Rodung von Wurzelstöcken: Richtlinien, fachgerechtes Arbeiten und Verfahren

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Bei einer fachgerecht durchgeführten Rodung ist der Wurzelstock komplett zu entfernen - dies offenbart der Blick in die einschlägigen Normen. In der Praxis werden jedoch oft Teile des Wurzelstocks und ein Großteil der Starkwurzeln im Boden belassen. Warum nicht ausreichend entferntes Wurzelholz zum Problem für die Vegetation am Standort werden kann und welche Verfahren eine Komplettrodung erlauben, die ihren Namen wirklich verdient, wird hier vorgestellt.

Wer die einschlägigen Richtlinien und Normen nach dem Thema Rodungsarbeiten durchsucht, wird mit genügend Fleiß und Ausdauer an unterschiedlichen Stellen fündig: sowohl in der DIN 18915 als auch in der DIN 18916 und seit neuestem in der DIN 18320 sind Informationen, die für Rodungen gelten, festgehalten. Ein genauerer Blick enthüllt, dass sich an der einen oder anderen Stelle Missverständnisse ergeben können - insbesondere wenn es darum geht, bis in welche Tiefe Wurzelstock und Starkwurzeln bei fachgerecht ausgeführten Rodungen zu entfernen sind. Wer jetzt nicht gleich in die Niederungen der Normen hinabsteigen möchte, dem seien hier gleich die widerspruchsfreien Ergebnisse aus den unterschiedlichen Fundstellen in aller Kürze zusammengefasst: der Wurzelstock ist immer komplett zu entfernen, egal wie tief er reicht; Starkwurzeln mit einem Durchmesser über zehn Zentimeter müssen entfernt werden - völlig unabhängig davon, wie weit abseits des Stubbens sie liegen; außerdem sind sie mindestens bis zu einer Tiefe von 30 Zentimeter aus dem Boden zu beseitigen; falls allerdings eine Pflanzung vorgesehen ist oder es sich um einen Baumstandort handelt, der gesund erhalten werden soll, sind auch sie komplett zu entfernen, egal wie tief sie liegen. Mit diesen Informationen lassen sich die beiden folgenden Abschnitte überspringen. Wer es jedoch genau wissen will, erhält im direkten Anschluss eine ausführliche Übersicht, wo diese Einzelheiten zu finden sind.

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Die Normen zur Vegetationstechnik im Landschaftsbau

In der DIN 18915 "Vegetationstechnik im Landschaftsbau - Bodenarbeiten" ist unter Punkt 7.2.4 nachzulesen, dass Wurzelstöcke vollständig zu entfernen sind und die Hauptwurzeln so weit, wie es für die vorgesehene Nutzung, beispielsweise als Pflanzfläche oder Baumstandort, erforderlich ist. Passend dazu weist DIN 18916 "Vegetationstechnik im Landschaftsbau - Pflanzen und Pflanzarbeiten" darauf hin, dass organisches Material nicht zu tief in Pflanzgruben eingebracht werden darf. Dies bedeutet gleichzeitig, dass dort auch nichts belassen werden darf, also auch Pflanzreste und Wurzeln zu entfernen sind. Bei der Herstellung einer Pflanzgrube wird etwa verlangt, den Ober- (bis ca. 30cm) und Unterboden getrennt zu lagern und wieder entsprechend einzubauen.

Aus den Normen zur Vegetationstechnik im Landschaftsbau bleibt also erst einmal festzuhalten: Der Wurzelstock ist komplett zu entfernen, egal wie tief er ins Erdreich hinein reicht. Bei großen Bäumen kann das 60 bis 80 Zentimeter tief, bei Tiefwurzlern bis zu ein Meter sein, in Ausnahmefällen sogar noch tiefer (Bild 1). Darüber hinaus spielt bei der Antwort auf die Frage, wie vollständig Wurzelholz aus dem Boden zu entfernen ist, die vorgesehene Nutzung des Standorts eine wichtige Rolle, insbesondere wenn es um Pflanzflächen und Baumstandorte geht.

