Landesgartenschau Beelitz: „Ein Gartenfest für alle Sinne“

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Brandenburg Landesgartenschauen und Grünprojekte
Festwiese mit Pavillion. Foto: Landesgartenschau Beelitz

Unter diesem Motto findet vom 14. April bis 31. Oktober 2022 die nun 7. Brandenburger Landes-Gartenschau statt. Beelitz und die Region präsentieren sich als Gastgeber und laden die Besucher ein, einen ganzen Sommer lang gemeinsam zu feiern, zu schlemmen und Freunde zu treffen - genau das also, auf was wir so lange verzichten mussten. Die Hoffnungen der Veranstalter sind groß, dass mit der Eröffnung Mitte April die Ängste und Einschränkungen im Zusammenhang mit Corona nachlassen. Eine weitläufige Veranstaltung im Freien bietet dafür sicher optimale Bedingungen.

Boomstadt in Brandenburg

Beelitz ist eine aufstrebende brandenburgische Stadt mit rund 13.000 Einwohnern unweit von Potsdam und im weiteren Einzugsbereich von Berlin. Die Stadt konnte sich ihre jahrhundertealte und für Brandenburg typische Struktur einer Ackerbürgerstadt bewahren. Seit der Wiedervereinigung wird die Beelitzer Altstadt kontinuierlich saniert und erstrahlt heute in neuem Glanz. Der Tourismus wurde neben landwirtschaftlichen Produkten zu einem zunehmend wichtigen Standortfaktor.

Aktuell erwacht das nahegelegene Areal "Beelitz Heilstätten" aus einem langen Dornröschenschlaf. Die imposanten Ruinen eines denkmalgeschützten Klinikkomplexes, der zwischen 1898 und 1930 errichtet wurde, waren lange nur als gruselige Filmkulisse oder "Lost Place" bekannt. Nun wird das Areal von insgesamt rund 200 ha schrittweise zu einem neuen Quartier entwickelt und wird viele neue Bewohner in die Region ziehen. Ein Baumkronenpfad erschließt das Areal inzwischen touristisch und macht Architektur, Geschichte und Natur gleichermaßen erlebbar.

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Lageplan der Landesgartenschau Beelitz. Plan: plancontext
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Visualisierung des Mühlenfließes. Grafik: plancontext
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Mühlenfließ im Bau. Foto: Landesgartenschau Beelitz

Das Gartenschaugelände

Eine Fläche von rund 15 ha unmittelbar zwischen historischer Altstadt und dem Flüsschen Nieplitz wurde zu einem Landschaftspark gestaltet, der nahtlos in Wiesen, landwirtschaftliche Flächen und Gartennutzungen übergeht. Die stadtnahen Flächen wurden schon bisher als öffentlicher Erholungsraum intensiv genutzt. Hier finden auch regelmäßig Veranstaltungen statt, für die nun eine optimale Infrastruktur geschaffen wurde. Die notwendigerweise befahrbaren Asphaltwege in diesem erhielten eine helle Deckschicht, die sich optisch gut in den Landschaftsraum integriert. Staudenpflanzungen mit thematischen Schwerpunkten betonen vor allem die Wegegabelungen. Sie sollen dauerhaft erhalten und gepflegt werden. In diesem Teil des Parkes bilden auch punktuell gepflanzte Ziergehölze und Exoten wie Paulownien, Tulpenbaum und Amberbaum markante Kontraste zu den heimischen Gehölzen der Aue. Bei den wegbegleitenden Bänder aus Wechselplanzungen hat die Pflanzplanerin Petra Pelz das Motiv einer farbenfrohen "Gartenparty" aufgenommen.

Zwei neue Holzbrücken über die Nieplitz verbinden die Geländeteile und schaffen eine verbesserte Verzahnung mit dem Fuß-und Radwegenetz der Umgebung. Beeinträchtigende Nutzungen wie Garagen und Teile eines ehemaligen Klärwerks wurden entfernt, ein landschaftlich störendes und nicht mehr wirtschaftlich zu betreibendes Freibad wurde verlagert. Die reizvolle Kulisse des historischen Ortskerns trifft nun direkt auf den neu gestalteten Landschaftsraum.

