Immergrüne Hecken

Arbeitskreis Bundesgehölzsichtung prüfte Kirschlorbeer und Co.

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Trotz wiederholt vorgetragener Kritik des Naturschutzbundes (NABU) 2022 am Kirschlorbeer, die zum Ergebnis gelangte, dass eine Betonmauer für die Natur wertvoller sei, als eine Hecke aus Kirschlorbeer und ihn als "hochgiftige, ökologische Pest" bezeichnete, gehört Kirschlorbeer bei Häuslebauern und denen, die in immer dichter bebauten Siedlungsbereichen nach etwas blickdichterer, heimeliger Abgeschiedenheit im Garten suchen, immer noch zur ersten Wahl.
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1. Hecke aus heimischer Schlehe (Prunus spinosa) in einer Ortschaft in Nordfriesland Mitte Juni 2022, die durch die Raupen der Pflaumengespinstmotte kahlgefressen wurde. Ob diese „heimische“ Hecke dem Häuslebauer, in der intensivsten Phase der Gartennutzung im Jahr, den gewünschten Sichtschutz gewährleisten kann, sei dahingestellt, vom Zierwert ganz zu schweigen. Foto: Wrede, Ufer

Bei Versachlichung der Diskussion wird sicher auch der NABU Bremen zum Schluss kommen, dass der Vergleich mit der Betonmauer hinkt. Sicher gibt es Pflanzen, die für die Biodiversität hilfreicher sind als Kirschlorbeer. Aber angesichts des Platzmangels auf den immer teurer und deswegen immer kleiner werdenden Grundstücken ist der Bedarf, sich trotzdem oder gerade deswegen im heimischen Garten etwas unbeobachteter betätigen zu können, nur zu verständlich.

Dabei ist eine Kirschlorbeerhecke, die aus eher schwachwachsenden Sorten aufgebaut ist, aus Platzgründen einer aus heimischen, zumeist stärker und weniger dicht wachsenden Gehölzen aufgebauten Hecke, überlegen. Und nicht nur das. Auch aus Sicht der Tierwelt bietet die Kirschlorbeerhecke zum Beispiel über ihre Nektarien, die auf der Blattunterseite angeordnet sind, eine sommerliche Nahrungsquelle für Insekten, in einer ansonsten blütenarmen Jahreszeit, was die Betonmauer, die Gabione oder auch der Sichtschutzzaun nicht können.

Zwar fressen nur Drosseln, von denen in Deutschland aber immerhin sechs Arten mehr oder weniger häufig zu beobachten sind, die Früchte des Kirschlorbeers, die diese allerdings bei Betonmauer, Zaun und Co. vergeblich suchen werden. Zur Herstellung letzterer wird eine vergleichsweise sehr große Menge CO2 emittiert und können aktuell auch kein CO2 mehr binden, im Gegenzug damit auch keinen Sauerstoff freisetzen, reinigen die Luft weniger von Feinstaub, was der Kirschlorbeer übrigens auch im Winter kann, wenn die heimischen Laubgehölze laublos sind.

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2. Vorkultur zur einheitlichen Qualität des Sichtungssortiments von Kirschlorbeer, Portugiesischer Lorbeerkirsche und Glanzmispel im Gewächshaus der Landwirtschaftskammer Schleswig-Holstein in Ellerhoop. Foto: Wrede, Ufer
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Tab. 1: Sorten der Sichtung des AK Bundesgehölzsichtung von Kirschlorbeer, Portugiesische Lorbeerkirsche, Rotlaubiger- und Kahler Glanzmispel. Syn. = Synonyme der Sorten; in KAPITÄLCHEN = Handelsnamen der Sorten (HOFFMAN 2022, LODDER 2001, RHS 2019). 1 Herkunft von Klon und Bezeichnung unbekannt; 2 Bezeichnung Klon gemäß www.koju.de; 3 ’Devil’s Dream‘ ist ein anderer Klon
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Tab. 2: Tiefstwerte der Lufttemperaturen (°C) in den Wintermonaten an den Sichtungsstandorten
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3. Verbreitungsgebiete von Prunus laurocerasus (l.) und Prunus lusitanica (r.). Grün= Natürliches Verbreitungsgebiet; braun = Länder, in denen die Art bereits vor mehreren hundert Jahren durch den Menschen eingebürgert wurde; gelb = Länder, in denen die Lorbeer-Kirsche in jüngerer Zeit großflächig aufgepflanzt wurde. Grafik nach GALASEARCH 2022a, b
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Tab. 3: Mittlere Boniturnote für die Winterhärte des Prüfsortiments über alle Sichtungsstandorte nach dem im Vergleich etwas kälteren Winter 2020/2021 (vergleiche Tabelle 2). Bewertungsschema der Winterhärte: 9 = sehr hoch, 7 = hoch, 5 = mittel, 3 = gering, 1 = sehr gering

