Der Feld-Ahorn und seine Sorten in der Stadt

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Ahorn Stadtbäume
Acer campestre, ausdrucksstarke Verzweigung. Foto: Philipp Schönfeld

Der Feld-Ahorn ist ein Gehölz, das sich in der Stadt außerordentlich vielseitig einsetzen lässt. In Gärten, Parks und an der Straße kann er sowohl als Großstrauch, geschnittene Hecke oder auch als Straßenbaum verwendet werden. Gemessen an seinen ästhetischen und ökologischen Qualitäten, seiner Vielseitigkeit und seinem Anpassungsvermögen sowie seiner Widerstandsfähigkeit gegenüber Hitze, Trockenheit, verdichtetem Boden und Streusalz, verdient er mehr Beachtung.

Feld-Ahorn als Straßenbaum

Die heimischen Ahornarten und deren Sorten sind nach wie vor wichtige Straßenbäume, die jedes Jahr in großer Zahl gepflanzt werden. Das gilt vor allem für den Spitzahorn (Acer platanoides). Seine Robustheit und Anpassungsfähigkeit, die Fülle von Sorten mit unterschiedlichen Kronenformen und Blattfarben sowie der günstige Preis sind sicher der Grund für seine Beliebtheit. Das gilt in ähnlicher Weise auch für den Berg-Ahorn (Acer pseudoplatanus), der allerdings aufgrund seiner Herkunft und Standortansprüche generell nicht als Stadt- und Straßenbaum an heißen und trockenen innerstädtischen Standorten gepflanzt werden sollte.

Aber auch der Spitzahorn leidet inzwischen in der Stadt unter den zunehmenden Hitze- und Trockenperioden. Damit rückt der Feld-Ahorn als weitere heimische Ahornart mehr in den Focus. Aufgrund seiner natürlichen Verbreitung in Eichen-Hainbuchen-Mischwäldern, an Waldrändern und in Knicks in Mittel-, Süd- und Osteuropa ist er Hitze und Trockenheit gewöhnt.

In den "Lebensbereichen der Gehölze" (Kiermeier 1995) hat der Feld-Ahorn dementsprechend die Kennziffer 6.3.3.2.

  • Ziffer Lebensbereich: sehs Steppengehölze und Trockenwälder; Gehölze warm-trockener Lagen (xerotherme Lagen)
  • Ziffer Bodenfaktoren: drei locker aufgebaute Gehölzgruppen; mäßig trocken bis frisch, zum Teil feucht; Luft- und Bodentrockenheit vertragend; ± nährstoffreich; schwach sauer bis alkalisch; sandig-lehmig bis lehmig
  • Ziffer Klimafaktoren: drei sonnig bis lichtschattig; hitzeverträglich und wärmeliebend; mäßig frosthart bis meist frosthart, gelegentlich spätfrostgefährdet.
  • Ziffer Wuchsgruppe: 2 mittelgroßer Baum > 15 Meter

In der GALK-Straßenbaumliste (GALK = Deutsche Gartenamtsleiterkonferenz) werden die Art sowie die Sorte "Elsrijk" in der Kategorie Verwendbarkeit als "geeignet mit Einschränkungen" eingestuft. Die Sorte "Huibers Elegant" ist noch im Test und dementsprechend bezüglich der Verwendbarkeit ohne Bezeichnung. Der Feld-Ahorn ist gegenüber Hitze sowie Luft- und Bodentrockenheit deutlich widerstandsfähiger als Spitz- und vor allem Bergahorn. Er kann die eben genannten Arten allerdings nicht überall ersetzen, zumindest nicht dort, wo aus gestalterischen Gründen Großbäume gefordert sind, da er in seiner Wuchshöhe deutlich niedriger bleibt. Er ist somit eine Baumart, die sich aufgrund ihrer Wuchshöhe und Kronenbreite vor allem für Neben- und Wohnstraßen, Plätze, Fußgängerzonen, Innenhöfe und ähnliches eignet. Die Sortenvielfalt ist beim Feld-Ahorn auch deutlich geringer als bei Spitz- und Bergahorn.

