stellvertretender Vorsitzender im Beirat einer Unteren Naturschutzbehörde. Welche Rolle spielen für Sie Nachhaltigkeit und Klimaschutz privat und beruflich?

Thomas Banzhaf: Meine persönliche Antwort lautet: Nachhaltigkeit und Klimaschutz, das sind sozusagen Geschwister, die eng miteinander verbunden sind. Wir alle können und müssen jetzt noch mehr tun für den Klima- und Artenschutz. Und viele können persönlich und unternehmerisch noch nachhaltiger werden, auch im GaLaBau. Im meinem Betrieb zum Beispiel sorgt jetzt mein Nachfolger weiter dafür, dass Fuhrpark und Maschinen auf alternative, nachhaltige Antriebe und Technologien umgestellt werden.

Privat bin ich von einem Sechszylinder auf Hybrid umgestiegen und nutze für weitere Strecken den ICE. Auch meine Urlaubsziele liegen nicht mehr so weit weg wie in früheren Zeiten, als wir noch zu leichtfertig dachten, dass alle Ressourcen unendlich seien. Auf meinem privaten Grund habe ich so einiges an Habitaten für die Artenvielfalt angelegt (auch auf meinem Dach). Beim BGL befassen wir uns seit Jahren intensiv mit dem Thema Nachhaltigkeit: besonders im Ressort Betriebswirtschaft und im Ressort Landschaftsgärtnerische Fachgebiete.

Für alle Mitgliedsbetriebe steht aktuell eine Broschüre zum Thema Nachhaltigkeit im GalaBau zur Verfügung. Diese Broschüre versteht sich als Leitfaden, um den Betrieben die wichtigsten Handlungsfelder aufzuzeigen und Nachhaltigkeit im eigenen Betrieb zu implementieren. Über unsere Landesverbände werden Schulungen digital und analog angeboten, die schon jetzt von den Unternehmen gut nachgefragt werden. Und es läuft ein Pilotprojekt in NRW, das Mitgliedsbetriebe bei der Umsetzung konkreter Schritte begleitet.

Wo sollte der GaLaBau bei den Zukunftsthemen in fünf Jahren stehen?

In fünf Jahren sollten möglichst viele Mitgliedsbetriebe als nachhaltige Fachunternehmen zertifiziert sein. Für diejenigen, die auch künftig an öffentlichen Ausschreibungen teilnehmen wollen, wird das dann wahrscheinlich auch nötig sein. Auf diesem Weg begleiten GaLaBau-Verbände ihre Mitglieder, zum Beispiel mit Pilotprojekten und weiteren Hilfen zum Thema "Nachhaltigkeit im GaLaBau".

Der Fachkräftemangel blockiert die deutsche Wirtschaft und auch den GaLaBau. Muss die Branche bei der Bekämpfung noch eine Schippe drauflegen?

Auf jeden Fall! Und ich sehe da auch einiges Potenzial. Wir können zum Beispiel noch eine Schippe drauflegen bei der Ansprache von Frauen und Abiturient*innen für unsere Branche. Außerdem können wir ältere Arbeitnehmer*innen motivieren, länger mitzuarbeiten, auch als Mentor*innen und in der Ausbildung.

Und: Mehr Menschen mit Migrationshintergrund oder mit einer Behinderung verdienen berufliche Chancen im GaLaBau. Und schließlich laufen ja längst – auch im GaLaBau – internationale Projekte, um Fachkräfte aus dem Ausland zu gewinnen.

Wie lässt sich Attraktivität des GaLaBaus noch steigern?

Wir sind schon so attraktiv, es weiß nur noch nicht jede oder jeder. Da sind zum einen die phantastischen Karrieremöglichkeiten: Techniker*in, Meister*in, Bachelor, Master. Zum anderen arbeitet man im GaLaBau draußen in der Natur, in Planungsbüros, Grünflächenämtern an Berufs- oder Fachschulen. Und natürlich kann man hier bei uns auch als Unternehmer oder Unternehmerin glücklich werden.

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Foto: W. Lütge/ Neue Landschaft

Gleichzeitig müssen wir weiter an unserem Image als Branche, Arbeitgeberinnen und Arbeitgeber arbeiten und den Fokus darauflegen, wie schön, sinnstiftend und wichtig die Arbeit der Landschaftsgärtner und der Landschaftsgärtnerinnen ist – und wie systemrelevant für die Bekämpfung der Folgen des Klimawandels: Grüne Vielfalt pflanzen, Regenwassermanagement, Baumpflege, Städte kühlen und lebenswerter machen – mit Grün. Das sind viele sinnvolle und gesellschaftlich wichtige Aufgaben und das suchen Menschen doch beruflich.

Sie wollten einmal Sport für das Lehramt studieren, sind inzwischen ein engagierter Hobby-Taucher. Kann der GaLaBau vom Sport etwas lernen?

Natürlich gibt es Parallelen, zum Beispiel zwischen Mannschaftssportarten und Teamwork, das im GaLaBau sehr wichtig ist. Tatsächlich kann mein Sport mich auch lehren, meinem Talent und meinen Stärken zu folgen und sie weiter zu verbessern – und auch an meinen Schwächen zu arbeiten. Das muss ich auch im Beruf tun, wenn ich erfolgreich sein will.

Sport bringt mich an Grenzen, ist gleichzeitig Auszeit und Regeneration – und das sollte jeder Mensch in seinem Leben haben, finde ich. Bei mir war der Weg über den Kanu- und Wildwassersport zum Tauchen nicht weit, aber es waren immer Outdoor-Sportarten. Menschen, die Outdoor-Sport mögen, sind aus meiner Erfahrung im Garten- und Landschaftsbau bestens aufgehoben.

Ansonsten gilt: Arbeite da, wo du gerne bist. Da muss dann auf Dauer auch die Mannschaft stimmen, die Chemie untereinander, der Teamgeist und natürlich die Aufgaben.

Und es muss regelmäßige Erfolge geben und Feedback, damit Menschen motiviert bleiben – das ist vielleicht die größte Parallele zum Sport: Denn nur, wer sich um seine Leute kümmert, sie ständig fordert und fördert und regelmäßig persönliche Perspektiven aufzeigt, der bindet sie dauerhaft und hat ein leistungsfähiges Team.

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