Japanische Gärten: Wasser, Steine, Kiesflächen und Pflanzen

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Mit Interesse stellt man fest, dass die japanischen Gärten bei uns und in der ganzen Welt auf große Zustimmung gestoßen sind. Auch in Japan selbst spielen sie für den Tourismus eine große Rolle. Über vierzig öffentlich zugängliche und viele private Japangärten gibt es in Deutschland, obwohl die Informationen über sie erst nach dem Ende der japanischen Isolation 1868 nach Europa kamen, und die chinesischen Gärten schon viel früher hier bekannt waren.

In Karlsruhe gab es schon 1755 einen chinesischen Garten als Teil des Schlossparks, der Japangarten war dagegen erst 1914 zu besichtigen, obwohl er der erste öffentlich zu besuchende Japangarten in Deutschland war. Ab 1973 habe ich mich im Karlsruher Gartenbauamt mit ihm beschäftigt. Die letzten zehn Jahre bin ich als Reiseleiter zur Kirschblüte durch die japanischen Gärten aus dem Staunen nicht heraus gekommen, wie der Tourismus in den Gärten zugenommen hat. Der japanische Landschaftsarchitekt und Schinto-Priester Professor Keiji Uyehara von der Universität Tokio hat bei der Überarbeitung und Erweiterung des Japangartens in Karlsruhe zur Bundesgartenschau darauf hingewiesen, dass die Gärten eines Landes durch die Ausformung der Landschaft, des Klimas, die Geschichte und die Gesellschaft des Landes geprägt sind.

Historische Entwicklung der Japangärten

Die Gartenkunst spielt in Japan eine größere Rolle als bei uns. In den beiden hauptsächlichen Religionen, dem Schintoismus und dem Buddhismus, waren die Gärten stärker eingebunden und in der Repräsentation und der Machtdarstellung der gesamten Aristokratie stets ein gewichtiger Bestandteil. Deshalb ist ein kurzer Blick in die Geschichte der Entwicklung der Japangärten für ihr Verständnis sehr hilfreich.

Schon die frühe Naturreligiorn des Shintoismus mit einer großen Zahl von regionalen und überörtlichen Göttern weist Elemente auf, die heute noch wichtige Bestandteile der Gärten und Parks sind. Diese Götter wurden in der Natur mit ihren Göttersitzen verehrt und angebetet. Es waren dominante Baumgestalten, große besondere Steine, Felsen und Berge. So wurde zum Beispiel der höchste Berg Japans der Fuji (3776 m) der obersten Sonnengöttin Amaterasu zugeordnet. Die heiligen Bäume und Felsen werden mit einem auffällig dicken Tau aus Reisstroh und den heiligen Blitzen auch heute gekennzeichnet. Man hat die Götter im Frühjahr in einer Prozession in die Feldfluren geleitet und auf einer gereinigten Kiesfläche an Flüssen um reiche Ernten gebeten und ihnen Gaben dargeboten. Diese gereinigten, heiligen Kiesflächen sind bei den später in den Siedlungen gebauten Schreinen ebenso übernommen worden, wie in den Südhöfen der Herrenhäuser und Schlösser, da sie Flächen für das Erscheinen der Götter waren. Sie wurden mit Seilen eingezäunt und geweiht, der Eingang wurde später mit dem bekannten roten Tor versehen, der den Eintritt in die heilige Fläche deutlich markierte.

Auch der Buddhismus, der über Korea aus China in der Mitte des sechsten Jahrhunderts nach Japan gekommen war, hat als Zen-Buddhismus die Kiesflächen mit bedeutungsvollen Steinsetzungen als auf Kies reduzierte Wasserflächen übernommen. Auch die Steine, die schon im Schintoismus verehrt wurden, haben im Buddhismus eine besondere Bedeutung. Aus der hinduistischen Kosmologie wurde durch ihn der Weltenberg "Shumisen" nach Japan transferiert, der als Weltachse das Zentrum der damaligen Welt darstellte und als Steinsetzung in den Gärten auftauchte. Außerdem kamen die taoistischen Mythen von den "Inseln der Seligen" mit den "Horai"-Bergen schon vor dem fünften Jahrhundert aus China nach Japan und sind dort in den Gärten heute ein wichtiges Thema.