Bei der Pflanzung von Straßenbäumen an schwierigen Standorten werden für die Praxis Empfehlungen/Vorschriften folgender Institutionen gegeben:

  • Forschungsgesellschaft Landschaftsentwicklung Landschaftsbau e. V. (FLL) - "Empfehlungen für Baumpflanzungen, Teil 2 - Standortvorbereitungen für Neupflanzungen, Pflanzgruben und Wurzelraumerweiterung, Bauweisen und Substrate" (aktuelle Ausgabe 2010)
  • Stadt München - "Zusätzliche technische Vorschriften für die Herstellung und Anwendung verbesserter Vegetationstragschichten" (ZTV-Vegtra-Mü, aktuelle Ausgabe 2008).

Beide Regelwerke sind sich in ihren Anforderungen an die Substrateigenschaften sehr ähnlich. Für Einzelbäume werden Baumgruben mit 1,5 Meter Tiefe und mindestens 12 Kubikmeter Größe gefordert. Die sandig-kiesigen Substrate, deren pH-Wert meist über pH 7 liegen, kommen den Ansprüchen des Feld-Ahorns entgegen. Die großen Baumgruben sichern dem jungen Baum eine gute Anfangsentwicklung. Da Ahorn zu den Gattungen gehört, die anfällig sind für Rindenrisse, sollte der Stamm nach der Pflanzung einen Schutz durch einen weißen Anstrich oder eine Schilfrohrmatte erhalten.

Sorten

Vom Feld-Ahorn gibt es eine Reihe Sorten, die in Bezug auf ihre Kronenform oder Blattfarbe von der Art abweichen. Sie vergrößern die Verwendungs- und Einsatzmöglichkeiten gerade hinsichtlich des Einsatzes als Straßenbaum. Einige wichtige oder neu verwendete Sorten sind nachstehend beschrieben:

Carneval: Blätter weiß panaschiert (panaschiert = verschiedenfarbige Zonen); Wuchshöhe circa 6 bis 10 Meter; Verwendung vornehmlich im Hausgarten; schlägt gelegentlich in die Art zurück und bildet Triebe mit grünen Blättern aus, diese müssen sofort entfernt werden.

Elsrijk: Krone schmaler, geschlossener und gleichmäßiger als bei der Art; Wuchshöhe wie die Art; Blätter weniger mehltauanfällig; als Straßenbaum häufig verwendete Sorte.

Green Column: Krone in der Jugend schmal aufrecht, später breit eiförmig; Höhe 8 bis 12 Meter; Breite 3 bis 5 Meter; Säulenform, für enge Räume oder Straßen oder für besondere gestalterische Effekte; neue und noch wenig verbreitete Sorte.

Huibers Elegant: Krone eiförmig, sehr regelmäßiger aufrechter Wuchs; Höhe 6 bis 10 Meter; Breite 3 bis 5 Meter; starkes Jugendwachstum; kein Mehltaubefall; bisher noch wenig verbreitete Sorte als Straßen- und Parkbaum sowie für Gärten.

Nanum: Krone rundlich bis kugelig, dicht geschlossen; Kronenhöhe/-breite circa 3 Meter; kleiner Baum mit formaler Krone; Äste dünn. Alternative zu den deutlich größer werdenden Acer platanoides 'Globosum' oder Robinia pseudoacacia 'Umbraculifera', als Hausbaum für kleine Gärten und für formale Anlagen.

'Anny's Globe': ähnlich wie die Sorte Nanum, Kronenäste jedoch dicker und damit stabiler

Queen Elizabeth: Krone anfangs aufrecht, später rundlich; Wuchshöhe wie die Art jedoch Kronenform gleichmäßiger; schnellwüchsiger als die Art; Blätter größer.