Die Norm aus der Vergabe- und Vertragsordnung für Bauleistungen

Neben den bisher genannten DINs tauchen Rodungsarbeiten auch in DIN 18320 "VOB Vergabe- und Vertragsordnung für Bauleistungen - Teil C: ATV - Landschaftsbauarbeiten" auf. Der Deutsche Vergabe- und Vertragsausschuss für Bauleistungen (DVA) hat diese Allgemeinen Technischen Vertragsbedingungen (ATV) für Bauleistungen im Jahr 2015 grundlegend überarbeitet und erweitert. Neu ist, dass alle Haupt- und Nebenleistungen, die mit dem Oberboden zu tun haben, seither in dieser DIN geregelt sind. Bislang waren Oberboden- und Rodungsarbeiten in DIN 18300 "Erdarbeiten" festgelegt. Mit dem Wechsel von den Erdarbeiten zu den Landschaftsbauarbeiten gelten für Rodungsarbeiten auf Vegetationsflächen die Grundsätze des Landschaftsbaus.

In DIN 18320 steht unter Punkt 3.2.2 Rodungsarbeiten unter anderem der Satz: "Beim Roden der Stubben von gefällten Bäumen und Sträuchern sind deren Wurzelstöcke bis 20 Zentimeter außerhalb des Wurzelanlaufs und Starkwurzeln über zehn Zentimeter bis zu einer Tiefe von 30 Zentimeter zu entfernen und zu lagern." Daraus geht klar hervor, dass der vorgegebene Rodungsradius bis 20 Zentimeter außerhalb des Wurzelanlaufs beträgt und dass Starkwurzeln von über zehn Zentimeter zu entfernen sind. Die Praktiker wissen, dass dies einen sehr ausgedehnten Radius bedeuten kann. Exemplarisch sei hier eine Platane genannt, deren Starkwurzeln in einer Entfernung von vier Meter und einer Tiefe von circa 60 Zentimeter noch zwölf bis 23 Zentimeter Durchmesser aufwiesen (Bild 2).

Die zweite Aussage, die sich aus dem Satz der DIN ableiten lässt, ist jedoch missverständlich oder zumindest nicht eindeutig: Die 30 Zentimeter Tiefe. Worauf bezieht sie sich? Nur auf die Starkwurzeln über zehn Zentimeter? Auch auf die Wurzelstöcke? Selbst ausgeprägte Grammatikkenntnisse führen leider nur zur Erkenntnis, dass beides gemeint sein könnte und der Satz mehrdeutig ist. Um jedoch die Aussagen aus DIN 18915 und DIN 18320 widerspruchslos in Einklang zu bringen, muss er in der Zusammenschau so ausgelegt werden, dass sich die Aussage nur auf die Starkwurzeln bezieht. Denn dass der Wurzelstock komplett zu entfernen ist - auch unterhalb der 30-Zentimeter-Grenze - ist nicht nur in DIN 18915 festgelegt, sondern fachlich gesehen schlicht und einfach erforderlich. Und die Frage, ob die Starkwurzeln unterhalb 30 Zentimeter Tiefe verbleiben können, kann nur beantworten, wer über die vorgesehene Nutzung Bescheid weiß. Für eine Nutzung als Vegetationsfläche - selbst wenn nicht direkt nachgepflanzt wird - gilt grundsätzlich, dass die Starkwurzeln komplett raus müssen.

Warum dieser Aufwand? Warum Komplettrodungen?

Wäre es einfach, Wurzeln vollständig aus dem Boden zu entfernen, müsste man sich vielleicht gar nicht lange mit dieser Detailklauberei in den DINs aufhalten. Doch tatsächlich gibt es für die Vorgabe, Komplettrodungen durchzuführen, viele gute Gründe. In Kommunen etwa müssen gefällte Bäume fast immer ersetzt werden - oft an gleicher Stelle, wo zuvor ein Baum gefällt und gerodet wurde. Zur vitalen Entwicklung benötigen insbesondere Stadt- und Straßenbäume im Siedlungsbereich oder auch in Privatgärten einen möglichst gesunden Standort. Denn die Wurzeln, die bei Teilrodungen im Boden verbleiben, machen bis zu 70 Prozent der Wurzelmasse aus und verursachen langfristig Probleme für sowohl nachgepflanzte als auch verbleibende Bäume.

