Weltkongress Gebäudegrün 2023 in Berlin

Pathos und Praxis auf der ganz großen Bühne

Als Chef-Organisator Dr. Gunter Mann die über 1000 Teilnehmer des Weltkongresses Gebäudegrün verabschiedete, war die Stimmung im Mercure Hotel MOA Berlin glücklich und gelöst. Mit tosendem Applaus endete das zweitägige Treffen der internationalen Dach-, Fassaden- und Innenraumbegrüner, dem anderthalb Jahre Vorbereitungszeit durch den Bundesverband GebäudeGrün (BuGG) vorangegangen waren.
Dachbegrünung
Eine Fachausstellung zur Dach-, Fassaden- und Innenraumbegrünung flankierte das üppige Vortragsgeschehen im Mercure Hotel MOA Berlin. Foto: Hendrik Behnisch, Neue Landschaft

Zwar war die Schirmherrin des Kongresses, Bundesbauministerin Klara Geywitz, entgegen ihrer Ankündigung nicht persönlich erschienen. Doch dieser Umstand trübte das durchweg positive Bild, das sich Ende Juni im Mercure Hotel MOA bot, kein bisschen. Das facettenreiche Vortragsprogramm und das angeregte Miteinander überstrahlten das Fernbleiben der Politprominenz um ein Vielfaches.

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Dachbegrünung
BuGG-Präsident Dr. Gunter Mann und sein Team waren sichtlich ergriffen von der positiven Resonanz der Kongressteilnehmer. Es war der Mühen Lohn nach anderthalb Jahren Vorbereitungszeit. Foto: Hendrik Behnisch, Neue Landschaft
Dachbegrünung
Star-Architekt Christoph Ingenhoven stellte unter anderem sein grünes Leuchtturmprojekt Kö Bogen II vor, das Teil der renaturierten Düsseldorfer Innenstadt ist.

Leuchtturmprojekt in Düsseldorf

Während ein Teil der Referenten Best-Practice-Beispiele zeigte, um den Status quo der Bauwerksbegrünung abzubilden, trug ein anderer Teil kühne Zukunftsvisionen ins Plenum. Diese sollten die Branche darauf einschwören, an vorderster Front gegen den Klimawandel zu kämpfen.

Star-Architekt Christoph Ingenhoven – wohl der namhafteste Referent der Tagung – schlug eine Brücke zwischen diesen beiden Polen. Er scheute nicht vor Pathos zurück, als er sagte, dass wir in einer "planetarischen Krise" seien, die nicht mehr durch nachhaltiges Agieren gelöst werden könne, sondern nur noch durch regeneratives.

Theoretisch sei es am besten, Neubauten zu vermeiden oder ihre Zahl zu reduzieren. Da das an den Bedürfnissen der Menschheit vorbeigehe, sei das Gebot der Stunde, die Co2-Emissionen von Gebäuden zumindest zu kompensieren.

Ein Instrument dafür stünde in der Bauwerksbegrünung bereit – womit er zu den Best-Practice-Beispielen überleitete, die sein Büro u.a. in Düsseldorf, Singapur und Tokio realisiert hatte.

In der Rheinmetropole hatten Ingenhoven Associates nicht nur die Innenstadt renaturiert, sondern auch den Kö Bogen II mit 30.000 Buchen bepflanzt. Während die Politik eine immergrüne Bepflanzung für das Bauwerk anstrebte, bestand Ingenhoven auf Buchen, um den Jahreszeitenwechsel erlebbar zu machen. Die Bilanz der Gebäudebegrünung, die 2020 vollendet wurde: Nach drei Wintern ist noch keine einzige Buche eingegangen.

Impressionen aus dem Musterland

Ein Stadtstaat, der in puncto Bauwerksbegrünung häufig als Vorbild genannt wird, ist das südostasiatische Singapur. Aus der 5,5-Millionen-Einwohner-Metropole war Chintan Raveshia angereist, um den Zuhörern die Gründe für diese Erfolgsgeschichte zu erläutern.

Ein entscheidender Faktor sei der Anpassungszwang, der vom schwül-heißen Klima Singapurs ausgehe. Das hätten die Bewohner des Stadtstaats seit seiner Unabhängigkeit im Jahr 1963 verinnerlicht und von Generation zu Generation weitergegeben. Oder wie Raveshia es ausdrückte:

"Als in den 1960er Jahren alle Welt Autos baute, pflanzte Singapur Bäume." Das Resultat: Heutzutage sind 30 Prozent der Stadtfläche mit Grün bedeckt, was angesichts der enormen (Bevölkerungs-)Dichte, die in dem Stadtstaat herrscht, umso mehr beeindruckt.

Dachbegrünung
"From a Garden City to a City in Nature" hieß der Vortrag von Chintan Raveshia, in dem es um die grüne Erfolgsgeschichte Singapurs ging. Fotos: Hendrik Behnisch, Neue Landschaft

Und der Trend setzt sich fort: Laut Raveshia gibt es immer weniger Autobesitzer in Singapur, weshalb ehemalige Parkplätze zusehends in Urban-Farming-Flächen umgewandelt werden. Er selbst radele jeden Tag zur Arbeit, weil die Stadt sehr fahrradfreundlich sei. Das klimabedingte Stadtgrün-Denken von Singapurs Gründungsvätern hat bis heute eine breite gesellschaftliche Mehrheit, die sich auch in der Politik abbildet.

Ein Beispiel: 2019 hatten sich fünf Ministerien für den Multi Ministry Plan zusammengeschlossen, der darauf abzielt, das Mikroklima des Stadtstaats zu verbessern. Das Besondere daran: Obwohl die Thematik im Umweltressort beheimatet ist, waren u.a. auch das Bildungs- und Verkehrsministerium mit dabei. Der Blick fürs große Ganze ist in Singapur offenbar mehr als nur eine Floskel – und der Status als Stadtgrün-Musterland absolut gerechtfertigt.

Solche Best-Practice-Beispiele sollten die Teilnehmer sowohl inspirieren als auch motivieren, um gestärkt in ihren Berufsalltag zurückzukehren. Das war laut Dr. Mann eines der Hauptziele des Kongresses. Dem finalen Applaus nach zu urteilen, ist das mit Bravour gelungen.

Hendrik Behnisch

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