Chancen und Risiken in der Ausbildung zur Landschaftsgärtnerin

Frauen im Garten- und Landschaftsbau

von

Ausbildungssituation in Bayern. Grafik: Seitle

"Mädels vor, traut Euch!" Viele Frauen wünschen sich mehr Kolleginnen auf der Baustelle. Im Zuge des Studiengangs Landschaftsbau und -Management verfasste Ursula Seitle eine Bachelorarbeit über Frauen im Garten- und Landschaftsbau an ihrer Hochschule Weihenstephan-Triesdorf . Betreut wurde die Arbeit aus dem Sommersemester 2013 von Prof. Dr. Holger Beiersdorf. Die Ergebnisse zeigen deutlich, wie positiv Frauen in den Arbeitsalltag eingreifen und wie stark verbunden sie ihrem Beruf sind.

Zum Einstieg galt es einen Überblick über die aktuelle Ausbildungssituation im GaLaBau zu gewinnen. Zu klären gab es: Wie ist die Geschlechterverteilung in der Ausbildung zum Landschaftsgärtner? Wie viele Ausbildungsbetriebe gibt es im Moment in Bayern und wie viele davon haben bereits weibliche Auszubildende in ihrem Unternehmen? Mit Hilfe von Statistiken des Verbands Garten-, Landschafts- und Sportplatzbau Bayern und dem Bayerischen Staatsministerium für Ernährung-, Landwirtschaft- und Forsten wurde unter den Auszubildenden im GaLaBau eine Frauenquote von elf Prozent ermittelt. In Zahlen ausgedrückt sind aktuell 137 der insgesamt 1143 Auszubildenden im GaLaBau weiblich (Stand: 31.12.2012). Von den 700 Ausbildungsbetrieben in Bayern bilden 124 mindestens eine Frau in ihrem Unternehmen aus. Das sind 18 Prozent der Betriebe, eine durchaus ausbaufähige Bilanz.

Ausbildungssituation aktuell

Umfrage unter angehenden Landschaftsgärtnerinnen

Speziell für diese Arbeit wurde ein Fragebogen entwickelt, der genauere Erkenntnisse über die weiblichen Azubis liefern sollte. Das Hauptinteresse lag darin, herauszufinden, ob sich unter den Frauen ein gewisser Frauentypus herausbilden lässt und wie dieser gegebenenfalls aussieht. Wer entscheidet sich für eine Ausbildung zur Landschaftsgärtnerin? Aus welchen Gründen geschieht das? Ein weiteres Augenmerk lag auf dem betrieblichen Umfeld der Frauen. Die Beziehungen zu Vorgesetzten und Mitarbeitern wurden hinterfragt. Außerdem wurde aufgedeckt, wie zufrieden die Frauen mit ihrer Ausbildung sind. Durch eigene Einschätzung der Befragten, stellten sich die Stärken der Frauen heraus. Die Umfrage wurde unter den weiblichen Azubis an den beiden bayerischen Berufsschulen für Landschaftsgärtner, am Kapuzinerhölzl in München und am staatlichen beruflichen Schulzentrum in Höchstädt an der Donau durchgeführt.

Frauenbaustelle. Foto: bauorden.de

Abschlussprüfung im GaLaBau an der Deula Bayern 2012. Foto: Seitle

Entscheidungskriterien für eine GaLaBau-Lehre als Frau

Die Umfrage unter den weiblichen Azubis lieferte bezüglich der Entscheidungskriterien für eine GaLaBau-Lehre als Frau folgende interessante Ergebnisse: Bei der Vorbildung der befragten Frauen fällt auf, dass davon 30 Prozent Abiturientinnen sind und 65 Prozent die Mittlere Reife erlangt haben. Von deren Bildungsstand lässt sich somit während der Ausbildung sehr gut profitieren, weil sie eine geschulte Auffassungsgabe haben und verantwortungsvolle Aufgaben auch bereits in der Ausbildung übernehmen können. Der Großteil gibt an, dass sie über die Eltern vom Beruf der Landschaftsgärtnerin erfahren haben. Nur ein geringer Teil nennt hier als Quelle Internet oder Schule. Hier müsste man dringend tätig werden, um den Beruf Landschaftsgärtner weiter in der Gesellschaft zu verbreiten und näher an die Zielgruppe der potentiellen Auszubildenden heran zu bringen.

