Der Kommentar

Bauen ist schlecht

von:
Der Präsident des bdla (Bund Deutscher Landschaftsarchitekten), Stephan Lenzen, hat in seinem Kommentar in der "Garten + Landschaft" eine gewagte These aufgestellt: Weniger Bauen ist gut.

Erfrischend ist es allemal, dass der Repräsentant eines Verbandes, dessen Mitglieder Geld mit dem Bauen verdienen, feststellt, dass im Hinblick auf die Klimakrise "Nicht bauen" am besten wäre. Das ist auf jeden Fall mal eine ganz andere Stimme als alle anderen dem Bau nahestehenden Wirtschaftsverbände, mit dem üblichen Ruf nach mehr Geld für das Bauen – am besten vom Staat. Als Lösung sieht Lenzen dann aber auch nur den staatlichen Wohnungsbau und schlägt die Vergabe von Erbbaurechten vor. Bei seinen Mitgliedern fordert er kluge Planungen ein, die Rolle des unpolitischen Dienstleisters abzulegen und nicht jeden Wunsch der Auftraggeber umzusetzen.

Auch wenn es in der Branche niemand hören mag, aus Sicht des Umweltschutzes wird wirklich zu viel Fläche durch Baumaßnahmen verbraucht. Die nackten Zahlen belegen das sehr deutlich. In Deutschland werden jeden Tag etwa 55 Hektar Fläche für den Bau von Wohnhäusern, Logistikzentren und den Verkehr verbraucht. Aktuell nutzt im statistischen Mittel jeder Einwohner in Deutschland knapp 50 m² Wohnfläche. Zur Zeit der Wiedervereinigung waren es noch gut 30 m² und bis 1960 lag dieser Wert noch unter 20 m² pro Person.

Der Elefant, der hier im Raum steht, ist der stetig wachsende Wohlstand. Vor 50 Jahren war ein Haus, um das man herumgehen kann, nur für wenig Menschen erreichbar. Bis vor kurzem war es unter anderem aufgrund niedriger Zinsen für viele Menschen erschwinglich, die es sich früher nicht hätten leisten können. Das hätte eigentlich Platz in Mietwohnungen schaffen müssen, aber auch da sind die Ansprüche nach mehr Wohnraum gewachsen, sodass das Rufen nach dem staatlichen Bauherrn häufiger geworden ist.

Die Aufgabe des Staates ist es jedoch nicht, selber Steuergeld – zudem meist schlecht – in Wohnungen zu investieren oder das Bauen bis ins Kleinste zu regeln. Wir brauchen keine ineffizienten Wohnungsbaugesellschaften im staatlichen Eigentum. Wir brauchen keine Gesetze mit einer überbordenden Überwachungsbürokratie, die vorschreiben, welche Heizung für welches Alter von Haus und Eigentümer bei welchem Einkommen eingebaut werden darf. Wir brauchen keinen Mietpreisdeckel oder gar eine Enteignung von Wohneigentum, welches den letzten Investor im Wohnungsbau flüchten lässt.

Wir brauchen kluge Rahmenbedingungen, die Lösungen dem Wettbewerb unterstellen. So erweitert beispielsweise die Europäische Union in vorbildlicher Weise den Geltungsbereich von CO2-Zertifikaten und reduziert gleichzeitig deren Umfang. Unter diesen Rahmenbedingungen sucht die Wirtschaft nach geeigneten Alternativen, um im Markt bestehen zu können. Aktuell akquiriert beispielsweise Heidelberg Materials gezielt Recycling- und Abbruchunternehmen, weil die feinen Anteile im abgebrochenen Beton zur Zementherstellung genutzt werden können, um letztlich die Kosten für den Kauf europäischer CO2-Zertifikate zu reduzieren. Solche Lösungen kann sich kein Gesetzgeber ausdenken.

So muss Bauen nicht schlecht bleiben. In einem solchen Wettbewerb können ganz unpolitische Dienstleister nachhaltig planen und bauen und gleichzeitig die Wünsche der Bauherren erfüllen.

Ihr Martin Thieme-Hack

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Prof. Dipl.-Ing. (FH) Martin Thieme-Hack
Autor

Hochschule Osnabrück, Fakultät A&L

Hochschule Osnabrück University of Applied Sciences

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