Landesgartenschau Würzburg 2018 - Storytelling im Hublandpark

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LGS Würzburg Landschaftsarchitektur
Der "Alte Park". Foto: hutterreimann Landschaftsarchitektur GmbH

Am 12. April eröffnet die Landesgartenschau (LGS) Würzburg 2018 ihre Tore. Würzburg leistet sich damit - nach 1990 - die zweite Landesgartenschau. War die erste der Tradition, der Inwertsetzung und Vernetzung des Festungsberges und des Vorfelds mit den historischen Grünanlagen der Stadt gewidmet, so ist die aktuelle Gartenschau ganz im heute und schreibt die Erzählung des Ortes in die Zukunft weiter.

Auf dem Hubland, also auf der Hochebene gegenüber der Festung Marienberg entsteht auf dem Gelände der ehemaligen "Leighton-Barracks" die dauerhafte Grünanlage für ein neues Stadtquartier, die mit der Landesgartenschau eröffnet wird.

Im Sommer 2012 konnten wir den Landschaftsarchitektonischen Ideen- und Realisierungswettbewerb für uns entscheiden. Nach fünf Jahren intensiver Planung und Bauausführung ist nun zum guten Ende alles perfekt. Seit Herbst 2017 wird auch damit begonnen das Umfeld "aufzumascherln", die temporären Ausstellungsbeiträge entstehen.

Auf circa 135 ha entsteht parallel ein neuer Stadtteil mit rund 2000 Wohnungen für etwa 4500 neue Bürger. Im Januar 2009 wurde der Stützpunkt "Leighton-Barracks" von der US Army freigegeben. Bereits fünf Jahre vorher begann die Stadt mit den Planungen zur Konversion, wenige ausgewählte Gebäude, zum Beispiel der Tower aus den 30er-Jahren bleiben erhalten, wie auch zwei Hangars, der eine wurde als Theater genutzt und wird zum Nahversorger, der andere war Sporthalle und wird in Zukunft Zentrum für Sport, Kultur und Soziales. In den Tower zieht nach der Gartenschau das Stadtteilzentrum mit Bücherei ein. Zur Gartenschau ist der Tower, der um ein Geschoss erhöht wurde, natürlich Aussichtsturm.

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Aktivband Eschenallee. Foto: hutterreimann Landschaftsarchitektur GmbH
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"Belvedere Garten". Foto: hutterreimann Landschaftsarchitektur GmbH

Neben der Herausforderung das zuletzt verschlossene Kasernenareal den Bürgern der Stadt wieder zurückzugeben, wieder öffentlich nutzbar zu machen, birgt der Standort auch eine Vielzahl von Potentialen in unmittelbarer Nachbarschaft zum Universitätscampus und Forschungseinrichtungen, als Mittler zwischen Stadt und Erholungslandschaft. Neben der Entwicklung zum Wohnstandort ist auch die Erweiterung des Hubland-Campus auf einer Fläche von circa 39 ha Teil der Maßnahme. Zahlreiche Wohnbauten, Studentenheime, ein Hotel, Einrichtungen für die Nahversorgung sind zwischenzeitlich entstanden.

Wie bei großen städtebaulichen Maßnahmen, insbesondere bei Konversion nicht unüblich, besteht eine der großen Herausforderungen für den Planer darin sich im Dickicht der Planungen zurechtzufinden und als Landschaftsarchitekt seinen Platz zu finden. Unterschiedliche Informationsstände, Bedürfnisse, Prioritäten, Begehrlichkeiten gilt es zu verstehen, zu ordnen, zu gewichten. Das Miteinander der verschiedenen städtischen und privatwirtschaftlichen Akteure und ihrer Vertreter will geübt werden und holperte anfangs gewaltig. Hilfreich ist es natürlich den Wettbewerb gewonnen zu haben und stete und starke Mitstreiter an seiner Seite zu wissen, hier die Mitarbeiter der LGS GmbH, die teilweise selbst aus der Stadt kommend, die Anliegen der Gartenschau kraftvoll und nicht nachlassend vertraten. Aber und das ist das wichtigste, die Stadt selbst hat mit großer Zuversicht die Planung der zweiten LGS in Würzburg begleitet.