Red Shine: Krone schmal pyramiden- bis eiförmig; Höhe 8 bis 10 Meter; Laub anfangs tiefrot, später grünlichrot; Blattunterseite dunkelgrün; wurzelechte Pflanzen verwenden um grüne Wildtriebe zu vermeiden; kleiner Baum für besondere gestalterische Akzente.

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Weitere geeignete Ahornarten

Die Zukunft wird von den für die Baumartenauswahl Verantwortlichen erfordern, die Standortgegebenheiten genauer als bisher einzuschätzen. Die bisherigen Hauptbaumarten ("Allerweltsarten") Ahorn, Linde, Kastanie, Esche und Platane werden zunehmend durch die Folgen des Klimawandels sowie neue Schädlinge und Krankheiten beeinträchtigt. Das schränkt ihre Verwendung ein und macht die Suche nach alternativ einsetzbaren Arten erforderlich. Als Ergänzung zum Feld-Ahorn bieten sich hier für die Verwendung als Straßenbaum der Französische Ahorn (A. monspessulanum) oder der Schneeballblättrige Ahorn (A. opalus) an. Beide Arten sollten aufgrund ihrer Herkunft noch trockenheits- und hitzeverträglicher sein als der Feld-Ahorn und könnten an besonderen Plätzen eine Alternative darstellen. Sinnvoll wäre die Pflanzung dieser beiden Arten aber auch unter dem Aspekt, die Artenvielfalt in der Stadt zu erhöhen.

Der Französische Ahorn gehört zu den 20 Straßenbaumarten, die im Rahmen des Projekts "Stadtgrün 2021" der Bayerischen Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau (LWG) Veitshöchheim seit 2009/2010 an drei Standorten in Bayern getestet werden. Bisher entwickelt er sich gut, nicht nur am warmen Standort in Würzburg, sondern sogar am kalten Standort in Hof. Der Schneeballblättrige Ahorn ist in der Erweiterung dieses Projekts um zehn Arten im Frühjahr 2015 gepflanzt worden. Auch diese Art hat sich am Hitzestandort Würzburg bisher gut bewährt Beide Arten stehen seit 2005 beziehungsweise 2007/2008 auch im "Straßenbaumtest 2" der GALK. In der GALK-Liste werden noch keine Angaben zur Verwendbarkeit gemacht, da der diesbezügliche Test noch nicht abgeschlossen ist.

Acer campestre sowie die gängigen Sorten werden derzeit stark nachgefragt und sind mitunter knapp und teuer. Bei Acer monspessulanum ist die Anzucht allerdings durch das träge Wachstum langwierig und führt naturgemäß zu höheren Preisen. Bei dieser Art wird es noch einige Jahre dauern, bis entsprechende Mengen am Markt verfügbar sein werden. Noch schwieriger ist es bei Acer opalus. Diese Art wird bisher nur selten kultiviert, insbesondere als Hochstamm. Größere Stückzahlen in einheitlicher Größe und Qualität dürfte es kaum geben. Darüber hinaus wäre es wichtig, aufrecht wachsende Typen für den Einsatz als Straßenbaum zu selektieren. Dennoch sollte man versuchen, die eben genannten Arten zu pflanzen, auch wenn die Beschaffung mitunter etwas schwierig ist. Eine steigende Nachfrage führt zu steigender Produktion.

