GaLaBau-Wissen

„Ich setze einen Pflasterstein“, Teil 1

von:
188. Folge: Unsere Serie für den Nachwuchs erläutert das wichtigste GaLaBau-Grundlagenwissen vom Abstecken bis zum Zaunbau: Diesmal geht es um das Thema Pflastern.
Junge Landschaft Beläge und Pflaster
Grafik: Uwe Bienert

Wenn ich in diesem Artikel von Pflaster und Pflasterungen schreibe, meine ich immer den Stein oder die Pflasterung aus Naturstein. Nur, damit keine Irrtümer aufkommen. In der heutigen Zeit wird das Material Naturstein weitestgehend aus dem öffentlichen Verkehrsraum herausgehalten. Zu teuer, zu aufwendig, zu wartungsintensiv! So sterben altes Handwerk und altes Kulturgut ganz allmählich aus und wir werden mehr und mehr in eine "Betonwüste" eingepasst.

Na gut, ganz so dramatisch ist es sicher nicht, aber fast! Viele alte Pflasterungen genügen den heutigen Verkehrsbelastungen einfach nicht mehr. Und die "Könner", wie etwa der bayerische Pflasterer-Meister Wilhelm Noll (der übrigens die mathematische Berechnung von Bogenpflastern entwickelt und noch heute gültige Lehrbücher im Bereich Verarbeitung von Naturstein geschrieben hat) gehen uns aus. Kurz: Der Handwerkszweig des Pflasterers ist in Deutschland verlorengegangen. Die Arbeiten werden mehr schlecht als recht vom Straßenbau und vom Garten- und Landschaftsbau mit übernommen.

Unser Trend sind Betonwerksteinpflasterungen, die dem Naturstein nachempfunden sind und sein Aussehen imitieren. Deren Vorteil besteht in erster Linie darin, schnell, vielleicht sogar maschinenverlegbar zu sein. Haltbarkeit zwischen zehn und 15 Jahren, im Gegensatz zu Naturstein, der nach 20 Jahren erst anfängt optisch zu wirken. Nun gut, genug genörgelt – kommen wir zu des Pudels Kern, der Natursteinpflasterung.

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Junge Landschaft Beläge und Pflaster
Grafik: Uwe Bienert

Die Historie der Pflasterung

Wenn wir uns mit Natursteinpflasterungen beschäftigen wollen, beginnen wir am Besten mit einer Art geschichtlichen Reihenfolge der Entstehung der Pflasterverbände. Wir werden, wenn man in der noch vorhandenen Literatur stöbert, feststellen, dass die Beläge immer eng an die Entwicklung der Wirtschaft gekoppelt waren und immer im Zusammenhang mit der sich entwickelnden Verkehrssituation zu sehen sind.

Den Anfang macht unumstritten – das Wildpflaster

In einer Zeit, da die Welt zu Fuß, zu Pferd oder mit Ochsen- beziehungsweise Pferdewagen erobert wurde, waren die Wege noch unbefestigt. Doch mit der Entwicklung des Handels und der Erhöhung der Warentransporte musste man Waren schneller von A nach B bringen können. Also entschloss man sich, die Wege zu befestigen. Als Material
nahm man Steine, die man in der Nähe fand (Feld- oder Bruchstein). Es
gab kein genormtes Material, wie wir es heute kennen. Wildpflaster heißt: Es werden alle Formate und Steingrößen zum Pflastern genutzt.
Ja es kommt heutzutage sogar darauf an, dass keine Regelmäßigkeit zu erkennen ist. Es hält den heutigen Verkehrsbelastungen nicht stand und wird nur noch für Flächen ohne Verkehrsbelastung erstellt. Handwerklich ist es eines der schwierigsten Pflasterungen, da wir
Menschen dazu neigen, immer eine gewisse Ordnung in unser Tun zu bringen und uns Unregelmäßiges ziemlich schwerfällt.