Zum Anfang hieß es erst einmal aufräumen. In Würzburg erfolgte das durch die Stadt selbst, die den Abbruch eines Großteils der Gebäude, der Flächenbefestigungen, die Tiefenenttrümmerung, Altlastenbeseitigung und Kampfmitteluntersuchungen veranlasste.

Waren die "Leighton-Barracks" mit den US-Amerikanern sehr autogerecht geworden, kommt der neue Stadtteil Hubland nun mit wesentlich weniger Verkehrsflächen aus, circa zehn Fußballfelder wurden dauerhaft entsiegelt, allerdings wurde das gesamte Erschließungs- und Versorgungssystem neu errichtet. Da die neue Parkanlage inmitten des Quartiers liegt, wird sie von Trinkwasser-, Schmutzwasser-, Fernwärmeleitungen und vielem anderen mehr gequert. Die zu treffenden Abstimmungen in Planung und Bauausführung stellten wiederholt eine Herausforderung dar. Und auch die Abstimmungen über Art und Umfang der öffentlichen Verkehrsflächen und ihrem Zusammenspiel mit den drei Stadtplätzen waren umfangreich.

Im Jahre 2012 freilich widmeten wir uns zunächst einmal der Wettbewerbsaufgabe:

Das Areal liegt erhaben am östlichen Stadtrand Würzburgs mit Blick auf die Festung Marienberg. Seine Potentiale sind neben seiner exponierten Lage, den vielfältigen Bezügen zur Umgebung und für uns auch seine Entrücktheit, seine schiere Größe und Weite. Diese Größe und Weite wollten wir auf jedenfalls wahrnehmbar erhalten, an keiner Stelle verniedlichen, brechen oder verwischen. In diesem Sinne entwickelte sich unser Entwurf sehr nah am räumlichen Bestand und am Vorgefundenen: Große langgestreckte Wiesen - Baumbestand an den Rändern - Muschelkalkterrassen.

Das Preisgericht führt dazu aus:

"Mit einer eigenständigen, raumgreifenden Idee gelingt es den Verfassern, dem ehemaligen Leighton-Areal eine neue, zukunftsweisende Identität zu verleihen. Ein weit gespannter Wiesenraum verknüpft den Alten Park mit dem Flugfeld, sorgfältig komponierte Raumfolgen erzeugen spannungsvolle Rhythmen von Enge und Weite. (...) Der den Wiesenraum umschließende 'Belt Walk' ist sowohl ein gut ausgearbeitetes Funktionselement wie auch ein gestalterisches Motiv mit einer prägnanten ästhetischen Qualität. Als ein eleganter Rahmen gibt er den angrenzenden Räumen Halt und Fassung, mit raffiniert variierenden Breiten und Kurvenradien wird mit einfachen Mitteln eine gartenkünstlerische Überhöhung erreicht. (...)

Mit dem schwungvoll aus dem östlichen Wegebogen entwickelten Belvedere wird das topografische Thema des Ortes aufgegriffen, die Blickbeziehung zur Festung in einer fast sakralen Weise inszeniert. (...)."

Mit Beginn der Entwurfsplanung wurden die Parkanlagen entsprechend der Förderszenarien in Wiesenpark - Quartiersplätze - Terrassengärten eingeteilt. Die Förderungen stammen vom Bayerischen Staatsministerium für Umwelt und Verbraucherschutz, der Europäischen Union und dem Programm "Stadtumbau West" und belaufen sich auf insgesamt etwa die Hälfte der Investitionsmittel. Die Bauausführung wurde in insgesamt zwölf Losen ausgeschrieben und durch drei Landschaftsbauunternehmen und ein Hoch-und Tiefbauunternehmen realisiert. Das Belvedere war eine gesonderte Hochbaumaßnahme.

