Hochgrasmäher-Spezialist gibt hilfreiche Tipps

Wie umweltschonende Grünlandpflege gelingen kann

Um die Auswirkungen der Mahd auf Flora und Fauna möglichst gering zu halten, sollten so wenig Eingriffe in die Fläche wie möglich, aber so viele wie nötig erfolgen. Foto: AS-Motor

In Zeiten zunehmend intensiver Landnutzung und dem damit verbundenen Artensterben sind extensiv genutzte Flächen wie Streuobstwiesen, Hanglagen, Gräben, Wegränder, Trockenrasen oder Straßenbegleitgrün ein wichtiger Lebens- und Rückzugsraum für eine Vielzahl von Tier- und Pflanzenarten.

Um diese Flächen aus ökologischer Sicht richtig zu pflegen, gilt es einiges zu beachten. Die Mahd-Experten des schwäbischen Unternehmens AS-Motor haben hierfür eine Guideline verfasst, die wir im Folgenden in einer gekürzten Fassung abdrucken.

Pflegehäufigkeit und Pflegezeitraum sind entscheidend

Vor allem die Pflegehäufigkeit und der Pflegezeitraum haben einen entscheidenden Einfluss darauf, welche Tier- und Pflanzenarten sich dauerhaft auf einer Fläche ansiedeln. Um die Auswirkungen der Mahd auf Flora und Fauna möglichst gering zu halten, sollten grundsätzlich so wenig Eingriffe in die Fläche wie möglich, aber so viele wie nötig erfolgen. Keine Pflegemaßnahmen sind keine Option, da dadurch schützenswerte Pflanzen ihren Lebensraum verlieren. Um eine Verbuschung zu vermeiden, sind auf mitteleuropäischen Wiesen mindestens ein bis zwei Schnitte notwendig.

Hinsichtlich des Pflegezeitraums gilt es zu beachten, welche Arten im Fokus der Förderung stehen. Folgende Punkte sollten dabei unter anderem berücksichtigt werden: Die erste Mahd muss vor Beginn der Vegetationsperiode, also bis Mitte März abgeschlossen sein, um Bodenbrüter nicht zu stören.

Zudem sollten blütenreiche Flächen erst dann gemäht werden, wenn mindestens 50 Prozent der Pflanzen verblüht sind und das Aussamen bereits erfolgt ist. Bei hohem Insektenaufkommen sollte man in den frühen Morgenstunden oder in den späten Abendstunden mähen, wenn die nektarsuchenden Insekten noch nicht da sind oder sich bereits wieder zurückgezogen haben. Grundsätzlich gilt: Eine verzögerte Mahd in Richtung Sommer ist positiv für Pflanzen, Insekten und Spinnen.

Eine sehr späte Mahd im Herbst hingegen ist perfekt für Vögel, Säugetiere, Amphibien und Reptilien. Zu beachten ist hierbei jedoch, dass sich eine sehr späte Mahd eventuell nachteilig auf die Artenvielfalt der Pflanzen auswirken könnte. Das Mähen außerhalb der Vegetationsperiode ist nicht empfehlenswert, da das Schnittgut dann nicht umgesetzt wird und die Tiere in ihrer Winterruhe gestört werden.

In die richtige Richtung und nicht alles auf einmal mähen

Wesentlich, um Tiere und Insekten beim Mähen zu schützen, ist die Mahdrichtung. Die AS-Motor-Experten empfehlen die Mahd von der Flächen-Mitte nach außen hin. Die sich auf der Fläche befindenden Tiere werden so zum Rand gedrängt und können im Schutze der Vegetation flüchten. Gleiches gilt für die Mahd in Streifen. Um Tiere am Boden oder herabfallende Insekten zu schützen, muss grundsätzlich eine Schnitthöhe von mindestens acht Zentimetern eingehalten werden.

Um wertvolle Lebens- und Rückzugsräume nicht zu zerstören, muss eine großflächige und zeitgleiche Mahd vermieden werden. Stattdessen sollten ungemähte Areale als Ausweich- und Fluchtflächen für Tiere erhalten bleiben. Hier können sich zudem Teilpopulationen der Flora ungestört weiter entwickeln und danach die gemähten Flächen wieder besiedeln. Diese sogenannten Altgrasstreifen sollten im Idealfall 10 x 50 Meter groß sein und erst im Folgejahr gemäht werden. Je nach Möglichkeit und Schutzziel sollten zehn bis 20 Prozent der Fläche ungemäht belassen werden. Empfohlen wird bei abschnittsweisem Mähen von Flächen das Prinzip der wandernden und rotierenden Brachstreifen. Wenn die gesamte Fläche hingegen innerhalb zwei Wochen gemäht werden soll oder muss, ist die sogenannte Streifen- oder Mosaikmahd zu empfehlen. Abschließend ist zu sagen, dass für eine ökologisch orientierte Landschaftspflege die genannten Empfehlungen relativ einfach umzusetzen sind und idealerweise zum Standard werden sollten. Zwar gibt es keine schützende Pflege für alle Tiere, jedoch ergeben sich bei Beachtung der aufgeführten Grundsätze viele kleine Verbesserungen, die den Fortbestand von Populationen entscheidend verbessern.

Dieser Artikel erschien in der Ausgabe NEUE LANDSCHAFT 12/2020 .

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