Vielleicht folgte danach – das Passepflaster

Die Verkehrslast nahm immer mehr zu, der Motor war zwar noch nicht in Sicht, aber schwere Pferdewagen gehörten genauso zum Straßenbild wie erste Dampfmobile. Man versuchte im Straßenbau, durch erste Schritte in der Normung von Pflastersteinen und mit geometrischen Pflasterungen mehr Halt in den Belag zu bekommen. Passepflaster oder auch Polygonalpflaster wird, wie das Diagonalpflaster, in einem 45°-Winkel zur Straßenachse verlegt. Es fehlt allerdings die Regelmäßigkeit. Völlig wild wird jedoch auch nicht gepflastert, so dass man von einer „regelmäßigen Unregelmäßigkeit“ spricht. Durchgehende Fugen verlaufen höchstens über drei Steinlängen in die gleiche Richtung, dann werden sie von einem quer gesetzten Stein unterbrochen. Zum Pflastern können Steine mit jedem Format (in der Regel drei unterschiedliche Steingrößen) verwendet werden. Vor allem in den neuen Bundesländern im Raum Berlin und in Thüringen findet man Flächen, ja selbst ganze Straßen, die als Passepflaster verlegt wurden. In südlicheren Gefilden ist dieser Pflasterverband jedoch nahezu unbekannt.

Die Zeit spielt eine Rolle – das Reihenpflaster

Mit zunehmender Industrialisierung musste der Straßenbau einen Zahn zulegen. Es wurden in kurzer Zeit viele Straßen gebaut, vor allem in den Städten und in Industriegebieten. Eisenbeschlagene Räder kamen zum Einsatz. Motorbetriebene Autos und Schienenfahrzeuge bestimmten das Bild moderner Städte. Das Reihenpflaster erfüllte alle Bedingungen. Es wurde hauptsächlich aus Großpflastersteinen hergestellt, das brachte Stabilität und eine große Flächenleistung in kurzer Zeit. Beim Verlegen wird jede Reihe immer an der gleichen Seite begonnen. Die Reihen werden abwechselnd mit einem ganzen Binderstein und einem halben Stein begonnen. Dabei darf sich innerhalb der Reihen die Breite der Steine nicht verändern. Die Reihen verlaufen rechtwinklig zum Läufer.

Junge Landschaft Beläge und Pflaster
Grafik: Uwe Bienert
Junge Landschaft Beläge und Pflaster
Grafik: Uwe Bienert

Das geht noch stabiler – das Diagonalpflaster

Der Diagonalverband ist eine Abwandlung des Reihenverbandes. Allerdings werden die Reihen mit versetzten Fugen diagonal zum Weg- oder Terrassenverlauf in einem 45°-Winkel verlegt. Als Anschlusssteine verwendet man Dreieck- oder Fünfecksteine (Schmiegen oder Bischofsmützen). Dieser Verband wird mit Großpflastersteinen ausgeführt und ergibt eine sehr stabile Fläche. Durch mehrmalige Änderung der Richtung entsteht das so genannte Fischgrätenmuster, das im Straßenbau verwendet wird.

Will man den Pflasterer in den Wahnsinn treiben? – "In-die-Ecke-Pflastern"

Bei dem Pflasterverband "In-die-Ecke-Pflastern" handelt es sich um eine Mischung aus Diagonalpflaster und Bogenpflaster. Dabei werden gute Eigenschaften von beiden Verbänden kombiniert. Zum einen ist der Verband durch seine 45°-Winkelung ähnlich stabil wie der Diagonalverband, andererseits beginnt man am Läufer rechtwinklig ohne Zuschlagen eines Dreiecks oder einer Schmiege. In den Ecken endet die Pflasterung mit einem Dreieck oder einer Bischofsmütze.

Südliches Flair – das Segmentbogenpflaster

Uns ist ja auch heute noch bekannt, dass einige Südstaatler immer eine Extrawurst braten müssen, warum nicht auch beim Pflastern? Ist natürlich ein Spaß, obwohl. . . Bei den Bodenpflasterungen spielte der oben erwähnte Pflasterermeister Noll die erste Geige. Er entwickelte in langjährigen praktischen Versuchen eine mathematische Formel zu Berechnung und damit zur Erhöhung der Effektivität beider Bodenpflasterungen (Segment- und Schuppenbogen).

