Studie der Uni Frankfurt und der Hochschule Darmstadt

Bewegungsparcours verringern Depressivität um über 50 Prozent

Hans-Werner Horn (l.), Leiter der Bewegungs- und Körpertherapie an der Klinik, leitet zur Nutzung eines Outdoor-Rudergeräts an.

Prof. Dr. Lutz Vogt (l.) erläuterte zur Eröffnung des Parcours das Trainingsprogramm im Park der Klinik Hohe Mark. Fotos: Playfit

Depressiven Patienten geht es besser, wenn sie Bewegungsparcours im Freien nutzen. Das haben Forscher der Goethe-Universität Frankfurt und der Hochschule Darmstadt um den Sportmediziner Prof. Dr. Lutz Vogt und den Psychologen Prof. Dr. Volker Beck in Zusammenarbeit mit der Klinik Hohe Mark während einer einjährigen Studie zum Umgang mit der Volkskrankheit festgestellt. Das Projekt wurde vom Hessischen Sozialministerium initiiert und vom Landessportbund Hessen unterstützt.

Training zwei bis sieben Mal pro Woche

Untersucht wurden die Effekte einer jeweils dreimonatigen Nutzung von Bewegungsparcours bei Personen mit Depression während ihres Klinikaufenthalts. An der Studie nahmen zwölf Frauen und 33 Männer teil, die zur Behandlung in der Klinik Hohe Mark in Oberursel waren. Systematisch angeleitet trainierten sie zwei bis sieben Mal pro Woche nach dem Aufwärmen etwa eine Dreiviertelstunde an zwölf Outdoor-Fitness-Geräten. Dabei wurde den Patienten auch die Kompetenz zur individuellen Nutzung von Bewegungsparcours vermittelt. An über 90 hessischen Standorten, darunter allein zwölf in Frankfurt, können sie das Erlernte so weiter anwenden.

Mit einer Vorher-Nachher-Untersuchung wurden drei Zielgrößen gemessen: das Ausmaß der Depressivität, die gesundheitsbezogene Lebensqualität und die autonome kardiale Regulation. Hauptzielparameter war die autonome kardiale Regulationsfähigkeit, also die Toleranz des autonomen Nervensystems auf mögliche Stressbelastungen, gemessen an der Herzfrequenzvariabilität (HRV). Die Effekte der Bewegungsparcours-Nutzung auf die psychosozialen Zielgrößen, das Ausmaß der Depressivität (PHQ-9, HRSD17) und die gesundheitsbezogene Lebensqualität (SF-36), wurden vor und nach dem Programm mit standardisierten Fragebögen erhoben.

Bereits eine dreimonatige Teilnahme am Parcours-Taining zeigte positive Effekte auf die Patienten. "Zum Ende des stationären Aufenthalts konnten die Studienteilnehmer der Parcours-Trainingsgruppe als durchschnittlich nur minimal depressiv eingeordnet werden. Sie verringerten ihre initial mittelschwere Depressivität damit um mehr als 50 Prozent", so Prof. Lutz Vogt von der Universität Frankfurt. Die Aussage basiert auf einer Auswertung des Beck-Depressions-Inventars (BDI) und dessen Cut-Offs. Das BDI ist ein psychologisches Testverfahren für den Schweregrad depressiver Symptomatik im klinischen Bereich. "Insgesamt bestätigen die nachweislich positiven Interventionseffekte die Richtigkeit einer Parcours-Implementierung im klinischen Setting und stellen eine attraktive, im laufenden Therapiespektrum realisierbare und sichere Ergänzung zu bestehenden Bewegungsangeboten dar."

Prof. Dr. Volker Beck von der Hochschule Darmstadt: "Das heute vorgestellte Projekt 'Einsatz und Nachhaltigkeit eines Bewegungsparcours in der Therapie klinischer Depression' ist ein wichtiger Wegweiser in Richtung einer umfassenden Behandlung der Volkskrankheit Depression." Es sei das Ziel des Vorhabens gewesen, durch ein systematisch angeleitetes Bewegungsprogramm mit Hilfe eines Bewegungsparcours die Behandlung zu verbessern. "Bewegungsprogramme sind der Schlüssel für eine neue Körperwahrnehmung und Körpererfahrung bei depressiven Menschen", sagte Beck. "Der Körper ist nicht mehr Zweck, sondern wieder Mittel. Wichtig dabei ist, dass unser Programm sensibel und behutsam integriert ist und keine neuen Hürden, Aufgaben oder gar Leistungsforderungen hervorruft."

Empfehlung für alle betroffenen Patienten

Nach Auffassung von Beck sollte Patienten mit einer depressiven Störung und ohne Kontraindikation für körperliche Belastungen die Durchführung eines strukturierten und fachlich begleiteten Bewegungsprogramms empfohlen und ermöglicht werden. "Das ist die zentrale Botschaft, die wir mit unserer Initiative hier an der Klinik Hohe Mark an Fachkreise, an die Betroffenen und an die Öffentlichkeit tragen wollen." Bewegungsprogramme müssten stärker in die psychiatrischen und psychosozialen Versorgungsstrukturen integriert werden. Bei der Behandlung von Depressionen im klinischen Umfeld zeichne sich der Einsatz von Outdoor-Fitness-Geräten nicht nur durch eine gute Akzeptanz bei den Patienten, sondern auch durch eine hohe Effektivität im Rahmen der Behandlungstherapie aus.

Dieser Artikel erschien in der Ausgabe NEUE LANDSCHAFT 12/2015 .

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