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Hortensien

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Grafik: Uwe Bienert

153. Folge: Unsere Serie für den Nachwuchs erläutert das wichtigste GaLaBau-Grundlagenwissen vom Abstecken bis zum Zaunbau: Diesmal geht es um das Thema Hortensien.

Man schreibt den 8. April des Jahres 446 vor Christi Geburt, da wird in einem asiatischen Dorf ein Junge geboren. Sein Name lautet Gautama Buddha. Die Sage berichtet, dass an seinem Geburtstag die Erde bebte und es vom Himmel Blumen und süßen Tee "Amacha" regnete. Und jetzt kommt's: Dieser süße Tee wurde aus einer Unterart der Gartenhortensie (Hydrangea macrophylla), den Berghortensien (H.m.ssp.serrata), gemacht.

Dieser historische Bezug ist, finde ich, ein ziemlich cooler Einstieg in ein botanisches Thema, in die Vorstellung einer Pflanzengattung - der Hortensien (Hydrangea).

Hortensien haben in den letzten Jahren in Europa und gerade in Deutschland in der Gartengestaltung an Bedeutung gewonnen. Diese Tatsache haben sie sicher ihrem hohen dekorativen Wert zu verdanken.

Die geheime Pflanze

In Japan wurde Hydrangea schon über viele Jahrhunderte kultiviert, der Kontakt zu Ausländern wurde aber sehr erschwert. Der japanische Herrscher Hideyoshi verbot bereits im Jahre 1587 Priestern die Verbreitung.

In der nebenstehenden Tabelle wird der Vormarsch der Hortensien in die Gärten der Welt verdeutlich.

Die Herkunft des Namens - ein Mysterium

Auch um die Namensgebung von Hortensie/Hortensia ranken sich viele Gerüchte. Hierzu gibt es keine genauen Angaben und keine historischen Belege. Als sicher gilt, dass 1771der Botaniker Peter Commerson der Pflanze den Namen zu Ehren einer Frau gab. Doch offensichtlich führten die diversen Frauenbekanntschaften des jungen Mannes zu erheblicher Verwirrung, sodass eine genaue Zuordnung der Dame nur noch als Vermutung existiert:

  • Hortense Barré, diese junge Dame begleitete den von Frankreich aus gestarteten Botaniker Peter Commerson auf der Bougainville-Expe
  • Hortense Lepaute, eine bekannte Astronomin, Frau eines bekannten Uhrmachers und Freundes von Commerson.
  • Madame Hortense de Nassau, die Tochter des Prinzen von Nassau, ist als Namensgeberin am wahrscheinlichsten, da ihr Vater an der Bougenville-Expedition teilnahm.

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Tabelle: Uwe Bienert
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Grafik: Uwe Bienert

Gartenhortensien (Hydrangea macrophylla), botanisch ein "Knaller"

Schon aus dem Namen kann man Schlüsse auf ihr Aussehen zeihen. "Macrophylla" bedeutet nichts anderes als großblättrig (macro - groß-, phy´llon - Blatt). Bei diesen Pflanzen handelt es sich um verholzende Sträucher, die mit zwei unterschiedlichen Blütenarten ausgestattet sind. Es handelt sich dabei um fertile (also fruchtbare) und sterile (unfruchtbare) Blüten.

Dabei sind die so sehr geliebten großen und farblich attraktiven Blüten nur ein Fake. Es handelt sich dabei fast ausnahmslos um sterile Schaublüten mit auffallenden kronblattartigen vergrößerten Kelchen.