Außerdem verdunsten Grenzbauwerke aus Holz, Stein, Metall oder Beton kein Wasser und tragen damit im Sommer eher zur Erwärmung als zur Abkühlung des Lokalklimas bei. Im Winter können sich Gartenvögel, die vielleicht sogar an heimischen Pflanzen oder aber in bei Mensch und Vogel beliebten Futterstelle nach Futter suchen, zumindest in der immergrünen Kirschlorbeerhecke vor den Attacken des Sperbers erfolgreich verstecken. Ob ihnen das auch in den vom NABU (2022) als für die Natur wertvoller bezeichneten Alternativen ebenso erfolgreich gelingen wird, darf bezweifelt werden.

Vier Arten mit insgesamt 41 Sorten an zehn Standorten geprüft

Ob der NABU seine Kritik ausschließlich auf den Kirschlorbeer (Prunus laurocerasus L.), oft auch als Lorbeer-Kirsche oder Pontische Lorbeerkirsche bezeichnet, beschränkt oder auf die ebenfalls immergrüne Portugiesische Lorbeerkirsche (Prunus lusitanica L.) und Rotlaubige Glanzmispel (Photinia xfraseri Dress) bezieht, bleibt abzuwarten. In jedem Fall gehören alle drei Arten zur Familie der Rosengewächse (Rosaceae), erfreuen sich beim Verbraucher großer Beliebtheit und zählen zu den Topsellern unter den Gehölzen deutscher Gartencenter. Grund genug also, dass sich der Arbeitskreis (AK) Bundesgehölzsichtung mit der Prüfung des Gartenwertes von insgesamt 41 Sorten dieser drei Gehölzarten befasst hat. Als das Sortiment zusammengestellt wurde, ist der Arbeitskreis davon ausgegangen, dass 28 Sorten vom Kirschlorbeer, fünf Sorten der Portugiesischen Lorbeerkirsche und neun der Rotlaubigen Glanzmispel, geprüft werden. Erst im Laufe der Sichtung ist dann aufgefallen, dass die Glanzmispel-Sorte PINK CRISPY keine Rotlaubige Glanzmispel ist, sondern dass es sich dabei um eine Sorte der Kahlen Glanzmispel (Photinia serratifolia (Desf.) Kalkmann) handelt (Eberhardt et al 2008a, b; Hoffmann 2022). In Tabelle 1 ist das komplette Prüfsortiment zusammengefasst aufgeführt.

Die Pflanzen wurden an jedem der teilnehmenden Standorte, also Bad Zwischenahn, Dresden, Ellerhoop, Erfurt, Geisenheim, Hannover, Osnabrück, Quedlinburg, Stuttgart-Hohenheim, Veitshöchheim und Weihenstephan im Frühjahr 2017 zu jeweils drei Exemplaren pro Sorte aufgepflanzt, nachdem sie im Jahr zuvor im Gartenbauzentrum der Landwirtschaftskammer-Schleswig-Holstein in Ellerhoop zu qualitativ einheitlicher 3 L Pflanzware vorkultiviert worden sind (Abb. 2).

Die tatsächliche Sichtung beziehungsweise Prüfung begann dann im Frühjahr 2018, nachdem die Pflanzen an den Standorten angewachsen waren, und endete im Herbst 2020. Der Winter 2020/2021 wurde dann nochmals genutzt, um die Winterhärte des Sortiments final zu prüfen, da die vorhergehenden Winter im Prüfzeitraum keine besondere Herausforderung für die Winterhärte der Gehölze dargestellt haben, da die Witterung in ganz Deutschland zu mild gewesen ist (Tab. 2).

Am Standort Ellerhoop führte extreme Staunässe bereits im Winter 2017/2018 zu zahlreichen Ausfällen im Sortiment, sodass dort eine Fortführung der Prüfung nicht sinnvoll gewesen ist. Daher basieren die hier vorgestellten Ergebnisse der Sichtung auf den Benotungen und Daten, die an 10 der heute 12 Standorte des AK Bundesgehölzsichtung gesammelt wurden.

