GaLaBau-Wissen

Die Artenwanderung

von:
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Grafik: Uwe Bienert

176. FOLGE: Unsere Serie für den Nachwuchs erläutert das wichtigste GaLaBau-Grundlagenwissen vom Abstecken bis zum Zaunbau: Diesmal geht es um das Thema invasive Neophyten.

Als ich begann, zum Inhalt des Artikels zu recherchieren, dachte ich noch: „Das wird eine leichte Nummer – Ruckzuck und fertig!“ Im Verlauf des Schreibens merkte ich, dass ich mir mit diesem „Artenwanderungsartikel“ auch ein Thema ausgesucht hatte, das philosophisch und gesellschaftspolitisch keinen Halt vor Pflanzen macht. Immer wieder kam mir der Vergleich mit unserer Gesellschaft in den Sinn: Wir bestimmen, wo wer leben darf. Das wird einigen Lesern jetzt sicher zu weit gehen, aber denken Sie einmal darüber nach und sehen Sie sich in unserer Gesellschaft um, dann werden Sie feststellen, dass diese These zutrifft und nicht vor Pflanzen und Tieren Halt macht.

In unserem heutigen Artikel soll es um sogenannte Neophyten gehen und hier im Speziellen um "invasive Neophyten". Einwanderer, die sich hier in unserer Klimazone breit machen und die wir in den meisten Fällen nicht herbeigerufen haben. Sind sie wirklich unser Untergang oder nur eine ganz normale Entwicklung auf unserem Planeten, die früher oder später in den meisten Fällen sowieso eingetreten wäre? Ist es vielleicht ganz normal, das eine Art die andere verdrängt im Kampf ums Dasein (Ich weiß gar nicht, ob dieser Ausdruck noch politisch korrekt ist.)?

Erstmal zum Begriff

Während die neobiotischen Arten lediglich in fremde Gebiete eingeschleppte Lebewesen umfassen, bezeichnet das Attribut "invasiv" solche Tiere, Pflanzen und Pilze, die (durch den Menschen eingeschleppt) sich in ihrem neuen Lebensraum fest etabliert haben. Von ihnen geht eine Gefahr für die heimische Flora und Fauna aus, denn sie nehmen einen starken Einfluss auf die Artenzusammensetzung und können Tiere oder Pflanzen verdrängen. Unter Neophyten verstehen wir eine Unterkategorie der Neobiota (griechisch: néos für "neu" und bíos für "Leben"). Dieser Begriff umfasst in seiner strengen Definition alle Arten, die durch den Menschen in der Welt verbreitet wurden.

. . . kurze Unterbrechung

Damit wir uns recht verstehen: Es ist nicht ungewöhnlich, dass Arten ihren Lebensraum verändern oder ausdehnen, denn dieses Prozedere gehört zu einem Milliarden Jahre alten Prozess der Evolution. Es gibt ein natürliches Hin und Her, denn auch in unseren Breiten kehren seit der letzten Eiszeit zahlreiche von der Kälte verdrängte Arten aus ihren mediterranen Rückzugsgebieten über die Pyrenäen, Alpen und Karpaten zurück nach Norden. Gefährlich wird die Aktion erst, wenn der Mensch seine Finger im Spiel hat und diesen Prozess beschleunigen will oder aus anderen Gründen beeinflussen will.

. . . weiter im Text

Diese vom Menschen eingeschleppten Lebewesen breiten sich in den fremden Gebieten aus, in denen sie vorher nicht als heimisch galten. Einige Wissenschaftler und Naturforscher sind der Meinung, dass auch andere Arten unter die Neobiota fallen, die sich ohne menschliches Zutun in fremden Gebieten ausbreiten. Da gehen die Meinungen auseinander: Ich bin nicht dieser Meinung, weil ich finde, dass ein Lebewesen, welches selbständig seinen Lebensraum vergrößert nicht mit einem Lebewesen gleichgesetzt werden darf, welches in einen neuen fremden Lebensraum angesiedelt wurde, der keine räumliche Verbindung mit seinem ursprünglichen Lebensraum hat.