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Zu Zeiten des chinesischen Kaisers Wu (141-87 vor Christus) hat man vermutet, dass es weit im Osten im Meer eine Gruppe von Inseln gäbe, wo die Menschen unsterblich sind und auf dem Rücken der Kraniche um die Horai-Berge fliegen. Der Kaiser soll Expeditionen ausgeschickt haben, um auch unsterblich zu werden. Da sie keinen Erfolg hatten, ließ Kaiser Wu in einem großen See herrlich gestaltete Gärten auf Inseln anlegen, um die Unsterblichen anzulocken. Dort wollte er von ihnen das Geheimnis der Unsterblichkeit erfahren. Aber auch das funktionierte nicht. Doch die "Inseln der Seligen" sind in die Gartenkunst aufgenommen worden und zeigen sich in den Japangärten mit den Inseln und den Horai-Bergen als Steinsetzungen bis heute. China war schon lange eine Hochkultur als Japan noch wenig entwickelt war, und so ist die Gartenkunst in Japan stark von China beeinflusst worden. Vom sechsten bis zum neunten Jahrhundert sind 19 große offizielle Kommissionen nach China gefahren, um sich dort zu informieren. Architektur und Gartenarchitektur wurden anfangs einfach übernommen, ehe sich eigene japanische Weiterentwicklungen und Neuentwicklungen durchsetzten.

Schon durch die beiden angesprochenen Religionen ergab sich ein viel intensiveres, anderes Naturverständnis als bei uns. Der Mensch wurde nicht als Herrscher über die Natur angesehen, sondern er galt als Teil von ihr. Steine, Pflanzen und Tiere sind Mitlebewesen, was ein grundsätzlich anderes Verhältnis zu ihnen bedeutet und sich auch heute in den technisch geprägten Megastädten noch deutlich zeigt. Zerstörung und Vandalismus wie in den deutschen Parks und öffentlichen Gärten ist in Japan weitgehend unbekannt. Auch das Mystische hat sich in Japan viel stärker gehalten. Während bei uns durch die Aufklärung das Naturwissenschaftliche die Oberhand gewann, spielen in Ostasien mit Geomantie und Fengshui das Mystische und die kosmischen Erdkräfte weiter eine Rolle. Dass die Natur in Japan auch weiterhin eine große Bedeutung hat, lässt sich dadurch erklären, dass die Naturkräfte viel deutlicher und stärker als bei uns in Erscheinung treten. Man braucht nur an die über 1000 Erdbeben pro Jahr, die zahlreichen starken Taifune und Unwetter und das tosende Meer, das an dem relativ schmalen Inselland überall mit voller Wucht an dem Land nagt, zu verweisen.

Man kann die Japangärten nach ihrer Geschichte in fünf Gruppen unterteilen:

Die erste Gruppe sind die Teich- und Hügelgärten, die sich aus den Nutzgärten, den heiligen Flächen bei den Göttersitzen und den Anstößen aus China einschließlich des Buddhismus ergaben. Sie entstanden beim Kaiser und dem gesamten Adel, an den schintoistischen Schreinen und buddhistischen Tempeln. Teiche mit Inseln, künstlichen Hügeln, Wasserläufen, Steinsetzungen und Pflanzungen zeichneten sie aus. Im elften Jahrhundert entstand auch das erste "Gartenbuch" "Sakuteiki" auf zwei Schriftrollen, eine Zusammenfassung der Kenntnisse und Bedingungen zur Anlage von Gärten einschließlich genauer Angaben zur Verwendung von Natursteinen.

Die zweite Gruppe sind die Zen-Trockengärten. Japanische Mönche lernten in China den Chan-Buddhismus kennen. Nach ihrer Rückkehr nach Japan entwickelten sie im zwölften Jahrhundert den Zen-Buddhismus. Sie reduzierten den Buddhismus in allen Bereichen, auch in Gärten, auf das Wesentliche. So wurden die Wasserflächen zu Kiesflächen mit bedeutungsvollen Steinsetzungen. Man wollte die inneren Werte und die Zusammenhänge der Natur darstellen und in den Kontrast zu der umgebenden üppigen Natur stellen. Durch die Meditation suchte man den Sinn des Lebens zu erkunden und die Erleuchtung zu erreichen. So entstanden viele Trockengärten in den Tempeln und bei den zur Macht gekommenen Samurai.

