Startschuss für viele neue Beschäftigungsverhältnisse

Bis zu 300.000 Flüchtlinge kommen 2017 auf den Arbeitsmarkt

Rund 38000 Flüchtlinge werden 2017 allein in Baden-Württemberg ihre Sprachkurse beenden. Bundesweit werden es viel mehr sein. Foto: Hendrik Behnisch/Neue Landschaft

In diesem Jahr werden allein in Baden-Württemberg rund 38.000 Flüchtlinge ihre Sprachkurse beenden. Bereits im ersten Halbjahr werden dort etwa 11.000 Absolventen erwartet. Das teilte die zuständige Regionaldirektion der Bundesagentur für Arbeit im Januar mit. Bundesweite Zahlen gibt es offiziell noch nicht. Nach ersten Schätzungen aus Kreisen der Arbeitgeberverbände könnten es jedoch bis zu 300.000 Menschen werden.

Für Deutschlands Unternehmen ist das der Startschuss, sich intensiver um die Beschäftigung von Flüchtlingen in ihren Unternehmen zu kümmern.

Sprachprobleme waren höchste Hürde

Denn ohne die Bewältigung sprachlicher Probleme des Alltags oder zumindest ein Verständnis von Sätzen oder häufig gebrauchten Ausdrücken im Deutschen ist es nicht möglich, einen Flüchtling sicher in einem Betrieb einzusetzen. Die fehlende Sprachkompetenz war während der vergangenen Monate für Unternehmer die wohl höchste Hürde, Flüchtlinge einzustellen. Doch das wird sich in diesem Jahr grundlegend verändern.

Die Schwierigkeiten bei der Einstellung von Flüchtlingen wurden 2016 auch im Garten- und Landschaftsbau deutlich. Die Anzahl der abgeschlossenen Ausbildungsverträge bewegt sich in den Bundesländern bis auf wenige Ausnahmen jeweils im einstelligen Bereich, Helferverträge kamen nur im unteren zweistelligen Bereich zustande. Größeren Zuspruchs erfreuten sich Praktika. In Bayern wurden davon über 43 vermittelt. In Hamburg konnten 200 Schnupperpraktika von zwei Wochen Dauer auf dem Gelände des dortigen GaLaBau-Landesverbandes organisiert werden.

Mindestens 323000 Geflüchtete starteten Kurse

Die Erwartungen für dieses Jahr sind deutlich höher: 2016 haben bundesweit mindestens 323.000 Inhaber einer Aufenthaltserlaubnis, Asylbewerber und Geduldete mit guter Bleibeperspektive einen Sprach- und Integrationskurs des Bundesamts für Migration und Flüchtlinge begonnen. Weil diese Kurse etwa elf Monate dauern, werden viele von ihnen bis zur Sommerpause mit einem "Deutsch-Test für Zuwanderer" (DTZ) und dem Test "Leben in Deutschland" (LiD) abschließen können. Hinzu kommen bundesweit junge Flüchtlinge, die 2017 in den sogenannten Willkommensklassen der Berufsschulen ihre Sprachkurse beenden werden. Mit dem DZT erreichen Geflüchtete je nach Prüfungsergebnis das Niveau A.2 oder B.1 nach dem Gemeinsamen Europäischen Referenzrahmen für Sprachen. Ersteres befähigt zur Aufnahme einer Arbeit als Helfer im Garten- und Landschaftsbau, letzteres zum Start einer Ausbildung. Experten sagen allerdings, dass ein Sprachniveau von B.2 für den Erfolg an einer Berufsschule besser wäre. Herbert Hüsgen, Geschäftsführer des Bundesverbandes Garten-, Landschafts- und Sportplatzbau (BGL) und für das Willkommenslotsen-Projekt der Landschaftsgärtner zuständig, ist über die Entwicklung der Sprachfertigkeiten der Flüchtlinge hoch erfreut: "Das gibt unseren Unternehmen die Möglichkeit ernsthaft über neue Arbeits- oder Ausbildungsverträge nachzudenken." Die ersten Erfolge mit Orientierungspraktika im vergangenen Jahr stimmten den BGL optimistisch, dass das hohe Interesse der Betriebe am Arbeitskräftepotenzial der Flüchtlinge 2017 zu zahlreichen neuen Mitarbeitern führt.

Nils Oelkers, Willkommenslotse für Hessen und Thüringen (links), besucht regelmäßig Flüchtlinge in Willkommensklassen der Berufsschulen. Foto: VGL Hessen-Thüringen

Beim FGL Hamburg fanden allein 200 Schnupperpraktika für Geflüchtete statt. Links im Bild Özge Acar, die für den Norden zuständige Willkommenslotsin. Foto: FGL Hamburg

Willkommenslotsen finden Kontakt und Lösungen

Rechtsanwalt Manfred Gnoss, der GaLaBau-Willkommenslotse für Berlin, Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen-Anhalt ist, empfiehlt Betrieben, die sich mit dem Gedanken tragen, Verantwortung für einen Flüchtling in seinem Betrieb zu übernehmen, sich direkt an die sechs Willkommenslotsen bei den Verbänden Garten-, Landschafts- und Sportplatzbau zu wenden. "Wir wissen, wo man den Hebel ansetzen muss, um zu unbürokratischen und praktikablen Lösungen zu kommen.
Gnoss und seine Kollegen in den Ländern haben den unmittelbaren Kontakt zu Flüchtlingen, die in einer Sprachausbildung sind. Nils Oelkers, Willkommenslotse für Hessen und Thüringen, besucht regelmäßig Flüchtlinge in Willkommensklassen der Berufsschulen sowie in Übergangswohnheimen, oft zusammen mit einer Kollegin von der Handwerkskammer. Er erklärt wie die duale Berufsausbildung funktioniert, welche Vorteile sie hat und wie eine Ausbildung abläuft. Auch darum, was Unternehmer von Bewerbern erwarten geht es und wie wichtig gute Deutschkenntnisse sind.

Viele Kontakte zu Flüchtlingen geknüpft

Sein Kollege Andreas Haupert, Willkommenslotse aus Baden-Württemberg, hat sich auf Berufsinformationsmessen der Arbeitsagentur spezialisiert, präsentiert die Landschaftsgärtner dort mit Flyern und dem AuGaLa-Imagefilm, unter anderem auf arabisch. Frühzeitig hat Haupert auch Kontakte mit Landratsämtern geknüpft, die ehrenamtliche Initiativen zur Unterstützung von Flüchtlingen bündeln. So kommt es, dass er immer öfter zu Geflüchteten kontaktiert wird, die Interesse an einer Arbeit im Garten- und Landschaftsbau haben. Ähnlich ist es bei Theresia Hirschbeck, der Willkommenslotsin in Bayern. Sie hat beste Kontakte zu den Berufsschulen, den Beruflichen Fortbildungszentren der Bayerischen Wirtschaft, zum Jugend- und Migrationsdienst sowie verschiedenen Netzwerken. Auch sie berichtet, dass sie im Namen von Flüchtlingen immer öfter auf Möglichkeiten für Praktika, Ausbildung und Arbeit im GaLaBau angesprochen wird. cm/hb

Dieser Artikel erschien in der Ausgabe NEUE LANDSCHAFT 02/2017 .

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