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4. Das Premiumgehölz Prunus laurocerasus ’Mecki‘ zeigte selbst im eher kontinental geprägten Erfurt, nach dem etwas kälteren Winter 2020/2021, keine Winterschäden und wurde über alle zehn Standorte bezüglich der Winterhärte mit der Note 7,4 (von 9) bewertet. Mit der gleichen Note wurde allerdings auch das Premiumgehölz P. laurocerasus WINTERSTAR bewertet, das jedoch in Erfurt im gleichen Winter deutlich sichtbare Winterschäden (vereinzelt nekrotisches, abgestorbenes Laub) zeigte. Fotos: G. Reidenbach
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Tab. 4: Bewertung der Fruchtbildung des Prüfsortiments in 2020. (1 = nicht beobachtet, 2 = sehr gering, 3 = gering, 4 = gering– mittel, 5 = mittel, 6 = mittel–stark, 7 = stark, 8 = stark–sehr stark, 9 = sehr stark)
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Tab. 5, Abschnitt 1 von 4: Beschreibung der Eigenschaften der Sorten und deren abschließen- de Bewertung. * = gute Sorte, ** = sehr gute Sorte, *** = ausgezeichnete Sorte, o = entbehrliche Sorte. AGM = Award of Garden Merit der RHS. NL = KRAAN (1999) Keuringsrapport P. laurocerasus. Nomenklatur nach Hoffman (2022). Handelsbezeichnung der Sorten, falls vom Sortennamen abweichend, in Kapitälchen aufgeführt. Höhe und Breite in Zentimetern als Mittelwert über alle Standorte, in Klammern der maximal gemessene Wert über alle Standorte. n.b. = im Sichtungszeitraum nicht beobachtet. Blüten- und Fruchtbildung in 2020, Winterhärte im Winter 2020/21.
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Foto: Wrede, Ufer

In Mitteleuropa nicht heimisch

Die geprüften Arten dieses Sichtungssortiments sind sämtlich nicht heimisch in Mitteleuropa. Die Rotlaubige Glanzmispel (Photinia xfraseri Dress, engl. Fraser's Photinia) ist eine Hybridart, die aus der Kreuzung von Prunus glabra x Photinia serratifolia in Kultur entstanden ist. Die Kahle Glanzmispel (Photinia serratifolia) ist dagegen eine natürliche Art und ist in China beheimatet (Erhardt 2008b). Prunus laurocerasus ist im Norden der Türkei am Schwarzen Meer, im Kaukasus und am Süd-Ufer des Kaspischen Meeres beheimatet sowie vom Balkan bis zum West-Ufer des Schwarzen Meeres. In Italien, Frankreich, auf der Iberischen Halbinsel sowie in Großbritannien wurde die Lorbeerkirsche vor mehreren hundert Jahren eingebürgert (Abb. 3).

Im natürlichen Verbreitungsgebiet wächst sie im Unterwuchs frischer Buchenwälder sowie in baumfreien Buschlandschaften (Eberhardt et al. 2008b. Galasearch 2022a).

Das natürliche Habitat der Portugiesischen Lorbeerkirsche (Prunus lusitanica) liegt im westlichen Süd-Europa, Nord-Afrika, auf den Kanaren und Azoren. Auf den Britischen Inseln ist sie eingebürgert worden. Sie bevorzugt absonnige, eher frische Stellen in mediterranen Hartlaubwäldern und in den feuchten, immergrünen Lorbeer- und Wacholderwäldern der Bergregionen. Ihre natürlichen Verbreitungsgebiete sind gekennzeichnet durch milde Winter mit geringen Frostgraden und niederschlagsreichere, warme Sommer (Galasearch 2022b).

