GaLaBau-Wissen

Baumpflanzen kann jeder – aber einen Straßenbaum?

von:
GaLaBau Wissen Baumpflanzung

171. Folge Unsere Serie für den Nachwuchs erläutert das wichtigste GaLaBau-Grundlagenwissen vom Abstecken bis zum Zaunbau: Diesmal geht es um das Thema Straßenbaumpflanzung.

Ich denke, dass jeder, der im Garten- und Landschaftsbau eine Ausbildung anstrebt, mindestens im ersten Ausbildungsjahr seiner Laufbahn einmal einen Baum pflanzen wird. Einen Baum zu pflanzen ist kein Hexenwerk.

Es gibt allerdings auch Standorte, an denen das Pflanzen von Bäumen zur Herausforderung wird. Einer dieser "Problem"-Standorte ist der Straßenbereich - also Straßenbegleitgrün und Alleebäume, aber auch Bäume im innerstädtischen Bereich, beispielsweise in Fußgängerzonen und Wohngebieten. Diese dort zu etablierenden Bäume sind einer Vielzahl von lebensfeindlichen Faktoren ausgesetzt.

Dazu gehören unteranderem:

  • Trockenes und warmes Klima
  • Schadstoffemissionen
  • Eingeengter Wurzelraum
  • Oberflächenversieglung
  • Bodenverdichtung
  • Wassermangel
  • Sauerstoffmangel
  • Mechanische Beschädigungen der Wurzel, der Baumkrone und des Stamms

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Grafiken: Uwe Bienert, 2022
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Grafiken: Uwe Bienert, 2022
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Doch wenn der Standort ein extremer ist, sollte man dort nicht auch spezielle Bäume zum Einsatz bringen? Richtig - es gibt Baumlisten und Empfehlungen von verschiedenen Institutionen und Baumschulen, in denen Bäume für Straßenbegleitgrün mit ihren Eigenschaften und Standortanforderungen aufgelistet sind. Dazu gehören beispielsweise:

  • Straßenbaumliste der Gartenamtsleiterkonferenz (GALK)
  • Baumliste "Stadtgrün 2021"
  • Roloff u. a. (2008) "Klimawandel und Gehölze"
  • Baumlisten einzelner Städte (z. B. Düsseldorf, Nürnberg, Zürich, Wien etc.)
  • Niederländische Straßenbaumliste: www.straatbomen.nl
  • Klimabaumlisten verschiedener Baumschulen

Baumpflanzen im innerstädtischen Bereich - ein Minenfeld?

Na, ganz so schlimm ist es nicht! Allerdings sollte man ganz genau wissen, auf welches Abenteuer man sich hier einlässt und womit zu rechnen ist.

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Grafiken: Uwe Bienert, 2022
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Grafiken: Uwe Bienert, 2022

Hier ist Hilfe gefragt

Wo Pflanzen am Extremstandort gesetzt werden, muss man natürlich in der Pflege einen Zahn zulegen. Dazu legen europäische und nationale Regelwerke und Normen einige Punkte fest. Wichtig sind hier immer Wasser, Luft und Nährstoffe! Hier nur ein kleiner Auszug:

Vertragliche Grundlagen: Das Anwässern nach der Pflanzung gehört grundsätzlich zur Leistung (Nebenleistung). Bei der Fertigstellung-, Entwicklungs-und Unterhaltungspflege muss das Wässern besonders vereinbart und vergütet werden. Der Auftragnehmer ist verpflichtet, stellt er im LV (Leistungsverzeichnis) den unzureichenden Umfang in der Pflege fest (fehlende oder zu wenige Wässerungsgänge), schriftlich Bedenken anzumelden. In der Fertigstellungspflege ist der Auftragnehmer besonders gefordert, da das Risiko des Anwachsens bis zur Abnahme bei ihm liegt.

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Grafik: Uwe Bienert, 2022
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FLL „Empfehlungen für Baumpflanzungen, Teil 1: Planung, Pflanzarbeiten, Pflege

Herstellung der Gießmulden:

  • Innendurchmesser muss kleiner sein als der Außendurchmesser des Ballens
  • Wassermenge in Abhängigkeit von Pflanzlochgröße und Bodenart bemessen (keine vorgeschriebene Mengenangabe)
  • "moderne" Gießmulden, z. B. Kunststoffringe oder Wassersäcke

Planung, Pflanzarbeiten, Fertigstellungspflege

  • Regelmäßige Wässerung erforderlich
  • Von April bis September alle zwei Wochen durchdringend wässern, unabhängig von natürlichen Niederschlägen
  • Wassermenge: Bis 25 cm Stammumfang 75-100 l je Wässerungsgang, abhängig von der Baumart
  • Herstellung der Gießmulden wie bei FLL

Planung, Pflanzarbeiten, Entwicklungs- und Unterhaltungspflege

  • Wässerung in den ersten fünf Standjahren ab Pflanzung
  • Wässerung vor Beginn von Welkeerscheinungen
  • Bei anhaltender Trockenheit (mehr als 10 Tage ohne Niederschlag) und/oder bei erhöhten Temperaturen
  • Jährlich zwischen April und September acht bis 16 Bewässerungsgänge erforderlich, abhängig von Baumart und Klimafaktoren
  • Wassermenge: Bis 25 cm Stammumfang 75-100 l je Wässerungsgang oder 20 l/m³ Kronenprojektionsfläche

Genf: „Directive concernant la plantation et l’entretien des arbres“

  • Wässerung im Zeitraum von Mai bis Mitte Oktober
  • Wässerung abhängig von Baumart, Baumscheibengröße und regionalen Klima
  • Im ersten Jahr Wässerung alle 15 Tage mit je 100-200 l
  • Im zweiten Standjahr Wässerung alle drei Wochen mit je 200-300 l
  • Im dritten Standjahr Wässerung monatlich im Zeitraum von Juni bis Oktober mit je 300 l

Quellen

Gütebestimmungen für Gehölze (FLL e. V.) und den Gütebestimmungen für Stauden (FLL e. V.) (Forschungsanstalt Landesentwicklung Landschaftsbau e.V.)

Der Gärtner 1 (Martin Degen, Karl Schrader; Ulmer-Verlag),

Grundkurs Gehölzbestimmung (Lüder, Quelle & Meyer Verlag Wiebelsheim),

Taschenlexikon der Gehölze (Schmidt/Hecker, Quelle & Meyer Verlag Wiebelsheim),

International standard ENA 2010–2015 (M.H.A. Hoffmann, ENA’s European Plant Names Working Group),

DIN 18916 „Vegetationstechnik im Landschaftsbau – Pflanzen und Pflanzarbeiten“

Nächsten Monat lesen Sie:
„Hilfe – mein Baum ist krank!“.

 Uwe Bienert
Autor

Landschaftsgärtner-Meister und Ausbilder

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