Die dritte Gruppe sind die Teegärten, die die Teilnehmer in Demut auf die Teezeremonie vorbereiten sollten. Deren bis heute geltende Grundstruktur entstand im Wesentlichen im sechzehnten Jahrhundert. Die anfangs sehr einfachen Gärten und Teehäuser wurden mit der Zeit größer und anspruchsvoller. Etliche Elemente der Teegärten, wie zum Beispiel die Trittsteine und die Steinleuchten, wurden später auch in die anderen Japangärten übernommen.

Die vierte Gruppe sind die Wandelgärten, die in der Edo-Zeit ab 1600 entstanden. Sie sind wichtige Vorläufer der Parks. Sie wurden bei den Residenzen der Bezirksfürsten "Daimyos" und dem weiteren Adel, aber auch bei den Tempeln und Klöstern, angelegt. Da der Kaiser oberster Schinto-Priester war, hatten seine Gärten natürlich auch religiöse Funktionen und wiesen große Kiesflächen für religiöse Feste und Tänze auf. Diese Wandelgärten, die im Schwerpunkt in den Bereichen der militärischen Hauptstadt Edo ( Name ab 1868 Tokio) und der kaiserlichen Hauptstadt Kyoto entstanden, waren vereinfacht große Landschaftsgärten im Stil der Teich- und Hügelgärten, die aber ein gelungenes Wegesystem zum Spazierengehen aufwiesen. Die Wege waren so geplant, dass sie den Garten größer erscheinen ließen und immer wieder neue, interessante Ausblicke boten.

Aufgrund der Größe wurden Teegärten und zum Teil auch Trockengärten integriert. Wie im Englischen Garten spielten Brücken in unterschiedlicher Gestalt eine Rolle und waren interessante Punkte in den Rundwegen. Sie erlaubten besondere Aussichten und verbreiteten besondere Stimmungen. Sie forderten Achtsamkeit ein, wenn sie nahe über dem Wasserspiegel ohne Geländer das Gewässer überquerten. Da die Wandelgärten der Residenzen den ganzen Hofstaat der Bezirksfürsten, die per Dekret des Schoguns Anwesenheitspflicht in der Hauptstadt hatten, für längere Zeit aufnehmen mussten, waren diese großen Gärten erforderlich, die aber auch der Repräsentation und der Machtdarstellung der Fürsten dienten.

Die fünfte Gruppe sind die kleineren Innen- und Hofgärten, die früher zwischen den Gebäuden der Herrenhäuser und Schlösser lagen. Mit dem Aufschwung der Kaufleute in den Städten und der Samurais schufen sie sich auch solche Gärten bei ihren Wohnhäusern, die als Vorstufe der vielen heutigen Hausgärten angesehen werden können. Sie enthalten in kleinerer Form ebenfalls die Elemente der Japangärten.

Elemente der Japangärten

Die Elemente der Gärten sind grundsätzlich überall die gleichen, aber die Art und Weise der Verwendung, der Gestaltung und der Zusammensetzung sind eben doch sehr unterschiedlich. Im Japangarten spielen aufgrund der typischen japanischen Landschaft, der angedeuteten Geschichte der Gesellschaft und der Religionen das Wasser, die Steine und die Pflanzen sozusagen die typischen Hauptrollen.

Japangärten sind schon immer unabhängig von ihrer Größe Landschaftsgärten gewesen, die aufgrund ihrer spezifischen Entwicklung asymmetrisch in organischen Formen im Kontrast zu den Gebäuden geplant wurden. Besondere Zahlenkombinationen, zum Beispiel 3-5-7, waren stets, abgeleitet aus chinesischen Vorgaben, von grundsätzlicher Bedeutung. Die ungeraden Zahlen wurden fast ausnahmslos verwendet.

