Der Kommentar

Purpose versus Leitbild

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Hat Ihr Unternehmen schon einen "Purpose"? Übersetzen lässt sich dieser neue Anglizismus aus der Unternehmensberatung mit Sinn, Bestimmung, Aufgabe, Intention, Ziel oder Zweck. Wenn Sie jetzt glauben, Ziel und Zweck eines Unternehmens sei es, Geld zu verdienen und Gewinne zu machen, dann wird das unter Umständen bald nicht mehr reichen.

Wir hatten schon die Zeiten, in dem sich Unternehmen "Leitbilder" gaben: "Wir stehen für bewussten Umgang mit", "achten auf" oder "stellen den Kunden in den Mittelpunkt". Das Gabler Wirtschaftslexikon definiert ein "Unternehmensleitbild" als Element des normativen Rahmens eines Unternehmens, in dem es den Zweck seines Daseins in Form von Nutzenversprechen gegenüber seinen Anspruchsgruppen darlegt. Das klingt genauso verschroben wie manche Unternehmensleitbilder, die lediglich Selbstverständlichkeiten dokumentieren. Heute brauchen erfolgreiche Unternehmen neben Selbstverständlichkeiten jedoch mehr. Vor allem wird erwartet, dass diese Werte auch durchgehalten werden.

Recht bitter hat diese Erfahrung kürzlich Siemens machen müssen. Unter dem Stichwort "Vision 2020+ verantwortungsvoll, exzellent, innovativ" hat sich das Unternehmen umfangreich auf Werte nach der UN Agenda 2030 verpflichtet. Schon die Lieferung einer Zugsignalanlage nach Australien, die zum Transport von Kohle aus dem größten Kohlebergwerk der Welt über das Great Barrier Reef benötigt wird, hat das Unternehmen in größte Erklärungsnot gebracht.

Nun beliefern Landschaftsgärtner keine Kohlebergwerke. Aber ob der Naturstein garantiert frei von Kinderarbeit ist und dass Unternehmen sich um die Gesundheit der Mitarbeiter kümmern, wollen Kunden immer öfter wissen.

Es geht beim "Purpose" nicht nur darum, dem Kunden zu sagen, wofür ein Unternehmen steht. Wichtiger ist es, den Mitarbeitern und ihrer Tätigkeit im Unternehmen einen höheren Sinn zu geben. Es geht um Mission, Erfolg, Spaß und Beruf/Berufung. Wer als Arbeitnehmer die Frage nach dem Sinn seiner Arbeit beantworten kann, der wird mehr Erfolg und Spaß an der Arbeit haben, denn die Sinnfrage durchzieht sämtliche Lebensbereiche. Wer sich mit den Kollegen versteht, seine Ideen platzieren kann und sich eingebunden fühlt, ist loyal und hat eine deutliche höhere Einsatzbereitschaft um am Unternehmenserfolg mitzuarbeiten.

Dass die Sinnfrage vor allem jungen Menschen wichtig ist, bestätigt auch die im Herbst erschienene 18. Shell Jugendstudie mit dem Untertitel "Eine Generation meldet sich zu Wort". Danach haben sinnstiftende Werteorientierungen für junge Menschen an Bedeutung gewonnen. Materialistische Orientierungen nehmen deutlich ab.

Das Schöne an der Idee, seinem Unternehmen einen "Purpose" zu geben, ist, dass sich niemand mehr hinsetzen und langweilige Leitbilder schreiben muss. Die Chefs müssen den "Purpose" einfach nur leben. Ob gut oder schlecht, für eine Verbreitung muss niemand sorgen. Das geschieht durch das Handeln von ganz alleine.

Ihr Martin Thieme-Hack

Dieser Artikel erschien in der Ausgabe NEUE LANDSCHAFT 03/2020 .

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