Russen, Kies und Ochsenblut - Tennisplatzbau um 1900

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Abb. 1: Damendoppel um 1900. Obwohl der Platz gut ersichtlich ist, ist keine genaue Angabe zum verwendeten Oberflächenmaterial möglich.

In den 1870er Jahre feierte das Sportspiel Lawn Tennis seinen Durchbruch in England und eroberte im Eilzug die Welt, so auch die privaten Gärten und öffentlichen Parks der Österreichisch-Ungarischen Monarchie. Die Reaktion der Platzbauer auf die teils anderen klimatischen Bedingungen für den englischen Tennisrasen in Kontinentaleuropa manifestierte sich in einer Vielzahl spannender Spieloberflächen.

Innerhalb kürzester Zeit nach dem Durchbruch in England brachte die englische Diplomatie sowie die Aristokratie das populäre Gesellschaftsspiel Lawn Tennis auch nach Österreich-Ungarn. Der modische Zeitvertreib zog in die Hotel-, Schloss- und Villengärten aber auch in öffentlichen Parks der Donaumonarchie ein. Bereits in den 1880ern wird vom regen Tennisleben in Clubs sowie in privaten Kreisen in den Schlossparks berichtet.1) Die Platzbauer erkannten sehr schnell, dass die Errichtung und Pflege eines geeigneten Spielrasens im Klima unserer Breiten nur bedingt möglich oder unrentabel ist, deshalb verbreiteten sich andere, befestigte Spieloberflächen, so genannte Hartplätze. Die Errichtung solcher rHartcourts bedeutete jedoch einen das ästhetische Bild des Gartens beeinflussenden baulichen Eingriff. Die ehemaligen herrschaftlichen Plätze sind nicht nur wichtige landschaftsarchitektonische Zeitzeugen einer kulturgeschichtlichen Periode, sie sind auch Überlieferer historischer Platzbaumethoden. In ausgewählten Schlossgärten2) der Familien Batthyány und Esterházy konnten nicht nur ehemalige Tennisplatzbauweisen und Spieloberflächen nachgewiesen, sondern auch ein Bild über deren Verbreitungsgrad, Ausführung und Ausstattung um die Jahrhundertwende gewonnen werden.3)

Tenniscourts, Zeitzeugen des Einzugs moderner Sportarten in die Schlossgärten im 19. Jahrhundert

Fundgruben historischer Bauanleitungen und Quellen der Ausführungspraxis

Die Recherche zu historischen Platzbauweisen und Bauanleitungen erfolgte in mehreren Archiven und Bibliotheken in England, Österreich und Ungarn4) und erbrachte zahlreiche Quellen zum Thema. Neben den gefundenen fachspezifischen Monographien waren Zeitungsartikel in Gartenbauzeitschriften wie beispielsweise "Die Gartenwelt" oder in Gesellschaftsmagazinen wie die deutsche oder ungarische Ausgabe von "Tennis und Golf" aufschlussreich. Diese Quellen überlieferten eine Vielfalt an Baumaterialien und Bauweisen. Bei den einzelnen Schlossgärten konnten diese Informationen durch realisierte Beispiele konkretisiert werden. Hierbei waren persönliche Erinnerungen oder Erzählungen von Familienmitgliedern und Ortskundigen sehr hilfreich. Die Recherchen zu den Bildquellen erbrachten zwar Informationen zur Entstehungszeit, die Fotografien selbst waren hinsichtlich der Ausstattungselemente, jedoch nicht für die nähere Bestimmung des Spielbelags von Nutzen. Die Werke der Schwarz-Weiß-Fotografie geben in den meisten Fällen nur darüber Auskunft ob der jeweilige Platz ein Rasencourt oder ein Hartplatz war, jedoch nicht darüber um welchen Hartplatzbelag es sich im Detail handelte (siehe Abb. 15)).

Abb. 2: Sanduhrförmiger Tennisplatz nach Wingfield, 1874.

Abb. 3 (r.): Die Form des Tennisplatzes heute.

