Belebte und bewegte Landschaft statt statischer Geräte

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Naturnahe Spielräume Sportplatzbau und Spielplatzbau
Im Prinzip braucht es kaum mehr. Eine bewegte, natürlich modellierte, wildpflanzenreiche Landschaft. Als technische Spielgeräte: Kurvenrutsche plus Vogelnestschaukel. Das selbstgebaute Baumhaus wäre schon optional. Blick über 3800 Quadratmeter ehemalige Graswiese des Natur-Erlebnis-Spielplatzes Eglfing. Foto: Reinhard Witt

Was ein naturnaher Spielraum ist, darüber gehen die Meinungen auseinander. Die eine Fraktion glaubt, es sei ein Gerätespielplatz in der Natur und dass die Natur auf jeden Fall außerhalb ist und auch da bleiben soll. Die andere Seite aber ist der Ansicht, dass der Spielraum bereits ein Stück der Natur sein sollte. Oder mehr noch: die Natur müsse in einen Siedlungsraum, der im Großen und Ganzen naturfrei ist, zurückgeholt werden. Auf Geräte, zumindest die meisten, kann man getrost verzichten, da die Natur in ihrer Ausstattung bereits das Spielgerät ist.

Ich bin eher ein Anhänger der "Natur-im-Siedlungsraum-Linie" mit Spielplätzen voller real erlebbarer Natur. Deshalb an dieser Stelle eine Betrachtung einiger, für naturnahe Spielräume zentraler, Elemente.

Landschaft als Spielgerät

Das wichtigste Spielgerät für naturnahe Anlagen ist die stark gestaltete, modellierte Landschaft mit Hügeln und Tälern, durch die Wege laufen, in denen man sich trotzdem verlieren und genauso sicher wiederfinden kann. Es ist eine fantasievolle Landschaft in der 3. Dimension. Konventionelle Spielplätze leiden unter Eindimensionalität und dem Diktat der Spielgeräteindustrie. Nur ganz bestimmte Bewegungen und Spielabläufe sind möglich und erlaubt. Je weiter wir uns jedoch von genormten Geräten wegbewegen, umso spannender gerät der Spielraum.

Das ist ein Plädoyer für Landschaft als Spielgerät, hin zu einer großzügigen und mutigen Modellierung ansonsten ebener Flächen. Betrachten wir also an dieser Stelle solche vielgestaltigen naturnahen Erlebnisräume. Sozusagen Appetitmacher für eine neue Art, Spiel, Erleben und Natur zu verbinden. Entfesseln Sie Ihre Fantasie. Zerreißen die Sicherheitsnetze und Ketten der Spielgeräteindustrie, in denen man psychologisch geschickt eingefangen wird. Machen sich frei von Zwängen und angeblichen Sicherheitsbedenken. Alle, die von den werten Kollegen und uns gebauten naturnahen Kindergärten, Krippen, Horte, Schulhöfe oder Spielplätze, kurz Natur-Erlebnis-Räume, sind nicht nur mindestens so sicher wie herkömmliche Anlagen. Sie sind, das zeigt die Unfallstatistik, sogar erheblich sicherer. Dafür kann man dort aber richtig spielen.

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Wildpflanzen als essentielle Begleiter künstlicher Naturlandschaften

Sie mögen es marketingtechnisch drehen und wenden, wie Sie wollen. Ohne heimische Wildpflanzen nicht nur um den, sondern gerade mitten im Spielraum, ist das Attribut Natur unangebracht. Die heimische Flora, nur sie allein führt zu der beabsichtigen Vielfalt der Erlebnismöglichkeiten und zu der natürlichen Systemen eigenen Dynamik. Ohne heimische Ansaaten von Wildblumenwiesen, Wildblumensäumen, Blumenschotterrasen, ohne Pflanzungen heimischer Stauden und Gehölze und ohne die dazu passende sensible, kenntnisreiche Pflege gibt es einfach keine Natur.

Wenn sie selbst Planer oder Gestalter sind, wissen sie das genau: Es ist gar nicht so leicht, etwas Künstliches natürlich aussehen zu lassen. Dafür braucht man nicht nur Mut zum Unkonventionellen und Visionen, sondern auch ein Händchen für Bagger, Proportionen und Formen. Und vor allem braucht man Wildpflanzen. Allein mit Rasenflächen bleibt alles Abklatsch der Möglichkeit(en). Diese Beispiele sind trotz guter Absicht irgendwo und meistens schon auf dem Denk-Weg zur Naturlandschaft stecken geblieben. Und um einem Vorurteil gleich entgegenzutreten: Eines braucht man sicherlich nicht, viel Platz. Denn natürliche Gestaltung gelingt selbst mit kleinen Flächen.

Bei Bildern naturnaher Spielanlagen kann es sein, dass es einem wie Schuppen von den Augen fällt. Möge diese Übung gelingen. Solche Bilder sind uns fremd wie der Mond, sie sind die großen Ausnahmen in der Milliardenumsätze machenden Spielwelt. Dabei wäre es vielleicht eher andersrum: Die heutigen Geräteparks könnten ebenso auf dem Mond stehen, dort fallen sie weniger auf.

Burg- und Schlittenberg

Das ganze Thema der bewegten Naturlandschaft sei nun noch am Einzelbeispiel aufgezeigt. Denn nichts ist einfacher als das: Vom Kindergartenbau lässt man etwas Aushub übrig und modelliert ihn als sanften Hügel. Bei wenig Platz reicht schon ein halber Meter, und Kinder wissen, damit zu spielen. So ein Hügel will besetzt werden, erobert, er dient als Aussichtspunkt, man kann runterrutschen. Ist man mutiger und hat mehr Raum, so dürfen es ruhig 2 bis 3 m Höhe und 5 bis 10 m Breite werden. Nach dem Motto: Je höher, je lieber. Man kann den Hügel völlig unstrukturiert lassen oder nur Teile davon. Der Rest lässt sich ausbauen, naturnah. Eine Treppe bietet sich an, vielleicht oben eine richtige Burgkrone, irgendwo eine Burgmauer, die gleichzeitig Sprungmauer nach unten ist.