Doch insbesondere, wenn eine Rodung ohne Nachpflanzung ansteht, wird in der Praxis oft nur der Wurzelstock abgefräst und dann Erde darüber geworfen. Oberflächlich betrachtet, ergibt sich dadurch erst einmal kein offensichtliches Problem - die Aufgabe scheint erfüllt, der Baumstumpf ist schließlich optisch beseitigt. Doch der natürliche Abbauprozess von organischem Material erfolgt durch Mikroorganismen und Pilze und wird von schädlichen Nebenwirkungen begleitet. Deshalb gefährden unzureichende Teilrodungen mittel- und langfristig die Gesundheit eines Baumstandortes. Die Gefahren lauern dabei konkret im anaeroben Abbau des Wurzelholzes und in Pilzen, die nicht nur totes, sondern auch lebendes Holz befallen.

Anaerobe Wurzelzersetzung

Die anaerobe Zersetzung der Wurzelreste findet - der Name sagt es - ohne Sauerstoff statt; die landläufige Bezeichnung dafür ist Fäulnis. Dies kommt ab einer gewissen Tiefe überall im Boden vor, schlicht weil Sauerstoffmangel herrscht. In lehmigen Böden oder in Stadtböden kommt es dazu auch schon weiter oben, da dort die Erde durch Überfahren und Vibrationen häufig stark verdichtet ist. In sauerstoffarmen Verhältnissen werden beim Abbau des organischen Materials, unter anderem durch Bakterien, toxische Gase im Boden freigesetzt, zum Beispiel Methan, Ammoniak und Schwefelwasserstoff. Diese Gifte erzeugen eine schädliche und lebensfeindliche Situation und führen zu einer vermeidbaren Belastung für die Pflanzen vor Ort. Ein zweckmäßiges Anwachsen neu gepflanzter Bäume ist an einem solchen Standort und ohne Zusatzmaßnahmen eher unwahrscheinlich. Die Gifte hemmen das Wurzelwachstum mindestens, wenn sie nicht sogar dazu führen, dass Wurzeln samt Pflanze gleich ganz absterben. Die Quelle dieses Übels ist das organische Material. Es muss deshalb bis in 30 Zentimeter Tiefe entfernt werden, sonst machen sich die Bakterien ans Werk und es entsteht langfristig Fäulnis.

In den FFL-Empfehlungen für Baumpflanzungen (vgl. Teil1: Planung, Pflanzarbeiten, Pflege, S. 29f) ist eine lange Liste von Gründen aufgeführt, die einen durchführenden Dienstleister dazu veranlassen sollen, vor einer Baumpflanzung Bedenken zu äußern. Explizit können dies auch Gründe sein, die nicht in DIN 18320 aufgeführt sind. Und dazu zählen beispielsweise auch ungeeignete Bodenluft- und Wasserverhältnisse, also anaerobe Bedingungen - und das nicht ohne Grund: An Standorten, wo Staunässe erst dazu geführt hat, dass ein Baum abgestorben ist und ersetzt werden muss, ist bei Nachpflanzungen höchste Vorsicht geboten. Hier muss der Boden zuvor zumindest großzügig gelockert werden, um Sauerstoff zu- und einen Luftaustausch herbeizuführen. Die Beimischung von Substraten oder beispielsweise Lava kann zudem von Nutzen sein, damit die Wurzeln eines neu gepflanzten Baumes Anschluss an den bestehenden Boden erhalten. Im schlimmsten Fall muss der Boden vor der Pflanzung komplett ausgetauscht werden.