Historische Platzmaße, Ausstattungen, Aufbauten und Entwicklung von Spielbelägen

Die Schaffung optimaler baulicher Rahmenbedingungen, die zum niveauvollen Spiel benötigte Harmonie von Platzgröße, Platzbelag, Schläger und Ball waren bereits am Anfang der Tennisgeschichte hoch geschätzt und veranlassten eine fortlaufende Entwicklung dieser Spielfaktoren. Nicht nur die Spielregeln wurden immer wieder neu aufgestellt, auch die Form und Farbe sowie das Material der Spielutensilien änderten sich im Laufe der Zeit. Die Entwicklung der Tennisschläger fasst Kuebler in seinem "Book of Tennis Rackets from the Beginning in the 16th Century until about 1990" umfassend zusammen. Die Änderungen der Tennisplatzmaße von der Sanduhr-Form wie bei Wingfield (siehe Abb. 26)) bis zur heutigen (siehe Abb. 37)) finden wir bei Todd8) bzw. Gillmeister9) dargestellt.

Allgemeine Empfehlungen zur Platzerrichtung, wie zur Lage und Ausrichtung der Plätze oder zu den Markierungsmöglichkeiten des Spielfeldes, finden wir in ehemaligen Baubeschreibungen.10) Ausstattungselemente sind uns in bildlichen Quellen wie Werbefotos in Zeitschriften, Fotos vom privaten und öffentlichen Spielbetrieb überliefert. Die Anforderungen an die Bautechnik des Tennisplatzes lassen durchaus einen gewissen Spielraum zu, müssen jedoch für das Tennisspiel wesentliche Mindestkriterien erfüllen. Bereits in historischen Quellen finden wir Anleitungen zum Platzbau. Diese fordern, wie hier zusammengefasst nach Boros,11) dass ein Tennisplatz vollkommen eben und überall gleich hart sein soll.

Der Aufprall und die Aufprallhöhe des Balles müssen ungestört, berechenbar und gleichmäßig erfolgen können. Weiters dürfen keine Wasserlachen entstehen und das Spielfeld muss rasch auftrocknen und wieder bespielbar sein. Die Oberfläche soll elastisch, gelenksschonend und nicht aufstaubend sein.

Experten und Experimentierfreudige suchten von Beginn der Tennisgeschichte an - und dieser Prozess läuft heute ebenso weiter - nach neuen und immer besseren Lösungen um den Körper zu schonen, jedoch auch die Saison zu verlängern. Als Alternative zum Rasen konnten die folgenden Hartplatzvarianten zwischen 1880 und 1910 ermittelt werden: Vom Straßenbau inspiriert wurden Chaussee- oder Makadamplätze, Asphalt- und Zementplätze sowie Aufbauten aus Sand-Schotter- und Kiesmischungen mit einem organischen Anteil in der Deckschicht errichtet. Zusätzlich kamen Plätze aus rotem Sand, die sogenannten "En-tout-cas"12) auf. Eine anschauliche Vorstellung der Vielfältigkeit an Kombinationen in den ersten Phasen des Tennisplatzbaus vermittelt der ungarische Ingenieur Mihály Boros (1909).13) Folgende Bauweisen wandte er damals bereits an: Lehm-Schotter-Platz, Lehm-Beton-Platz, Schlick-Beton-Platz, Ziegelplatz, Leichtbeton-Platz, Steinplatz. Nach Meyern-Hohenberg (1900)14) wurden selbst mit durch Ochsenblut gebundenen Deckschichten gebaut.

Abb. 6: Ausschnitt des Entwurfsplans von 1903 mit dem gut ersichtlichen Tennisplatz.

Abb. 5: Entwurfsplan für die historische Restaurierung des Schlossgartens zu Eisenstadt nach Anton Umlauft, 1903.

Abb. 4: Östliche Ansicht des fürstlichen Batthyány-Schlosses in Körmend (Foto-Postkarte aus 1913). Der Tennisplatz im Vordergrund des Schlosses ist von einem meterhohen Zaun umgeben.

Platzbauempfehlungen versus Realität

Die Forschung zu den 13 ausgewählten Schlossgärten erbrachte in neun Fällen Existenzbeweise für einen ehemaligen Tenniscourt, davon befindet sich keine einzige Anlage im Originalzustand und es wird gegenwertig keine mehr bespielt. Bei fünf der neun erwiesenen Courts konnten Belege zur Art der Spieloberfläche gefunden werden. Demnach wurden 1883 ein asphaltierter Platz in Körmend, zwischen 1900 und 1910 zwei rote Sandplätze in Eszterháza, nach 1936 ein weiterer Sandplatz in Pottendorf, ebenfalls in den 1930er, ein Sandplatz in Lackenbach sowie zu selber Zeit eine Spieloberfläche aus einer Schotter-Sandmischung im Schlossgarten zu Magyarszecso?d errichtet.15)