Der Segmentbogen ist eine gängige Verlegeart von Naturstein auf Plätzen, Straßen und auch Gärten. Das Pflaster wird aus Kreissegmenten (Viertelkreisen) konstruiert, wobei an beiden Rändern mit einem halben Segment angefangen wird. Höhe und Länge des Bogens hängen von der Wegbreite beziehungsweise Terrassen- und Platzgröße ab. Die Bögen treffen rechtwinklig aufeinander und enden abwechselnd mit einem längeren Stein. Die kleinsten Steine setzt man in das Herz des Bogens, die größeren Steine in den Scheitel. Normalerweise verwendet man Kleinsteine, es kann aber auch mit Mosaiksteinen gepflastert werden. Sehr stark belastbar ist die Fläche wegen der verwendeten Steingröße nicht, wobei allerdings durch die Bögen die Schubwirkung von Antriebsrädern aufgefangen wird. Die Breite der zu pflasternden Fläche wird so eingeteilt, dass an beiden Seiten nur ein Halbbogen angesetzt wird. Das Stichmaß des Bogens (Bogenhöhe) in der Regel beträgt 1/5 der Sehne + 1 cm. Die Sehnenlänge richtet sich nach dem Steinformat. Steigt eine Pflasterfläche an, so sollen die Bogenscheitel in der Richtung der Steigung liegen. Die Schubwirkung von Antriebsrädern nach rückwärts wird auf diese Weise von den Bögen aufgefangen und die Steine verändern ihre Lage nicht.

Junge Landschaft Beläge und Pflaster
Grafik: Uwe Bienert
Junge Landschaft Beläge und Pflaster
Grafik: Uwe Bienert

Es geht noch verrückter – das Schuppenbogenpflaster

Der Wohlstand in der Gesellschaft stieg und erste Pflasterungen sollten auch beim Repräsentieren eine wichtige Rolle übernehmen. Das Schuppenbogenpflaster wirkt sehr dekorativ durch die Wiederholung der Schuppen. Sehr gerne wird es daher für Terrassen verwendet. Auch die Kombination mit anderen Pflasterarten ist möglich. Weiterhin trägt die Verwendung von unterschiedlichen Farben zur Steigerung der Attraktivität bei. Für Verkehrsflächen ist es nicht geeignet.

Die fächerförmige Musterung entsteht dadurch, dass die einzelnen Bögen immer auf dem Scheitelpunkt des vorhergehenden begonnen werden. Wie beim Segmentbogenpflaster ist die Breite der Bögen abhängig von der Größe der Fläche, die gepflastert werden soll. Ebenfalls hat die Steingröße Einfluss auf die Breite der Bögen, wobei Klein- und Mosaiksteine am besten geeignet sind.

Für das Ansetzen des Mosaikpflasters in Schuppenform sollte eine Lehre (Schablone aus Holz ) benutzt werden.

Apropos Gestaltung – die Fuge

Nicht nur der Stein an sich ist für eine attraktive Pflasterung verantwortlich, sondern auch eine gute, zweckmäßige Fuge spielt eine wichtige Rolle. Außerdem werden Natursteinbeläge erst richtig standfest und ansehnlich durch eine fachgerechte Ausfugung. Hierzu stehen im Wesentlichen vier unterschiedliche Materialien zur Auswahl:

Sand, Quarzsand, Gesteinsmehl (Feinsplitt) und Fugenmörtel auf Kunstharzbasis

Wenn die Steine in starre Bettung gesetzt werden, sollte auch starres Fugenmaterial auf Kunstharzbasis verwendet werden. Bei nichtgebundenen Bettungen (Splitt oder Sand) ist auch loses Fugenmaterial zu verwenden. Alle anderen Natursteine sollten mit 5–8 mm Fuge verlegt werden, wenn sie mit Fugenmörtel auf Kunstharzbasis ausgefugt werden sollen. Bei losen Fugenmaterialien sind engere Fugen vorteilhaft, da sich die Steine so gegenseitig stützen können. Von Zementmörtel als Fugenmaterial wird abgeraten, da Zementschleier auf den Steinen verbleiben können und Zement wenig dehnfähig ist. Durch Temperaturunterschiede entstehen häufig schon im ersten Winter Risse und Frostsprengungen.

Wichtig bei allen losen Fugenmaterialien ist, dass vor dem Abrütteln eingefugt wird, da die Steine sonst keinen Halt haben und sich beim Abrütteln verschieben. Anschließend sind die Fugen nochmals einzuschlämmen und die Fläche wiederum abzurütteln.

Materialkunde

Alternativ ist auch nicht schlecht

Seit längerer Zeit gibt es Fugenmörtel, die aus Quarzsand und Kunststoffkomponenten bestehen. Das Material wird meist in Säcken oder Eimern angeboten. Je nach Hersteller und Art des Fugenmörtels wird er unterschiedlich verarbeitet, weshalb hier keine allgemeingültige Beschreibung gegeben werden kann. Gemeinsam ist allen Produkten, dass überflüssiger Quarzsand sofort mit einem Handfeger oder Besen abgekehrt werden sollte, da das Gebinde rasch aushärtet. Die Fugen sollten mindestens 30 mm tief und 5 mm breit sein. Die Objekttemperatur darf knapp 7 °C nicht unterschreiten.