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Landesgartenschau Würzburg, Übersicht über die Quartiersplanung und das Ausstellungsgelände. Abb.: hutterreimann Landschaftsarchitektur GmbH
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Der "Belt Walk" erschließt den neuen Park entlang seiner Ränder. Foto: hutterreimann Landschaftsarchitektur GmbH
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Blick vom Belvedere zur Festung Marienberg. Foto: hutterreimann Landschaftsarchitektur GmbH

Im Rahmen der Entwurfsplanung wurde der großen Idee eine thematische Erzählebene hinzugefügt. Diese beginnt mit der Geschichte, der Deutung und Umdeutung derselben. Daraus entwickeln sich drei Schwerpunktthemen, auf der Basis der neuen Freiheit. Das Hubland hat eine bewegte Geschichte, es war Galgenberg, Kartoffelacker, Übungsfeld für die Flugpioniere, Kasernenareal, Gefangenenlager, Stützpunkt der US-Army.

Nun ist das Gelände endlich wieder offen und wird in Zukunft dem friedlichen Zusammenleben und der Freizeit- und Erholungsnutzung als Basis dienen. Daraus kristallisierten sich drei Erzählstränge:

Der Ort - der Muschelkalksockel und das urzeitliche Leben, die Wein- und Obstbaukultur, die Gartenkultur.

Die Flugpioniere - die sich natürlich vor allem in den großen offenen Wiesenräumen manifestieren aber auch im Streben Bewegung wie Rotation, Abheben, Beschleunigen spielerisch darzustellen.

Die Vereinigten Staaten von Amerika - Relikte der Nutzung wie der ehemalige "Victory Park", "Barbecuestation" und Tribüne aber auch neue amerikanische Sportbereiche wie Soccer oder Streetball und wunderliche Gärten mit nordamerikanischen Pflanzen.

Wiesenpark

Das Grundgerüst des Parks bildet der "Belt Walk", der wie eine Spange den gesamten Park umschließt und mit dem Zugang zur Würzburger Innenstadt einerseits und mit dem Würzburg umgebenden Grüngürtel andererseits verbindet. Der "Belt Walk", ein Motiv aus dem englischen Landschaftsgarten, erschließt, leicht erhöht, den neuen Park entlang seiner Grenzen und geleitet den Besucher entlang der wechselnden Stadt- und Landschaftsbilder der Umgebung. Er wird aus Asphalt ausgeführt, in wasserdurchlässiger Bauweise war er auch förderfähig, und von einem kontinuierlichen Band aus Betonfertigteilen, bevorzugt in Sitzhöhe, begleitet.

Das Belvedere (Planung Sauerzapfe Architekten) bildet den Höhepunkt des "Belt Walks" im Osten: hier schwingt er sich als ein Teil des Weges hinauf und eröffnet die großzügige Aussicht über den Park zur Stadtsilhouette und zur Festung Marienberg. Gleichzeitig verbindet es als Tor. Eine weiche Platzfläche aus wassergebundener Decke östlich des Belvedere bietet Aufenthaltsmöglichkeiten unter Baumhainen und verknüpft das Parkgelände mit den angrenzenden Wohnquartieren. Im Wettbewerb träumten wir von einem "Belvederecafé", das Gebäude steht, der Innenausbau ist geplant, realisiert wird es hoffentlich noch, nach der Gartenschau vielleicht, wenn niemand mehr ohne das Café leben will.

Eine umlaufende Sitzmauer begrenzt den offenen, lang gestreckten Wiesenraum, die "Stretched Meadow", Freiraum für informelles Spiel und Aufenthalt gleichermaßen.

Unter dem Motto "Abheben" laden im Wald- und Wiesensaum auf östlicher Seite des westlichen Geländes eine Vielzahl von Spielgeräten ein, in die Lüfte abzuheben. Klein und Groß können sich auf einer Riesenschaukel, einem Spieltower, einer großen Seilrutsche, Kreisel, Karussell und Trampolinen in Rotation geraten, beschleunigen, abheben.

Der Baumbestand wird aufgenommen, durch freie Baumgruppen ergänzt und in seiner Eigenart weiter interpretiert. Insgesamt werden circa 1200 Bäume neu gepflanzt, vorwiegend als Baumsaum, der einen starken Rücken des Parkes gegenüber den neuen Stadtquartieren erzeugt. Und er stärkt die freie Mitte und gibt verschiedensten Aktivitäten schattigen Raum.