Das Wasser ist in der japanischen Landschaft als sehr lebendig sich bewegendes Element dominierend vorhanden. Es umtost optisch und akustisch die vielen Küsten, stürzt in Wasserfällen die Berge hinab, strömt durch Bergbäche und Flüsse durch die Landschaft, liegt als ruhiger Spiegel in den Bergtälern bis stürmische Winde ihn aufwühlen, und rauscht unter starkem Wellenschlag ins Meer. So ist es kein Wunder, dass das Wasser auch in den Gärten fast immer die Hauptrolle spielt. Auch hier fällt es auf und fordert als sich auffällig veränderndes, sich bewegendes, fließendes Element auch durch seine akustische Wirkung stets eine besondere Aufmerksamkeit. So wird in immer wieder neuen Formen der Wasserlauf von der Quelle in den Bergen, den Wasserfällen, den Bergbächen, den Flüssen, Teichen und Seen bis zum Meer die Wasserlinie der Natur nachgezeichnet, wobei alles immer möglichst natürlich aussehen soll.

Der Boden in seiner Modellierung und die Beläge, aber besonders die Steine, spielen im Japangarten eine besondere Rolle. In den traditionellen Gärten sollen Natursteine, die unbearbeitet sind, verwendet werden. Das geht schon auf die frühe Ehrfurcht vor den Steinen zurück. Im anfänglichen Schintoismus hat man sich vorgestellt, dass die Steine irgendwie hohl sind und sich dort die Geister und Ahnen in irgendeiner Form aufhalten. Für die Gärten hat man in der Natur besonders ausdrucksvolle Steine gesucht und sie in den Gärten möglichst natürlich eingebaut. Das wird schon in dem Gartenbuch "Sakuteiki" im Detail genau beschrieben. Durch die Zen-Trockengärten werden die kunstvolle Verwendung der Steine und ihre jeweilige Bedeutung noch wichtiger. Im "Sakuteiki" wird ausdrücklich darauf hingewiesen, dass man beim Einbau der Steine deren Wünsche berücksichtigen soll, da sie ja Mitlebewesen sind. Man spricht auch davon, dass man Steine pflanzt.

Sie stellen den Weltenberg "Shumi-sen" oder den "Horai"-Berg der "Insel der Seligen" dar und haben aufgrund ihrer Höhe, ihrer Lage und der jeweiligen Zuordnung und Schräge eine besondere Bedeutung, die durch ihre Struktur und Farbe noch unterstrichen wird. Auch die Anzahl der verwendeten Steine, so hat zum Beispiel im bekanntesten Zen-Trockengarten "Ryoan-ji" in Kyoto die Zahlengruppe 3-5-7 als Größe der gebildeten Steingruppen, eine ganz bestimmte Bedeutung, die auf die taoistischen Festlegungen zurückgeht. Steine bilden vollkommene Miniaturlandschaften wie Gebirge, steinige Inseln, verschiedene Wasserfälle, Bergbäche durch Felsenlandschaften, und immer müssen sie so aufgebaut werden, dass sie wie in der Natur wirken.

Im Zen-Trockengarten des "Daisen-in" Tempels in Kyoto ist eine ganze Flusslandschaft von der Quelle in den Bergen bis zum Meer als Trockenfluss, im Sinne der Reduktion auf das Wesentliche, ausgebildet, die realistisch erscheint und in der Meditation mit dem Lebensablauf des Menschen verglichen wird. Hinweise auf die Jugend und das Alter werden ebenso durch die Gestaltung dargestellt wie durch die Form der Kranich- und Schildkröteninseln, die beide Sinnbild für ein langes Leben sind. Eine weitere oft zu sehende Steindarstellung ist der Karpfenstein, der vor dem Wasserfall im Wasser steht und aussieht, als ob er zum Sprung über den Wasserfall ansetzt, da die taoistischen Mythen davon ausgehen, wenn der Karpfen das schafft, wird er oberhalb vom Wasserfall zum Drachen, und dann steht im alles offen. Ist das nicht übersetzt der von den Menschen oft gewünschte Traum, auf einmal alle Unbilden des Lebens hinter sich zu lassen und dass alle Wünsche in Erfüllung gehen?