Eine speziell für Schlossgärten verfasste Empfehlung, wie der Platzbauer den Court im bestehenden Garten zu integrieren hat, wurde im Rahmen der Forschung nicht gefunden. Bei den dreizehn untersuchten Schlossgärten ist jedoch gut ersichtlich, dass die dokumentierten Tennisplätze mehrheitlich in unmittelbarer Nähe des Schlosses errichtet wurden, dadurch auch schnell erreichbar waren und das Spiel in vielen Fällen vom Gebäude aus beobachtet werden konnte, wie dies auch das Beispiel der Anlage beim Schloss Batthyány in Körmend zeigt (siehe Abb. 416)).

Die Lage im Park war also funktional gewählt, jedoch blieben bestehende Strukturen und Sichtachsen ungestört. Die empfohlene N-S Ausrichtung wurde ebenfalls bei der Mehrheit der untersuchten Plätze eingehalten, siehe Schloss Esterházy in Eisenstadt (Abb. 5 und 617)).

Zeitliche Zuordnung der Platzbauweisen und Spieloberflächen

Wie aus den Quellen hervorgeht, gab es etwa in den ersten 30 bis 40 Jahren der Lawn-Tennis-Geschichte keine dominierende befestigte Spieloberfläche, jedoch lässt sich eine zeitliche Reihenfolge der Erscheinung unterschiedlicher Spielbeläge feststellen und Tendenzen derer Einsatzdauer ablesen.

Nach den Rasenplätzen empfiehlt von Fichard bereits 1894 die Anlegung von Hartplätzen und um 1900 veröffentlicht er die Bauanleitung zu Asphalt- und Zementplätzen. 1893 beschreibt Webster neben dem Rasen auch Chausseplätze, ebenfalls in den 1890ern wird in Homburg auf Asche gespielt. Von Mayern-Hohenberg zählt um 1900 die folgenden Hardcourts auf: Sand, Asche, Chaussee, Asphalt, Cement. Die Vielfalt an Spieloberflächen wird ab der Jahrhundertwende durch die ersten Experimente mit einem roten Spielbelag (unter anderem En-tout-cas) bereichert. Das markiert den Beginn des zum heutigen roten Sandplatz führenden Weges, den Prof. Gillmeister in der zweiten überarbeiteten Auflage seines Buches Kulturgeschichte des Tennis erläutern wird.18) 1929 erschien in der ungarischen Tennis és Golf ein umfassender Artikel eines Autors unter dem Pseudonym Kapitány19) über die unterschiedlichen Tennisplatzbauweisen. Demnach verschwanden die unelastischen, anstrengenden Asphalt- und Betonplätze vor dem ersten Weltkrieg, genauso die Lehm-Kies-Sandoberflächen. Zum Schluss beschreibt der "Kapitány" den Anfang der bis heute andauernden Ära des roten Sandplatzes und dessen gute Spieleignung. Die belegten Materialangaben der untersuchten Esterházy'schen und Batthyány'schen Tennisplätze korrelieren weitgehend mit diesen Angaben.

Wie haben nun damals Hartplätze ausgesehen?

Lehm-Kies-Sandplätze

Lehm, Kies ("Schotter") und Sand waren von zahlreichen Hartplätzen die Hauptbestandteile. 1894-95 wurde schon über gute Erfahrungen mit solchen Plätzen berichtet.20) Die verhältnismäßig leichte Erreichbarkeit der Baustoffe, die guten Spieleigenschaften des Bauresultats sowie die zufriedenstellende Beständigkeit begründeten die weite Verbreitung der Plätze aus diesen Baumaterialien. Die folgende Darstellung eines Lehm-Kies-Sand-Platzes (siehe Abb. 721)) lehnt sich an die Bauanleitung aus dem Jahre 1908 von Adolf Cepek,22) Stadtgärtner in Ravensburg an. Die unterste, etwa 8-10 cm mächtige Schicht des Platzaufbaus bildet ein 5-6 cm groß geschlagenes Steinmaterial (bevorzugt Sandstein oder Ziegelsteine, die wenn sie nass sind, schnell zerbröckeln) gebildet. Darauf kommt eine Lage von 5 bis 7 cm aus einer Sand-Kies-Mischung. Diese beiden werden mit reichlich Wasser in die Ritzen der darunterliegenden Natursteinschicht eingeschlemmt. Darauf folgend wird die ganze Schüttung festgerammt. Darüber wird die Spieloberfläche bildende Deckschicht ausgebreitet. "Dazu verwendet man am besten Tuffsteinsand oder Mergel. Der Tuffsteinsand wird durch Zusatz von Wasser und ein Drittel Teil Erde zu einem Brei bereitet und dann gleichmäßig über die Schicht aufgetragen und abgewalzt. Lehmbrei mit feinem Kies kann man auch als Überzug verwenden und auch ist das Resultat ein günstiges."