Im Schutz der Baumkronen entsteht das "Aktivband Eschenallee" mit seinen kleinen Spielfeldern (Tischtennis, Basketball, Streetsoccer, Beachvolleyball, Trampolin, Boule etc.) und Aufenthaltsbereichen mit Picknick-Tischen, Liegen und Hängematten. Die grafische Gestaltung der Sportflächen und die Farbauswahl interpretieren die Stars and Stripes und erinnern so spielerisch an die frühere Nutzung des Geländes durch die US-Army.

Im Nordosten streckt sich der "Belvederegarten" aus. Auf Rampe des Belvederes hat man einen besonders schönen Überblick über das 400 m lange Feld. Der Garten feiert die deutsch-amerikanische Freundschaft in der Begegnung von Pflanzen und gartengestalterischen Vorlieben. Europäische Gartenkunst, das barocke Parterre, trifft auf die amerikanische Prärie. Durch das intensive pflanzliche Gestaltungsthema wird ein fremdartiger, sonderbarer Kosmos entwickelt. Den Grund bildet ein ornamentales Muster verschlungener Wegespuren aus rotem Ziegelsplitt unterschiedlicher Körnung und intensiver Pflanzungen. Beschattet wird der Garten von einem Hain aus Essigbäumen, deren ursprüngliche Heimat die Ostküste Nordamerikas ist.

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Ammoniten aus Bronzeguss im Wasserbecken. Foto: hutterreimann Landschaftsarchitektur GmbH
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Platz aus polygonalen Muschelkalkplatten in der "Gartenoase". Foto: hutterreimann Landschaftsarchitektur GmbH

Diese sind kleinkronig, bizarr, und haben eine spektakuläre Blattfärbung im Wandel der Jahreszeiten. Jeder Baum ist eingefasst mit einer Wurzelschutzfolie um den invasiven Charakter der Pflanze in Grenzen zu halten. Ein Wandelhain der etwas anderen Art, wenn der Besucher im Herbst auf verschlungenen, roten Wegen auf hunderte orange gefärbte Essigbäume und silberlaubige Präriestauden trifft.

Im Westen des Wiesenparks entsteht in sensibler Ergänzung des Altbaumbestandes und unter Einbeziehung des ehemaligen "Victory Parks", des neuen "Alten Parks" ein naturnaher landschaftlicher Bereich mit freien Baumgruppen, die sich zum Wiesenraum hin öffnen.

Im Juli 2006 wurde im "Victory Park" zum letzten Mal die Fahne der 1. US Infantry Division eingeholt. Die Soldaten der "Big Red One" verlegten ihren Standort zurück in die Vereinigten Staaten. Auch die verschiedenen Statuen und Monumente wurden mitgenommen. Geblieben ist die kleine Grünanlage, die von den Amerikanern angelegt wurde. Mit ihrem Baumbestand bildet sie ein Kleinod auf dem großen weiten Geländes des ehemaligen Flugfeldes.

Der neue "Alte Park" achtet den verwunschenen Charakter des Ortes. Er wird als "Hortus conclusus" von einer üppigen weißblühenden Spierenhecke beschützt. Die bizarren alten Bäume konnten erhalten bleiben und wurden mit Magnolien, Felsenbirnen, Zieräpfeln ergänzt. Runde Staudenbeete in den Farben rot-weiß-blau der US-amerikanischen Flagge ergänzen die Relikte der Gedenksteine und Monumentpodeste aus Muschelkalk. Auch der neue ovale Weg wird mit Muschelkalkmosaik gepflastert, er definiert den Raum in eine offene Wiesenmitte und einen grünen Saum. Dort lädt ein Bewegungspfad zur moderaten Ertüchtigung der Glieder. Südlich des "Alten Parks" wurde eine rustikale Barbecue-Station und eine Tribüne der US-amerikanischen Freizeit erhalten.