Pilzbefall

Zu denjenigen Pilzen, die Holz besiedeln und zersetzen, den Xylobionten, gehören drei verschiedene Arten: Sogenannte Saprophyten kümmern sich ausschließlich um den Abbau von Totholz. Es gibt aber auch Pilzarten, die als Parasiten lebendes Holz besiedeln. Darüber hinaus existieren Saproparasiten, die sowohl Totholz als auch lebendes Holz besiedeln und abbauen. Bei letzteren handelt es sich häufig um Hallimasch-Arten, Wurzelschwamm, Brandkrustenpilz und Lackporling - und genau in diesen Arten lauert die Gefahr, denn sie verfügen über ausgeklügelte Besiedlungsstrategien (vgl. z. B.: Jahn, S 14, 19). Mit genügend Reserven versorgt, sind sie in der Lage, jahrzehntelang im Boden zu überleben und irgendwann Bestandsbäume oder Neupflanzungen anzugreifen. Eine unzureichend durchgeführte Rodung kann sich auf diese Weise noch Jahre später rächen. Denn die notwendige Grundlage für ihr Überleben finden diese Pilze in nicht entfernten Stubben und Wurzeln (vgl. z. B.: Jahn, S. 198). Für ihre Ausbreitung sind hingegen größere Energiemengen nötig. Bei einem Baum mit ein Meter Stammdurchmesser können Wurzelstock und Starkwurzeln um die zwei Kubikmeter Holz umfassen. Verbleibt bei einer ungenügenden Rodung ein Großteil davon im Boden, haben sie genügend Energie für ihre Ausbreitung zur Verfügung (Bild 3).

Gravierender als die Pilzfortpflanzung über Sporen ist die Verbreitung von sogenannten wurzelbürtigen Pilzen über Wurzelverschweißungen zwischen Bäumen der gleichen Art. Vor allem aber können zum Beispiel die Hallimascharten Rhizomorphen, also Pilzfäden, bilden und sich vom befallenen Substrat zu einem neuen Wirt über weite Strecken (50 m und mehr) im Boden ausdehnen (vgl. z. B. Schwarze et al, S. 69). Insbesondere der Hallimasch ist dann in der Lage großen Schaden anzurichten: Mit über 600 Wirtsarten findet er an praktisch jedem Standort das passende Opfer (vgl. z. B. Schwarze et al, S. 158; Jahn, S. 28).

Wird ein Baum gefällt, kann es bei einer augenscheinlich gesunden Wurzel durchaus sein, dass anschließend nur ein Totholzbesiedler kommt, um das Wurzelholz abzubauen. Immer mehr Bäume werden jedoch gefällt, weil sie von holzzersetzenden Pilzen befallen sind (vgl. z. B. Jahn, S. 14). Ist beispielsweise schon der Hallimasch vorhanden, dann ist es fatal, die Wurzelreste des befallenen Baumes im Boden zu belassen. Denn dann wird ihn nichts an der weiteren Ausdehnung hindern. (vgl. z. B. Schwarze et al, S. 159) Aus fachlicher Sicht ist es also geboten, sowohl bei Nachpflanzungen als auch in Parks und an anderen Baumstandorten, die auf lange Sicht erhalten bleiben sollen, den größten Teil der Wurzelmasse zu entfernen. Damit reduziert sich der Befallsdruck gegenüber Bestandsbäumen und -gehölzen ganz enorm (vgl. z. B. Jahn, S. 198). Ebenso wie anaerobe Bedingungen gehört ein zu erwartender pflanzengefährdender Befallsdruck durch Schaderreger zu den Gründen, die in den FFL-Empfehlungen für Baumpflanzungen (vgl. Teil 1, S. 30) aufgelistet sind, um als durchführender Dienstleister Bedenken vor der Baumpflanzung geltend zu machen. Die in DIN 18915 beschriebene "vorgesehene Nutzung" als Baumstandort ist jedoch Grund genug für eine Komplettrodung. Oberflächlich zu fräsen reicht nicht aus. Ob ein Baum ersetzt werden muss, es sich also nicht um eine Pflanzfläche handelt, oder nicht, zum Schutz des Standorts und des Bestandes sind immer dieselben strengen Maßstäbe anzusetzen.