Abb. 8: Der von Webster beschriebene Aufbau (1893). Die beiden unteren geschütteten Schichten von demselben Material, aber unterschiedlicher Korngröße, folgen dem Bauprinzip von McAdam.

Abb. 7: Prinzipskizze eines Lehm-Kies-Sandplatzes nach Adolf Cepek (1907).

Makadam und Chaussee

Bei der Aufarbeitung von den historischen Bauanleitungen wurden zahlreiche, eindeutig vom Straßenbau inspirierte Platzbauvarianten gefunden. Sowohl nach den Straßenbauprinzipien von Loudon McAdam wie auch nach denen von Trésaguet23) wurden Tenniscourts errichtet, jedoch wurden diese dem Tennisspiel angepasst. Die Bezeichnung der entsprechenden Oberflächen kann aber in manchen Fällen für Verwirrung sorgen. Tennisplätze wurden gelegentlich nicht nach dem Aufbauprinzip benannt, sondern nach dem Material der Spieloberfläche. Deshalb finden wir in historischen Bauanleitungen Aufbauten nach McAdam, die jedoch wegen ihrer Deckschicht aus Straßenabzug "chaussierte" Tennisplätze genannt werden. Diese sind aber nicht mit jenen, nach dem Prinzipien von Trésaguet gebauten Chausseeplätzen zu verwechseln.

John Loudon McAdam entwickelte am Anfang des 19. Jahrhunderts einen Straßenaufbau, der nur 25-30 cm tief war und ohne Unterbau auskam. Das Bauprinzip beruht darauf, dass vom selben Steinmaterial zuerst die grobkörnigen, aber nicht größer als etwa 7 cm großen Teile aufgetragen, dann von der Korngröße her immer kleinere Schichten darauf lagenweise eingebaut werden. Die einzelnen Korngrößen werden untereinander nicht vermischt. Sie werden nicht mit einem Bindemittel zusammengehalten, ihre Festigkeit wird rein durch ihr Verkanten untereinander und das nachfolgende Walzen des Straßenaufbaus erreicht.24) Im späteren 19.Jahrhundert wurde dann der von McAdam empfohlene Straßenaufbau im Tennisplatzbau dahingehend abgewandelt, dass nach der untersten grobkörnigen Steinschicht und der darauffolgenden feinkörnigeren Schicht nicht eine weitere von der Korngröße her noch feinerer Schicht aus demselben Steinmaterial folgte, sondern stattdessen eine Schicht aus Straßenabzug (Straßenschlick) von Chausseen, die eventuell noch mit einer feinen Schicht Kies oder Sand überzogen wurde (siehe Abb. 825)). Ein Beispiel dafür ist die Bauanleitung von J. Webster aus 1893:

"Nachdem die Felder aufgestellt sind, wird mit geschlagenen Russen (Backsteinen) ausgefüllt; unten recht grobe Stücke, oben feiner, etwa in der Grösse von Würfelzucker. Dann wird der Platz sehr nass gemacht und drei bis vier Mal mit einer schweren Walze eingewalzt. Nun bedeckt man ihn mit einer 1 cm hohen Schicht Trass oder Chaussestaub (dies ist der zuweilen benutzten Erde vorzuziehen), über den man 2 cm hoch feinen gesiebten Kies mit Lehmgehalt (keinen Sand) schichtet. - Diese oberen Schichten müssen Bindekraft haben, sonst werden sie nicht fest. Der Kies wird dann ebenfalls nass gemacht und gewalzt."26) Chaussee-Plätze sind diejenigen Tennisplätze, deren Aufbau tatsächlich die Prinzipien der von Trésaguet im 18. Jahrhundert entwickelten Bauweise für Chausseen zu Grunde liegt. Bei Courts dieser Bauweise bestand die unterste Schicht des Aufbaus, die von der Hand gelegte Packsteinlage - und oft auch Kantensteine - aus gebrochenen Ziegeln (Backsteine, auch Russen genannt) und aus Bruchsteinen (siehe Abb. 927)). Eine bautechnisch exakte Anleitung bringt A. Brodersen, Landschaftsgärtner aus Berlin, in "Die Gartenwelt" 1901. Er nennt diese Bauweise "Chaussieren" der Tennisplätze:

