Nur wenige Schritte vom High Line Park entfernt

Little Island @Pier55 bringt mehr Naherholung nach New York City

New York City ist um eine originelle Grünanlage reicher: Little Island @Pier55, ein auf 280 Betonpfählen gebauter Insel-Park im Hudson River, ist Mitte Mai eröffnet worden. Besucher können sich in dem 0,97 Hektar großen Areal auf regelmäßige Musik-Events, drei Imbiss-Stände und eine aufwendig gestaltete Landschaft freuen. Die Baukosten betrugen umgerechnet rund 218 Millionen Euro.

Extravagante Freiraumerfahrung

Bio-Diversität wird auf Little Island großgeschrieben: So beherbergt die Insel 35 verschiedene Baumarten, 65 Arten von Sträuchern sowie 270 Gras- und Staudenspezies. Eine besondere Bedeutung kommt in dem Pflanz-Ensemble den Immergrünen zu: Sie dienen an den Inselrändern als Schutzschild gegen die Winde des Hudson River.

Jenseits der Flora bürgen zudem Glockenspiele, Aussichtspunkte und ein Amphitheater mit 687 Sitzen für eine extravagante Freiraumerfahrung. Verschlungene Pfade und künstliche Hügel sind weitere Gestaltungselemente, die die Landschaftsarchitektin Signe Nielsen realisiert hat. Neben ästhetischen Gesichtspunkten spielte dabei auch der Erosionsschutz eine Rolle. Sowohl der aufgeschüttete Boden als auch die Bepflanzung wurden so angeordnet, dass Erosionseffekte minimiert werden.

Überhaupt ist der Sicherheitsgedanke allgegenwärtig: Um den bestmöglichen Überflutungsschutz zu gewährleisten, ragen auf den Betonpfählen 132 tulpenförmige Strukturen bis zu 19 Meter über die Wasseroberfläche hinaus. Selbst gegen eine 500-Jahres-Flut, die den Wasserspiegel um knapp 3,5 Meter ansteigen ließe, ist Little Island damit gewappnet.

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Umstrittenes Nutzungskonzept

Spontane Naherholung ist auf der Insel allerdings nur eingeschränkt möglich. Nach 12 Uhr mittags darf man ausschließlich mit Online-Reservierung auf die Insel - und das nicht Corona-bedingt, sondern weil es das Nutzungskonzept grundsätzlich so vorsieht. Während der gesamten Öffnungszeit wird der Zugang kontrolliert, damit die festgelegte Kapazitätsgrenze von 1000 Besuchern nicht überschritten wird.

Was auf den ersten Blick restriktiv wirkt, relativiert sich bei genauerem Hinsehen: So ist der Insel-Park von sechs Uhr morgens bis ein Uhr nachts - effektiv also 19 Stunden - geöffnet und zu Fuß über zwei Stege erreichbar. Der reservierungspflichtige Zeitraum (kostenlose Tickets unter www.littleisland.org) erstreckt sich bis 20 Uhr. Gerade für Nachtschwärmer und Anwohner, die Spontanbesuche zu den Tagesrandzeiten unternehmen, könnte Little Island also ein interessanter Anlaufpunkt werden.

Gleichwohl stößt das Nutzungskonzept nicht überall auf Gegenliebe. So bezeichnete die "Washington Post" den neuen Insel-Park als "kontrollierte Umgebung" die "nicht zufällig" in einer reichen Nachbarschaft entstanden sei. Im Gegenteil: Die weltbekannte High Line, eine 2,5 km lange ehemalige Güterzugtrasse, die in eine Grünanlage umgewandelt wurde, befindet sich nur wenige Blocks entfernt. Nun sei schon wieder in Manhattan eine grüne Oase für Besserverdiener realisiert worden. Das erinnere zusehends an eine "Gated Community" und leiste der Gentrifizierung des Stadtteils abermals Vorschub. Andere Kritiker stören sich an dem Finanzierungshintergrund des Projekts: Der Geldgeber ist nämlich - anders als bei der High Line - weder eine Crowdfunding-Community noch die Stadt New York.

Privat finanziertes Bauprojekt

Stattdessen steckt ein privater Gönner hinter dem Bau von Little Island: Der einflussreiche Geschäftsmann Barry Diller. Zusammen mit seiner Frau, der Modeschöpferin Diane von Fürstenberg, investierte er 260 Millionen US-Dollar (rund 218 Millionen Euro) in den Insel-Park. Das habe es New York City mal wieder ermöglicht, sich aus der Verantwortung zu stehlen, so die Kritiker. Weniger als ein Prozent ihres Budgets gibt die Stadt laut "Washington Post" für ihre Parks und Grünanlagen aus. Schwerreiche Privat-Investoren wie Diller und von Fürstenberg nähmen der Stadt den Anreiz, sich mehr um ihre grüne Infrastruktur zu kümmern.

Ungeachtet dessen kann (fast) jeder, der möchte, Little Island besuchen - verboten sind lediglich Hunde, Fahrräder und E-Scooter. Zwar wird der Zugang aus Sicherheitsgründen reguliert, einen Eintrittspreis erhebt die Stadt jedoch nicht. Somit ist ein Ausflug auf die Insel keine finanzielle Frage. Dass mehr Bewohner des wohlhabenden Manhattan herkommen werden als Leute aus der Bronx oder Harlem, gilt allerdings als wahrscheinlich. Ausschlaggebend dafür dürfte Little Islands geografische Lage sein. Hendrik Behnisch

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