Mitteleuropa ist ein Hotspot der Artenwanderung. Diese Artenwanderung ist ein natürlicher Prozess. Ständig wandern auch heute noch neue Arten in Europa ein. Die gesamte Vegetation Mitteleuropas ist geprägt von Arten, die seit der Eiszeit eingewandert sind. So ist es! Na und?

Die Ökosysteme Europas haben eine hohe Widerstandsfähigkeit gegenüber neu eingewanderten Arten entwickelt. Es gibt viele Nischenlebensräume, in denen gebietsfremde Arten einen Platz finden und neben heimischen Pflanzen und Tieren gedeihen. Förderung erhält diese Entwicklung durch den Klimawandel. Durch die Erhöhung der Temperatur (Erderwärmung) breiten sich wärmeliebende Pflanzen (und auch Tiere) zunehmend in nördliche Regionen aus. Wie gesagt: Das ist ein natürlicher Prozess!

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Tabelle: Uwe Bienert

Jetzt kommt der Mensch ins Spiel

Er, namens Homo sapiens, betritt die Bühne der Erdgeschichte und schon geht das Dilemma los: In der Jungsteinzeit schleppt der Mensch zahlreiche Ackerwildkräuter bei der Getreideernte und -verwertung über den halben Erdball. Interessanterweise stehen heute viele dieser nach Europa eingeschleppten Kräuter auf der Roten Liste der gefährdeten Arten.

Diese, durch Menschen in der Jungsteinzeit oder den Handel der Römer nach Europa beförderten Pflanzen, nennt man Archäophyten. Der Begriff Neophyten wird erst seit der Entdeckung Amerikas im Jahr 1492 durch Kolumbus für Pflanzen benutzt. Ab dieser Zeit nahmen der weltweite Waren- und Personenverkehr und damit die Anzahl der eingeführten Pflanzen sprunghaft zu. Fast die Hälfte aller Neophyten, die sich in Deutschland etabliert haben, wurde absichtlich eingeführt; darunter 30 Prozent Zierpflanzen (bspw. Tagetes); 20 Prozent sind land- und forstwirtschaftliche Nutzpflanzen (bspw. Mais, Kartoffel und Tomate).

50 Prozent der neuen Pflanzen wurden unbeabsichtigt eingeschleppt, zum Beispiel als nicht gewollte Beimischung im Saatgut, im Gefieder von Zugvögeln oder im Stiefelprofil der Soldaten in einem der vielen zu dieser Zeit geführten Kriege und Eroberungsfeldzüge.

Jeder wird jetzt sagen: Wo ist eigentlich das Problem? Das Problem ist sicher nicht die Ausbreitung von Arten in andere Lebensräume. Das Problem liegt in der Zeit! Arten, die sich allmählich in einem neuen Gebiet ausbreiten, geben Arten, die dort heimisch sind, die Möglichkeit, sich auf den neuen Mitbewohner einzustellen.

Setzt man aber eine Art plötzlich in einem neuen Gebiet aus, ist eine Anpassung nicht möglich. Die alteingesessene Art wird verdrängt oder im schlimmsten Fall beseitigt.

Es gibt Kriterien, die die Bekämpfung von invasiven Arten erforderlich machen. Der Mensch sollte zweckmäßigerweise eingreifen, wenn die Restvorkommen bedrohter Arten verdrängt werden, wenn das Risiko der Hybridbildungen zwischen gebietsfremden und heimischen Arten besteht oder wenn die historische Authentizität der Arten einer Kulturlandschaft gefährdet wird.

Sind denn alle böse?