"(…) Auf das festgerammte Planum wird nun das bereitgehaltene, sortierte Material schichtenweise aufgebracht. Zuerst wird das größte Material, die Packsteine (keilige Form, 12-15cm hoch, unten 5-7 cm stark, mit der Hand, auf der breiten Fläche aufstehend, mit der Spitze nach oben Stein neben Stein hingesetzt. Ist die ganze Fläche bestellt, so wird auf die Packlage eine ca. 8 cm starke Schicht Schüttsteine, die durch Aussieben von dem Splint und Sand gereinigt sind, aufgebracht. Die Größe der Schüttsteine ist in alle Richtungen 5-7 cm. (…) Ist die ganze Schüttung aufgebracht, so wird reichlich bewässert und gleich darauf der Platz mehrere Male mit schweren Rammen gerammt. (…) Nachdem das Planum gleichmäßig fest und eben gerammt ist, wird über die Schüttung der Splint, der beim Aussieben der Schüttsteine gewonnen ist, gebracht und durch Rammen unter gleichzeitige Bewässerung in die Öffnungen zwischen den Schüttsteinen eingepresst. Damit die ganze Schüttung fest verbunden wir, wird die ganze Fläche mit einer schwachen Schicht Chausseeschlick oder nicht zu schwerem Lehm und ferner mit einer schwachen Lage feinkörniger Kies abgedeckt. Wieder wird mittelst der Ramme die Fläche bearbeitet, bis sie ganz tadellos eben ist."28)

Unabhängig von den Aufbauprinzipien hing, welches Feinkorn- oder Bindemittel in der Deckschicht gewählt wurde, auch mit den Gegebenheiten vor Ort zusammen. In trockenen Regionen wurde mit einem höheren Lehmanteil gearbeitet. Anders in niederschlagsreichen Gebieten, in denen ein fein gemahlener Kies oder Sand empfohlen wurde. Zu den leicht erreichbaren Bindemitteln zählte der Straßenstaub mit hohem organischem Anteil (Pferdedung). Eine ausgefallene Variante war die bereits erwähnte Verwendung von Ochsenblut. Eine pflegeleichte Spieloberfläche wurde mit der Verwendung von Teer als Bindemittel erzeugt. Um das Aufkommen von Unkräutern aber auch gegen Maulwürfe wurde oft der Einbau einer Steinkohlenschlick-Schicht empfohlen.29)

Bei den untersuchten Schlossgärten und ihren Tennisplätzen konnten vor Ort in Lackenbach und Pottendorf zwei punktuelle Grabungen durchgeführt werden. In beiden Fällen handelte es sich eindeutig um einen roten Sandplatz. Weitere Aufschlüsse zum Aufbau und zu den eingebauten Baustoffen könnten durch weiterführende Untersuchungen mittels Sondagen und Materialbeprobungen gewonnen werden.

Abb. 10: Wo einst im Pottendorfer Schlosspark der Tennisplatz stand wird heute regelmäßig temporär ein Eislaufplatz angelegt. Fotos: Marianne Zak, 2013