Wem selbst diese Argumentation nicht ausreicht, um ganz selbstverständlich und grundsätzlich Komplettrodungen auszuführen oder zu verlangen, dem hilft vielleicht ein Hinweis auf die Sicherheit: Während gesunde Bäume meist in der Lage sind, sich durch Abwehrmechanismen vor einem Pilzbefall zu schützen, ist ein Baum in gestresstem Zustand leichte Beute für die Pilze. Und gerade Stadtbäume leiden häufig unter Stress, beispielsweise durch lang anhaltende Trockenheit, Staunässe sowie Bodenverdichtungen, den Eintrag von Streusalz, Anfahrschäden und sonstige Verletzungen. Zudem stehen diese Bäume nicht in einem natürlichen Lebensraum (vgl. z. B.Jahn, S. 19; Schwarze et al, S. 72). So kommt eins zum anderen: Befallene Bäume sind pflegeintensiv und werden zum handfesten Risiko, wenn ihre Stand- und Bruchsicherheit beeinträchtigt ist. Sie müssen immer wieder untersucht und geschnitten und letztendlich oft vorzeitig gefällt werden. Der langfristig erhöhte Aufwand, der mit einem Pilzbefall einhergeht, spricht also eindeutig für Komplettrodungen.

Die unterschiedlichen Rodungsverfahren

Um eine Komplettrodung durchführen zu können, ist ein Verfahren zu wählen, mit dem sich sowohl der notwendige Rodungsradius als auch die -tiefe erreichen lassen, um die Wurzeln fachgerecht und vollständig zu entfernen. Im Folgenden werden verschiedene Verfahren und die dazugehörigen Geräte und Werkzeuge mit ihren Vor- und Nachteilen sowie bezüglich ihrer Eignung für die Komplettrodung beschrieben.

Die gängigste Rodungsmethode ist das Fräsen. Geräteseitig gibt es von handgeführten Stubbenfräsen über Anbaufräsen für Bagger oder Schlepper bis hin zu selbstfahrenden Fräsen fast unzählige Modelle und Varianten. Sie alle haben allerdings einen gemeinsamen Nachteil: Mit ihnen lässt sich zwar der zentrale Wurzelstock zerkleinern, eine Eigenschaft, welche die Eignung für Komplettrodungen jedoch infrage stellt, ist ihre begrenzte Reichweite in die Tiefe. Bei den gebräuchlichen, oft eher kleineren Geräten sind es meist nur wenige Zentimeter; große Fräsen gelangen zwar durchaus bis circa 60 Zentimeter unter Flur - sie sind als vergleichsweise teures Spezialgerät allerdings eher selten verfügbar. Und wenn eine solche Fräse weit genug in die Tiefe reicht, ist im städtischen Bereich die Frage, ob der Bediener sich überhaupt weit genug nach unten wagt beziehungsweise wagen sollte. Denn hier sind oft direkt einsehbar Bordsteine, Einfassungen oder ähnliches im Weg. Und weiter unten besteht das Risiko mit für den Bediener unsichtbaren Leitungen, Steinen, Metallstücken, Fundament- und Betonresten ins Gehege zu kommen. Es besteht also ein zweifaches Risiko, dass entweder die Fräse etwas beschädigt oder die Fräse selbst beschädigt wird. Je tiefer es an solchen Standorten nach unten geht und je enger die Rodungsstelle an einer baulichen Einfassung liegt, desto höher ist das Risiko, dass es zum Schaden kommt (Bild 4). Darüber hinaus erreicht eine Fräse die Grob- und Starkwurzeln nicht. Dies gilt grundsätzlich, nicht nur bei Extremfällen wie der oben genannten Platane. Eine Wurzelstockfräse ist schlicht nicht dafür gemacht, auf der Suche nach dem Starkwurzelverlauf eine komplette Fläche durchzuarbeiten (Bild 5).

Ähnliche Ergebnisse wie beim Fräsen lassen sich mit am Bagger oder Schlepper angebauten Bohrern erzeugen. Dabei wird mit dem drehenden Bohrkopf senkrecht in den Wurzelstock hineinbohrt. Je nach Größe von Bohrer und Wurzelstock ist entweder ein großes oder sind mehrere kleine Löcher nötig, um den Wurzelstock zu zerkleinern. Anschließend ist bei diesem Verfahren genau wie beim Fräsen der zerkleinerte Wurzelstock auszubaggern. Die Starkwurzeln bleiben auch bei diesem Rodungsverfahren unberührt und müssen anschließend mit dem Bagger entfernt werden.

