GaLaBau-Wissen

„Ich setze einen Pflasterstein“, Teil 2

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189. Folge: Unsere Serie für den Nachwuchs erläutert das wichtigste GaLaBau-Grundlagenwissen vom Abstecken bis zum Zaunbau: Diesmal geht es um das Thema Pflastern.
GaLaBau Wissen Beläge und Pflaster
Grafik: Uwe Bienert

So um 1911 muss es wohl gewesen sein, als der königlich-bayerische Hofpflastermeister Friedrich Wilhelm Noll, dem die „wilden, unregelmäßigen und planlosen Ausführungen“ der Pflasterungen seiner Vorgänger gehörig auf den Geist gingen, sich genötigt sah, in vielen praktischen Versuchen und theoretischen Experimenten einen neuen Geist ins Pflasterhandwerk zu bringen.

Es lag Noll sicher fern, die ganze Sache zu "verkopfen". Pflastern soll keine Wissenschaft werden, sondern ein auf Erfahrungen aufgebautes Handwerk, das sich durch die Überlieferung vervollkommnet. Die fortschreitende technische Entwicklung änderte an den handwerklichen Ausführungen nichts. Immer noch müssen die Steine mit der Hand gesetzt werden. Der Werkstoff Stein ist der Gleiche – nur sein Umfeld (Material des Schichtenaufbaus, Material der Einfassung usw.) hat sich qualitativ verändert.

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Grafik: Uwe Bienert
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Grafik: Uwe Bienert

Der Segmentbogen

Hauptaugenmerk legte Noll bei seinen praktischen Versuchen in Bayern auf den Segmentbogen, da sich dieser im alltäglichen Gebrauch am "nutzungsfähigsten" erwies. Seine Stabilität und Tragfähigkeit sind sehr hoch und sein ästhetischer Gesichtspunkt ist offensichtlich.

Vorteile und Nachteile des Segmentbogens

Der Segmentbogen hat sich in der heutigen Zeit im Vergleich zu der Zeit um 1911 sehr gewandelt. Er ist nicht mehr – so wie zu Zeiten Nolls – der stabilste Belag für Verkehrsstraßen. Er ist mehr in den Zier- und Repräsentationsbereich abgewandert.

Ihm fehlen dazu die gewünschte Stabilität und seine Herstellung kostet zu viel Geld. Außerdem dauert seine Ausführung zu lange. Und finden Sie einmal Handwerker, die diese Straße bauen sollen – oh je!

Und es verbietet sich auch von selbst durch den hohen Verkehrslärm, den das Segmentbogenpflaster – wie jedes Natursteinpflaster – zusammen mit der erheblichen Verkehrsdichte erzeugen würde. Doch es gibt auch Vorteile:

Segmentbögen werden heute immer wieder häufig im privaten Bereich, im kommunalen Bereich (Gehwege usw.) und im "halböffentlichen" Bereich (Schlösser, öffentliche Gebäude usw.) zum Einsatz gebracht. Das hat auch seine Gründe. Während für den Verkehr mit hoher Verkehrsbelastung ein Segmentbogen nicht mehr geeignet ist, spielt er auf Wegen mit leichtem Verkehr (Fußgänger, Radfahrer, Grundstückszufahrten o. ä.) wegen der hohen Belastbarkeit und der hohen Verschieberesistenz eine große Rolle. Rein vom Handwerk her ist er recht leicht zu versetzen und er bietet in der Gestaltung eine recht hohe Vielfalt, die erst im Privatkunden-Segment voll zum Tragen kommen kann. Einer seiner wesentlichen Vorteile gegenüber anderen Pflasterungen ist seine gute Materialauslastung. Der Pflasterer hat sehr wenig "Verschlag" (also Abfall) und muss an den Anschlüssen am Läufer zusätzlich keine Bearbeitung der Steine vornehmen, da der Bogen immer rechtwinklig am Läufer anschließt. Segmentbogenpflaster steigert den Wert eines Grundstückes durch sein edles Aussehen erheblich und besticht durch seine Langlebigkeit (wenn nicht irgendein Pfuscher ein Kabel nachträglich in den Weg versenken muss!).

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Grafik: Uwe Bienert
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Ein mathematisches Problem

Die Überlegungen des "bayerischen Pflasterkönigs" sind für uns unausweichliche Konstanten:

Vorbereitung der Baustelle

Neben den allgemeinen Vorbereitungen für die Pflasterung sind beim Pflastern des Segmentbogens noch einige besondere Vorkehrungen zu treffen. Auf der gesamten Baustelle werden für die Pflasterung die Scheitelschnüre gespannt. Diese verlaufen in Richtung der Wegeführung und werden immer dort gespannt, wo der Bogen am höchsten ist. Jede Baustelle beginnt mit einem halben Bogen, dem eine gewisse Anzahl (je nach Berechnung) von ganzen Bögen folgt, bis es wieder zu einem Abschluss mit einem halben Bogen kommt.