Gegenwart und Zukunft historischer Tenniscourts

Die Forschung zur Masterthesis erbrachte nicht nur spannende sondern auch weniger erfreuliche Ergebnisse. Von den neun belegten historischen Tenniscourts existiert kein einziger mehr, das Wissen über ihre Lage in den Schlossgärten, ihre Bauweise oder Ausstattung wird kaum noch mündlich überliefert, Plan- und schriftliche Quellen sind rar. Nichts desto trotz zeigen die Ergebnisse, dass die Dokumentation der einstigen Plätze sowohl für die Garten- wie auch für die Baugeschichte wichtig und bereichernd ist. Die Errichtung der Courts im schlossnahen Bereich verdeutlicht den nutzungsorientierten Zugang der damaligen Besitzer. In vielen Fällen wäre der gegenwärtige Tennisspieler dankbar, wenn die einst ernst genommenen Empfehlungen für die Lage und Ausrichtung der Courts auch bei den heutigen Tennisplätzen von Schlosshotels umgesetzt wären. Bereits die Schrift- und Bildquellen machen deutlich, dass zahlreiche Parallelen zwischen dem Tennisplatzbau und dem Wege- und Straßenbau um die Jahrhundertwende bestehen. Die BetrachterInnen der historischen Tennisfotos aus den Schlossgärten dieser Zeit finden sich versetzt in höchst gesellige Szenen. Etwas von der Geschichte des Spiels und der Spielfreude auch in die heute öffentlich zugänglichen historischen Gartenanlagen zurückzuholen: Warum nicht?

Literatur/Anmerkungen

Boros, Mihály: A Tennis (Das Tennis; Übersetzung d. d. A.), Plökl és Haas, Neuwald, Budapest, 1909

Brodersen, A.: Praktische Herstellung eines Lawn Tennis Platzes, in: Die Gartenwelt, Jahrgang V., Nr. 17, Gustav Schmidt Verlag, Berlin, 1901

Cepek, Adolf: Die Gartenwelt - Illustrierte Wochenzeitschrift für den gesamten Gartenbau, XII Jahrgang 1907-08

Drexel,Anita: Pflaster auf städtischen Fußböden. Bauhandwerkliche und freiraumplanerische Qualitäten von Gehwegen in Wien und anderen Städten, Österreichischer Kunst- und Kulturverlag, Wien, 2000

Gillmeister, Heiner: Tennis - A Cultural History, Leicester University Press, London,1997, (Deutsche Ausgabe: Kulturgeschichte des Tennis, Wilhelm Fink Verlag, München, 1990)

Kapitány: A modern teniszpályák anyaga (Das Material der modernen Tennisplätze; Übersetzung d. d. A.), in: Tennis és Golf (die offizielle Zeitschrift des ungarischen Lawn Tennis Verbandes), Red. Béla Kehrling, I.Jahrgang,Nr. 15-16., 25. Dezember, 1929

Kelemen,Aurél: Lawn-tennis játékszabályok. Szak-útmutatás pályaépítéshez és játékhoz (Lawn-Tennis Spielregeln; Übersetzung d. d. A.), Weszely,Budapest, (nach 1925)

Kuebler, Siegfried: Book of Tennis Rackets from the Beginning in the 16th Century until about 1990, Kuebler, Singen, 2000

Meyern-Hohenberg, M. G. Freiherr von: Lawn-Tennis, Schimpff, Triest, 1900

Schnitzler,Thomas: Zwischen standesbewusstem Freizeitkult- und Wettkampf-orientiertem Sport. 2000 Jahre Tennis und 50 Jahre Tennisverband Rheinland-Pfalz (1949-1999) online 2007 unter: www.rlp-tennis.de/home/verband/historie/vom-exklusiven- freizeitvertreib-zum-sport-die-anfaenge-des-lawn-tennis-1874-1918.html (Zugriff: 17.1.2013.)

Todd, Tom: The Tennis Players from pagan rites to strawberries and cream, Vallancey, London, 1979

Webster, J.: Lawn-Tennis. Anleitung zur Erlernung des Spiels und Ratschläge bei Anschaffung der dazu nötigen Utensilien nebst einem Anhang: Wie man einen Lawn-Tennis-Platz anlegt, Bechhold, Frankfurt a. Main, 1893

1) Hier ein Beispiel aus der Kolumne "High Life" der Society-Zeitschrift Wiener Salonblatt am 6. Juli 1884: "Die beste Lawen-Tennis-Spielerin unserer aristokratischen Damenwelt dürfte die anmuthige Baronin Burgoing sein, welche ihre Meisterschaft vor einigen Tagen auf dem Spielplatz am Schüttel in einem Match mit Fürstin Eugenie Esterházy auf's Glänzendste dokumentierte, indem sie mit zwei gewonnenen von drei gespielten Parthien Siegerin blieb."