Bei genauerer Betrachtung der familiären Verhältnisse der Frauen, fällt auf dass 62 Prozent aus ländlicher Umgebung stammen und der geringere Teil in der Stadt beheimatet ist. Somit entscheiden sich mehr Frauen aus ländlichem Umfeld für die Ausbildung als Frauen aus der Stadt. Womöglich ist eine frühzeitige Prägung auf Natur und Landwirtschaft eine mögliche Ursache oder auch, dass in der Stadt nicht jeder überhaupt seinen eigenen Garten hat, in dem die Frauen bereits Erfahrungen im Umgang mit Pflanzen hätten sammeln können. Ein weiteres interessantes Merkmal der befragten angehenden Landschaftsgärtnerinnen ist, dass sie überwiegend aus kinderreichen Familien stammen. Die Kinderzahl in deren Familien liegt bei 2,75 Kindern pro Familie und somit deutlich über dem allgemeinen Durchschnitt der Familien in Bayern. Neben diesen Erkenntnissen zeigt sich auch ein Drang zur Selbstständigkeit unter den weiblichen Auszubildenden. Im jungen Alter zwischen 17 und 21 Jahren, in dem sich die Hauptgruppe der befragten Azubis befindet, ist bereits ein Drittel der Frauen von zu Hause ausgezogen.

Als Grund warum sich die Frauen speziell für die Ausbildung zur Gärtnerin Fachrichtung Garten-, Landschafts- und Sportplatzbau entschieden haben, gaben sie an, dass sie gerne draußen im Freien arbeiten, handwerkliche/körperliche Arbeit bevorzugen und stark mit der Natur verbunden sind. Außerdem schätzen sie die vielseitigen Aufgaben und die sichtbaren Arbeitserfolge. Sie sind gerne kreativ und gestalterisch tätig und nutzen die Erfahrungen während der Ausbildung für ihre geplanten Weiterbildungsmaßnahmen wie Studium, Meister oder Techniker. Bei der Frage nach ihrem Lieblingsfach in der Berufsschule antworteten 70 Prozent mit dem Fach Pflanzenkenntnis. Die Frauen wollen ihre Kenntnisse auf dem Gebiet Vegetationstechnik und Umgang mit Pflanzen ausbauen und lernen die botanischen Namen somit ganz freiwillig.

Der Großteil der Frauen plant nach der Ausbildung weiter als Gehilfin zu arbeiten und viele wollen mit einem Studium oder dem Meister/Techniker an die Ausbildung anschließen. Insgesamt sind die Frauen sehr zufrieden mit ihrer Ausbildung. Sie haben Spaß am Beruf und haben überwiegend positive Erfahrungen damit gemacht. 81 Prozent würden sich erneut dafür entscheiden und bewerten ihre Ausbildung mit der Schulnote "gut" (1,93). Grundsätzlich legen die befragten Frauen mehr Wert auf Familie, Freunde und Beruf als auf Aussehen, Frisur und Modetrends, was die Frage nach ihren Prioritäten herausstellte. Das hebt sie von Frauen ab, die viel Zeit und Geld in ihr äußeres Erscheinungsbild investieren und unterstreicht wiederum einen bodenständigen, familienorientierten und naturbewussten Frauentypus.

Vergleich Abbrecherquoten weiblicher und männlicher Auszubildender. Auskunft: Bayerisches Staatsministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten, Referat Berufsbildung und Schulbildung, Herr Reiner Luber, 16.04.2013. Grafik: Seitle

Weibliche Auszubildende im Betrieb

Betriebe, die Frauen ausbilden haben der Umfrage nach eine durchschnittliche Mitarbeiterzahl von 30 Personen. Somit sind es im GaLaBau eher die mittleren und größeren Firmen, die Frauen ausbilden. Aber es gibt auch Frauen, die angaben die einzige Auszubildende in ihrem Unternehmen zu sein. So beschäftigt der kleinste Betrieb mit einer Frau in der Ausbildung drei Mitarbeiter und der größte Betrieb über 100 Mitarbeiter.