Durch diese Maßnahme schlägt der Pflasterer mehrere Fliegen mit einer Klappe:

  1. schließt er damit am Läufer immer rechtwinklig an und braucht keine Steine zu beschlagen,
  2. ist eine Übergabe der exakten Bogenhöhe leichter möglich und
  3. (und dies ist eine Erkenntnis der Praktiker um Herrn Noll) die Verlegezeit verkürzt sich durch diese einfache Erleichterung erheblich.

Der Pflasterer hat somit einen Abschnitt zu Pflastern, der aus je zwei halben Bögen besteht. Hinter ihm wird die Materialreserve durch ein "Helferlein" ständig aufgefüllt. Das Pflaster wird rückwärts verlegt. Ständige Kontrollen der Höhe sichern den Erfolg.

Verlegeregeln

  1. Festlegung von Materialgrößen für Belag und Läufer
  2. Ausführung des Läufers bestimmen (einzeilig, zweizeilig u. a.)
  3. Berechnen der Baustelle
  4. Absteckung und Bau der Läuferzeilen
  5. Abstecken der Scheitelschnüre
  6. Einrichten der Baustelle (Materialreserve)
  7. Setzen des Steines für das Bogenherz auf die halbe Bogenbreite (Steinauswahl und Steinstellung beachten)
  8. Ausmessen des Stiches an der Scheitelschnur und Setzen des Scheitelsteines
  9. "Modellieren" der ersten beiden Halbbögen, Setzen der Bögen auf Lage und Höhe
  10. Beachten der Anschlüsse (rechtwinklig zum Läufer, zur Scheitelschnur und der Halbbögen untereinander im Herz)
  11. Beachten der Höhen (Pflasterungen haben einen bestimmten Abstand in der Höhe zum Läufer und zur Einfassung
  12. Auspflasterung des Belages bis ca. zwei bis drei Bögen vor dem Ende der Pflasterung
  13. Auspflasterung der Anfänge nach den entsprechenden Vorgaben
  14. Auspflasterung der Abschlüsse nach den entsprechenden Vorgaben
  15. Einfegen, Einschlämmen und Abrammen des Belages
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Grafik: Uwe Bienert
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Grafik: Uwe Bienert
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Grafik: Uwe Bienert
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Grafik: Uwe Bienert

Der Schuppenbogen

Die zweite Bogenpflasterung, nach dem Segmentbogen, ist der Schuppenbogen oder die Schuppe. Seine Entstehung ist zeitmäßig und auch örtlich nicht genau fest zu machen. Fest steht: Diese Form der Pflasterung ist schon ziemlich alt und wurde weit vor dem Segmentbogen als Wegebefestigung genutzt.

Während der Segmentbogen eine vom Design ansprechende Pflasterung mit dem Hintergrund der starken Nutzung als Verkehrsfläche auf Straßen und Plätzen ist, dient der Schuppenbogen "nur" als Zierpflaster für fußläufigen Verkehr bzw. Verkehrsflächen mit temporärem, leichtem Verkehr.

Vorteile und Nachteile des Schuppenbogens

Dem Schuppenbogen geht es ähnlich wie dem Segmentbogen – er ist im Begriff in Vergessenheit zu geraten! Das liegt in erster Linie daran das seine Herstellung nicht ganz billig zu sein scheint. Ein anderer Grund ist seine doch recht üppige und sehr verspielte Gesamtansicht. Irgendwie passt das nicht in unsere Zeit, in der strenge Linien und schmucklose Formen an der Tagesordnung stehen.

Seine Ausführung kostet zu viel Zeit und damit auch viel Geld – Handwerkerstunden sind teuer! Klingt mir sehr nach Ausrede! Viel eher sehe ich den Schuppenbogen verschwinden, weil es keine ordentlichen Pflasterer mehr zu geben scheint, die ihr Handwerk beherrschen und deshalb immer öfter auf Betonstein zurückgreifen.

Seine Verkehrsbelastung ist sehr beschränkt und damit kommt die Pflasterung für viele öffentliche Bereiche (Fußgängerzonen, Plätze u. ä.) nicht in Frage, da auch dort immer Lieferverkehr und Einsatz von kommunaler Großtechnik (Kehrmaschinen, Entsorgungsfahrzeuge usw.) zu finden ist. Der Vorteil liegt ganz klar in der Verschiedenheit, der Farbigkeit und den vielen Kombinationsmöglichkeiten dieser Pflasterung.