Man kann davon ausgehen, dass in Europa rund ein Viertel aller Pflanzen Neophyten sind. Ungefähr 0,2 Prozent von diesen gelten als invasiv. Das heißt sie breiten sich unkontrolliert aus. Das führt logischerweise je nach Art zu verschiedenen Problemen. Dazu zählen: Die Gefährdung der Gesundheit (Allergien, Giftstoffe, für Menschen wie auch Tiere), die Verdrängung einheimischer Arten, somit Rückgang der Biodiversität und Wirtschaftliche Schäden, beispielsweise durch beschädigte Bauten, Ertragseinbußen oder Mehraufwände in der Land- und Forstwirtschaft.

Invasive Neophyten erweisen sich als sehr effizient, wenn es um ihre Verbreitung geht. Sie bleiben kaum in einem Garten und die als schöne Solitärstaude geplante Pflanzung einer Herkulesstaude (Heracleum mantegazzianum) kann sich mit ihren 10.000 Samen schnell zur Quelle für eine oder mehrere verwilderte Populationen in der Natur gestalten.

"Hall of horror" der Invasiven in der Flora Europas

Platz 1: Der Riesen-Bärenklau (Heracleum mantegazzianum)

Diese Pflanze war ursprünglich im Kaukasus beheimatet. Sie wurde 1982 erstmalig von einem Hobbygärtner in Dransfeld aus Samen gezogen. Er keimt schneller und effektiver als die meisten heimischen Pflanzen. Außerdem sondert er ein Gift ab, das andere Pflanzen schädigt. Clever - biologische Kriegsführung unter Pflanzen, aber auch der Mensch wird bedroht: Denn der Riesenbärenklau sondert eine Substanz ab, die den natürlichen Sonnenschutz der Haut auflöst.

Schon bei normalem Sonnenlicht entstehen so schwerste Verbrennungen. Die bloße Berührung kann aber auch Fieber, Schweißausbrüche und Kreislaufschocks auslösen. Deshalb ist eine Meldung an die zuständige Kommune ist bei Sichtungen im öffentlichen Raum zu empfehlen. Schlechte Nachricht: Mittlerweile ist seine Vermehrung nicht mehr zu stoppen. In einigen Gebieten des Bayerischen Waldes entwickelt er sich so stark, dass einheimische Arten völlig zurückgedrängt werden. Die Folgen sind Biotopzerstörung und Bodenerosion.

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Platz 2: Indisches oder drüsiges (Riesen-)Springkraut (Impatiens glandulifera)

Ursprünglich war das drüsige Springkraut im Himalaya beheimatet. Im 19. Jahrhundert wurde es als Zierpflanze gezielt nach Europa eingeführt, wo es sich über botanische Gärten weiterverbreiten konnte. Man findet es mittlerweile massenhaft an Fließgewässern, wo es die Bachufer unterminiert. Seinen Namen erhielt es durch seinen Verbreitungsmechanismus. Eine einzelne Pflanze des Springkrauts produziert allein 4000 Samen, die sie bei geringster Berührung bis zu 7 m weit verschleudert. In einem Springkrautfeld fallen so auf jeden Quadratmeter bis zu 32.000 Kapseln. Die rosafarbenen Blüten der bis zu 60 cm groß werdenden Pflanze riechen nach Kokosnuss. Wegen seines Nektarreichtums bevorzugen Bienen das Springkraut vor allem in nektarärmeren Jahreszeiten. Dies führt zu einem unerwünschten Druck auf konkurrierende einheimische Pflanzen. Außerdem bildet die Art oft flächendeckende Bestände, die andere heimischen Arten am Wachsen hindern.

Platz 3: Japanischer Staudenknöterich (Reynoutria [Fallopia] japonica)

Ursprünglich aus Ostasien kommend, wurde er als Zier- und Futterpflanze (für Pferde und Kühe) 1825 nach Europa gebracht. Er breitet sich über lang reichende Wurzelsprosse explosionsartig aus. Kleine Teile der Stängel sind in der Lage überall anwachsen zu können. Er besitzt die enorme Wuchsleistung von bis zu 25 cm pro Tag. Durch seine Höhe von bis zu 4 m und das dichte Blätterdach behindert er den Aufwuchs anderer Pflanzen und hat sich gegen die einheimische Flora durchgesetzt. Einfaches Abmähen hilft da nicht mehr: Mindestens achtmalige Mahd, Schafbeweidung oder Weidenspreitanlagen werden für seine Eindämmung benötigt. 34 bis 41 Millionen Euro werden jährlich deutschlandweit zur Bekämpfung ausgegeben.