Die "Archegärten", einem extensiver gestalteten Parkteil im Übergang zur freien Landschaft wurden dagegen nur behutsam mit wassergebundenen Wegen erschlossen. Vorhandene Gartennutzungen wurden eingebunden, und ökologisch sensible Flächen und Biotopbereiche integriert. Vor allem die Übergangsbereiche und Randzonen wurden mit standortgerechten Pflanzungen ergänzt. Sie erhöhen die Biodiversität, und bieten Vögeln, Wildtieren, Insekten und Bienen Unterschlupf und Nahrung.

Feuchtigkeit und schwierige Bodenverhältnisse haben die Nieplitzauen immer vor einer Bebauung bewahrt. Aber auch für den Bau der Parkanlage entstanden dadurch Herausforderungen: Teile des Geländes wurden um bis zu 70 cm aufgefüllt um eine Begehbarkeit überhaupt zu ermöglichen oder Staunässe für die Pflanzungen zu vermeiden, die Wege benötigten einen Unterbau von teilweise über 60 cm. In einem eher landschaftlichen Bereich wird das Gelände über temporäre Holzstege erschlossen um sie für die Gartenschau erlebbar zu machen.

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Die Nieplitz wurde im Zuge der Europäischen Wasserrahmenrichtlinie im mittleren Verlauf, der auch die Bereiche des Gartenschaugeländes einschließt, naturnah umgestaltet. Foto: Landesgartenschau Beelitz
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An einer Stelle wird das Wasser nun über eine Treppenanlage für Besucher unmittelbar erlebbar. Foto: plancontext

Leitmotiv Kulinarik

Beelitz ist in der Region für den Spargelanbau berühmt. "Spargelstadt Beelitz" lautet der offizielle Name der Stadt seit 2013. Das jährliche Spargelfest zieht bis zu 40.000 Besucher an einem Wochenende an. Inzwischen steht aber auch der Anbau und die Weiterverarbeitung anderer regionaler Produkte hoch im Kurs, wie Erdbeeren, Heidelbeeren, Kürbisse oder die Modepflanze Aronia. Einige Spargelhöfe haben sich zu wahren Erlebniswelten entwickelt - mit Hofladen, Gastronomieangeboten und vielen Aktions- und Unterhaltungsangeboten.

Die Gartenschau soll nun das Image einer "Genussregion" weiter stärken. "Kulinarik" zieht sich deshalb wie ein roter Faden durch viele Ausstellungsbeiträge. Neben einer Hauptgastronomie, die sich zu frisch gekochtem, hochwertigem und kreativem Essen verpflichtet hat, wird es mehrere "Genussinseln" geben: Cafés in einem Pavillon und der sanierten Mühle, eine Cocktailbar sowie mehrere Picknickplätze. Besucher sollen auch die Restaurants und Cafés der Altstadt besuchen. Auf einem Regionalmarkt rund um die zentrale Stadtpfarrkirche werden darüber hinaus heimische Erzeugnisse und Gerichte angeboten.

"Probieren erlaubt" heißt es zukünftig in vielen Bereichen des Parks. Wir haben bereits vorhandene weitläufige Streuobstflächen durch Pflanzungen aus Beerenobst Wein und "essbaren" Gehölzen ergänzt. Bei der Verwendung von Blüten oder Früchten gibt es noch viele ungeahnte Schätze. Beete mit Gemüse, Kräutern aber auch essbaren Stauden rahmen einen Bereich mit einem Outdoor-Grill, der dauerhaft erhalten bleibt. Damit soll die Ernte, Verwendung und Verarbeitung von Blüten, Pflanzenteilen oder Wurzeln erlebbar werden. Neben Profis sollen sich Koch- und Backbegeisterte treffen, Rezepte teilen.