Das Grüne Band, ein Begriff aus der Rahmenplanung, wird nach Norden in den Park hineingeführt. Ein Wasserbecken bildet zusammen mit dem Quartiersplatz hangabwärts den zentralen Anziehungspunkt und verknüpft das Quartier Hubland mit dem Uni-Campus im Süden und über die Terrassengärten mit den Lehnleiten im Norden. Das Becken fügt sich in das Wegenetz ein und ist gefüllt mit regionalen Muschelkalkplatten, die zu jeder Jahreszeit einen attraktiven Anblick bieten. Die Gestaltung des Wasserbeckens nimmt die Entstehungsgeschichte und verschiedenen Charaktere der Muschelkalkschichtungen auf, die den geologischen Untergrund des Hublandes bilden. Auf den eingelassenen Platten sind, etwas vergrößert, Fossilien appliziert. Diese stammen von Originalabgüssen aus dem "Trias-Museum an der Ochenfurt" und wurden liebevoll weiterverarbeitet. Sie zeichnen die Vielfalt der Fauna zur Entstehungszeit des Muschelkalks nach. Eine Vielzahl an Wasserdüsen sorgt für ein erlebnisreiches Wasserspiel. Pumpenanlage und Zisternen zur Wasserrückgewinnung sind unter der Erde versteckt. Sitzmauern vermitteln im Wiesenraum zum Quartiersplatz. So entsteht ein besonderer Aufenthaltsort inmitten der Parkanlage.

Zwei großzügige Quartiersplätze entlang der Rottendorfer Straße fungieren als städtebauliche Gelenke und Verbindung zu den anschließenden Quartieren. Gleichzeitig bilden sie die Entreés zum Park entlang des Rundweges, akzentuiert jeweils durch einen Baumhain, abgesetzt gestaltete weiche Flächen aus wassergebundener Decke oder Rasen und skulpturalen Sitzpodesten. Gegenüber dem Wettbewerb wurden zwei der vier Plätze stark reduziert, einerseits weil die Bedeutung überprüft wurde, andererseits weil der Platz gegenüber den Verkehrsflächen in den Hintergrund trat. Zwei große Quartiersplätze wurden aber realisiert, der Zentrale Quartiersplatz am Kreuzungspunkt des Wiesenparks zu den Terrassengärten und der "Platz am Elferweg" 300 m weiter östlich, der einen wichtigen Eingang vom Wohnquartier definiert. Auf dem Quartiersplatz wird auf Initiative der Stadt Würzburg das sogenannte "FounderLab" errichtet, das Raum für Innovation geben soll. Die Kreativen fördern hoffentlich auch die nachhaltige Belebung des Platzes.

Am Elferweg findet das Denkmal von Leo Lender Raum, einem der frühen Flugpioniere und ein Flugzeug, eine spielerische Nachbildung eines Originals aus den 30er-Jahren, beschützt von einem riesigen Sonnensegel. Beschattung war ein besonderes Anliegen der Stadt. Einige Spielbereiche erhielten dauerhafte Überspannungen.

Terrassengärten

Die Terrassengärten sind über den zentralen Quartiersplatz mit dem Wiesenpark verbunden. Die vorhandene Terrassenlandschaft mit ihrem wertvollen Altbaumbestand und den imposanten Natursteinmauern werden unter dem Thema "Unter einem Dach" behutsam als naturnahe, baumbestandene Terrassengärten weiterentwickelt, die Natursteinmauern, dort wo die Tiefenenttrümmerung sie zerstört hatte, wieder aufgebaut. Ausgehend von einer alten Kirschenwiese am nordwestlichen Rand wird ein (Obst-)Baumraster über die Terrassen gelegt. Da wo jetzt die Spielewelten locken, die Gartenoase und Obstbaumhaine erblühen, standen früher Häuser der Kaserne.

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Restaurierte Muschelkalkmauern in der "Gartenoase" (Terrassenpark). Foto: hutterreimann Landschaftsarchitektur GmbH
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Wasserbecken. Foto: hutterreimann Landschaftsarchitektur GmbH

In den Spielwelten werden die Höhensprünge durch Terrassierungen herausgearbeitet und so verschiedene Spielbereiche geschaffen. Die Spielewelten widmen sich ganz dem Zeitalter des Trias und thematisieren spielerisch die Fauna und Flora des Muschelkalkmeeres: Ein Riff wird mit Seilen, Klettergriffen oder frei erklommen. Beim Matschen findet sich ein großer versteinerter Wasser-Ceratit im Sand, der seine Tentakel ausstreckt. Im Wasserspiel spritzt es aus Wasserpilzen und -masten, die über Terrassenriffs fliesen.