2) Untersuchte Schlossgärten der Familie Esterházy und ihre Lage in Österreich bzw. Ungarn: Eisenstadt (Ö), Ferto?d/Eszterháza (U), Lackenbach (Ö), Lockenhaus (Ö), Pottendorf (Ö); untersuchte Gärten der Familie Batthyány: Csákánydoroszló (U), Ikervár (U), Kittsee (Ö), Körmend (U), Magyarszecso?d (U), Rechnitz (Ö), Zalacsány (U), Zalaszentgrót (U).

3) Vgl. Zak: Lawn Tennis, die vergessene Leidenschaft. Der weiße Sport in den Schlossgärten der Aristokratenfamilien Esterházy und Batthyány, Masterarbeit an der Universität für Bodenkultur Wien, 2014.

4) Unter anderem: Schwerpunktbibliothek des AELTC Wimbledon Lawn Tennis Museums, Österreichische Nationalbibliothek, Bibliothek der Österreichischen Gartenbaugesellschaft, Széchenyi Landesbibliothek Budapest, Bibliothek des Sportmuseums Budapest, Esterházy Archiv Burg Forchtenstein.

5) Aus dem Fotoalbum der bedeutenden ungarischen Tennismeisterin Gräfin Sarolta Cséry, Privatbesitz.

6) Aus: Gillmeister: Tennis. A Cultural History, 1997, S.190.

7) Aus: Regelung des ITF; www.itftennis.com/technical/publications/rules/courts/appendix-viii.aspx.

8) Todd: The Tennis Players from pagan rites to strawberries and cream, 1979, S. 214-215.

9) Gillmeister: Tennis. A Cultural History, 1997.

10) U.a. in: Meyern-Hohenberg: Lawn-Tennis, 1900, S.88.

11)Boros: A tennis (Das Tennis), 1909, S. 10; Kelemen A.: Lawn-tennis játékszabályok: szak-útmutatás pályaépítéshez és játékhoz (Lawn-Tennis Spielregeln; Übersetzung d.d.A.), nach 1925, S. 15.

12) "En-tout-cas": Die Übersetzung des französischen Ausdrucks "jedenfalls" oder "auf jeden Fall", deutet auf die Eigenschaften des Spielplatzes hin. Da diese Plätze nach einem Regenfall schnell auftrockneten und nicht nur bei schönem Wetter, sondern auch "in jedem Fall" bespieltwerden konnten.

13) Boros: A tennis (Das Tennis), 1909.

14) Meyern-Hohenberg: Lawn-Tennis, 1900, S. 93.

15) Vgl. Zak: Lawn Tennis, die vergessene Leidenschaft-Der "weiße Sport" in den Schlossgärten der Aristokratenfamilien Esterházy und Batthyány,2014, S.177-179.

16) Privatbesitz, Marianne Zak.

17) Aus der Sammlung des Esterházy Archivs, Burg Forchtenstein.

18) Das Buch erscheint voraussichtlich 2015.

19) Kapitány: A modern teniszpályák anyaga (Das Material der modernen Tennisplätze), in: Tennis és Golf (die offizielle Zeitschrift des ungarischen Lawn Tennis Verbandes; Anm. d. A.), 1929, S. 345-346.

20) Vgl. Schnitzler: 2000 Jahre Tennis, 2007.

21) Handzeichnung, Marianne Zak.

22) Cepek, in: Die Gartenwelt, 1907-08, S. 287.

23) John Loudon McAdam, Straßenbauingenieur aus Schottland, 1756-1836. Er gilt, nach dem französischen Pionier Pierre-Marie-Jérôme Trésaguet und dem Schotten Thomas Telford, der die Straßenbautheorie von Trésaguetweiterentwickelte, als großer Reformer des professionellen Straßenbaus.

24) Vgl. Drexel: Pflaster auf städtischen Fußböden. Bauhandwerkliche und freiraumplanerische Qualitäten von Gehwegen in Wien und anderen Städten,2000, S.107ff.

25) Handzeichnung, Marianne Zak.

26) Webster: Lawn-Tennis, 1893, S. 20.

27) Handzeichnung, Marianne Zak.

28) Brodersen in: Die Gartenwelt, 1901, S. 194.

29) Beispielsweise bei Kelemen: Lawn-tennis játékszabályok (Lawn-Tennis-Spielregeln; Übersetzung d.d.A.), nach 1925, S. 15.

Dieser Artikel erschien in der Ausgabe NEUE LANDSCHAFT 02/2015 .

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