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Platz 4: Kanadische Goldrute (Solidago canadensis)

Die Kanadische Goldrute wurde im 19. Jahrhundert aus Nordamerika als Zierpflanze und Bienenweide eingeführt. Die Staude wird bis 250 cm hoch und hat goldgelbe, zylindrische Blütenköpfe, die eine Rispe bilden. Sie besiedelt alles, was an Ödland vorhanden ist (Bahngleise, Schuttplätze, Wald- und Uferränder). In Nordamerika gibt es knapp 300 Fressfeinde! Quizfrage: Wie viele hat sie in Europa? Richtig: Keinen!!! Durch 19.000 Samen pro Pflanze und unterirdische Ausläufer verfügt sie über ein enormes Ausbreitungspotential. Leider verdrängt sie dadurch vor allem auf Magerrasen heimische, Licht liebende Pflanzen und verändert den Ablauf der natürlichen Sukzession.

Platz 5: Lupine (Lupinus polyphyllus)

Sie stammt ursprünglich aus Amerika und besitzt eine lange Pfahlwurzel. Mithilfe von Knöllchen-Bakterien kann sie an ihrer Wurzel Luftstickstoff binden, der sich im Boden anreichert. Klingt super - bis jetzt! Diese Fruchtbarkeit bringende Eigenschaft ist allerdings nicht überall erwünscht. So verbreitet sie sich unter anderem auf Magerböden und vertreibt dort solche Pflanzen, die auf kargen Boden angewiesen sind (Arnika, Borstgras, Katzenpfötchen, Knabenkraut, Trollblume u. a.). Durchschnittlich hat eine Pflanze etwa 60 Blüten. Diese produzieren 2000 Samenkörner und schleudern sie bis zu 6 m weit.

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Platz 6: Robinie (Robinia pseudacacia)

Die aus Nordamerika stammende Pflanze dient aufgrund ihrer Streusalz- und Emissionsresistenz als Pioniergehölz auf Schuttflächen und breitet sich entlang von Bahndämmen und auf Magerwiesen aus.

Leguminose (Schmetterlingsblütler) kann sie Luftstickstoff binden, den Boden damit anreichern und somit chemisch verändern. Die Folge ist eine Überdüngung von besonders schützenswerten Magerstandorten. Während trockene Böschungen von Robinien stabilisiert werden, werden feuchte Böschungen destabilisiert: Die Ausläufer durchziehen diese Böschungen. Entlang der Wurzeln und geschaffenen Hohlräume gelangt Wasser in die Böschung und weicht sie auf. Das Ganze hat auch Folgen für die Wasserqualität, da der gewonnene Stickstoff ausgespült wird und zur starken Nitratbelastung für die Gewässer wird.

Platz 7: Späte Traubenkirsche (Prunus serotina)

Im 17. Jahrhundert wurde die Pflanze aus Nordamerika gezielt nach Europa gebracht. Sie ist eine dicht wachsende, stark wuchernde Pflanze, die zunächst als Zierpflanze in Gärten und Parks angepflanzt wurde. Sie eignet sich jedoch auch als Brandschutz- und Pionierpflanze zur Verbesserung magerer Böden. Aufgrund dieser Eigenschaft und zur Gewinnung von wertvollem Holz wurde sie bis in die 1950er Jahre massiv angepflanzt, um sie anschließend ab den 1960er Jahren als Neophyten zu bekämpfen.