Durch die klare Vorgabe von Wegen und Plätzen, Spiel- und Sportbereichen werden andere Flächen zur Nutzung frei. Damit bestehen dann auch Möglichkeiten, dass Erwachsene davon etwas haben und einige Träume umsetzen. Etwa den von einem wunderbaren Wildblumenbeet oder einem Stückchen Magerwiese. Stellt sich zu guter Letzt die Frage nach dem Boden. Das einfachste wäre humusreicher Oberboden. Doch darf man hier keinen großartigen Bewuchs erwarten, viel mehr als Gras oder Klee wird kaum wachsen. Anders sieht es mit mageren Unterböden oder gar Kies oder Schotter (Mineralbeton der Korngröße 0/32 mm) aus. Letztere beiden Materialien verfestigen sich besonders gut und sind damit haltbar, wobei der Schotter noch besser dasteht. Auf solchen mineralischen Böden gibt es viele Möglichkeiten für attraktive Bepflanzungen und Ansaaten, etwa auch mit Blumen-Schotter-Rasen. Hat man sehr große Anlagen, können es sogar zwei Burgberge werden, die gegenüber liegen und etwa mit einem Kletter- und Balancierstamm verbunden sind. Doch den Winter sollte man nicht vergessen. Deshalb empfiehlt es sich, eine Seite des Burgberges als Schlittenhang frei zu lassen. So wird ein einfacher Hügel ganzjährig zur Attraktion.

Sandspielbereiche

Die Idee, mit Sand zu spielen, ist viel größer und weiter ist als ein genormter Sandspielkasten. Es ist die Idee, Sand in einer Naturlandschaft als Spielgerät anzubieten. Verschiedenste Baustoffe wie Steine und Holzstämme, dazu Bauwerke wie Kletterstämme, Trockenmauern, Wege und Plätze, Holzdecks. Das Ganze durchsetzt und garniert mit heimischen Blumen, Büschen und Bäumen.

Wie einfach kann man Kinder zum Spielen bringen! Man muss sie nur lassen. Ihre eigenen Wege finden, selbst ausprobieren, mal ohne Aufsicht. Und so bequem der Griff nach dem Spielgerätekatalog ist, so wenig nutzt er Kids. Hier erfüllen ausschließlich Erwachsene ihre vermeintliche Sorgfalt- und Sicherungspflichten. Und vergessen sich selbst als Kind. Es braucht keine teuren künstlichen Sandkästen oder Spielgelegenheiten, wo man Sand an Ketten hochziehen kann oder der Kinderkaufladen im Sand steht. Es braucht einfach nur Freiheit. Und ein Stück gestaltete Landschaft.

In einem naturnahen Gelände findet sich immer eine Mulde oder Fläche für den Sand. Und weil das hygienemäßig auch nicht als Sandkasten definiert ist, sondern als Teil des Geländes (nur eben mit Sand statt mit Kies oder Blumenwiese), entfällt sogar das lästige Austauschen. Natürlich kann man den Spielsand trotzdem wechseln, muss aber nicht. Denn unsere Sandspielanlagen gehen weit über die Definition eines Sandkastens hinaus. Sie sind belebt und schließen alle ein und nichts aus. Nicht nur die Spielenden beleben und bewohnen sie, sondern ebenso und ebenbürtig Pflanzen und Tiere. Sie sind Lebensräume im guten und Erlebnisräume im besten Fall. Sie sind im Idealfall ein Ebenbild eines Spaziergangs an einem Wildfluss, als lebendiger Teil der Landschaft.

Zum Sand gehören viele andere Elemente. Große Steine und Baumstämme, stehend, liegend, eingegraben. Auch irgendeine Form von Wasser wird von den Kleinen mit Händeklatschen und Sandmatschen begrüßt. Und daneben gehört all das in die Nähe der Kinderhände, was Erwachsen am liebsten wegräumen, verhäckseln oder wegschmeißen. Die Rede ist vom beweglichen Baumaterial. Und das kann viel sein. Lose Baumstammabschnitte, Baumscheiben, Äste, kurz und dick oder lang und dünne. Über alle Abfallstücke einer Naturholzkletteranlage freuen sich die Kinder. Daneben lieben sie alle Arten von Steinen oder sogar Recyclingmaterial wie ausgediente Pflastersteine und Platten. Das ist quasi das Grobmaterial, die Grundausstattung. Den Rest organisieren sich die Kinder dann schon selbst: Blätter, Blumen, Früchte oder Tiere. Naturnahe Sandspielflächen kosten fast nichts, nur den eiserenen Willen trotz Gegenwind auf allen Ebenen, keine genormten DIN-Sandkästen oder gar fix und fertige Sandspielanlagen zu kaufen.


Literatur:

Hilgenstock/Witt: Das Naturgartenbau-Buch. Nachhaltig denken, planen, bauen. Böden, Baustoffe, Bauwerke, Bau- und Vegetationstechnik, Beispiele. Naturgarten Verlag, Ottenhofen 2017.

Dr. Reinhard Witt
Autor

Freiberuflicher Biologe, Journalist und naturnaher Grünplaner

Reinhard Witt - Fachbetrieb für naturnahe Grünplanung

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