Vorsicht bei Staunässe und vor Frosttrocknis

Die Lorbeer-Kirsche bevorzugt frische und durchlässige Böden, die nicht zur Staunässe neigen. Die Bodenreaktion sollte leicht sauer bis neutral sein. Nach dem erfolgreichen Anwachsen am Endstandort verträgt sie den Sommer in der Regel auch ohne zusätzliche Bewässerung, obwohl sie bei regelmäßigem Trockenstress mit Vitalitätsverlust und dem Abstoßen von Laub reagiert, besonders an vollsonnigen Standorten. Prunus laurocerasus ist generell etwas empfindlicher gegenüber mäßigem und starkem Frost. Zu erheblichen Schäden kann es im Winter wiederum an vollsonnigen Standorten kommen, wenn der immergrüne Strauch über seinen Spaltöffnungen im Laub bei Sonnenschein stark transpiriert und den Wasserverlust aus dem gefrorenen Boden nicht decken kann. Dieser auch mit Frosttrocknis bezeichnete Winterschaden lässt sich an windgeschützten und vor Wintersonne geschützten Standorten meistens vermeiden, und nimmt generell mit steigendem Alter ab, da dann die Wurzeln in tiefere, zumeist durchgehend frostfreie Bodenschichten vorgedrungen sind. Prunus lusitanica möchte in Mitteleuropa, anders als am Naturstandort in Südwesteuropa, eher sonnig, geschützt und entsprechend warm stehen. Stauende Nässe ist auch für ihn generell ungünstig. Er bevorzugt eine gleichmäßige Wasserversorgung, wobei kürzere Trockenphasen nach dem Anwachsen am Endstandort schon mal ertragen werden. In geschützten Lagen ist er mäßig winterhart, wobei seine Winterhärte offenbar höher zu beurteilen ist, als die einiger Kirschlorbeersorten (Tab. 3). Zu winterlichen Ausfällen kommt es zumeist an sonnigen, nicht geschützten Standorten, bei denen auch bei diesem immergrünen Gehölz die Frosttrocknis, in sehr kalten, sonnigen Perioden, zu erheblichen Schäden führen kann. Die Rotlaubige Glanzmispel (Photinia xfraseri) ist in Mitteleuropa nur in wintermilden Regionen oder besonders geschützten Situationen zuverlässig winterhart. Frosttrocknis ist auch hier ein oft beobachteter Schaden an sonnigen, ungeschützten Standorten. Generell werden halbschattige aber trotzdem warme Stellen bevorzugt. Der Boden sollte tiefgründig, also gut dränend sein und nicht zur Staunässe neigen. Auch ein pH-Wert leicht über pH 7 ist oft kein Problem. Im Sommer wird eine durchgehend gleichmäßige Wasserversorgung bevorzugt, wobei kurze hochsommerliche Trockenphasen toleriert werden.

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Tab. 5, Abschnitt 2 von 4: Beschreibung der Eigenschaften der Sorten und deren abschließende Bewertung. * = gute Sorte, ** = sehr gute Sorte, *** = ausgezeichnete Sorte, o = entbehrliche Sorte. AGM = Award of Garden Merit der RHS. NL = KRAAN (1999) Keuringsrapport P. laurocerasus. Nomenklatur nach Hoffman (2022). Handelsbezeichnung der Sorten, falls vom Sortennamen abweichend, in Kapitälchen aufgeführt. Höhe und Breite in Zentimetern als Mittelwert über alle Standorte, in Klammern der maximal gemessene Wert über alle Standorte. n.b. = im Sichtungszeitraum nicht beobachtet. Blüten- und Fruchtbildung in 2020, Winterhärte im Winter 2020/21.
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Foto: Wrede, Ufer
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5. Am Gütezeichen des Arbeitskreises Bundesgehölzsichtung erkennt der Verbraucher die mit ausgezeichnet (***) bewerteten Sorten.
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6. Im Vergleich zu ungeschnittenen Sträuchern führte der pyramidale Heckenschnitt in Dresden-Pillnitz bei einigen Sorten zu einer starken „Vorblüte“ im November 2022, wie hier bei der Prunus laurocerasus ’Gajo‘. Foto: H. Buner
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Tab. 5, Abschnitt 3 von 4: Beschreibung der Eigenschaften der Sorten und deren abschließende Bewertung. * = gute Sorte, ** = sehr gute Sorte, *** = ausgezeichnete Sorte, o = entbehrliche Sorte. AGM = Award of Garden Merit der RHS. NL = KRAAN (1999) Keuringsrapport P. laurocerasus. Nomenklatur nach Hoffman (2022). Handelsbezeichnung der Sorten, falls vom Sortennamen abweichend, in Kapitälchen aufgeführt. Höhe und Breite in Zentimetern als Mittelwert über alle Standorte, in Klammern der maximal gemessene Wert über alle Standorte. n.b. = im Sichtungszeitraum nicht beobachtet. Blüten- und Fruchtbildung in 2020, Winterhärte im Winter 2020/21.
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Foto: Wrede, Ufer