Platz 8: Schmalblättrige Wasserpest (Elodea nuttallii)

Die aus Nordamerika stammende Wasserpflanze breitet sich seit den späten 1970er Jahren in Europa aus. Sie wurde zum Teil gezielt ausgesetzt und anschließend durch Schifffahrt und Wasservögel weiterverbreitet. Ihr massives Auftreten und explosionsartiges Wachstum führt zu undurchdringlichen Unterwasserwäldern und zur Verdrängung einheimischer Wasserpflanzen. Die riesigen Mengen an abgestorbener Biomasse im Herbst führt zur zusätzlichen Eutrophierung der betroffenen Gewässer. Sie vermehrt sich vegetativ, d. h. bereits einzelne abgetrennte Sprossteile reichen für ihre Verbreitung aus.

Platz 9: Götterbaum (Ailanthus altissima)

Götterbäume sind resistent gegen alles - Trockenheit, Salz und Luftverschmutzung - und daher beliebt in Gärten und Parkanlagen. Die Pflanze wächst sehr schnell, ist aber sehr kurzlebig für einen Baum (knapp 50 Jahre). Im Umkreis von mindestens 20 m besteht die Gefahr zahlreicher Stockausschläge. Die Samen sind geflügelt und werden daher vom Wind weit verbreitet.

Platz 10: Essigbaum (Rhus typhina)

Die purpurroten Früchte des Essigbaums bleiben den ganzen Winter über an der Pflanze. Ähnlich wie der Götterbaum kann auch dieser Neophyt in weitem Umkreis des Strunks ausschlagen. Alle Teile und besonders sein Milchsaft sind leicht giftig und können Haut und Augen reizen.

Alles hat zwei Seiten

Man will das Schöne und tut doch das Schlechte. Das ist im Leben nun mal so. So denkt beispielsweise niemand der einen Schmetterlingsstrauch in seinem Garten pflanzt daran, dass er mit dieser Aktion vielleicht der Natur schaden könnte. Der Name klingt doch schon so positiv - Schmetterlingsstrauch!

Der Strauch wird seinem Namen durchaus auch gerecht und zieht Schmetterlinge an. Leider ist er ihnen dabei keine große Hilfe. Es sind hauptsächlich Generalisten wie etwa Tagpfauenaugen, die ihn besuchen. Diese Schmetterlingsarten könnten auch problemlos bei einheimischen Pflanzen Nektar holen. Jedoch werden diese jetzt zugunsten des Schmetterlingsstrauchs vernachlässigt, der den Schmetterlingsraupen aber anderseits keine Nahrung liefern kann. Blöd gelaufen! Beide werden verdrängt: Die ursprüngliche Bestäuberpflanze wird nicht befruchtet und kann sich damit nicht vermehren und nimmt im Bestand ab. Und der Falter hat für seine Nachkommen auch keine Nahrungspflanze mehr - satte Eltern und verhungerte Kinder (wenn das Bild hier mal erlaubt sein darf).

Mensch, pass auf dich auf!

Eingewandert aus Amerika und aggressiv: Ambrosia artemisiifolia, die Beifuß-Ambrosie. Es schaudert jeden Allergiker. Diese Pflanze, die sich mittlerweile immer mehr in deutschen Hausgärten wohlfühlt, verschleudert bis in den November hinein Milliarden ihrer Pollen. Diese dringen in die inneren Atemwege vor und lösen dann schwere Reaktionen von Tränenfluss und Juckreiz bis hin zu Asthma aus.

Trotz der Warnung vor der Einführung und dem Kauf allergener Pflanzen werden viele Warnungen in den Wind geschlagen.

So finden wir immer wieder in Baumschulen und Gartenmärkten beispielsweise die Japanische Zeder (Cryptomeria japonica). Sie ist in ihrem Heimatland Japan eine Hauptquelle für Allergien. Der immergrüne Baum wird auch Sicheltanne oder Sugi genannt und in Mitteleuropa etwa 15 m hoch. Oder der Trendbaum der letzten Jahre in Deutschland - der Olivenbaum (Olea europaea): Er ist ein Hauptallergen in Südeuropa. Olivenpollen können zu Heuschnupfen, allergischem Schnupfen (Rhinitis) oder Asthma führen.

