Bewässerung im öffentlichen Grün

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Bewässerung Grünflächen
Wasserknappheit im öffentlichen Grün – Handlungsbedarf. Foto: Kendzia, LWG

Eine Befragung im Rahmen des Bewässerungsforums Bayern erfasste die Bewässerungssituation öffentlicher Grünflächen in den bayerischen Kommunen. Angesichts des Klimawandels sind Neuanlage und Erhalt von Vegetationsflächen häufiger auf eine Bewässerung angewiesen

Die bayerischen Behörden und Politiker sind alarmiert. Tagesaktuell meldet der Niedrigwasserinformationsdienst des Bayerischen Landesamtes für Umwelt (LfU) die Grundwasser-Pegel, Schüttungen von Quellen und Abflüsse der Oberflächengewässer: Tendenz fallend. Die Klimaprognosen sagen zunehmende Trocken- und Hitzeperioden voraus.

Um die wertvolle Ressource Wasser konkurrieren unterschiedliche Nutzer. Oberste Priorität hat die Versorgung der Bevölkerung mit gesundem Trinkwasser. Industrie, Gewerbe aber auch die landwirtschaftliche beziehungsweise gärtnerische Produktion von Nahrungsmitteln benötigen zunehmend Wasser. Für den Anbau von Feldfrüchten, Obst und Gemüse reichen die natürlichen Niederschläge während der Vegetationsperiode oftmals nicht mehr aus. Erlaubnisanträge der Bauern für die Wasserentnahme aus Oberflächengewässern und aus dem obersten Grundwasserstockwerk sind die Folge. Das öffentliche Grün dient vorrangig nicht der Ernährung. Dennoch leisten urbane Grünflächen Überlebenswichtiges: Sie bieten Aufenthaltsqualität, erfreuen ästhetisch und sind für die Gesundheit, gerade in städtischen Hitzeinseln, ausschlaggebend. Wie und mit welchem Wasser kann künftig die Versorgung der grünen Infrastruktur gewährleistet werden?

Das Bewässerungsforum Bayern ist ein Projekt der bayerischen Staatsministerien für Umwelt und Landwirtschaft, das eine effiziente und umweltschonende Bewässerung in Landwirtschaft und Gartenbau zum Ziel hat. Betreut wird das Forum von der Arbeitsgemeinschaft Landtechnik und Landwirtschaftliches Bauwesen in Bayern (ALB), die Fachleute aus Forschung, Beratung, Bildung, staatlicher Verwaltung, Umwelt, Wasserwirtschaft, Gewerbe und landwirtschaftlicher Praxis miteinander vernetzt und gemeinsam nach den bestmöglichen machbaren und umweltgerechten Lösungen für die Praxis sucht. Die Arbeitsgruppe VII befasst sich mit der Bewässerung urbaner Grünflächen. Vertreter des Verbandes Garten-, Landschafts- und Sportplatzbaus Bayern, der Stadtgartenämter, Wasserwirtschaftsämter und der Ministerien arbeiten an einer optimalen und ressourcenschonenden Bewässerung des öffentlichen Grüns.

Auf den virtuellen Landespflegetagen 2021 berichtete der Leiter der Arbeitsgruppe VII, Nikolai Kendzia von der Bayerischen Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau (LWG) in Veitshöchheim, über die Bestandserhebung zur Bewässerung in bayerischen Städten, Märkten und Gemeinden. Die Ergebnisse der Online-Befragung von 2056 angeschriebenen Kommunen sollen im Folgenden vorgestellt werden. Die Befragung umfasste insgesamt 24 Fragen rund um das Thema Bewässerung. Auskunft gaben 299 Kommunen, die regelmäßig über ganz Bayern verteilt lagen. Deshalb ergab sich auch ein relativ entspanntes Gesamtbild, wenn man auf die Schäden im öffentlichen Grün innerhalb der letzten drei Jahre zurückblickt, die durch Hitze und Trockenheit entstanden sind (Abb. 1).

Regional gibt es große Unterschiede bezüglich der Auswirkungen des Klimawandels. Ein unmittelbarer Zusammenhang mit den durchschnittlichen Jahresniederschlägen war nicht signifikant festzustellen. Die Abbildung 1 zeigt, dass die Lage in Mittel- und Unterfranken in den letzten Jahren angespannt war, aber auch die niederbayerischen Kommunen hatten zum Teil sehr viele Schäden durch Hitze- und Trockenheit. Dies machte sich in etlichen Notfällungen von Straßenbäumen bemerkbar. Allein in den 299 teilnehmenden Kommunen belief sich die Zahl auf 5554 gefällte Bäume.

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Abb. 1: Schädigungen durch Hitze und Trockenheit in den Jahren 2018–2020 in den bayerischen Regierungsbezirken. Abbildung: Kendzia, LWG
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Abb. 2: Verfügbarkeit von Bewässerungskapazitäten nach bayerischen Regierungsbezirken. Abbildung: Kendzia, LWG

Optimale Bewässerung?