Feld-Ahorn als Hecke

Der Feld-Ahorn ist sehr schnittverträglich und somit grundsätzlich gut geeignet zur Verwendung als geschnittene Hecke. Aus ihm lassen sich Hecken von 1,5 bis 6 Meter Höhe erziehen. Er stellt damit eine Alternative zu der sehr oft verwendeten Hainbuche dar. Beim Kauf sollte man, laut den "TL-Baumschulpflanzen - Technische Lieferbedingungen für Baumschulpflanzen (Gütebestimmungen)" (2020) der FLL, statt Heistern Heckenpflanzen bestellen. Diese Pflanzen sind während der Anzucht bereits geschnitten worden und dementsprechend dichter verzweigt. Inzwischen bieten die Baumschulen viele Heckenpflanzen auch als sogenannte Heckenelemente an. Das sind vorgeformte Heckenteile, die nach der Pflanzung sofort eine fertige Hecke ergeben. Diese Elemente sind zwar deutlich teurer als die üblichen Einzelpflanzen, aber sie sind dort sinnvoll, wo ein sofortiger Sichtschutz gewünscht ist.

Bedingt durch die gute Schnittverträglichkeit bieten die Baumschulen den Feld-Ahorn in verschiedenen geschnittenen Formen an: Spaliere (auf Hochstamm), Kästen, Schirme, etc. Das vergrößert die Gestaltungs- und Anwendungsmöglichkeiten.

Feld-Ahorn in Parks und Gärten

Der Feld-Ahorn lässt sich in Gärten und Parks, in Außenanlagen von Wohnkomplexen, Schulen und Kindergärten sowie im Straßenbegleitgrün sehr vielseitig einsetzen, sowohl als Einzelgehölz als auch in Kombination mit anderen Gehölzen und Stauden. Für eine gemischte Pflanzung, zum Beispiel als Sicht- oder Windschutz, sollten Arten mit ähnlichen Standortansprüchen gewählt werden. Die gleiche Lebensbereich-Kennziffer wie der Feld-Ahorn haben unter anderem folgende Gehölze, die sich folglich sehr gut als Partner eignen: Acer tataricum subsp. ginnala, Amelanchier ovalis, Buxus sempervirens, Caragana arborescens, Cornus mas, Ostrya carpinifolia, Prunus mahaleb, Prunus spinosa, Rhamnus catharticus, Rosa canina, Rosa jundzilii, Sorbus aria, Syringa vulgaris, Viburnum lantana.

Mit seinem dicht verzweigten Herzwurzelsystem kann der Feld-Ahorn sehr gute Dienste bei der Sicherung von Hängen und Böschungen leisten. Als Einzelgehölz gepflanzt und ohne Beeinträchtigung durch höhere Gehölze in unmittelbarer Nähe, entwickelt er sich zu einem eindrucksvollen und markanten Baum. Sobald seine Äste einen gewissen Mindestdurchmesser entwickelt haben, eignet er sich auch hervorragend als Kletterbaum in Kindergärten. Als mehrstämmiges Gehölz ohne Dornen, mit elastischem Holz und tief angesetzter Verzweigung bringt er gute Voraussetzungen dafür mit.

Literatur

- Forschungsgesellschaft Landschaftsentwicklung Landschaftsbau Hrsg. (2010): Empfehlungen für Baumpflanzungen, Teil 2 - Standortvorbereitungen für Neupflanzungen; Pflanzgruben und Wurzelraumerweiterung, Bauweisen und Substrate. Bonn.

- Forschungsgesellschaft Landschaftsentwicklung Landschaftsbau Hrsg. (2020): TL-Baumschulpflanzen - Technische Lieferbedingungen für Baumschulpflanzen (Gütebestimmungen). Bonn.

- Kiermeier, P. (1995): Die Lebensbereiche der Gehölze, Eingeteilt nach dem Kennziffernsystem. 3. überarbeitete Auflage. Verlagsgesellschaft Grün ist Leben mbH, Pinneberg.

- Roloff, A.; Bärtels, A. (2014): Flora der Gehölze. Vierte aktualisierte und überarbeitete Auflage, Verlag Eugen Ulmer, Stuttgart.

- Pirc, H. (1994): Ahorne. Verlag Eugen Ulmer, Stuttgart.

Dr. Philipp Schönfeld
Autor

Ehem. Sachgebietsleiter Pflanzenökologie und Pflanzenverwendung

Bayerische Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau

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