Ökonomisch betrachtet

Geschafft

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Im Mai dieses Jahres hat der Europäische Gerichtshof (EuGH) geurteilt, dass Arbeitszeiten erfasst werden müssen. So weit, so unspektakulär - da bei uns die Dokumentation der Arbeitszeit allein schon aufgrund der Mindestlohnthematik zum Standard gehört. Interessant ist aber der Hintergrund, denn es geht um ein Grundrecht, das in der EU-Charta verbürgt und in der EU-Arbeitszeitrichtlinie präzisiert wird: Der Anspruch der Arbeitnehmer auf tägliche und wöchentliche Ruhezeiten und eine Begrenzung der Höchstarbeitszeit.

Im Vereinigten Königreich hat eine umfangreiche Studie unter Büroangestellten übrigens ergeben, dass diese nur knapp drei von acht Arbeitsstunden am Tag tatsächlich produktiv sind. Für diese Berufsgruppe musste also schon mal kein Urteil zum Schutze der Grundrechte gefällt werden. Britische Büroangestellte beteiligen sich demnach nur zu 37 Prozent effektiv an der Wertschöpfung. Jeden Baubetrieb würde das umbringen. Im Vergleich gilt ein Baubetrieb mit einer Produktivität unter 65 Prozent schon als sterbenskrank. Macht die Branche etwas falsch oder was ist hier los?

Nun ja. Ohne die obigen Zahlen konkret zu hinterfragen, zeigt die Diskrepanz in jedem Fall, dass Arbeitszeit nicht gleich Produktivität ist. Und hier steckt auch der Ansatzpunkt für unsere Branche. Denn was wir unter produktiver Arbeitszeit verstehen, ist sehr unterschiedlich. Viele Betriebe erfassen nur die für die Lohnabrechnung notwendigen Zeiten abzüglich Urlaub und Krankheit. Der Rest der Zeit, wie am Beispiel der Büroangestellten deutlich wird, muss aber nicht per se produktiv sein. Auch im Baubereich gibt es da genügend Anlässe, wie die x-te Fahrt zum Bauhof oder Baustoffhändler, unnötige Lade-oder Wartezeiten oder eine ungeschickte Routenplanung. Wenn der Betrieb nicht gut organisiert ist, geht auf die Art viel Zeit verloren. Wenn die Arbeit gut organisiert wäre, müssten die Mitarbeiter nur einen Bruchteil der Zeit arbeiten und der Betrieb wäre bei gleicher Leistung profitabler.

Eine gute Organisation könnte so mehrere Probleme unserer Zeit lösen: Mit der Industrialisierung ist Freizeit zu einem kostbaren Gut geworden, wodurch nicht nur Muße und Kreativität, sondern auch die Gesundheit auf der Strecke geblieben sind, wie viele Studien zeigen. Junge Generationen zerreiben sich zwischen Job, Haushalt, Kindern und Pflege der Eltern und fordern flexible Arbeitszeiten ein, oder wären bereit kürzere - bei weniger Einkommen - zu akzeptieren.

Das alles ist machbar. Es ist nur eine Frage der Organisation.

Prof. Dr.-Ing. Heiko Meinen
h.meinen@kullmann-meinen.de

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Prof. Dr. Heiko Meinen
Autor

Leiter des Instituts für nachhaltiges Wirtschaften in der Bau- und Immobilienwirtschaft (inwb), Hochschule Osnabrück

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