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Tabelle: Bienert
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Tabelle: Bienert

Die Blütenanlage bildet sich nur bei abgeschlossenem Triebwachstum, ausgereiften Trieben und entsprechender Lichtintensität während der Freilandphase (Juni bis Oktober) heraus. Sie wird bei hohen Tagesmitteltemperaturen (> 18 °C) im August/September/Oktober verzögert. Dabei kann es zu Blindtrieben kommen. Die angelegte Knospe muss danach ausreifen und überwintern (Winterruhe). Die Hortensie blüht immer nur am zweijährigen Holz. Von der Hydrangea macrophylla sind zwei Typen bekannt: die Hortensia- Typen (Ballhortensien) mit gerundeten Blütenköpfen und die Lacecap- Typen (Tellerhortensien). Diese Tellerhortensien fallen durch ihre flache Blüte in Form eines "Spitzenhäubchens" auf. Während die Einzelblüten in der Mitte des Blütentellers fertil und nur schwach gefärbt sind, wird der Rand des Tellers von sterilen farbenfrohen Einzelblüten gesäumt.

Die Blütenfarben sind sehr stark an den pH-Wert des Bodens gebunden. So ist mit den Farben Rot, Weiß und Rosa bei pH-Werten von 5,5-6 zu rechnen. Blau blühende Sorten benötigen dagegen zum Erreichen einer klaren blauen Blütenfarbe einen pH-Wert von 4,3-4,5 und gelöste Aluminium-Ionen.

Stand(d)ort eine(r) Hortensie? (kleines Wortspiel)

Eine Frage sollte man sich immer dann stellen, wenn die Pflanze sich in die "ewigen Jagdgründe" verabschieden will: Habe ich den richtigen Standort gewählt?

Gartenhortensien (Hydrangea macrophylla) benötigen einen schattigen bis halbschattigen und geschützten Standort. Das können beispielsweise Standorte unter höheren Gehölzen sein, die gerade in der heißen Mittagszeit genügend Schatten spenden.

Volle Sonne vertragen diese Hortensien nicht und verbrennen. Für sonnige Standorte wären Rispenhortensien oder die Schneeballhortensie `Annabelle` die richtige Wahl. Bedacht werden muss außerdem, dass die meisten Hortensien viel Platz zum Wachsen brauchen. Man sollte ihnen genügend Platz einräumen, nur so können sich die Pflanzen mit ihrem natürlichen Habitus präsentieren.

Auch als Kübelpflanze kultivierte Hortensien können über den Sommer auf den Balkon oder auf die Terrasse gestellt werden. Dabei sollte allerdings alle zwei Jahre umgetopft werden. Die Überwinterung findet für Kübelpflanzen an einem frostfreien, aber kühlen geschützten Ort statt

Hier wird nicht geschwächelt

Hortensien sind in der Regel nicht sehr anfällig für Krankheiten und der Schädlingsbefall hält sich bei ihnen auch in Grenzen.

Hauptsächlich vorkommende tierische Schädlinge sind Blattläuse, Spinnmilben und Thripse. Hier werden nützlingsschonende Pflanzenschutzmittel zum Einsatz kommen müssen. Als vorbeugende Maßnahme sind eine ausgewogene Ernährung und ideale Standortbedingungen unabdingbar. Zu hohe Stickstoffgaben ziehen ein üppiges Wachstum nach sich, die Pflanzenteile bleiben weich und leisten beispielsweise saugenden Insekten keinen Widerstand mehr. Kommt dann noch ein zu heißer Standort hinzu, kann man sich schon auf eine Invasion von Spinnmilben gefasst machen.

Bei den pilzlichen Schädlingen machen sich vor allem der Mehltau und der Grauschimmel auf Hortensien breit. Bei einem Mehltaubefall liegt ein weißer mehlartiger Belag auf den Triebspitzen und Blättern. Hauptursache ist ein allgemein zu feuchtes Klima, wodurch die Blätter nicht ausreichend abtrocknen. Hier kann man mit einem Fungizid Abhilfe schaffen. Außerdem sollte man die Pflanzdichte noch einmal überdenken, vielleicht wurde zu dicht gepflanzt.