Der Einsatzbereich ist auf den repräsentativen öffentlichen Bereich (Schlösser und Parks, historische Stadtkerne, Kirchenplätze usw.) und natürlich auch den finanziell gutgestellten Privatkunden beschränkt.

Nun zu der Berechnung

Auch hier kommen wir um einige Regelungen für die Berechnung nicht herum:

  1. Erstens sieht die Schuppe am besten aus, wenn die Breite des Kopfes 20-mal die Steingröße beträgt. Das heißt: Pflastere ich zum Beispiel mit einem 5/7er Stein, bewegt sich mein Bogen in einer Bogenbreite von 1 m (20 x 0,05 m) bis 1,40 m (20 x 0,07 m). Dabei ist auch bei diesen Berechnungen darauf zu achten, das sich der optimale Bogen in der Nähe des maximalen Bogens befinden sollte.
  2. Die zweite Festlegung gilt der Bogenhöhe. Die Bogenhöhe, die eine ähnliche Funktion wie der Stich beim Segmentbogen hat, wird auch hier mit einer Formel ermittelt. Dabei wird die Bogenbreite einfach halbiert, da es sich bei der Schuppe nicht um einen Kreisabschnitt, sondern um einen Halbkreis handelt. Die Höhe des Schuppenkopfes, um den es hier eigentlich geht, ist also mathematisch der Radius des Kreises – siehe Beispielrechnung.
  3. Als Drittes musste eine Regelung über den Schuppenfuß getroffen werden. Dabei liegt die Spanne, in der sich die Breite des Fußes bewegt, zwischen 1 bis 3 Steinen der Belagsgröße, wobei regional auch ohne Schuppenfuß gearbeitet wird- siehe Beispielrechnung.
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Grafik: Uwe Bienert
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Vorbereitung der Baustelle

Die Vorbereitung der Baustelle ähnelt der bei der Segmentbogenbaustelle. Der Unterschied besteht darin, dass der Pflasterer bei seiner Arbeit immer zwischen zwei halben Schuppen und einer ganzen Schuppe wechselt.

Verlegeregeln

Berechnungsbeispiel für einen Schuppenbogen

  1. Festlegung von Materialgrößen für Belag und Läufer
  2. Ausführung des Läufers bestimmen (einzeilig, zweizeilig u. a.)
  3. Berechnen der Baustelle
  4. Absteckung und Bau der Läuferzeilen
  5. Abstecken der Scheitelschnüre
  6. Einrichten der Baustelle (Materialreserve)
  7. Setzen des Steines/der Steine des Schuppenfußes
  8. Ausmessen der Bogenhöhe an der Scheitelschnur und Setzen des Scheitelsteines
  9. "Modellieren" der ersten beiden Halbbögen, Setzen der Bögen auf Lage und Höhe
  10. Beachten der Anschlüsse (rechtwinklig zum Läufer)
  11. Beachten der Höhen (Pflasterungen haben einen bestimmten Abstand in der Höhe zum Läufer und zur Einfassung
  12. Auspflasterung der beiden ersten Halbschuppen
  13. Setzen des ersten Schuppenkopfes auf den Scheitel der beiden Halbschuppen
  14. Auspflasterung der Schuppe vom Fuß beginnend
  15. Aufbau und Auspflastern des gesamten Belages
  16. Einfegen, Einschlämmen und Abrammen des Belages

Quellen:

DIN e. V. (Hrsg.) (2019): VOB Gesamtausgabe, Vergabe- und Vertragsordnung für Bauleistungen, Ausgabe 2019, Beuth Verlag GmbH, Berlin.,

Englert K., R. Katzenbach, G. Motzke (2014): Beck`scher VOB- und Vergaberechtskommentar, 3.Auflage, C.H. Beck, München.,

ATV DIN 18318, Ausgabe 2019, Beuth Verlag GmbH, Berlin

Gütebestimmungen für Gehölze (FLL e.V.) und den Gütebestimmungen für Stauden (FLL e. V.) (Forschungsanstalt Landesentwicklung Landschaftsbau e.V.)

Der Gärtner 1 (Martin Degen, Karl Schrader; Ulmer-Verlag),

Grundkurs Gehölzbestimmung (Lüder, Quelle & Meyer Verlag Wiebelsheim),

Taschenlexikon der Gehölze (Schmidt/Hecker, Quelle & Meyer Verlag Wiebelsheim),

International standard ENA 2010-2015 (M.H.A. Hoffmann, ENA’s European Plant Names Working Group),

DIN 18916 „Vegetationstechnik im Landschaftsbau – Pflanzen und Pflanzarbeiten“

Uwe Bienert

Nächsten Monat lesen Sie: „Ich pflastere mit Betonsteinen“.

 Uwe Bienert
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Landschaftsgärtner-Meister und Ausbilder

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