Automatisch Bewässern und sinnvoller Umgang mit Wasser - Passt das wirklich zusammen?

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Automatische Bewässerung. Foto: Gardena

Automatische Bewässerungsanlagen sind nicht nur Trend. Ihr Einsatz trägt dazu bei, Pflegekosten zu reduzieren und in Kombination mit einer passenden Pflanzenauswahl und einer vegetationstechnisch fachgerechten Ausführung den Wert von Grünanlagen zu steigern. Worauf es beim Bewässerungsplan, beim Steuerungssystem, der Programmierung und der Wartung ankommt.

Jein! Nein, weil die Natur sich selber regelt und wir eben auf den Regen warten müssen. Das kann ich sagen, wenn ich hinterm Haus eine Apfelbaumwiese und keine weiteren Ansprüche an meinen Garten habe. Ja, wenn ich meinen Garten und die wertvollen Pflanzen darin mit einem dafür abgestimmten Bewässerungssystem und einer intelligenten Steuerungstechnik gezielt bewässere. Der Trend geht im privaten als auch öffentlichen Grün zu automatischen und unsichtbaren Bewässerungsanlagen. Der Einsatz dieser automatischen Anlagen trägt dazu bei, Pflegekosten zu reduzieren und in Kombination mit entsprechender Pflanzenauswahl und der vegetationstechnisch fachgerechten Ausführung den Wert dieser Grünanlagen zu steigern.

Die Forschungsgesellschaft Landschaftsentwicklung Landschaftsbau e. V. (FLL) hat im Jahr 2010 die "Empfehlungen für Planung, Bau und Unterhaltung von Bewässerungsanlagen" herausgegeben, die dem Fachbetrieb Richtlinien zur Installation von stationären Bewässerungssystemen an die Hand gibt. Nachdem die Empfehlung mehrere Jahre im Markt angenommen ist wird diese als Richtlinie in überarbeiteter Form zur GaLaBau 2014 erscheinen, so lange gilt die Empfehlung der FLL als Stand der Technik und sollte bei Planung, Bau und Wartung von Bewässerungsanlagen berücksichtigt werden.

Die Nutzung von Bewässerungsanlagen im privaten und öffentlichen Raum sollte bedarfsgerecht und unter ökologischen und ökonomischen Aspekten erfolgen. Auf den ersten Blick erscheint der Einsatz von Bewässerungssystemen gerade im privaten Bereich als der pure Luxus und wird als Wasserverschwendung bezeichnet. Aber sinnvolle Kombinationen von Bewässerungssystemen, Steuerungstechnik und auch die Wahl der Wasserquelle ergeben ein konträres Ergebnis. Der gezielte durch eine genaue Planung berechnete Einsatz einer automatischen Bewässerungsanlage, sowie die Handhabung der Steuerung können dem Anwender helfen, seinen kostbaren Pflanzenbestand zu pflegen und zu erhalten und das verwendete Wasser so sinnvoll wie möglich zu verwenden.

Schnitt Regenwassernutzungsanlage. Foto: Anja Schumann

Multistrahlregner. Foto: Kresko

Wasserversorgung

Als Wasserquelle sollte zunächst die Möglichkeit einer Regenwassernutzungsanlage überprüft werden. Stehen ausreichende Sammelflächen für das Regenwasser zur Verfügung, sollte auf jeden Fall diese Versorgungsmöglichkeit gewählt werden, auch wenn weiteres Wasser in Trockenzeiten nachgespeist werden muss. Die Fachvereinigung für Betriebs- und Regenwassernutzung fbr e. V. hat letztes Jahr eine Kurzinformation, das fbr-top 12 "Regenwasser für die Gartenbewässerung" herausgegeben, um den Hausbesitzern die Verwendung von Regenwasser in der Gartenbewässerung näher zu bringen. Dort werden Anlagentypen und Tankgrößen beschrieben, z. B. wird pro 100 m² Vegetationsfläche ein Nutzvolumen des Regenwasserspeichers von 5 bis 7 m³ gefordert. Trotzdem wird in Trockenzeiten die Bewässerung, die dann am nötigsten gebraucht wird, nicht ohne eine weitere Wasserquelle auskommen. Hier sollte man auf Brunnenwasser, wenn möglich und es in ausreichender Qualität zur Verfügung steht, zurückgreifen, bevor man schließendlich die normale Trinkwasserleitung in Anspruch nimmt. Der Regenwassertank sorgt gleichzeitig für die Einhaltung der DIN 1988-100 und der EN 1717, sprich dem ordnungsgemäßen Anschluss von Bewässerungssystemen an das allgemeine Trinkwassernetz. Das Trinkwasser gelangt über einen freien Auslauf in das Betriebswassersystem der Regenwassernutzungsanlage (Regenwasser DIN 1989).