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Die Archegärten wurden behutsam mit wassergebundenen Wegen erschlossen. Foto: Landesgartenschau Beelitz
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Obstbögen an der Liegewiese. Foto: Landesgartenschau Beelitz

Festspielstadt Beelitz

Vor allem durch das leidenschaftliche Engagement des Bürgermeisters hat sich Beelitz seit 2013 zu einer erfolgreichen Festspielstadt entwickelt. Gezeigt werden aufwendig inszenierte Stücke aus Operette und Theater. Unter freiem Himmel wurde alle zwei Jahre mit viel Aufwand eine große Bühne aufgebaut und die gesamte notwendige Infrastruktur bereitgestellt. Dazu zählt auch ein neuer Parkplatz am Stadteingang, der teilweise über die Gartenschau erhalten bleibt und den Individualverkehr vor den Toren der Stadt abfangen kann. Ein Teil des Geländes wird als Wohnmobilstellplatz genutzt. Ein Empfangsgebäude zur Gartenschau bleibt als Servicegebäude erhalten.

Durch den Umbau einer ehemaligen Kläranlage entstand nun ein Amphitheater und damit eine feste Spielstätte, die auch für Konzerte und weitere Großveranstaltungen genutzt werden kann. Für den Bereich "Festspielareal" wurde ein offener freiraumplanerischer Wettbewerb ausgelobt. Den Zuschlag erhielt das Büro RMP Stephan Lenzen Landschaftsarchitekten.

Nieplitz, Mühlenfließ und Mühlteich

Beelitz liegt in einer von den Flüsschen Nuthe und Nieplitz eingerahmte Niederungslandschaft inmitten eines Naturparks. Dieser ist als Vogelparadies bekannt. Die Nieplitz wurde im Zuge der Europäischen Wasserrahmenrichtlinie im mittleren Verlauf, der auch die Bereiche des Gartenschaugeländes einschließt, naturnah umgestaltet. Bereiche des Ufers wurden abgeflacht, bepflanzt und mit strukturgebenden Einbauten versehen. An einer Stelle wird das Wasser nun über eine Treppenanlage für Besucher unmittelbar erlebbar.

Ein wesentliches Ziel der Renaturierung war die Überwindung eines alten Wehrs, welches bislang Fischwanderungen verhindert hat. In einer Machbarkeitsstudie wurde untersucht, ob als Umgehung das Mühlenfließ, ein ehemaliger Wassergraben unmittelbar südlich der Altstadt, wieder geöffnet werden kann. Er wurde zum Betreiben einer Wassermühle genutzt und in den 1960er-Jahren zugeschüttet. Letztlich hat man sich für eine kostengünstigere Fischaufstiegsanlage am Wehr entschieden. Das Mühlenfließ sollte dennoch wieder entstehen - nun aber als künstliches und künstlerisch gestaltetes Wasserband, das die neue Parkpromenade südlich der Altstadt begleitet.

Auch der ehemalige Mühlteich ist neu entstanden - aus genehmigungsrechtlichen Gründen allerdings als nur temporär genehmigter Löschwasserteich. Mühlenfließ und Teich entstand in Zusammenarbeit mit dem Büro Polyplan-Kreikenbaum aus Bremen, das sich durch innovative Planungen rund um das Wasser einen Namen gemacht hat.

Kinder und Familien auf der Landesgartenschau

Eine vorhandene Spielfläche wurde umgestaltet wesentlich erweitert und bietet nun eine rund 6000 m² große Spiel- und Freizeitlandschaft. Ein separates Vergabeverfahren hat die Firma Sik-Holz aus dem brandenburgischen Niedergörsdorf gewonnen. Sie übernahmen die Planung und Gestaltung des Areals. Die Geschichte der Stadt wird spielerisch nacherzählt. Markantestes Element ist ein 10 m hoher "Spargelturm", von dessen Spitze sich vier Rutschen in die Tiefe schlängeln.

