Parks und Grünflächen haben psychologischen Effekt

Blick ins Grün mindert Lärmempfinden

Lärm Grünflächen
Inkongruenz: Im Park selbst empfinden wir Lärm grundsätzlich als störend. Foto: Moritz Lösch, Neue Landschaft

Fast drei Viertel der europäischen Bevölkerung lebt in urbanen Gebieten, wo Lärmbelästigungen durch Autos, Bahnen und Flugzeuge an der Tagesordnung sind. Städtische Grünflächen sind nicht nur reale Puffer gegen diesen Lärm. Sie schützen auch vor der Belastung, die aus Stress entstehen kann, den wir durch den ständigen Geräuschpegel empfinden. Das fanden Forschende der Schweizer Forschungsanstalt Empa heraus.

Vor dem Haus lärmt der Straßenverkehr, ein Zug donnert in der Ferne vorbei - der Geräuschalltag in der Stadt ist ein nicht zu unterschätzendes Gesundheitsproblem. Gemäß der Weltgesundheitsorganisation WHO führt eine erhöhte Lärmbelastung zu zahlreichen negativen Effekten auf die Gesundheit, von Stress über Schlafstörungen bis hin zu Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Diabetes.

Doch wie lassen sich diese negativen Auswirkungen der Lärmbelastung in dicht besiedelten, urbanen Regionen vermindern? Lässt sich das subjektive Lärmempfinden beeinflussen? Forschende der Empa rund um Beat Schäffer von der Abteilung "Akustik/Lärmminderung" haben zusammen mit Experten des Bundesamts für Umwelt (BAFU), des "Swiss Tropical and Public Health Institute" sowie der Universität Basel herausgefunden, wie das funktioniert. Ein Blick aus dem Fenster hinaus ins Grüne kann die Lärmbelästigung erheblich senken. Ob eine nahe Parkanlage, ein Teich oder die Bergkette am Horizont: Ein Blick in die Natur, und der Lärm stört uns weniger.

Blick in die Natur verändert Lärmempfinden

Für ihre Studie nutzte das Forscherteam den sogenannten NDVI ("Normalized Difference Vegetation Index"), der auf Basis von Fernerkundungsdaten errechnet wird und die gesamte Grünfläche einer bestimmten Region dokumentiert - von einzelnen Baumgruppen am Straßenrand bis zu großen Parkanlagen. Außerdem nutzte die Forschungsgruppe die Daten des Schweizer Bundesamtes für Landestopografie (Swisstopo). Dort sind alle Parks und Gartenanlagen sowie weitere Grünflächen wie Landwirtschaftszonen und Wälder verzeichnet.

Um herauszufinden, wie sich das Lärmempfinden bei Bewohnerinnen und Bewohnern urbaner Regionen verändert, glich das Team die Daten von Swisstopo und des NDVI mit den Befragungsresultaten der SIRENE-Studie ab. Diese Studie mit rund 5600 Teilnehmenden lieferte 2019 Informationen zur Lärmbelästigung durch Straßen-, Bahn- und Fluglärm. Durch das Abgleichen der Daten zu den Grünflächen in der Schweiz mit den Resultaten aus der Befragung konnten Schäffer und sein Team ermittelten, wie sich Naherholungsgebiete auf das Lärmempfinden auswirken. Fazit der Studie: Parks und Grünflächen helfen dabei, das Lärmempfinden durch Straßen- und Zuglärm zu senken. Je näher die Erholungszone zum eigenen Wohnort, umso niedriger ist die subjektiv empfundene Belästigung durch Lärmemissionen.

Fluglärm wirkt im Grünen besonders störend

Interessant war auch das Resultat der Forschung bezüglich Fluglärm. Hier nützen Grünflächen offenbar nichts - eher im Gegenteil: Je mehr Grünflächen, umso gestörter fühlen wir uns durch den Fluglärm, ergab der Abgleich der Daten. "Während wir dem Straßen- oder Zuglärm durch etwas mehr Distanz entfliehen können, gelingt uns das beim Fluglärm nicht", erklärt Schäffer die Gründe. Wir seien dem Lärm aus der Luft quasi hilflos ausgeliefert. Dies führe möglicherweise dazu, dass wir diesen Lärm als störender wahrnehmen. Ein zweiter Punkt ist die sogenannte Inkongruenz: "Wir erwarten in einem Park, dass es leise ist. Wird diese Ruhe dann durch etwas gestört, das wir nicht beeinflussen können, dann nehmen wir dieses Geräusch als weitaus belastender wahr," sagte Schäffer. Ein Flugzeug, das die Innenstadt überfliegt, nehmen wir dagegen kaum wahr.

Cornelia Zog/EmpaQuaterly

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