Ausstellung über den grünen Fürsten in Schloss Babelsberg

Begegnung mit Pückler-Muskau inmitten seiner Schöpfung

Im Schlosspark Babelsberg schuf Pückler das Wassersystem, den Pleasureground und bepflanzte Terrassen. Foto: Wolfgang Pfauder

In der Saison 2017 steht der Gartenkünstler Hermann Fürst von Pückler-Muskau (1785-1871) im Zentrum des Veranstaltungsreigens der Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg (SPSG). Bis zum 15. Oktober präsentiert sie in den noch unsanierten und seit mehreren Jahren erstmals wieder zugänglichen Räumen des Schlosses Babelsberg die Ausstellung "Pückler. Babelsberg - Der grüne Fürst und die Kaiserin". Die Besucher haben damit die Gelegenheit, Pückler-Muskau inmitten einer seiner wichtigsten Schöpfungen zu begegnen.

Ausstellungsthemen passend zum Ausblick

Die wiederhergestellten großflächigen Fenster des Schlosses bilden im doppelten Sinne den Rahmen für den Blick auf den Park Babelsberg. Beispielhaft sind diese Aussichten jeweils Ausgangspunkte für die Ausstellungsthemen. So werden Besonderheiten der Pücklerschen Parkgestaltung in Babelsberg wie das aufwendige Wassersystem, die Schlossterrassen und der Pleasureground thematisiert. Eine durch alle Räume führende Nebenerzählung, der sogenannte "Seitenblick", erläutert zudem die aktuellen Sanierungsergebnisse im direkten Schlossumfeld. Man blickt aus den Schlossräumen unmittelbar auf die geschmückten Gartenterrassen, in den südlich anschließenden Pleasureground, auf die Weite der Havellandschaft- und ist schon mitten im Thema der Ausstellung. Denn es war Fürst Pückler, der auf die Errichtung der Schlossterrassen im Zusammenhang mit der baulichen Erweiterung des Schlosses ab 1844 drängte und der zur Ausschmückung der Goldenen Terrasse sich "einen ganzen Sommer abstrapazierte, nur um uns Vergnügen zu machen", wie Augusta anerkennend ihrem Mann Prinz Wilhelm schrieb. Und es war auch Pückler, der die "Zonierung" des Parks vorantrieb und auf eine klare Unterscheidbarkeit des gärtnerisch intensiv ausgeschmückten Pleasureground in der Nähe des Schlosses von dem umgebenden "Park" als idealisierter Natur, hinarbeitete.

Die Ausstellung „Pückler. Babelsberg – Der grüne Fürst und die Kaiserin“ widmet sich nicht nur Pücklers Garten kunst, sondern auch seiner Beziehung zur Ehefrau Kaiser Wilhelms I. Grafik SPSG

Pücklers fruchtbare Konkurrenz zu Lenné

Die Ausstellung beleuchtet die fruchtbare Konkurrenz, die zwischen Pückler und dem preußischen Gartendirektor Peter Joseph Lenné herrschte. Beide verliehen dem Park Babelsberg seine Gestalt - letzterer im ersten Entstehungsjahrzehnt zwischen 1833 und 1842 und Fürst Pückler ab 1843 bis in die 1860er Jahre hinein. Standesmäßig lagen Welten zwischen dem preußischen Beamten Lenné und dem Fürsten. Doch ungeachtet seiner viel höheren gesellschaftlichen Stellung scheint Pückler das Bedürfnis gehabt zu haben, Lennés gartenkünstlerisches Wirken zu diffamieren oder als rein technische Ingenieursleistung herabzuwürdigen. Tatsächlich lag Pückler viel an dem Babelsberger Auftrag. Damit eröffnete sich für ihn die lange gesuchte Chance, sich als Gartenkünstler im Herzen der entstehenden Potsdamer Parklandschaft zu verwirklichen und durch diesen Gefallen stand der zukünftige Thronfolger Prinz Wilhelm ab sofort in Pücklers Schuld. Mit seiner Auftraggeberin Augusta führte Pückler eine freundschaftliche Korrespondenz und bedachte sie mit Geschenken, darunter einen blauen Papageien.

Im Wohn- und Arbeitszimmer der Prinzessin geht es um die Bestrebungen Pücklers, mittels geschickt angeordneter Gehölzpflanzungen unterschiedliche Landschaftsbilder oder "Tableaus" zu formen. Medienstationen mit Stereobildern und einem 3D-Zeitraffer-Film, der den Park Babelsberg im Wechsel der Jahreszeiten zeigt, vermitteln, welche gestalterische Bedeutung die verschiedenen Gehölze für das "Gemälde" des Parks haben. Noch heute bildet die hoch aufgeastete Pappel auf dem Bowlinggreen vor dem Schloss den Mittelgrund der Fensteraussicht aus dem Raum. Die Anordnung der übrigen Bäume lässt den Blick auf den hoch aufsteigenden Geysir und nach Glienicke offen.

Parkschöpfung zur Besichtigung geöffnet

Zu den Markenzeichen des Fürsten gehörte das Verpflanzen großer Bäume, das ebenfalls im Wohn- und Arbeitszimmer thematisiert wird und worauf vor dem Schloss Babelsberg das originalgroße Modell eines Großbaumverpflanzwagens aufmerksam macht.

Parallel zur Ausstellung im Schloss kann die originale Pücklersche Parkschöpfung besichtigt werden. Neben den Schlossterrassen und dem reich blühenden Pleasureground mit dem "Goldenen Rosengarten" gehört ein Spaziergang zum "Schwarzen Meer" mit seinem stillen Wasserspiegel oder dem rauschenden "Wilhelmwasserfall" mit seinen künstlichen Felsen zu den Höhepunkten lustvollen Wandelns im Park Babelsberg. cm/SPSG

Dieser Artikel erschien in der Ausgabe NEUE LANDSCHAFT 06/2017 .

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