Der Privatgartenbereich wird zum festen Standbein

Im Garten- und Landschaftsbau brummt das Geschäft, so wie in jedem Frühjahr

Das Geschäft im GaLaBau brummt, trotz Coronakrise. Die Ursache ist ein großer Auftragsüberhang, viele neue Aufträge und Ausschreibungen. Foto: Wiltrud Lütge, Neue Landschaft

Im Garten- und Landschaftsbau brummt das Geschäft. Arbeit gibt es mehr als genug. Auch acht Wochen nach Beginn der Coronakrise ist Kurzarbeit in der Fläche unbekannt. Bislang gab es nur einzelne SARS-CoV-2-Infektionen unter den Beschäftigten. Die Branche sucht nach neuen Fachkräften und verweist dabei auf ihre gute Performance.

Ursache für die gute Marktlage ist ein großer Auftragsüberhang, viele neue Aufträge und weiterhin eine beträchtliche Anzahl kommunaler Ausschreibungen. Zum festen Standbein des GaLaBaus hat sich der Privatgartenbereich entwickelt. Nach einer Schockstarre in den ersten Wochen der Krise konnten Aufträge wieder gut akquiriert werden, berichtete Christoph Lau, Geschäftsführer des Verbandes Garten-, Landschafts- und Sportplatzbau (VGL) Nordrhein-Westfalen. Viele Hausbesitzer hätten sich entschieden, in diesem Jahr den eigenen Garten zum Haupterholungsziel zu machen.

BdB-Geschäftsführer Markus Guhl. Foto: BdB

Auftragsüberhang und neue Aufträge

"Es war wie drei Wochen Frost im Frühjahr", schilderte auch Markus Guhl den Beginn der Krise, Hauptgeschäftsführer des Bundes deutscher Baumschulen (BdB). Danach seien die Aufträge kräftig hereingekommen. Gehölze konnten in Deutschland besser verkauft werden als für die Saison prognostiziert. Treiber des saisonalen Booms waren die Privatgartenbesitzer, die sich auf Obstgehölze stürzten. Verschiedene Apfelsorten waren Anfang Mai bereits ausverkauft. Auch bei Demeter, berichten GaLaBauer, waren Bio- und Gemüsesaatgut zeitweise vergriffen.

Bereits neue Fachkräfte gesucht

Die gute Lage im Privatgartenbereich spiegelt sich in einer hohen Nachfrage beim Wohneigentumsprogramm der nationalen Förderbank KfW wider. Sein Fördervolumen mit zinsgünstigen Krediten für den Bau und Erwerb von Eigenheimen und Eigentumswohnungen stieg im ersten Quartal 2020 um 1,1 Milliarden Euro gegenüber dem gleichen Zeitraum des Vorjahrs. Ein gutes Signal sendet auch die nordrhein-westfälische Gartenschau in Kamp-Lintfort. Dort kamen zur Vorab-Öffnung an nur fünf Tagen im April rund 15 000 Menschen.

Die Branche sucht schon nach neuen Fachkräften. Weil es bei ihr keine Kurzarbeit oder gar Entlassungen gibt, kann sie bei Arbeitnehmern anderer Branchen punkten. Für gelernte Landschaftsgärtner, die inzwischen in anderen Berufen in Bedrängnis gekommen sind, ist das ein starkes Argument. Auch Schulabgänger interessiert das sehr.

Sorge um öffentliche Auftraggeber

Mit Sorge blickt der Garten- und Landschaftsbau jedoch auf die Aufträge der öffentlichen Verwaltungen. Zwar liefen die Ausschreibungen der Kommunen zurzeit weiter wie vor der Coronakrise, sagt Michael Schindel, geschäftsführender Gesellschafter des Berliner GaLaBau-Unternehmens Flöter & Uszkureit mit 70 festen Mitarbeitern. Doch seien in verschiedenen Städte und Gemeinden Brandenburgs bereits Haushaltssperren in Kraft, die ihnen keine neuen Verpflichtungen mehr erlauben. Landräte würden Alarm schlagen, weil die Gewerbesteuer nicht mehr im bisherigen Umfang fließe.

Im Süden Deutschlands steht es um die Kommunen besser, weil sie über Rücklagen verfügen. Trotzdem hat Reiner Bierig, Geschäftsführer des VGL Baden-Württemberg, einen Brief an die Landesminister, die Landtagsfraktionen, den Städtetag, den Gemeindetag und den Landkreistag seines Bundeslandes appelliert, ein Konjunkturprogramm für eine "nachhaltige Infrastruktur" aufzulegen. Attraktive Förderungen in den Bereichen "Grüne Stadtentwicklungsprojekte" oder "Grüne Dächer in Baden-Württemberg" bildeten nicht nur ein Konjunkturpaket, sie setzten auch ein wichtiges klimapolitisches Signal. Zugleich dürfe "die 'Corona-Krise' nicht dazu führen, dass notwendige Sportstättensanierungen zurückgestellt werden".

BGL-Präsident Lutze von Wurmb. Foto: Neue Landschaft

Image- und PR-Kampagne wird angepasst

Der Bundesverband Garten-, Landschafts- und Sportplatzbau (BGL) plant nach Angaben seines Präsidenten Lutze von Wurmb, seine Image- und PR-Kampagne der neuen Lage anzupassen. Die Schwerpunkte sollen künftig neben dem Privatgarten nun auch auf öffentlichen Investitionen für den Klimaschutz liegen.

Fördermittel und Zuschüsse in den Klimaschutz mit dem Stadtgrün zu verknüpfen, sei jetzt sehr wichtig.

Insgesamt sieht von Wurmb bislang jedoch keinen Einbruch im Marktgeschehen. Er sei deshalb "verhalten optimistisch". Auch, wenn sich die Lage in den nächsten Monaten verändern könne, so der BGL-Präsident. Bislang gebe es dazu aber nur Erwartungen. Genaues könne noch keiner sagen. Er erwarte, dass es den GaLaBau nicht so hart treffen werde wie den Automobil- und Flugzeugbau.

Krisengewinner wenn man es geschickt macht

Eine Durststrecke im Herbst hält Dr. Michael Marett-Foßen, Geschäftsführer des VGL Hamburg, für möglich. Firmen wie Restaurants oder Hotels könnten wegen geringer Liquidität von Projekten zum Umbau ihrer Außenanlagen in der zweiten Jahreshälfte zurücktreten. In Hamburg seien dem GaLaBau bereits Gewerbeunternehmen abgesprungen. Baden-Württembergs Geschäftsführer Bierig bleibt dennoch optimistisch: "Wenn wir es geschickt und gut machen, kann der GaLaBau ein Gewinner der Krise sein." cm

Durststrecke im Herbst? Wenn man es geschickt und gut macht, kann der GaLaBau ein Gewinner der Krise sein. Foto: Moritz Lösch, Neue Landschaft

Dieser Artikel erschien in der Ausgabe NEUE LANDSCHAFT 05/2020 .

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