Im Beratungsblatt der ALB "Bewässern nach Regeln" stellte der Autor Hinweise aus den einschlägigen Regelwerken, zum Beispiel den Bewässerungsrichtlinien der FLL oder dem DWA-Merkblatt 590 zusammen. Die Ermittlung des Bewässerungsbedarfs richtet sich dabei nach den Standortverhältnissen, Vegetationstyp und den Witterungsbedingungen, die eine Verdunstung zur Folge haben. Diese sogenannte Evapotranspiration muss dann durch natürlichen Niederschlag oder eine Zusatzbewässerung ausgeglichen werden, bevor der Wasservorrat im Boden zu stark absinkt. Gefordert wird eine optimale Bewässerung, die eine gesunde Weiterentwicklung der Pflanzung ermöglicht. Hierbei können die Pflanzen durch Transpiration zur Verdunstungskühle in den Städten beitragen.

Das Bundesumweltamt (2019) weist in seiner "Untersuchung der Potentiale für die Nutzung von Regenwasser zur Verdunstungskühlung in Städten" darauf hin, dass sich die Verdunstungskühlleistung durch Bewässerung grundsätzlich steigern lässt. Durch die Verdunstung durch das Stadtgrün könne die Anzahl der Tropennächte (Nachttemperatur > 20 °C) um 17 Prozent reduziert werden. Modellrechnungen ergaben, dass eine Abkühlung von ganzen Stadtregionen um 0,5 bis 1,3 K möglich ist. Tatsächlich handelt es sich bei der Bewässerung öffentlicher Grünflächen um eine "Notbewässerung". Das ist der personellen und technischen Schlagkraft der Bauhöfe beziehungsweise Gartenämter und der Wasserverfügbarkeit geschuldet. Die Situation in den Kommunen zeigt die Abbildung 2. Als "ausreichend" wurde meist das Wasserangebot bezeichnet.

Es gibt aber regionale Unterschiede: Die Befragten aus der Oberpfalz, Oberfranken und insbesondere Unterfranken äußerten öfter, dass die Wasserressourcen unzureichend vorhanden seien (Abb. 2). Ein Teil der Kommunen sahen einen Mangel an Arbeitskräften und bei der Bewässerungstechnik. Eine vertiefte Analyse konnte durch die Befragung nicht vorgenommen werden, da die Angaben zu Arbeitskräften und bewirtschafteter Fläche nicht vollständig waren. Es kann davon ausgegangen werden, dass die Städte, Märkte und Gemeinden die Fläche und Qualitäten des öffentlichen Grüns als Grundlage für einen Personalschlüssel verwenden. Dazu müssen die Bauhöfe und Gartenämter ein entsprechendes Kataster als Argumentationsgrundlage vorhalten. Bei der Bewässerungstechnik wird zumeist auf Wasserfässer mit Schlauchanschluss zurückgegriffen. Erstaunlich weit verbreitet sind Tankfahrzeuge mit Gießarm, die auch sehr positiv von den Nutzern bewertet wurden. Kommunale Sportplätze werden mit automatischen Bewässerungssystemen mit Getrieberegnern zuverlässig bewässert (Tab. 1).

Künftig müssen die Kommunen sich intensiver mit der Organisation und Logistik für die Bewässerung befassen. Eine Möglichkeit ist die Fremdvergabe der Bewässerungs-Dienstleistung. Diejenigen Kommunen, die dies schon praktiziert haben, sind damit überwiegend zufrieden. Weniger gut waren in der Befragung die Erfahrungen mit Baumpatenschaften durch die Bevölkerung. In extremen Trockenjahren wurde die Feuerwehr zur Hilfeleistung hinzugezogen.

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Tabelle 1: Umfang der Bewässerungsverfahren in den befragten bayerischen Kommunen. Abbildung: Kendzia, LWG

Bewässerungskonzepte notwendig

Die Befragung zeigte, dass überwiegend mit Trinkwasser bewässert wird (63 %). Weiter stammt das Wasser zu 19 Prozent aus Brunnen, 10 Prozent Oberflächengewässer, 2 Prozent aus Uferfiltrat, 2 Prozent Nutzwasser von Kläranlagen und 4 Prozent Regenwasser aus Speichern. Langfristig müssen neue Konzepte greifen, um das Niederschlagswasser effizient für eine Zusatzbewässerung zu nutzen.

