Noch bis zum 3. Oktober in Weil am Rhein

Große Schau zur Geschichte des modernen Gartens

Garden Futures: Designing with Nature" heißt eine große Ausstellung zur Geschichte und Zukunft des modernen Gartens. Sie ist noch bis zum 3. Oktober im Vitra Design Museum im südbadischen Weil am Rhein zu sehen. Gezeigt werden Beispiele aus Design, Alltagskultur und Landschaftsarchitektur: vom Liegestuhl bis zur vertikalen Stadtfarm, von zeitgenössischen Community-Gärten über begrünte Gebäude bis hin zu Gärten von Gestaltern und Künstlern wie Roberto Burle Marx, Mien Ruys oder Derek Jarman.
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Roberto Burle Marx gestaltete bei Rio des Janeiro naturnahe Gärten mit einheimischen Pflanzen. Foto: Iphan/SRBM/Diego Rodriguez Crescêcio, 2020

Getragen wird die Ausstellung neben dem Vitra Design Museum von der Wüstenrot Stiftung und dem Nieuwe Instituut in Rotterdam. Gestalter ist das italienische Designduo Formafantasma. Zum Auftakt der Ausstellung werden namhafte Beispiele aus Kunst und Architektur in einer Medieninstallation präsentiert. Der Garten erscheint dort als Ort, der den Alltag und die Fantasie beflügelt und dabei ganz praktische, oft aber auch tiefe symbolische oder philosophisch-religiöse Bedeutungen hat.

Soziale und historische Entwicklung

Der zweite Teil der Ausstellung thematisiert Gärten als Zeugnisse sozialer und historischer Entwicklungen. Politischer und wirtschaftlicher Interessen sowie kultureller Wertesysteme. So wurzelt manche Staude, die heute in westlichen Gärten beheimatet ist, tief in der Kolonialgeschichte. Der Transport lebender Gewächse um die Welt wurde durch den so genannten Wardschen Kasten möglich, der den kommerziellen Pflanzenhandel und den privaten Garten veränderte, den globalen Austausch wichtiger Nutzpflanzen wie Tee oder Kautschuk im Interesse der Kolonialmächte beförderte und eng verknüpft ist mit der Ausbreitung invasiver Arten.

Ebenfalls im 19. Jahrhundert entstanden zahlreiche urbanistische Konzepte, die Stadt und Garten miteinander verbinden sollten. So formulierte 1898 der britische Sozialreformer Ebenezer Howard die Idee der Gartenstadt, in der sich auch ärmere Bevölkerungsschichten selbst versorgen können. Die von Liz Christy in New York initiierte Green-Guerrilla-Bewegung wiederum beansprucht den städtischen Garten als Raum für soziale Gerechtigkeit und öffentliche Beteiligung. Diese Bewegung wurde in den 1970er Jahren ausgerufen und wird noch heute debattiert.

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Buchs-Garten des Château de Marqueyssac, Frankreich, entworfen in den 1860er Jahren von Julien de Cerval. Foto: Romain Laprade, 2020

Integration im urbanen Umfeld

Um die Integration von Gärten in das urbane Umfeld geht es im dritten Teil der Ausstellung. Im Mittelpunkt stehen neun wegweisende Gartengestalter der jüngeren Zeit. Der brasilianische Landschaftsarchitekt Roberto Burle Marx (1909–1994) gestaltete mit einheimischen Pflanzen möglichst naturnahe Gärten, die Pflanzenkompositionen des Gartenarchitekten Piet Oudolf wirken nicht nur zur Blütezeit ansprechend und die Autorin und Gärtnerin Jamaica Kincaid nimmt ihren Garten in Vermont (USA) als Ausgangspunkt für ihre Auseinandersetzung mit Kolonialgeschichte.

Der Künstler und Filmemacher Derek Jarman (1942–1994) erschuf angesichts des eigenen Todes ein blühendes Gartenkunstwerk im unwirtlichen Kies der südenglischen Küste neben einem Atomkraftwerk. Der malaysische Landschaftsarchitekt Ng Sek San wirkte bei der Gründung eines Gemeinschaftsgartens in Kuala Lumpur mit, der exemplarisch für die vielen Bürgerinitiativen in den Megastädten und Metropolen der Welt steht. Der weitläufige Liao-Garten des Künstlers Zheng Guogu wiederum lehnt sich an die Ästhetik des Videospiels "Age of Empires" an und schlägt eine Brücke zwischen virtueller und realer Umgebung.

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Die Künstlerin Alexandra Kehayoglou schuf eigens für die Ausstellung eine begehbare Textil-Wiese. Foto: Alexandra Kehayoglu

Ort der Heilung und des Lernens

Der letzte Teil der Ausstellung betrachtet aktuelle Projekte, die sich mit der Zukunft des Gartens auseinandersetzen: Unter dem Eindruck von Klimakrise, sozialer Ungerechtigkeit, bedrohter Artenvielfalt und sozialer Isolation wird der Garten zu einem Ort für innovative Zukunftsvisionen. Vor diesem Hintergrund rückt der Garten als Ort der Heilung, der Spiritualität oder des Lernens in den Mittelpunkt. Die eigens für die Ausstellung geschaffene begehbare Textil-Wiese der argentinischen Künstlerin Alexandra Kehayoglou schärft das Bewusstsein für die dramatische Bedrohung scheinbar zeitloser Landschaften durch den Klimawandel. Eine 6 m lange Illustration des Architekten Thomas Rustemeyer zeigt aktuelle Gartenprojekte sowie traditionelle und indigene Praktiken. Im Zeitalter des Anthropozäns – so die Botschaft dieser Projekte und der Forschung – müssen wir unseren gesamten Planeten als Garten verstehen, den wir verantwortungsvoll pflegen und nutzen.

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Liz Cristy in einem Gemeinschaftsgarten, New York City, 1970er Jahre. Foto: Donald Loggins

Nach der Präsentation in Weil am Rhein wird die Ausstellung im Design Museum Helsinki und dem Museum of Finnish Architecture (10. November bis 1. April 2023), im Vandalorum in Värnamo (27. April bis 13. Oktober 2024), im Nieuwe Insituut in Rotterdam (November 2024 bis April 2025) und im V&A Dundee (April bis Dezember 2025) gezeigt.

cm/Vitra Design Museum

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