In Tab. 3 ist das Prüfsortiment, entsprechend seiner Frost- beziehungsweise Winterhärte sortiert, aufgeführt, wobei jeweils ein Durchschnittswert über alle teilnehmenden Prüfstandorte gebildet wurde. Im konkreten Fall hängt der Überwinterungserfolg neben der Sorteneigenschaft maßgeblich von der geographischen Lage eines Standortes und von seinen tatsächlichen Eigenschaften ab (Schattig oder sonnig, geschützt oder ungeschützt usw.). So können zwei Sorten in dieser Sichtung gleichgut bewertet worden sein und trotzdem an einem Standort unterschiedlich ausgeprägte Winterschäden ausbilden, wie zum Beispiel auch Abb. 4 zeigt. Häufig ist bezüglich der Winterhärte nicht die absolute Minimaltemperatur während des Winters das tatsächliche Problem, sondern insbesondere bei den relativ früh austreibenden Photinien eher ein relativ spät auftretender Spätfrost, der nach eher mildem Witterungsverlauf über Winter, der die Gehölze bereits wieder enthärtet hat, häufig zu erheblichen Schäden führen kann.

Mal mehr und mal weniger, manchmal auch ganz ohne Früchte

Kirschlorbeer und Co. werden häufig auch deswegen als Neophyten eingestuft, weil sie sich aus dem heimischen Garten in die umgebene Landschaft ausbreiten sollen, in dem sie über Drosseln, die die Früchte der Lorbeer-Kirsche gerne als Nahrungsquelle nutzen und danach wieder ausscheiden, verbreitet werden. Vor diesem Hintergrund ist die Frage nach der individuellen Neigung zur Fruchtbildung der einzelnen Sorten durchaus eine wichtige Eigenschaft, die deswegen auch vom AK Bundesgehölzsichtung mit geprüft wurde. Da u. a. auch PIRC (2011) darauf hinweist, dass die Neigung einer Sorte zur Fruchtbildung mit steigendem Pflanzenalter zunimmt, sollte das auch bei der Interpretation der in Tab. 4 dargestellten Ergebnisse beachtet werden, denn diese Sichtung hat nur vier Jahre lang gedauert und umfasst damit quasi lediglich die Jungendphase des Prüfsortiments.

Von einer Zunahme der Neigung zur Fruchtbildung der geprüften Sorten mit zunehmender Standzeit ist also auszugehen. So hat PIRC (2011) zum Beispiel bei der Sorte 'Zabeliana' nach zehn Jahren Standzeit die Fruchtbildung mit reich bewertet, die in dieser Sichtung nach vier Jahren Standzeit noch mit gering bewertet wurde.

Premium-gehölze

Die Gesamtauswertung über alle Standorte (Tab. 5) ergab für die Kirschlorbeersorten ETNA, 'Mari', 'Mecki', 'Obelisk' und WINTERSTAR die Einstufung als "ausgezeichnete Sorte" und damit als Premiumgehölz der Bundesgehölzsichtung. Diese dürfen sich also jetzt mit dem Gütezeichen Premiumgehölz der Bundesgehözsichtung schmücken (Abb. 5). Ferner wurden weitere 17 Sorten mit sehr gut und sechs Sorten mit gut bewertet. Beim Portugiesischem Kirschlorbeer wurde die Sorte 'Angustifolia' als Premiumgehölz ausgezeichnet. Ihr Unterschied zu der "sehr guten Sorte" 'Myrtifolia' war sehr gering und mehrere Standorte fanden keine klare Abgrenzung zwischen diesen beiden Sorten. Bei den Rotlaubigen Glanzmispeln war sich der Arbeitskreis einig, dass aufgrund der nicht ausreichenden Winterhärte an vielen Standorten, eine deutschlandweite Auszeichnung als Premiumgehölz nicht vertretbar sei. Die winterlichen Tiefsttemperaturen denen alle Pflanzen im Sichtungszeitraum ausgesetzt waren, zeigt Tabelle 2. Nichtsdestotrotz fanden sich fünf sehr gute (u. a. 'Red Robin') und zwei gute Sorten in dem Photinia-Prüfsortiment.