Planung der Anlage

Sie ist Grundvoraussetzung für einen vernünftigen und reibungslosen Betrieb der Anlage. Ein Bewässerungsplan sollte grundsätzlich nach den Empfehlungen der FLL geplant werden. Dies kann von einem Fachbetrieb, einem Fachplaner für Bewässerungsanlagen oder der Fachabteilung des gewünschten Lieferanten erfolgen. Bei der Wahl der Bewässerungstechniken werden anhand eines maßstabgerechten Plans in der Regel die Unterflur- oder Versenkregner für die Rasenflächen eingesetzt. Bei den Pflanzflächen wählt der Planer je nach Bepflanzungsart eine Tropfbewässerung, Sprühregner, Microregner etc. aus. Hier zeigt sich die Erfahrung des Planers: nicht nur die bedarfsgerechte Versorgung der einzelnen Pflanzen ist wichtig, sondern auch die unkomplizierte Pflege der Grünflächen und die Robustheit des Systems gegenüber spielender Kinder und Tiere sowie des Pflegepersonals. Im öffentlichen Raum spielt auch der Schutz vor Vandalismus eine Rolle. Von vorneherein wird der Planer dem Kunden beim ersten Beratungsgespräch über die Möglichkeiten der Steuerungstechniken informieren und klären, in wie weit der Kunde eine Technisierung der Steuerung wünscht. Die Tendenz geht von modernen BUS-Systemen bis zur Handysteuerung.

Je nach Leistung der Wasserversorgung, man geht immer von der zur Verfügung stehenden Wassermenge bei einem vorher definierten Betriebsdruck aus, dann spielen noch Leitungsdimensionen und Druckverluste eine Rolle, wird das System in unterschiedliche Bereiche unterteilt. Man spricht hier von Versorgungssträngen, denen dann ein Magnetventil zur Ansteuerung vorgeschaltet wird. Die Steuerung der einzelnen Bewässerungsstränge ist das A und O einer automatischen Bewässerungsanlage.

Bewässerungscomputer. Foto: Gardena

Steuerung über Internet. Foto: Kresko

Bewässerungstechnik

Bei der Wasserausbringung zeigt sich bei den Regnern im kleineren und mittleren Wurfweitensegment die Tendenz zu Multistrahlregnern. Ihre gleichmäßige Wasserverteilung, die geringer Abdrift durch eine mittlere Tröpfchengröße sorgen für eine gezielte, sparsame Bewässerung. Ihr geringer Wasserdurchsatz erlaubt eine höhere Anschlusskapazität pro Bewässerungsstrang, was wiederum Magnetventile spart und das System übersichtlicher macht.

Steuerungssysteme

Neuste Wasserhahnsteuergeräte erhalten ihre Energie über Solarzellen und sind über einen PC programmierbar mit Anschlussmöglichkeit für Boden- oder Regensensoren. Große übersichtliche Displays erleichtern die Bedienung. Sie können auch über Funk angesteuert oder über Funksensoren kontrolliert werden.

Bei den neueren Steuerungen können mittels eines Touchpanels die einzelnen Kreise ein- oder ausgeschaltet werden. Bewässerungsintervalle stellt man über das Hauptgerät, jeden Computer oder Handy ein. Wahlweise kann das Gerät über ein Netzwerkkabel an das Hausnetzwerk angeschlossen werden, oder über einen eigenen WLAN-Sender passwortgeschützt die Bewässerungsanlage, angeschlossene Lichtanlagen, Springbrunnen oder sogar das Garagentor aktivieren.

Das Steuergerät eines anderen Herstellers wird über eine WLAN-Verbindung direkt über das Internet programmiert. Sobald es mit dem Internet verbunden ist, kann über den Browser die Programmierung von jedem in das WLAN eingebundenen Computer, Smartphone oder Smart-TV erfolgen.

Ein Fernzugriff zur Datensicherung und oder zum Support sind möglich. So kann die aktuelle Softwareversion direkt aufgespielt werden und höchstmöglicher Komfort und Sicherheit können garantiert werden.

Es besteht die Möglichkeit bei einigen Steuerungen den Plan des Gartens auf dem Touchscreen zu hinterlegen, so dass die Einstellung und Steuerung der Bewässerungsanlage auch für den Nichtfachmann zu bewältigen ist.