Die Steine bilden die nachhaltige Gestalt des Gartens, da sie die unveränderliche Struktur darstellen. Die Trittsteine und -platten wurden erst ab dem sechzehnten Jahrhundert rechteckig zugeschlagen, vorher wurden nur Natursteine verlegt. Sie wurden verwendet, um Trittspuren im Moos und in den Kiesflächen zu verhindern. Im Teegarten sollte durch die Naturschrittsteine auch erreicht werden, dass man langsam und achtsam durch den Teegarten geht und sich dabei auf die Vorbereitung der Teezeremonie mental in Demut einstellt. Um einen kleinen Halt zur Betrachtung des Gartens einlegen zu können, wurden an geeigneten Stellen größere Trittsteine eingebaut. Die Trittsteine, Steinlaternen und Steinpagoden kamen vermehrt über die Teegärten in die heutigen Japangärten. Besonders kunstvoll angefertigte Pavimente aus Natursteinen weisen auf besondere Stellen im Garten hin. Neben den wassergebundenen Wegen gab es immer kunstvoll gepflasterte Wege oder Wegeabschnitte.

Das dritte Element des Japangartens sind die Pflanzen, die aufgrund des langgestreckten Insellandes in mehreren Klimazonen wachsen und deshalb eine große Artenvielfalt aufweisen. Tokio und Kyoto, wo wir die bekanntesten Japangärten finden, liegen ungefähr auf der geographischen Höhe von Gibraltar. Das zeigt, dass wir nicht alle dortigen Pflanzen bei uns verwenden können. Aber es ist erstaunlich, wie viele japanische Pflanzen sich schon lange in unseren Gärten finden. In Kyoto gibt es aufgrund der höheren Niederschläge und Luftfeuchte viele Gärten mit Moos als Bodendecker, das intensiv gepflegt wird, um eine möglichst einheitliche grüne Fläche zu erhalten. Um die harmonische Ruhe als Stimmung in den japanischen Gärten zu erreichen, werden dominierend Pflanzen mit grünen Tönen verwendet und nur einige gezielte Blühhöhepunkte, zum Beispiel durch Kirschen, Azaleen, Päonien, Iris und Kamelien, im Laufe des Jahres eingestreut.

Das ist ein großer Unterschied zu unseren Gärten, wo vom Frühjahr bis zum Herbst möglichst immer ein bunter Blütenflor vorhanden sein soll. Der zweite wesentliche Unterschied liegt in der intensiven Pflege, besonders im Schnitt der Gehölze. Bäume und Sträucher werden zum Teil zwei Mal jährlich mit speziellen Scheren und Sägen behandelt, die Nadeln der Kiefern sogar per Hand ausgezupft. Die Pflanzen sollen möglichst lange im Gartenraum aushalten, die gewünschte Form und Höhe behalten und eine gewisse Transparenz garantieren. So sollen alle Pflanzen genügend Licht bekommen und auch wo gewünscht eine diffuse Durchsicht gewähren. Wieviel Anteil vom japanischen Volk an der Natur und den Gärten genommen wird, zeigt sich bei der Kirschblüte und der Herbstfärbung, beides wird vom ganzen Volk mit großer Anteilnahme erlebt.

Die Kiesflächen haben wie angesprochen im Japangarten eine tiefgreifende Bedeutung, da sie von den Flächen ausgingen, die für die Götter am Flussufer als Kiesflächen gereinigt wurden und auch bei den schintoistischen Schreinen und den Kaisergärten ihre schintoistische religiöse Bedeutung behielten. Auch bei den Zen-buddhistischen Tempeln haben sie ihre religiöse Bedeutung erhalten, die durch die Steinsetzungen noch erhöht wurde, und außerdem haben sie über alle Jahrhunderte einen gartenkünstlerisch großen Wert zuerkannt bekommen. Sie sind in den Tempeln durch Mauern oder Hecken eingefasst und liegen nicht schutzlos an irgendeiner Straße. Sie werden in Japan intensiv gepflegt und immer wieder neu mit Meditationslinien geharkt, was im Zen-Buddhismus als Gottesdienst angesehen wird.

Dipl.-Ing. Horst Schmidt
Autor

Ehemaliger Leiter des Gartenbauamtes Karlsruhe

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