Beim Grauschimmelbefall bildet sich an den Knospen oder Blättern ein grauer flaumiger Belag. Auch hier ist es zu feucht. Grauschimmel tritt besonders häufig während der Überwinterung auf. Es sollte unbedingt alles befallene Laub oder Knospen entfernt und vernichtet (verbrannt) und mit einem Fungizid gespritzt werden. Ganz heißer Tipp: Wenn Hortensien gelbe Blätter haben oder nicht blühen, muss nicht immer eine Krankheit gesucht werden. Vielleicht liegt es auch an mangelnden Kenntnissen und Fähigkeiten des zuständigen Gärtners.

Die häufigste Ursache bei nichtblühenden Hortensien ist der unsachgemäße Schnitt. Bei Hydrangea macrophylla sollte man wissen, dass diese am vorjährigen Holz blühen und somit nicht zurückgeschnitten werden dürfen. Lediglich die alten Blütenstände werden gekappt. Auch ein Grund für eine ausbleibende Blüte ist ein fehlender Winterschutz, sodass die im Vorjahr angelegten Blüten im Winter erfroren sind.

Gelbe Verfärbungen an den Blättern der Hortensie weisen auf einen Nährstoffmangel hin. Der Boden ist hier entweder zu alkalisch oder es liegt Eisenmangel vor. Hier kann Abhilfe geschaffen werden, indem entweder eisenbetont gedüngt oder saure Erde (Rhododendronerde) untergemischt wird.

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Grafik: Uwe Bienert
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Grafik: Uwe Bienert
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Grafik:Bienert

Ein Wort zum Schnitt

Bei Hortensien gibt es zwei Gruppen, die beim Schneiden entsprechend unterschiedlich behandelt werden müssen.

Kletterhortensien müssen überhaupt nicht beschnitten werden. Lediglich dann, wenn sie zu hoch werden - und dann auch nur gemäßigt.

Noch ein Wort zu "Amacha"

Nochmal zurück zum "Teeregen" an Buddhas Geburtstag: Die Blätter werden an der Sonne getrocknet, dann wieder befeuchtet und 24 Stunden fermentiert. Dadurch wird die Süßwirkung erhöht. Diese soll auch schon erreicht werden, wenn die angewelkten Blätter einige Tage bei 20-25 °C an einem feuchten Ort aufbewahrt werden.

Die jungen Blätter sind am gehaltvollsten. Geerntet werden die Spitzenblätter am besten im Juni, Juli, auf jeden Fall vor der Blüte, von im Halbschatten gewachsenen Pflanzen. Schon ein Blatt pro Tasse oder Schale reicht aus. Die Tee-Hortensienpflanzen enthalten Phyllodulcin. Dieses soll 250 mal, nach anderen Angaben sogar 600-800 mal süßer als Zucker sein.

Der Tee wird mit 80 °C heißem Wasser aufgebrüht und muss nun 40 Sekunden ziehen. Guten Appetit!

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Grafik: Uwe Bienert

Quellen: Farbatlas Krankheiten und Schädlinge an Zierpflanzen, Obst und Gemüse, (Bernd Böhmer, Walter Wohanka; Ulmer-Verlag)International standard ENA 2010-2015 (M.H.A. Hoffmann, ENA's European Plant Names Working GroupDer Gärtner 1 (Martin Degen, Karl Schrader; Ulmer-Verlag), Schädlinge & Krankheiten (Pippa Greenwood, Andrew Halstead; Dorling Kinderley Verlag)Einheimische Laubgehölze (Hecker, Quelle & Meyer Verlag Wiebelsheim) Grundkurs Gehölzbestimmung (Lüder, Quelle & Meyer Verlag Wiebelsheim), Taschenlexikon der Gehölze (Schmidt/Hecker, Quelle & Meyer Verlag Wiebelsheim)

Uwe Bienert

Nächsten Monat lesen Sie: „Rein in den Topf – kein Kochbuch“

 Uwe Bienert
Autor

Landschaftsgärtner-Meister und Ausbilder

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