Eher aufgrund der Verfügbarkeit der Standardausrüstung als der Tauglichkeit der Methode, wird bei Rodungsarbeiten in manchen Fällen auch nur gebaggert. Denn Bagger samt Schaufel sind als Universalgerät fast immer vorhanden. Doch wer auf diese Weise eine Komplettrodung durchführen will, benötigt genügend Platz um den Wurzelstock herum, sodass sich das gesamte Wurzelholz freilegen lässt. Ist eine Wurzel beispielsweise am Unterbau eines Straßenbelags oder ähnlichem verankert, ist das Reißen daran aufgrund der Haltekräfte der Wurzeln keine Option: Eine Wurzel von zehn Zentimeter Durchmesser hält eine Zugbelastung von etwa 40 Tonnen aus. Deshalb ist das Ausbaggern, zumindest im städtischen Bereich, nicht gängig. Auch der Anbau eines Reißzahns ist in solchen Situationen keine Alternative, weil auch damit unkontrolliert gerissen wird, also die Haltekräfte überwunden werden müssten.

Mittels Ausbaggern lassen sich Wurzeln also grundsätzlich zwar komplett entfernen, es kommt aber eher auf offener Fläche als Rodungsmethode in Frage. Ein anderes Problem bleibt dabei allerdings ungelöst: Was tun mit dem Wurzelstock? Denn sind Stubben samt Wurzelwerk unzerkleinert freigelegt, müssen sie aus dem Boden geholt und abtransportiert werden - was sich einfacher anhört, als es tatsächlich ist. Ein kompletter Wurzelstock kann ganz erstaunliche Dimensionen haben. Hängt auch noch Erde daran, kommt er auf ein sehr hohes Gewicht, teils mehrere Tonnen (Bild 6). Um ein solches Ungetüm unzerkleinert aufzuladen, ist ein deutlich größerer Bagger erforderlich, als derjenige, der beim Ausbaggern zum Einsatz kam. Darüber hinaus ist ein kompletter Wurzelstock sehr sperrig und nimmt mit seinem großen Ladevolumen bei der Abfuhr viel Platz in Anspruch.

Spezialwerkzeug Rodungsmesser

Mit einem an den Bagger angebauten Rodungsmesser lässt sich nicht nur der zentrale Wurzelstock Stück für Stück abschälen, sondern es lassen sich anschließend auch die Starkwurzeln aufspüren und entfernen. Wie bei den anderen Verfahren, die mit Baggeranbaugeräten arbeiten, sind Arbeitstiefe und -radius dabei nur von der Reichweite Baggerarms und Standort des Baggers begrenzt und nicht von der Länge oder Größe des Anbaugerätes abhängig. Ist der Wurzelstock zerkleinert, durchtrennt ein Rodungsmesser die Wurzeln im Boden und befördert sie Schritt für Schritt und Stück für Stück an die Oberfläche, ohne dabei Steine, Erde oder Späne aufzuschleudern. Da weder Fräsgut noch Bohrspäne die Sicht behindern, hat der Baggerfahrer bei diesem Verfahren einen guten Überblick über den Arbeitsbereich. Dies ist - wie weiter oben schon erwähnt - besonders wichtig, wenn im Boden Leitungen im Weg sind, weil sich der Bediener dann vorsichtig und zentimeterweise an sie heranarbeiten kann. Ist genügend Platz vorhanden, kann mit einem solchen Anbaugerät der komplette Standort durchzogen beziehungsweise durchpflügt werden. Auf der Suche nach Wurzelresten findet dadurch automatisch eine Bodenlockerung statt, sodass eine eventuelle Neupflanzung sofort durchgeführt werden kann. Der Baggerfahrer spürt dabei genau, wo noch Wurzeln vorhanden sind und wie sie verlaufen (Bild 7). Diese lassen sich dann gezielt nach oben befördern - oder notfalls auch abschneiden, wenn sie sich beispielsweise unter einer asphaltierten Fläche befinden. Das ist der Grund, warum ein Rodungsmesser nicht nur vorne, sondern auch hinten Schneiden haben sollte. Denn wenn es eng wird, muss häufig "rückwärts" gearbeitet werden, sodass die geschliffene Kante auf der Rückseite zum Einsatz kommt; nur so lässt sich das Rodungsmesser nach unten drücken und die Wurzel abschneiden - und eben nicht nach oben ziehen, weil dann die Gefahr besteht, dass ein Kantenstein oder ähnliches durch den Zug in Mitleidenschaft gezogen wird. Darüber hinaus ist ein Rodungsmesser, das die Form eines offenen Hakens hat und grundsätzlich schmal gebaut ist, an engen Rodungsstellen besser einsetzbar, weil es an Hindernissen nicht so leicht hängenbleibt, wie andersartig geformte Anbaugeräte (Bild 8). Auf diese Weise lassen sich Wurzeln einfach abtrennen bzw. abschneiden, ohne dass ein Schaden an Belag oder sonstigen baulichen Einfassungen entsteht. Mit einem Rodungsmesser können aber nicht nur Schäden an baulichen Einfassungen, Leitungen und so weiter, sondern auch am Gerät selbst praktisch immer vermieden werden. Entsteht am Messer einmal eine Scharte durch Steine, lässt sich das einfach wieder herausschleifen. Ein weiterer Vorteil der Arbeitsmethode mit dem Rodungsmesser ist, dass saubere Holzstücke entstehen, die sich leicht einsammeln und beispielsweise als Brennholz weiterverwenden lassen.