Körperliche Leistungsfähigkeit

In Bezug auf die körperliche Leistungsfähigkeit von Frauen wurden zum Vergleich die Frauen selbst und einige Betriebsinhaber, die bereits Erfahrungen mit Frauen in der Ausbildung sammeln konnten, befragt. Es herrscht allseits Bewusstsein darüber, dass der Beruf des Landschaftsgärtners den menschlichen Körper stark beansprucht. Die Frauen argumentieren hier damit, dass der Beruf ebenso anstrengend auch für Männer ist. Neben der Belastung für Rücken und Muskulatur kommen zusätzlich Staub, Lärm und Abgase hinzu. Zusätzlich zu den vorgeschriebenen Schutzausrüstungen, entlastet der Maschineneinsatz von Bagger und Radlader, sowie Spezialmaschinen beispielsweise für Pflasterbeläge die körperliche Beanspruchung für Frau und Mann. Die Frauen geben an, man brauche schon eine gewisse körperliche Fitness und man müsse sich anfangs an die Anstrengungen gewöhnen.

Neben den körperlichen Anforderungen, nennen sie auch die psychischen Belastungen. Man müsse sich als Frau häufig beweisen und zeigen, dass man mit anpacken kann. Außerdem müsse man mit dem rauen Baustellenton klarkommen, dafür brauche man gewisses Engagement und Durchhaltevermögen, was die Frauen, die sich für diese Ausbildung entscheiden, sicherlich haben. Sie entscheiden sich bewusst für den Beruf. Das heißt, es gibt kaum Fälle, bei denen diese Lehre die einzige Chance auf eine Berufsausbildung bedeutet. Die Frauen wollen den Beruf der Landschaftsgärtnerin mit all seinen Facetten erlernen und ziehen diese Ausbildung dann auch durch. Das tun sie aufgrund der bewussten Entscheidung schließlich mit gesteigerter Motivation und Leistungsbereitschaft. Dadurch lässt sich auch erklären, warum weniger Frauen als Männer ihre Ausbildung abbrechen.

Prüfungsleistung

Beim Vergleich der Prüfungsleistungen von weiblichen und männlichen Auszubildenden innerhalb eines Betrachtungszeitraums von fünf Jahren, stellte sich heraus, dass die Frauen nicht nur mit den männlichen Kollegen mithalten können, sondern in manchen Prüfungsteilen durchaus die besseren Prüfungsergebnisse erzielen. Die Frauen haben die Nase unter anderem bei der praktischen und theoretischen Zwischenprüfung vorne. In den praktischen Fächern "Vermessung" und "Vegetationstechnik" sind die Frauen eine ganze Note besser als ihre Mitstreiter und im Theorieteil in den Fächern "Pflanzenkenntnisse" und "Betriebliche Zusammenhänge" ebenfalls. Bei Betrachtung der Abschlussprüfung liegen die männlichen knapp vor den weiblichen Azubis, aber im Theorieteil kommen die Stärken der Frauen zum Vorschein. Hier erreichen sie nahezu in jedem einzelnen Prüfungsfach die besseren Noten. Vor allem in der mündlichen Prüfung, bei der der Gesamtabriss des Ablaufs eines Bauvorhabens in einem Prüfungsgespräch abgefragt wird, glänzen die weiblichen Teilnehmerinnen. Durch die besseren Leistungen im Theorieteil, erreichen sie im Endergebnis eine bessere Prüfungsgesamtnote bei der Abschlussprüfung als ihre männlichen Kollegen.