Auf der Uferterrasse ist der Nothosaurus an Land gegangen ist, von ihm ist nur noch das Skelett übrig. Der Riesen-Ceratit daneben ist in sich eine Transformation vom versteinerten Fossil zum lebendigen Tier. Er steht aufrecht, so wie er zu Lebzeiten im Meer schwebte. Seine Tentakel sind aus Seilen gebildet, das Innere wird kletternd erkundet, in einer langen Rutsche geht's wieder auf den Grund.

Die introvertierte Gartenoase findet sich auf einer von hohen Mauern abgeschirmten Terrasse oberhalb der Spielwelten. Der Garten ist klassischen Gartenbildern nachempfunden. Ein kleiner Platz mit Wasserschale umgeben von Pflanzbeeten, in denen sich Heilpflanzen, Kräuter und Nutzpflanzen finden, ein großes Spalier mit blühenden und essbaren Rank- und Kletterpflanzen, in dem man sich verlieren kann, Sonnenbänke an der wärmenden Mauer in Südlage, gerahmt von blühenden Staudenbeeten. Ölbaum, Feigen, Mispeln und sogar Palmen erinnern an liebliche Klimate, erzeugen eine kontemplative Atmosphäre und nehmen auf Regionales Bezug.

Dort wo zur Gartenschau noch die alte amerikanische Tankstelle als Ausstellungsbereich genutzt wird, entsteht infolge der Garten der Sinne. Er wird durch eine lineare Strukturierung von Sitzsteinen, Rasen, Gräser- und Staudenbändern charakterisiert.

Barrierefreie Erschließung:
Alle Bereiche der Grünanlage sind barrierefrei zu erreichen, bevorzugt auf gemeinsamen Wegen. Im Rahmen der Planungen gab es dazu umfangreiche Abstimmungen mit den Beauftragten der Stadt. Der "Belt Walk" ist durchgehend barrierefrei konzipiert, im Längsgefälle nie steiler als 3,8 Prozent, was im Südwesten große Geländeeinschnitte erforderte. Und auch das Belvedere hat eine lange Rampe, die die Höhe von circa 3,5 m erklimmt. Der Hauptweg im Terrassengarten ist barrierefrei, durfte aber ausnahmsweise mit bis zu 5,5 Prozent errichtet werden, dafür musste das Gelände in einer Senke um runde 2 bis 3 m aufgeschüttet werden und zusätzlich sind mäandrierend weitere, flachere Wege in die Gärten zu führen gewesen. Wege sollen sich durch große Ebenheit auszeichnen, was für den "Belt Walk", der in den Breiten pulsiert, Asphalt nahelegte. Der begleitende Einfassungsstein übernimmt auch Leitfunktion und bietet an fast jeder Stelle die Möglichkeit auszuruhen. Die Spielbereiche sind durch geeignete Kombinationen und Ausstattungen inklusiv zu nutzen.

Regenwassermanagement:
Sollte entsprechend dem Rahmenplan noch das gesamte anfallende Niederschlagswasser gesammelt, zur Bewässerung und Befüllung des Wasserbeckens genutzt werden, wurden diese Vorgaben bald nach dem Wettbewerb aufgrund aktuellerer Baugrunderkenntnisse und der Zuständigkeiten in der Stadt neu definiert. Die Straßenflächen erhielten zwei große Retentionsbecken in der Grünanlage, die Niederschlagswasser der Parkwege werden alle seitlich in die Vegetationsflächen entwässert. Das Wasserbecken muss mit Trinkwasser gespeist werden, der Tiefbrunnen hätte 170 m durch den Muschelkalksockel getrieben werden müssen. Natürlich gibt es aber zwei große Zisternen für den Wasserkreislauf und eine Überlaufzisterne für die Bewässerung. Auch das Wasser des Spielbereiches wird in einer Zisterne gesammelt und zur Bewässerung weiter verwendet.