Wichtig ist, dass ein Rodungsmesser aus geeignetem Stahl gefertigt ist. Im Gegensatz zu einer Baggerschaufel, die daraufhin optimiert ist, dass sie sich möglichst verschleißfrei über Asphalt oder Beton kratzen lässt, muss ein Rodungsmesser dynamischen Belastungen standhalten. Deshalb kommt es auf die Zähigkeit des Stahls an. Diese verhindert, dass der Stahl bei einer Biegebelastung bricht, wie sie beim Hängenbleiben an einem Stein im Extremfall auftreten kann.

Fazit

Komplettrodungen sind nicht nur in unterschiedlichen DINs vorgeschrieben, sondern sie sind auch das fachgerechte Vorgehen - und zwar egal, ob an einer Rodungsstelle eine Neupflanzung vorgesehen ist oder ob es sich um einen Baumstandort handelt, der langfristig gesund erhalten werden soll. Die Methode mit einem Rodungsmesser ist für Komplettrodungen am besten geeignet, weil sie sowohl die notwendige Arbeitstiefe als auch den -radius bringt, um Wurzelstock und Starkwurzeln ausreichend entfernen zu können. Darüber hinaus kann mit seinen Schneiden auch an engen Stellen oder entlang von baulichen Anlagen ohne Schäden gerodet und gearbeitet werden. So lässt sich die Basis für einen gesunden Vegetationsstandort ohne Fäulnis und Pilzbefall schaffen.

Literatur

DIN 18915 "Vegetationstechnik im Landschaftsbau - Bodenarbeiten", Ausgabe 2002-08.

DIN 18916 "Vegetationstechnik im Landschaftsbau - Pflanzen und Pflanzarbeiten", Ausgabe 2016-06.

DIN 18320 "VOB Vergabe- und Vertragsordnung für Bauleistungen - Teil C: ATV - Landschaftsbauarbeiten, Ausgabe 2015-08.

FLL, Forschungsgesellschaft Landschaftsentwicklung Landschaftsbau e. V.: Empfehlungen für Baumpflanzungen, Teil 1: Planung, Pflanzarbeiten, Pflege, Ausgabe 2015.

Jahn H., 2005: Pilze an Bäumen, 3. Auflage.

Schwarze F.W.M.R, Engels J., Mattheck C., 1999: Holzzersetzende Pilze in Bäumen.

Autor

Vereidigter Sachverständiger für die Verkehrssicherheit von Bäumen, Baumschäden und Gehölzwert

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