Fugenmörtel auf Kunstharzbasis ist nicht ganz billig, wird jedoch hart wie Beton, bleibt dabei aber elastisch und ist somit besonders frostbeständig. Die Steine bekommen zusätzlichen Halt, Unkraut hat in diesen Fugen keine Chance und die Fläche kann bei Bedarf mit einem Hochdruckreiniger gesäubert werden, ohne dass man die Fugen dabei freispritzt. Empfohlen wird dies von den Herstellern jedoch nicht. Außerdem kann Regenwasser in begrenztem Maße versickern.

Die Steine sind nach der Verfugung noch mit einem Kunststofffilm bedeckt, der sie nass erscheinen lässt. Dieser Effekt verschwindet mit der Zeit jedoch. Insgesamt stellt diese Methode die hochwertigste Art der Verfugung dar, weil die Fläche bei geringem Pflegeaufwand langfristig ansehnlich bleibt.

Junge Landschaft Beläge und Pflaster

Die Pflastergrößen

Bei Natursteinpflaster unterschied man bisher Großpflaster, Kleinpflaster und Mosaikpflaster. Das bleibt im allgemeinen Baustellensprachgebrauch auch sicher noch ewig so. Allerdings gibt es mittlerweile eine Regelung aus Brüssel (auch nichts Neues) – die europäische Norm DIN EN 1342. Sie definiert den Pflasterstein als "kleinen, aus Naturstein bestehenden Quader mit Nennmaßen zwischen 50 mm und 300 mm und Flächenmaßen, die im allgemeinen das Zweifache der Dicke nicht überschreiten. Die Mindestdicke (gemeint ist die Höhe des Steines) ist 50 mm. Die drei Größen Groß-, Klein- und Mosaikpflaster kennt die Norm nicht mehr. Die Steine dürfen in ihren Maßen geringe Abweichungen besitzen. Dabei wird zwischen gespaltenen (unbearbeiteten) und bearbeiteten Steinen beziehungsweise Steinflächen unterschieden. Weiterhin gibt es zwei Klassen T 1 und T 2, welche die Abweichungen von der Nenndicke beschreiben und zwei Frostbeständigkeitsklassen F0 und F1. Die Klasse F0 enthält keine Anforderung an die Beständigkeit gegen Frost-Tau-Wechsel, die Klasse F1 muss beständig gegen Frost-Tau-Wechsel sein. Ich weis nicht, aber die alte Bezeichnung war irgendwie "knuffiger"!

Die Naturstein-Pflaster-Baustelle

Laut unserer DIN 18318 mit Stand von 2019 unterscheidet sich eine Pflasterung aus Betonstein in seinen technischen Parametern kaum noch von einer Pflasterung mit Naturstein. In der Praxis gibt es bei der Herstellung einer solchen Pflasterung doch wesentliche Unterschiede, die dem Ausführenden manchmal die Schweißperlen auf die Stirn treiben können.

Aus der Tatsache heraus, dass Natursteinpflaster unregelmäßig ist und daher nicht maschinenverlegbar ist, wird dem Pflasterer die Entscheidung, ob man lieber vorwärts oder rückwärts verlegt abgenommen. Es wird immer rückwärts verlegt! Jeder einzelne Stein geht durch des Pflasterers Hand und wird bewertet und hammerfest gesetzt. Dabei ist die Wasserwaage oder der Richtscheit ein zweitrangiges Kontrollinstrument. Die Richtung und die Höhe wird über ein Schnursystem mit Augenmaß und Können beibehalten und nur stichprobenartig mit Hilfe von Instrumenten kontrolliert.

Während des Pflasterns wird erst nach größeren fertiggestellten Flächen eingefegt und eingeschlämmt. Das Abrammen oder -rütteln erfolgt erst nach der Fertigstellung der Gesamtflächen ohne Zuhilfenahme einer "Gummimatte".

Die Pflasterer arbeiten immer in Bahnen, wobei die Materialreserve hinter ihnen platziert wird. Der Pflasterhammer ist das einzige Werkzeug zum Schlagen der Steine und zum Bewegen des Bettungsmaterials.

Uwe Bienert

Nächsten Monat lesen Sie: „Ich setze einen Pflasterstein“, Teil 2.

 Uwe Bienert
Autor

Landschaftsgärtner-Meister und Ausbilder

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