Herausforderungen:
Die eingangs erwähnten sehr zahlreichen Planungsbeteiligten und deren Koordination und Befriedung waren die größte Herausforderung, insbesondere ist den ersten Planungsphasen weit vor Baubeginn. Schnittstellendefinition einerseits und Kooperation andererseits sind essentiell und nicht immer eingeübte Praxis. Oft hatte man den Eindruck man befasst sich mehr mit Straßen, Regenwasser, Baufreimachung, wofür man nicht beauftragt war als mit den Inhalten der eigenen Planung, die Planeingangslisten Dritter waren dementsprechend Seiten lang. Sehr wichtig war es den Baubeginn der dauerhaften Grünanlagen der Landesgartenschau in Stein zu meißeln. Wir hatten den 1.Juli 2015 als Termin der Baufreiheit definiert und gemeinsam mit der Projektsteuerung der LGS GmbH eisern daran festgehalten. Das Predevelopment im Vorfeld wollte und wollte nicht enden, lange mussten wir noch mit großen Abraummieten auf dem Baugelände arbeiten. Die Bauausführung verlief dann vergleichsweise problemlos und schlüssig, auch weil die Baulogistik zeitgerecht gemeinsam entwickelt wurde. Das große Wasserbecken war mit seinem Wasserspiel und dem Einpendeln von Stau- und Rückflussvolumen eine der größeren Herausforderungen, die wiederholte Testläufe und Nachjustierungen benötigten, dafür aber umso mehr Freude machen.

Ausstellung der Landesgartenschau

Unter dem Slogan "Was machen wir morgen?" geht es auf eine Zeitreise durch die historischen Etappen des Hublandes. Dem Blick in die Vergangenheit werden Zukunftsvisionen gegenübergestellt. Die Zeitreise wird zum roten Faden, der sich durch alle Ausstellungsbeiträge und Veranstaltungen der Gartenschau zieht. Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft werden jeweils in Beziehung zueinander gesetzt. Gehen Sie auf Entdeckungsreise!

Projektdaten

Ideen- und Realisierungswettbewerb 1. Preis 2012
Entwurfsverfasser: hutterreimann Landschaftsarchitektur GmbH, Berlin
Ort: Würzburg, Bayern
Auftraggeber: Landesgartenschau Würzburg 2018 GmbH

Beteiligte Planer

Gesamtkonzept: hutterreimann Landschaftsarchitektur GmbH, Berlin
Bauüberwachung: Großberger Beyhl Partner Landschaftsarchitekten, München für hutterreimann
Planung Staudenflächen: Orel + Heidrich Landschaftsarchitekten, Herzogenaurach
Brunnentechnik: ifw Ingenieurbüro für Wassertechnik, Dipl.-Ing. Jürgen Fiedler
Tragwerk Brunnen: Ingenieurbüro Jockwer, Berlin
Tragwerk Kleinbauwerke: Hußenöder + Merz Ingenieure, Würzburg
Technische Ausrüstung: Ingenieurbüro Köhl, Würzburg
Belvedere: Sauerzapfe Architekten, Berlin
Ausstellungsplanung:
Arbeitsgemeinschaft tecton Ausstellungsdesign, Berlin/Dr. Roland Flade, Historiker, Würzburg/plancontext landschaftsarchitektur, Berlin
Planung Wechselflor: Petra Pelz, freie Landschaftsarchitektin, Sehnde

Bauzeit und Investitionen

Bauzeit: 2015-2018
Investitionshaushalt gesamt: 18,1 Mio. Euro brutto
Fläche: 21 ha dauerhaft, zzgl. 7 ha Ausstellung temporär

Bauausführung

H&M Gartengestaltung OHG, Rimpar
RK Landschaftsbau Neuenmarkt GmbH, Neuenmarkt
Herbert Straub GmbH, Garten- und Landschaftsbau, Veitshöchheim
Burger-Bau GmbH + CoKG, Bad Kissingen

Dipl.-Ing. Barbara Hutter
Autorin

hutterreimann Landschaftsarchitektur GmbH

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