Eine Lösung ist wie in so vielen Bereichen nicht einfach und muss mehrere Verbesserungen enthalten, um insbesondere die bewässerungsbedürftigen Sportplätze, Kübelbepflanzungen und Neuanpflanzungen zu unterhalten. Bauhöfe und Gartenämter erachteten die in Tabelle 2 dargestellten Ansätze für besonders wichtig (Tab. 2). Den Straßenbäumen sollte ein ausreichend großer durchwurzelbarer Raum zur Verfügung gestellt werden. Kombiniert mit einer Einleitung von Oberflächenwasser oder sogar der unterirdischen Speicherung von eingeleitetem Niederschlagswasser ("Schwammstadtprinzip") könnte auf eine Zusatzbewässerung verzichtet werden. Weitere Untersuchungen zur Technischen Ausführung und Streusalzbelastung müssen noch erfolgen. Wenig Bedeutung wurde von den Gemeinden der Nutzung von Abwasser aus Kläranlagen zugemessen - tatsächlich nutzten auch nur drei Kommunen diese Wasserquelle. Das Potential ist aber meist ortsnah vorhanden. Durch eine zusätzliche Aufbereitung könnte hier das städtische Abwasser wiederverwendet werden.

Die TU München forscht derzeit mit der LWG zu den gesetzlichen und qualitativen Rahmenbedingungen, um das gereinigte Abwasser der Kläranlage Schweinfurt zur Bewässerung öffentlicher Grünflächen und Sportplätze nutzen zu können. Ein großes Potential sehen die Kommunen auch in einem Umbau bestehender Grünanlagen hin zu klimaresilienten Pflanzungen. Dafür wurde auch eine staatliche Förderung gewünscht. Wichtig ist in allen Fällen die rechtzeitige Einbindung der grünen Fachabteilungen in die Planungsprozesse.

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Tabelle 2: Welche Verbesserungen haben aus Sicht der Kommunen die größte Bedeutung, um Grünflächen in extremen Trockenjahren besser zu schützen? Abbildung: Kendzia, LWG

Fazit

Interdisziplinäre Lösungen müssen durch die kommunalen Verwaltungen in Zusammenarbeit mit den zuständigen Behörden (u. a. Wasserwirtschaftsamt) und den Praktikern in Bauhöfen und Gartenämtern gefunden werden. Dabei gilt es, das Wasser im Siedlungsbereich zu halten. Die Instrumente der Bauleitplanung (Festsetzungen in Bebauungsplänen), städtebauliche Verträge und Satzungen sind mutig anzuwenden, um dem kommunalen Grün einen angemessenen Raum zu geben. Auch auf die Gefahr hin, Investoren abzuschrecken, könnte beispielsweise eine verpflichtende, grundstücksübergreifende Regenwasserspeicherung in Zisternen zur Auflage gemacht werden. Somit könnten öffentliche Grünzüge durch Industrie- und Wohngebiete bewässert werden. Die Gartenämter und Kommunen haben bereits in den letzten Jahren auf den Klimawandel reagiert und passen ihre Vegetationsflächen durch gezielte Pflanzenauswahl den zunehmend trockenen Standorten an. Empfehlungen der GALK und der LWG im Stadtgrün 2021 Projekt werden bei der Auswahl der Stadtbäume genutzt. Auch der Gedanke der "Schwammstadt" ist in den Städten angekommen. Neue Begrünungsformen, wie die bodenferne Fassadenbegrünung können nicht ohne zusätzliche Bewässerung funktionieren. Deren flächiger Kühl- aber auch Dämmeffekt ist aber bedeutend! Privates und öffentliches Grün sollte aber nach Möglichkeit nicht mit Trinkwasser bewässert werden.

Interessante Links

Bewässerungsforum Bayern:
http://www.alb-bayern.de/De/Bewaesserung/dargebot-gewinnung-verwendung_BewaesserungsforumBayernwww.alb-bayern.de/De/Bewaesserung/dargebot-gewinnung-verwendung_BewaesserungsforumBayern

Weißbuch Stadtgrün
http://www.bmi.bund.de/SharedDocs/downloads/DE/publikationen/themen/bauen/wohnen/weissbuch-stadtgruen.htmlwww.bmi.bund.de/SharedDocs/downloads/DE/publikationen/themen/bauen/wohnen/weissbuch-stadtgruen.html

Regenwasser zur Verdunstungskühlung in Städten:
http://www.umweltbundesamt.de/publikationen/untersuchung-der-potentiale-fuer-die-nutzung-vonwww.umweltbundesamt.de/publikationen/untersuchung-der-potentiale-fuer-die-nutzung-von (Link endet hier)

Leitfaden für klimaorientierte Kommunen in Bayern - Handlungsempfehlungen aus dem Projekt Klimaschutz und grüne Infrastruktur in der Stadt am Zentrum Stadtnatur und Klimaanpassung:
http://www.zsk.tum.de/fileadmin/w00bqp/www/PDFs/Berichte/180207_Leitfaden_ONLINE.pdfwww.zsk.tum.de/fileadmin/w00bqp/www/PDFs/Berichte/180207_Leitfaden_ONLINE.pdf

Dipl.-Ing. Nikolai Kendzia
Autor

Bayerische Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau

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