Alles hat zwei Seiten

Einerseits:

  • Die Beifuß-Ambrosie (Ambrosia artemisiifolia) produziert bis in den November Milliarden kleinster Pollen, die in die Atemwege vordringen und Allergien auslösen.
  • Das Schmalblättrige Greiskraut (Senecio inaequidens) siedelt gerne auf Weiden und Feldern. Gelangen ihre giftigen Pflanzenteile in die Getreideernte, können sie beim Verzehr von Brot die Gesundheit beeinträchtigen.

Andererseits:

  • Die Kupferfelsenbirne (Amelanchier lamarckii) bietet Vögeln Nahrung.
  • Der spätblühende Riesenbärenklau (Heracleum mantegazzianum) liefert Bienen Nahrung, wenn kaum andere Pflanzen blühen.
  • Das drüsige Springkraut (Impatiens glandulifera) gehört im August zu den meistbesuchten Blütenpflanzen unter Hummeln.

Neophyten mit anderen Augen sehen

Neophyten werden häufig als gefährlich und feindselig dargestellt. Doch nur die wenigsten Arten haben negative Folgen für unsere Ökosysteme. Um sich über den Verbleib von all diesen Neu-"Bürgern" eine Meinung zu bilden, sollte man sich von der Vorstellung lösen, dass Natur etwas Starres ist. Viele von uns kennen die Schlagworte wie "sensibles Ökosystem" oder "Gleichgewicht der Natur", vergessen aber über den Wahn, über alles wachen zu wollen, die Tatsache, dass Natur im Gegenteil meist enorm dynamisch ist. Tatsächlich sind Ökosysteme nur vom Menschen erdachte Hilfskonstruktionen, mit denen wir die unübersichtliche Natur verstehen wollen.

Wie soll etwas sein Gleichgewicht erhalten, wenn ständig daran herumgeschraubt wird? Eine einhellige Meinung zum Thema Einwanderung wird es nicht geben. Landwirte und Jäger werden andere Antworten geben als Naturschützer; Wissenschaftler andere als Politiker.

Bereicherung oder Gefahr?

Neuankömmlinge werden oft misstrauisch beäugt. Sie sind fremd, möglicherweise gefährlich. Schadensabwehr ist ein gemeinsamer Nenner, auf den sich viele Menschen einigen können. Jedoch halten sich längst nicht alle Einwanderer auf Dauer. Viele machen keine Probleme. Sollte man nicht diesen Prozess des Entstehens neuer Lebensgemeinschaften und Artenbeziehungen einfach auch wertfrei als spannenden Prozess sehen? Denken Sie mal drüber nach; auch über den Themen-Horizont hinaus!

Uwe Bienert

Quellen:
  • Der Gütebestimmungen für Gehölze (FLL e. V.) und den Gütebestimmungen für Stauden (FLL e. V.) (Forschungsanstalt Landesentwicklung Landschaftsbau e. V.)
  • Der Gärtner 1 (Martin Degen, Karl Schrader; Ulmer-Verlag)
  • Grundkurs Gehölzbestimmung (Lüder, Quelle & Meyer Verlag Wiebelsheim)
  • Taschenlexikon der Gehölze (Schmidt/Hecker, Quelle & Meyer Verlag Wiebelsheim)
  • International standard ENA 2010-2015 (M.H.A. Hoffmann, ENA’s European Plant Names Working Group)
  • DIN 18916 „Vegetationstechnik im Landschaftsbau – Pflanzen und Pflanzarbeiten“

Nächsten Monat lesen Sie: "Stairs to the top".

 Uwe Bienert
Autor

Landschaftsgärtner-Meister und Ausbilder

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