Das "Grüne Klassenzimmer" wurde einem Slawendorf nachempfunden. Zusammen mit der Architektin Roswitha Störmer sind mehrere kleine authentische Bauten aus Holz und Stroh entstanden, die sich um einen überdachten Dorfplatz herum befinden. Es erinnert an die historischen Ursprünge der Stadt und soll sich langfristig als Ort der Umweltbildung etablieren.

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Für Kinder steht eine 6000 m² große Spiel- und Freizeitlandschaft zur Eroberung bereit. Markantestes Element ist ein 10 m hoher "Spargelturm", von dessen Spitze sich vier Rutschen in die Tiefe schlängeln. Foto: Landesgartenschau Beelitz
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Für Kinder steht eine 6000 m² große Spiel- und Freizeitlandschaft zur Eroberung bereit. Markantestes Element ist ein 10 m hoher "Spargelturm", von dessen Spitze sich vier Rutschen in die Tiefe schlängeln. Foto: Landesgartenschau Beelitz

Der Weg zur Gartenschau

Unser Büro durfte die Stadt bereits bei der Bewerbung um die Austragung einer Landesgartenschau 2019 unterstützen. Ein "Kompetenzteam" aus Bürgermeister, Mitgliedern der Verwaltung und externen Beratern erarbeitete nach einer erfolgreichen Interessenbekundung die Bewerbungsunterlagen. Den Zuschlag erhielt damals die Stadt Wittstock. Man wollte eine bedürftigere Region und nicht das boomende, wirtschaftlich starke Beelitz im Speckgürtel Berlins weiter stärken. 2017 erhielten dann überraschend die beiden für 2019 nicht berücksichtigten Bewerber Beelitz und Spremberg eine erneute Chance, sich für 2022 zu bewerben. Die politischen Parameter hatten sich inzwischen gewandelt, Beelitz erhielt den Zuschlag.

Einen ersten Parkteil durfte Beelitz schon nach der noch erfolglosen ersten Bewerbung als "Trostpflaster" über Fördermittel realisieren. Zwei weitere Bereiche wurden nach dem Zuschlag über europaweite Vergabeverfahren ausgeschrieben, die wir im Team mit weiteren Fachplanern für uns entscheiden konnten. Für die Ausschreibung und Bauleitung der Anlagen konnten wir das Büro BBS Landscape Engineering GmbH als Partner gewinnen.

Was bleibt nach der Gartenschau?

Im Hinblick auf den langfristigen Nutzen der Anlage ist die Gartenschau auf jeden Fall ein großer Erfolg für Beelitz. Es ist eine robust gestaltete Parkanlage von bleibendem Wert entstanden. Die unbebaute Fläche südlich der historischen Altstadt bleibt dauerhaft als Freifläche mit hohem ökologischen Wert erhalten. Das neue Wegenetz bietet unterschiedlich lange Rundwege und ist verwoben mit überörtlichen Fuß- und Radwegeverbindungen.

Heutige und zukünftige Bewohner aus Beelitz und Umgebung finden neue Naherholungsangebote unmittelbar vor den Toren der Stadt. Neben der historischen Altstadt wird sicher auch der neue Park an der Nieplitz mit seinen bleibenden Attraktionen zum beliebten Ausflugsziel und so den Tourismus weiter stärken. Und endlich gibt es genug Platz und eine ausgebaute Infrastruktur zur Durchführung der immer beliebter werdenden Veranstaltungen und Feste.

Beteiligte Firmen

Tiefbau
R. Fischer GmbH Sand& Kiese
Am Weinberg 40
14552 Michendorf-OT Stücken

GaLaBau
Landschafts- und Gartenbau Stackelitz GmbH
Kleine Rothemarkstrasse 6
06886 Lutherstadt Wittenberg

Gehölze
Baumschule Lorberg
Tremmen
Zachower Str. 4
14669 Ketzin

Stauden
Stauden Becker
Försterstraße 42
46539 Dinslaken

Dipl.-Ing. Christian Loderer
Autor

Landschaftsarchitekt, Geschäftsführer der plancontext GmbH

Ausgewählte Unternehmen
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