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Tab. 5, Abschnitt 4 von 4: Beschreibung der Eigenschaften der Sorten und deren abschließende Bewertung. * = gute Sorte, ** = sehr gute Sorte, *** = ausgezeichnete Sorte, o = entbehrliche Sorte. AGM = Award of Garden Merit der RHS. NL = KRAAN (1999) Keuringsrapport P. laurocerasus. Nomenklatur nach Hoffman (2022). Handelsbezeichnung der Sorten, falls vom Sortennamen abweichend, in Kapitälchen aufgeführt. Höhe und Breite in Zentimetern als Mittelwert über alle Standorte, in Klammern der maximal gemessene Wert über alle Standorte. n.b. = im Sichtungszeitraum nicht beobachtet. Blüten- und Fruchtbildung in 2020, Winterhärte im Winter 2020/21.
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Fotos: Wrede, Ufer
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7. Frischer, auffällig leuchtend pinkfarbener Austrieb von Photinia xfraseri ’PINK MARBEL‘ im August 2021, ein absoluter Hingucker. Foto: Wrede, Ufer
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8. Überblick über das Prüfsortiment am Standort Bad Zwischenahn im August 2018. Foto: B. Ehsen

Heckeneignung an zwei der zehn Standorte geprüft

Die große Bedeutung der Winterhärte bei dieser Bundesgehölzsichtung ist auch vor dem Hintergrund des Hauptverwendungszwecks dieser Gehölzgruppe, der Heckenpflanzung, zu sehen. Natürlich ist eine Hecke aus einer eher winterharten Sorte dichter und ansprechender, als wenn eine Hecke sich aus einer Sorte aufbaut, die nach einem etwas kälteren Winter beziehungsweise einer etwas kälteren Periode starke Frostschäden aufweist (Frosttrocknis und anschließendes Absterben der Laubblätter).

Da das Prüfsortiment häufig als Heckenpflanzen verwendet wird, haben zwei der zehn Standorte (Bad Zwischenahn und Dresden-Pillnitz) entsprechende Schnittmaßnahmen an den Gehölzen ausgeführt und den Pflanzenaufbau danach bewertet. Da sich die durchgeführten Schnittmaßnahmen nicht miteinander vergleichen lassen, sollen die Bewertungen der beiden Standorte in dieser Zusammenstellung der Ergebnisse nicht aufgeführt werden. Die Beobachtungen beider Standorte ergänzen die Ergebnisse dieser Bundesgehölzsichtung erheblich und können deswegen bei Interesse auf der Internetseite www.gehoelzsichtung.de abgerufen werden.

Gartenwert beurteilt nicht Verhalten bei der Kultur in der Baumschule

Manch Baumschuler wird sich jetzt fragen, warum gerade Sorten wie 'Otto Luyken' oder auch 'Rotundifolia' aber auch einige andere Sorten mit "sehr gut" oder sogar "ausgezeichnet" bewertet wurden, da sich beispielsweise diese beiden Sorten bei der Kultur in der Baumschule im Container äußerst empfindlich gegenüber einem Befall zumeist mit bakteriellem Schrotschuss zeigen. Das liegt daran, dass der AK Bundesgehölzsichtung ausdrücklich nur den Gartenwert beurteilt und nicht das Verhalten der gleichen Sorte bei der Produktion zum verkaufsfertigen Gehölz.

Literatur

Erhardt, Götz, Bödeker, Seybold (2008a): Der große Zander – Enzyklopädie der Pflanzennamen. Bd. 1 – Familien und Gattungen. Eugen Ulmer, Stuttgart.

Erhardt, Götz, Bödeker, Seybold (2008b): Der große Zander – Enzyklopädie der Pflanzennamen. Bd. 2 – Arten und Sorten. Eugen Ulmer, Stuttgart.

Galasearch (2022a): https://galasearch.de/plants/1... (20.01.2022).

Galasearch (2022b): https://galasearch.de/plants/1... (20.01.2022).

Hoffman, M. (2022): List of names of woody plants and perennials. http://www.internationalplantn... (14.01.2022).

Kraan, L. (1999): Prunus laurocerasus Keuringsrapport. Dendroflora Nr. 36, P. 92–107.

Lodder, S. Ergebnisse der Kirschlorbeersichtung. Jahresbericht des Versuchs- und Beratungsrings Pinneberg. P. 68–80.

NABU (2022): Eine Betonmauer ist für die Natur wertvoller. https://bremen.nabu.de/tiere-u... (20.01.2022).

Pirc, H. (2011): Lorbeer-Kirschen auf dem Prüfstand. Gartenpraxis 6, P. 42–49.

RHS (2019); RHS Plantfinder 2019. Royal Horticultural Society, London.

 Thorsten Ufer
Autor

Landwirtschaftskammer Schleswig-Holstein

Dr. Andreas Wrede
Autor

Landwirtschaftskammer Schleswig-Holstein

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