Stimmen aus den Fragebögen

Viele Frauen wünschen sich noch mehr Akzeptanz auf der Baustelle und würden sich freuen, wenn sie noch mehr weibliche Unterstützung in ihrem Beruf erhielten. Sie formulieren teilweise Appelle wie "Mädels vor, traut Euch!" um für ihren schönen Beruf zu werben. Es besteht die Empfehlung im Voraus ein Praktikum zu absolvieren um zu sehen, was einen als Landschaftsgärtner erwartet und ob man sich auf diese Herausforderung einlassen will. Sei es ein Arbeiten hauptsächlich mit männlichen Kollegen, langen Arbeitszeiten und Aufenthalt im Freien bei extremen Temperaturen oder Niederschlägen. Man solle im GaLaBau mit gemischten Teams aus Frauen und Männern arbeiten, weil sie sich so gut ergänzen und gemeinsam gute Ergebnisse erzielen.

Mädchen auf Minibagger. Foto: Korkey/pixelio.de

Vorteile von Frauen im GaLaBau

Während stets Vorurteile gegenüber Frauen auf der Baustelle vorherrschen, reagieren die meisten Menschen im ersten Moment einfach überrascht, wenn sie eine Frau auf dem Radlader oder Bagger fahren sehen. Es ist immer noch ein ungewohntes Bild, da die Baubranche, zu der am Rande auch der GaLaBau gehört, überwiegend eine Männerdomäne ist. Aber gerade für den GaLaBau bringen die Frauen Eigenschaften mit, die durchaus von Vorteil für ein Unternehmen sind. Hier zeigen sich einerseits alt bekannte weibliche Züge, andererseits kamen aber auch unerwartete positive Aspekte auf. Die Ergebnisse resultieren aus eigenen Erfahrungen während der Ausbildung zur Landschaftsgärtnerin und den Antworten aus den erstellten Fragebögen, die an angehende Landschaftsgärtnerinnen gerichtet wurden sowie aus dem Leistungsvergleichen von Frauen und Männern im Bereich der Ausbildung. Außerdem werden hier Ergebnisse präsentiert, die aus den Berichten erfahrener Branchenmitglieder stammen. Ihrer Meinung nach, haben Frauen im Team eine positive Auswirkung auf das Arbeitsklima. Auf der Baustelle herrsche durch sie gesittete Sprache und feinerer Umgang. Die Männer werden motiviert zu zeigen, was sie können und der Ansporn und die Leistungsbereitschaft steigen.1 Frauen sind von Natur aus meist geduldiger als Männer und erledigen präzise Aufgaben mit Hingabe und Liebe zum Detail, deshalb eignen sie sich bestens für Fein- und Abschlussarbeiten, wo es auf das Auge des Betrachters ankommt. Ihre Kreativität und gestalterisches Geschick kommen ihnen zusätzlich zu Gute. Wie sich beim Vergleich der Leistungen von Frauen und Männern in der Berufsschule herausstellte, sind Frauen eindeutig besser in Pflanzenkunde als ihre Kollegen.

Neben dem umfangreichen Pflanzenwissen gehen Landschaftsgärtnerinnen grundsätzlich pfleglicher mit Pflanzen um. Wertschätzung der Natur wird bei ihnen ganz groß geschrieben. Ein weiterer durchaus wichtiger Vorteil sind die kommunikativen Eigenschaften von Frauen. Diese sind förderlich für Kundenbeziehungen. Viele Kunden wenden sich gerne an Frauen, weil sie oftmals aufgeschlossener als ihre männlichen Baustellenkollegen sind.

Das Potential, das die Frauen in den Beruf mitbringen, gilt es für die Betriebe zu erkennen und zu nutzen. Bereits während der Ausbildung kann von der Vorbildung der Frauen profitiert werden. Durch die geschulte Auffassungsgabe lernen die Frauen schnell und setzen das Gelernte mit hoher Einsatzbereitschaft in die Tat um. Das Engagement der Frauen fördert das Betriebsklima und steigert die Kundenzufriedenheit. In Zukunft wäre ein Frauenanteil von 15 bis 20 Prozent ein erstrebenswertes Ziel.

Anmerkungen

¹) Bühler, A. (2011): Ausbilden im GaLaBau - leicht und kompetent. Stuttgart: Eugen Ulmer.

Dieser Artikel erschien in der Ausgabe NEUE LANDSCHAFT 02/2014 .

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