Aber auch der Weg zurück zu Einfachheit wird gewählt. Neuste Steuergeräte lassen sich über einen Drehknopf und ein Tastendisplay bedienen. Die passenden Sensoren reagieren auf Sonneneinstrahlung und Niederschlag. Die Bedienung kann aber auch über eine Fernbedienung erfolgen.

Als Steuerung für Microbewässerungen, sprich Terrassen, kleine Gärten oder auch Dachbegrünungen bietet ein anderer Hersteller eine batteriebetriebene Steuereinheit die bis zu 24 Magnetventile steuern kann, eine Kabelverbindung ist bis zu einer Entfernung von 30 m nicht nötig. Die Steuereinheit ist witterungsbeständig und bietet sich auch für Bewässerungen von Grünbereichen an, die schwer zu erreichen sind, oder keinen Stromanschluss haben. Im Ventilbereich gibt es eine kleine clevere Ventilbox. Vier Magnetventile sind kompakt in einer Kunststoffbox untergebracht. Der Clou die Box ist nur 18 x 18 x 10 cm groß, also ideal für den Einsatz bei der Bewässerung von Dachterrassen. Gerade hier sind getrennte Einheiten wichtig, da Kübel und Tröge mit Pflanzen bepflanzt sind, die sehr unterschiedliche Anforderungen an die Wasserversorgung haben. Ebenso wirken sich starker Wind und unterschiedliche Beschattungen extrem auf den Wasserhaushalt aus.

Fernbedienung über Funk. Foto: Claber

Ventilbox klein. Foto: Kresko

Regensensor. Foto: Claber

Sensoren

Wahlweise können Durchflusssensoren eingesetzt werden, die bei Rohrleitungsbrüchen oder anderen Abweichungen der vorgesehenen Durchflussmenge eine Warnung per SMS oder Email absetzen.

Für die Steuerung werden, wie bereits erwähnt Sensoren, die auf Sonne und Regen reagieren, eingesetzt. Eine interessante Produktentwicklung findet man im Bereich der Bodenfeuchtesensoren. Der neue Sensor funktioniert nach einem wartungsfreien elektrothermischem Messprinzip. Die Sensorspitze wird erwärmt bzw. aufgeheizt, um dann anhand der Länge der Abkühlzeit die Bodenfeuchte zu bestimmen. Ist der Boden trocken, ist die Abkühlzeit lang; beim nassen Boden ist eine kurze Abkühlzeit gegeben. An dem Feuchtesensor lässt sich der gewünschte Feuchtegrad mit Hilfe eines Drehknopfes einstellen.

Leider ist es bei allen auf dem Markt befindlichen Steuerungen immer noch nicht möglich, den Einfluss von Sensoren auf einzelne Kreise zuzulassen oder zu unterbinden.

Worauf kommt es bei der Programmierung an?

Bewässerungsdauer, sprich die Laufzeit des Bewässerungsstrangs und der Abstand zwischen Bewässerungsgaben, sind zu differenzieren. Der Planer berechnet die Niederschlagsmenge, sprich die Menge, die pro Quadratmeter und Stunde von dem jeweiligen Beregnungsstrang ausgebracht wird. Er kann sich auf Herstellerangaben beziehen, die meistens in Tabellen die Niederschlagsmenge im Dreiecks- oder Vierecksverband der gewählten Regner angegeben sind. Es sei erinnert, dass nur Regner des gleichen Typs an einem Bewässerungsstrang verwendet werden dürfen. Die Segmentdüsen sind in ihrer Niederschlagsmenge aufeinander abgestimmt, so dass die vorgeschriebene Überlappung der Regner eine gleichmäßige Niederschlagsmenge ergeben.

Die FLL beschreibt in der Empfehlung "Bewässerungsanlagen" für die Bewässerung, wie die auszubringende Bewässerungsmenge hergeleitet werden kann. Die vorherrschende Bodenart, die Durchwurzelungstiefe und das Ziel der Bewässerung beeinflussen die Bewässerungsmenge und somit muss für jeden Beregnungskreis diese ausgerechnet werden. Da die Berechnung mittels Beispielen klar dargestellt worden ist und sie nur aus einem einfachen Dreisatz besteht, sollte es für jeden Beregnungspraktiker ein leichtes sein, die Anlagen standortangepasst zu betreiben. Die berechnete Bewässerungsmenge wird mit den Herstellerangaben über den Niederschlag im Dreiecks- oder Vierecksverband verglichen und somit ergibt sich die Laufzeit der einzelnen Kreise.

Ausstehender Regen, eine hohe Verdunstung und hohe Temperaturen lassen die Notwendigkeit die Bewässerungsanlagen häufiger zu betreiben steigen. Auf keinen Fall sollte die Laufzeit erhöht werden, sondern nur das Intervall zwischen den Bewässerungsphasen sollte verkürzt werden.

Abhängig vom Boden würde eine verlängerte Bewässerungsdauer beispielsweise zur Wasserverschwendung führen, wenn bei sandigen Böden das Beregnungswasser einfach die Wurzelzone passiert und im Grundwasser landet. Bei zu schweren Böden kann es zu einer zu schnellen Sättigung und damit Pfützenbildung kommen, die Pflanzen hätten ein Überangebot an Wasser und reagieren entsprechend.

Dies stellt besondere Ansprüche an die Bedienung und die Leistungsfähigkeit der Bewässerungssteuerung.

Programmierung der Bewässerungsstränge. Foto: Kresko

Qualitätssicherung

Planung und fachgerechte Installation reichen nicht aus, eine ständige Wartung ist wichtig. Empfehlenswert ist es für größere Projekte auch einen unabhängigen Fachmann die Anlage abnehmen zu lassen. So kann der Bauherr sicher sein, dass sein gewählter Installationsbetrieb gute Arbeit geleistet hat oder eine kleine Korrektur spätere Reklamationen vermeidet.

Der spätere Eigentümer sollte in der Angebotsphase bereits über den Wasserverbrauch und die jährlichen Wartungskosten informiert werden.

Die gewählten Programme müssen wie die Berechnung der Bewässerungsmenge und des Bewässerungsintervalls dokumentiert und dem ausführenden Betrieb oder Eigentümer ausgehändigt werden. Natürlich erhält der Anwender auch eine intensive Einweisung in die Bedienung des Systems und gleichzeitig auch Hinweise, warum entsprechende Bewässerungsdauern und Intervalle so programmiert worden sind. Nicht Informierte neigen gerne aus Wasserspargründen die Dauer der Bewässerung zu verändern und erreichen das Gegenteil. Beim Rasen zum Beispiel wird immer wieder erlebt, dass Kunden auf kurze Dauer und häufigere Intervalle umprogrammieren. Das Wasser kommt so gar nicht in die Wurzelzone des Rasens. Es bilden sich keine Tiefwurzeln aus und an besonders heißen Tagen verbrennt dann der Rassen trotz "teurer" Bewässerungsanlage. Hier ist also ein intensiver Austausch mit dem Anwender angebracht. Auch diese Zeit sollte man mit in die Angebotskalkulation übernehmen und nicht später streichen, weil "das Geld nicht mehr reicht".

Bereits im Vorfeld muss dem späteren Eigentümer verdeutlicht werden, dass eine automatische Bewässerungsanlage kein Selbstläufer ist, trotz bequemen Zugriffs über das Handy. Eine regelmäßige Wartung und Arbeiten zur Sicherung des Betriebes sind bei so einem komplexen Systems notwendig.

Bereits bei der Planung der Anlage werden die ersten wichtigen Grundsteine gelegt und häufig wieder vergessen. Wie soll sonst ein FLL konformer Betrieb der Anlage sichergestellt werden. Die Laufzeiten der Kreise sollten dokumentiert werden, und ein Serviceheft sollte Wartungsprotokolle für die auszuführenden Arbeiten beinhalten. Dieses Serviceheft ist Grundlage für den Wartungsvertrag der Anlage.

Ein Wartungsvertrag ist für die Unterhaltung großer Anlage unerlässlich und soll dazu führen, dass die Anlagen neben der Einwinterung und der Frühjahrsinbetriebnahme regelmäßig von einem Beregnungsfachmann begutachtet wird.

Die Begutachtung beinhaltet zum Beispiel, dass alle Regner und alle Beregnungskreise der Anlage im Betrieb kontrolliert werden. Die Regner sind zu kontrollieren, ob sie ein und ausfahren, die Sektoren sind gegebenenfalls neu einzustellen und die Einbauhöhen sind zu kontrollieren. Ausgefüllte Checklisten (Kontrollblätter zum Abhaken) und ein Plan der Anlage finden sich bei der Steuerung der Anlage.

Architekten und die ausführenden Betriebe sollten im Eigeninteresse darauf achten, dass die Anlagen fachgerecht installiert gewartet und betreut werden. Denn zufriedene Kunden, gesunde Pflanzen und der sinnvolle und gezielte Umgang mit der Ressource Wasser sind das beste Aushängeschild. n

Dieser Artikel erschien in der Ausgabe NEUE LANDSCHAFT 05/2013 .

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